In Kürze:

  • Rund 70 von 90 Ebusco-Elektrobussen der BVG sind wegen Rahmenrissen außer Betrieb
  • Kein Antriebsproblem, sondern Qualitätsmängel am Fahrzeugrahmen
  • Winterbedingte Einschränkungen bei E-Bussen auch in anderen Regionen Deutschlands
  • Diesel- und Hybridbusse bleiben vorerst unverzichtbar als Backup

 

In Berlin geht das winterliche Wetter auch am ÖPNV nicht spurlos vorbei. Bemerkbar macht sich das vor allem an den in China gefertigten und in den Niederlanden endmontierten Elektrobussen des Typs Ebusco 2.2. Wie die „Berliner Zeitung“ berichtet, haben die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) etwa 70 ihrer 90 vorhandenen E-Busse vorsorglich aus dem Verkehr gezogen. Zeitweise tritt sogar eine Situation ein, da die gesamte Ebusco-Flotte im Depot bleibe. Ebusco ist ein niederländischer E-Bus-Hersteller.

BVG will an dem Ziel festhalten: 550 E-Busse im Jahr 2028

Dabei ist es nicht einmal die elektrische Antriebstechnik als solche, die Probleme bereitet. Stattdessen zeigten sich bei einer Routinekontrolle Risse am Fahrzeugrahmen. Ein akutes Sicherheitsrisiko für die Benutzer sei damit nicht verbunden gewesen. Allerdings werde man seine Rechte aus der Garantievereinbarung geltend machen. Diese sieht allerdings auch vor, dass bis zur Reparatur der Fahrzeuge keine Einsätze mehr zur Fahrgastbeförderung stattfinden.

Insgesamt verfügt die BVG über mehr als 1.600 Busse. Diese absolvieren im Jahr insgesamt 450 Millionen Fahrten und mehr. Zum Ende des Vorjahres waren es 227 E-Busse, die zum Bestand gehörten. Dies bedeutet eine der größten E-Bus-Flotten des Landes, und bis Ende 2027 sollen es 550 sein.

Die nunmehrigen Unwägbarkeiten könnten nicht nur diesen Zeitplan durcheinanderbringen. Zudem fehlen dadurch zahlreiche Fahrzeuge, die für den Linienbetrieb gebraucht würden. Die BVG muss geplante Ausmusterungen aussetzen, da die Verkehrsgesellschaft gezwungen ist, ältere Diesel- oder Hybridmodelle länger einzusetzen.

Techniker klagten schon zuvor über Mängel bei Ebusco-Bussen

Es kommt zu Ausfällen, weil die Reserven beim Personal und bei den Fahrzeugen knapp sind. Sollte es dann auch noch Probleme bei U-Bahnen oder Straßenbahnen kommen, wird das Anmieten zusätzlicher Busse für Ersatzfahrzeuge erforderlich.

Bereits 2023 hatte die „Berliner Zeitung“ über Unwägbarkeiten bei der Indienststellung von Bussen der Ebusco-Flotte berichtet. Damals war die Rede von Lieferverzögerungen bei den 90 neuen E-Bussen. Ein Sprecher der BVG machte damals die Probleme in der Lieferkette dafür verantwortlich. So seien Chip-Engpässe und Lockdowns in Zuliefererländern Nachwirkungen der Corona-Krise.

Außerdem sollen der Ukrainekrieg und ein Brand im Werk eines Komponentenzulieferers dazu beigetragen haben, dass sich die Lieferung verschiebe. Zuletzt seien auch einige kundenspezifische IT-Systeme nicht verfügbar gewesen, und es habe mit der Lieferung und Einrichtung von Heiz- und Klimasystemen gedauert. Dies habe auch die Abnahme durch die BVG verzögert.

Ebusco musste 2024 eine existenzielle Krise überwinden

BVG-Techniker, mit denen das Blatt damals gesprochen hatte, bemängelten jedoch auch andere Aspekte. Sie sprachen von fehlendem Unterbodenschutz, falschen und schlechten Schweißnähten, Rost und abgebrochenen Gewindebohrern. Diese ließen schon damals Qualitätsprobleme und Ausfälle befürchten.

Ebusco war im Jahr 2024 in eine ernste wirtschaftliche Krise geschlittert, die einen Sanierungsplan erforderlich machte. Zuvor konnte man Lieferanten nicht bezahlen, musste Produktionen stoppen und konnte nur verzögert liefern, wie Geschäftsführer Christian Schreyer einräumte. Bis zuletzt habe es Unsicherheiten bezüglich Nachbesserungen und Kapazitäten gegeben.

Abseits der Reklamationen hinsichtlich der Ebusco-Busse in jüngerer Zeit hatte Berlin in der Vergangenheit fallweise auch bei anderen E-Bus-Modellen mit Problemen zu kämpfen. So blieb 2021 bei Fahrzeugen des Modells Solaris Urbino Electric bei Temperaturen zwischen minus 10 und minus 15 Grad die Reichweite hinter den zugesicherten Werten zurück.

E-Busse bereiten derzeit auch im Südwesten Probleme

Aufgrund des hohen Energiebedarfs mussten die Busse bei extremer Kälte früher als geplant an die Ladestation zurück. Die BVG sprach damals von einem lediglich kleinen Teil der Flotte. Auch hier war die Verkehrsgesellschaft dazu genötigt, Fahrten zu verkürzen oder auf Dieselbusse zurückzugreifen.
Offensichtlich ist Berlin derzeit nicht die einzige Stadt, deren E-Bus-Flotte im Winter gelegentlich Probleme bereitet. Wie der „Focus“ mitteilt, klagt im Südwesten des Landes Rhein-Neckar-Verkehr (RNV) über Einschränkungen im laufenden Betrieb – bedingt durch technische Probleme. Betroffen sind neu angeschaffte Busse des Typs Mercedes-Benz eCitaro G.

Schon im Dezember 2025 hätten sich Unwägbarkeiten angedeutet, die auftreten könnten, wenn die Fahrzeuge mit niedrigen Temperaturen konfrontiert seien. Schon bald hieß es, eine „vollständige Stabilisierung“ des Busverkehrs sei „zumindest kurzfristig nicht möglich“. Vorübergehend kam es sogar zu einer kompletten Einstellung der Linie 20 zwischen Karlstor und Neuenheimer Feld in Heidelberg.

Wenn es hart auf hart kommt: Der Diesel bleibt als Reserve unverzichtbar

Derzeit heißt es aus den Reihen von RNV, etwa die Hälfte der 48 neuen Fahrzeuge sei nicht einsatzbereit. Ein Sprecher äußerte, man gehe davon aus, dass „uns diese Schwierigkeiten noch einige Zeit begleiten werden“. Die Ursache seien frostbedingte Schäden an den Kompressoren der Busse. Neben der Batterie verfügen die Busse, die im Raum Heidelberg-Mannheim-Ludwigshafen zum Einsatz kommen, auch über eine 60-kW-Brennstoffzelle, die für zusätzliche Reichweite sorgen soll.

Um den Problemen bezüglich der Reichweite und möglicher Ausfälle gegenzusteuern, parken Verkehrsbetriebe E-Busse vermehrt nachts in Hallen und heizen diese vor, um die Einsatzfähigkeit zu sichern. Auch werden Reserven im Fahrplan vorgehalten. Am Diesel oder Hybrid als Backup kommt man hingegen bis dato bisher nicht vollständig vorbei.



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