Der anhaltend harte Winter macht sich bei den Heizkosten bemerkbar. Er trifft erschwerend auf die mit Jahresanfang stark gestiegenen Gas-Netzentgelte.
Deutliche Verteuerung
Vor allem in Wien kommt das die Österreicher teuer. Der monatliche Grundpreis stieg von vier auf fünf Euro netto, der Arbeitspreis für Haushalte bis 40.000 kWh von 2,4173 auf 2,8099 Cent pro Kilowattstunde netto. Das bedeutet für einen typischen Gas-Heizhaushalt mit 15.000 kWh Verbrauch – inklusive Messentgelt, sechs Prozent Gebrauchsabgabe und Umsatzsteuer – rund 90 Euro Mehrkosten pro Jahr allein für Netz und Zähler.
Komplizierte Heizkosten-Ermittlung
Die Gas-Netzkosten setzen sich typischerweise aus einem fixen Grundpreis pro Monat und einem variablen Arbeitspreis pro verbrauchter Kilowattstunde zusammen. Auf diese Netztarife kommen wiederum Abgaben und Steuern dazu.
In Wien besonders umstritten ist die Gebrauchsabgabe, eine kommunale Abgabe auf die Nutzung des öffentlichen Raums für Leitungen. Diese beträgt derzeit sechs Prozent, doch die rot-pinke Stadtregierung hat schon die Erhöhung auf sieben Prozent beschlossen.
Forderung nach Abgabenstreichung
Genau diese Erhöhung kritisiert die FPÖ und fordert die „ersatzlose Streichung“. So könnte sich ein Haushalt rund 35 Euro sparen, „ohne Antrag und ohne Bürokratie, sofort spürbar,“ wie der freiheitliche Wiener Energiesprecher Klemens Resch betont.
Ganz Österreich betroffen
Die Wiener Erhöhungen stehen nicht alleine da. Laut E‑Control werden die Gas-Netzkosten für Haushalte österreichweit mit Jänner 2026 im Durchschnitt um 18,2 Prozent steigen, was einem Plus von knapp 77 Euro im Jahr entspricht. Bereits 2025 waren die Netzentgelte im Schnitt um 16,6 Prozent angehoben worden. Seit 2024 ergibt sich damit ein kräftiger Gesamtanstieg.
Hausgemachte Teuerung
Die Gründe liegen in der Politik. Österreich darf seit Anfang 2025 keine Gas-Drehscheibe für russisches Pipeline-Gas mehr sein. Nach Schätzungen des Fachverbands Gas Wärme sind mindestens 70 Prozent des aktuellen Anstiegs der Netztarife auf diesen Rückgang zurückzuführen.
Die vorgelagerten Fernleitungskosten im Verteilnetz haben sich von 15 Millionen Euro (2024) auf rund 77 Millionen Euro (2026) mehr als verfünffacht – Kosten, die nun auf die inländischen Verbraucher umgelegt werden.
Schrumpfende Wirtschaft
Die heimische Industrie hat wegen Rezession und hoher Energiepreise in den vergangenen Jahren rund zehn Prozent weniger Gas verbraucht. Energieintensive Branchen wie Chemie, Glas, Papier oder Stahl haben ihre Produktion gedrosselt, stillgelegt, ausgelagert oder effizienter gestaltet.
2024 sank die Zahl der Gaszählpunkte um rund 3,1 Prozent auf etwa 1,2 Millionen. Es sind also weniger Haushalte und Betriebe, die sich die Fixkosten des Netzes teilen.
Milchmädchenrechnung
Die Fixkosten der Infrastruktur verteilen sich damit auf ein kleineres Volumen und weniger Kunden, womit der Netzentgelt-Anteil auf der Rechnung steigt. Im österreichweiten Schnitt machen die Netzentgelte mittlerweile etwa ein Fünftel des Gaspreises aus.
Abhängigkeiten machen teuer
Neben der Forderung nach Streichung der Gebrauchsabgabe stellt die FPÖ Wien vor allem die Fernwärme ins Zentrum ihrer Kritik.
Wer einmal an das Fernwärmenetz angeschlossen ist, hat kaum Alternativen – ein seit Jahren bekanntes Problem. Anders als bei Strom oder Gas kann der Anbieter in der Regel nicht gewechselt werden, und in manchen Neubauten kann der Fernwärmeanschluss sogar behördlich vorgeschrieben sein.
Rote Stadtregierung kassiert besonders ab
Schon im Vorjahr hatten Analysen von Preisvergleichen enorme Unterschiede bei Fern- und Nahwärmepreisen quer durch Österreich gezeigt. Und Wien im Spitzenfeld der teuren Standorte, auch wenn einzelne Extremwerte (etwa zentrale Gaskessel) die Statistik verfälschen.
Die Wien Energie, im 100-Prozent-Eigentum der rot regierten Stadt, wies damals auf strukturelle Unterschiede hin: Ein großstädtisches Netz mit tausenden Abnehmern, hoher Gasabhängigkeit und langfristigen Investitionen sei nicht mit kleinen Biomasseanlagen auf dem Land vergleichbar.
Verantwortung liegt beim Bürgermeister
Aktuell erinnert Resch daran, dass der Fernwärme-Höchstpreis in Wien behördlich per Preisbescheid festgelegt wird und Bürgermeister Michael Ludwig als Landeshauptmann dafür nicht nur politisch, sondern auch rechtlich verantwortlich sei.
In einem „Zwangssystem“, wie Resch die Fernwärme nennt, sei jede Preiserhöhung „ein Schlag ins Gesicht der Wiener“. Die FPÖ fordert daher eine „spürbare Senkung“ dieses Höchstpreises und ein Ende weiterer Gebühren- und Abgabenerhöhungen.