Hallo,
er liegt flach, bewegt sich kaum, schafft es nicht aus der Bucht heraus. Aktuell liegt er auf einer Sandbank vor der Insel Poel, es steht nicht gut um den Buckelwal in der Ostsee.
Natürlich will ich wissen, wie es ihm geht. Und ich bin nicht die einzige, die sein Schicksal medial verfolgt. Womöglich liegt es daran, dass wir Wale so selten zu Gesicht bekommen. Wer kann sich schon eine aufwendige Whale-Watching-Tour in Kanada leisten, die dem Tier sowieso nicht guttut? Mein Kollege Nick Reimer widmet sich im Freitag der Frage, warum wir so gebannt am Ostseewal hängen und warum diese schwimmenden Säugetiere so ungewöhnlich sind. Wussten Sie zum Beispiel, dass es Hebammen-Wale gibt?
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Auch um ein anderes Problemtier drehen sich erhitzte Debatten. Den Wolf! Gerade wurde in einer Einkaufspassage in Hamburg eine Frau von einem Wolf gebissen, der dann weiter in Richtung Innenstadt lief. Das Tier ist in Deutschland jetzt offiziell zur Jagd freigegeben. Georg Seeßlen taucht tief in die Kulturgeschichte dieses mythischen Raubtiers und erklärt die komplizierte Beziehung zwischen Mensch und Wolf. In neueren Rotkäppchen-Versionen würde es den guten Wolf geben, Rotkäppchens Kumpel.
Da musste ich an das wunderbare Kinderbuch Ein Freund wie kein anderervon Oliver Scherz denken, das ich meinen Kindern vorgelesen habe. Darin begegnet das Erdmännchen Habbi einem verletzten Wolf, der von seinem Rudel verlassen wurde. Yaruk ist gefangen und Habbi hilft ihm. Obwohl Wölfe die natürlichen Feinde der Erdmännchen sind, entwickelt sich eine tiefe Freundschaft zwischen ihnen. Sie überwinden ihre Ängste und Vorurteile. Als der Wolf wieder bei Kräften ist, streifen sie zusammen durch die Wälder.
1. Heute wichtig
2. Made My Day
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➜ Die Gen Z liest und lobt den „Freitag“: In meinen Journalismus-Seminaren an einer Uni für Mode und Design erlebe ich oft Studierende, die noch nie im Leben eine Papierzeitung in der Hand hatten, geschweige denn regelmäßig lesen. Die meisten informieren sich über Instagram oder TikTok. Als sie neulich einige Ausgaben des Freitag (kritisch) lesen sollten, waren sie positiv überrascht. Sie fanden das Design„krass gut“, das würden sie sonst nur aus Magazinen kennen. Sie verschlangen Texte über KI und hatten bereits die Debatte um digitale Gewalt im Spiegel verfolgt und konnten an neuere Texte andocken.
Dann erzählten sie mir von einem „verstörenden“ TikTok-Trend, wo gerade KI-Früchte viral gehen (Beispiel: eine schwangere Wassermelone gebärt eine Traube, die Zitrone besteht auf einen Vaterschaftstest). Sie sagten, sie würden alle an diesen kurzen Clips hängen bleiben, weil sie so gut gemacht sind. Gleichzeitig würden dort sehr rückwärtsgewandte Männer- und Frauenbilder und zum Teil rassistische und sexistische Botschaften vermittelt. Sie redeten von Incels. Gute Einblicke, danke, Gen Z!
3. Kultur-Tipp
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➜ Gut zu hören:Buckle? Klingt wie Buckelwal. Aber über den hatte ich schon weiter oben geschrieben. Ich musste erstmal ins Netz: Ah, Buckle ist das englische Wort für Schnalle. So heißt der unwiderstehliche Song auf dem neuen Album Everybody Scream von der Rockband Florence + The Machine.
Das Lied fängt simpel an, ein paar Gitarrengriffe, klassischer Folk. Und dann ihre schnoddrige, feenhafte Stimme. Florence Welch singt von Liebeskummer, aber es klingt nicht jammernd oder selbstmitleidig. Sondern wie eine Massage. „A crowd of thousands came to see me, and you couldn’t reply for three days“ – „Tausende sind gekommen, um mich zu sehen, und Du konntest drei Tage lang nicht antworten“. Was für eine Zeile. Sie fragt, ob ihre Therapie das Geld wert ist, sie blockt seine Nummer und er merkt es nicht, sie dachte, sie sei zu alt für sowas. Aber sie ist „a buckle on your belt“ – „eine Schnalle an Deinem Gürtel“. Florence kann beides sein, schwach und selbstbewusst. Auch das ist Frauenpower.
4. Lese-Empfehlung
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➜ Siri Hustvedt im Filmporträt: Leben und Schreiben
Ich weiß noch, wie ich in den Neunzigern zufällig dieses Buch in die Hand bekam, eine Geschichte, die mich einerseits befremdet, andererseits gereizt hat. Die unsichtbare Frau von Siri Hustvedt. Da läuft eine junge Studentin durch New York und nimmt ihr Umfeld wie durch einen Schleier war, sie hat Kopfschmerzen und verstrickt sich in erotische Abenteuer.
Die Dokumentarfilmerin Sabine Lidl porträtiert Siri Hustvedt in Siri Hustvedt – Dance Around the Self. Der Film lief auf der Berlinale und wurde gerade für den Deutschen Filmpreis nominiert. Am 2. April kommt er bundesweit in die Kinos. Freitag-Autorin Silvia Bahl hat ihn für uns rezensiert. Er drehe sich aber nicht nur um die Autorin, sondern auch um Hustvedts interdisziplinäres Denken, so Bahl.
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Iris, eine tiefgründige junge Frau, ist aus der ländlichen Enge Minnesotas zum Studieren nach New York gezogen. Sie genießt die Auflösung in der Menschenmenge der Metropole und lässt sich tagtäglich durch die vertrauten Straßen treiben, in denen sie sich blind zurechtfindet. Im Aufzug ihres alten Mietshauses in der West 109th Street kommt es eines Tages zu einer Vergewaltigung.
Iris kennt das Opfer nicht, doch das Ereignis schreibt sich auf unheimliche Weise in ihr Leben ein. Sie beginnt, sich als Mann zu verkleiden und mit aggressiver Intensität unter falschem Namen im Nachtleben umherzustreifen. Anzug, Krawatte und Hut sind dabei nicht bloß schützende Rüstung, sondern Objekte innerer und äußerer Verwandlungen.
Iris ist ein Anagramm des Vornamen Siri. Die Protagonistin des Romans Die unsichtbare Frau (1993) verweist auf ihre Autorin und ist doch nicht einfach mit ihr identisch. Die Orte und das mit ihnen verbundene Erleben seien real, die Ereignisse jedoch nicht, erläutert die Schriftstellerin und Essayistin Siri Hustvedt beim Lesen aus ihrem literarischen Debüt vor der Kamera.
Feedback
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Das war’s von mir für heute, die Woche schwankt so langsam Richtung Ende. Und welche weiblichen Folksongs hören Sie so? Oder verfolgen Sie lieber Dokus über Wale?
Viele Grüße,
Ihre Maxi Leinkauf
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