Im Gespräch mit Kurier-Chefredakteurin Martina Salomon ließ der Salzburger ÖVP-Alt-Landeshauptmann Franz Schausberger vor allem in der Gender-Politik kein gutes Haar an seiner Partei.
Es ist leider oft so: Geht man als Politiker in Pension, fällt der Druck der Parteilinie weg und man kann offen über interne Fehlentwicklungen sprechen. Das tat vor Kurzem auch Franz Schausberger (76), von 1996 bis 2004 Landeshauptmann von Salzburg, im „Salon Salomon“.
“Die bürgerliche Mitte hat geschwiegen”
Schausberger übte Kritik an den Universitäten, von wo die ganze Diskussion über Wokeness, Cancel Culture und Gendern ausgehe. Er mache sich „wirklich große Sorgen“, dass das so strikt und diktatorisch gemacht werde. Man lasse gar keine andere Meinung mehr zu. Daraus sei beim Großteil der Menschen ein Frust entstanden. Wörtlich sagte Schausberger:
Und was ist passiert: Die bürgerliche Mitte hat geschwiegen. Aus Feigheit, aus Anpassung oder was weiß denn ich.
Gestärkt wären dadurch jene geworden, die die Linken eigentlich verhindern wollten, nämlich die Rechten, „die sich da ohne Genierer dagegen aufgelehnt haben“.
Von Medien schlecht behandelt
Interessant auch die Aussage von Schausberger zu den Medien, die er dafür kritisierte, dass sie – seiner Meinung nach – die bürgerliche Mitte schlecht behandeln würden. Mit der bürgerlichen Mitte meinte der Alt-Landeshauptmann freilich seine Partei, die ÖVP. Da dürfte Schausberger wohl ins Narrativ der Partei zurückgefallen sein, denn auch ihm dürfte der Einfluss der Raiffeisen-Medien in Österreich nicht verborgen geblieben sein. Und diese kann man bei Gott nicht als ÖVP-feindlich bezeichnen.