Die Staatsschulden der Bundesrepublik klettern weiter nach oben. Nach aktuellen Berechnungen der Deutschen Bundesbank stieg der Schuldenberg des Gesamtstaates im Jahr 2025 um 144 Milliarden Euro auf nun 2,84 Billionen Euro.

Schuldenrekord mit Ansage

Damit setzt sich der Trend steigender Verschuldung fort.

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Die kräftigste Bewegung kommt aus Berlin: Allein der Bund inklusive seiner Extrahaushalte steht für ein Plus von 107 Milliarden Euro. Im Jahr zuvor waren es noch 36 Milliarden gewesen. Die Neuverschuldung des Bundes hat sich damit nahezu verdreifacht. 

Länder und Kommunen stehen nicht nach

Auch die Länder und Kommunen schreiben tief-rote Zahlen: Die Verbindlichkeiten der Bundesländer nahmen um 19 Milliarden Euro zu, die der Gemeinden um 25 Milliarden Euro.

Die Sozialversicherungen erhöhten ihre Schulden von drei auf sieben Milliarden Euro; diese werden wegen ihres überwiegend innerstaatlichen Charakters jedoch nicht vollständig im gesamtstaatlichen Schuldenstand berücksichtigt.

34.000 Euro Schulden pro Kopf

Umgerechnet auf die Bevölkerung bedeutet der neue Schuldenstand eine rechnerische Last von knapp 34.000 Euro pro Kopf – nach rund 30.000 Euro Ende 2024.

Schuldenquote über Maastricht-Grenze

Mit den neuen Krediten steigt die Schuldenquote auf 63,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Damit liegt die Bundesrepublik erneut über der im Maastricht-Vertrag vereinbarten Obergrenze von 60 Prozent und das bereits im sechsten Jahr in Folge. 

Rein rechnerisch hätte der zusätzliche Schuldenstand die Quote sogar um gut drei Prozentpunkte nach oben treiben können. Dass der Anstieg geringer ausfällt, ist dem wachsenden nominalen BIP zu verdanken, das dämpfend wirkt. Ohne neue Kredite wäre der Schuldenanteil an der Wirtschaftsleistung laut Bundesbank sogar um etwa zwei Prozentpunkte gesunken.

Sondervermögen: Schulden wachsen noch kräftig

Eine Schlüsselrolle in der Entwicklung spielen die sogenannten Sondervermögen – kreditfinanzierte Extrahaushalte, mit denen der Staat große Projekte finanziert, ohne sie vollständig im Kernhaushalt abzubilden. 

Nach dem 100-Milliarden-Euro-Fonds für die Bundeswehr ist 2025 ein weiteres großes Programm angelaufen: das „Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität“ mit einem geplanten Volumen von 500 Milliarden Euro über zwölf Jahre.

Umgehung der Schuldenbremse

In der aktuellen Schuldenstatistik taucht davon erst ein Bruchteil auf: Rund 24 Milliarden Euro neue Kredite wurden 2025 daraus abgerufen. Der Großteil der Belastung wird erst in den kommenden Jahren sichtbar werden.

Diese Konstruktionen stehen im Zentrum der politischen Debatte: Kritiker sehen in ihnen eine Umgehung der Schuldenbremse, Befürworter betonen, nur so ließen sich dringend benötigte Investitionen in Verteidigung, Energie- und Verkehrsinfrastruktur sowie Klimaschutz finanzieren.

Verfassungsklage wegen Zweckentfremdung

Laut Medienberichten haben FDP-Politiker Verfassungsklage gegen das im vergangenen Jahr verabschiedete Infrastruktur-Sondervermögen eingereicht, nachdem das Ifo-Institut ans Tageslicht brachte, dass das Sondervermögen fast vollständig zweckentfremdet wird.

Nationale Schulden plus europäische Verpflichtungen

Hinzu kommt, dass Deutschland nicht nur eigene Schulden aufnimmt, sondern auch an der gemeinsamen europäischen Verschuldung beteiligt ist.

Die EU hat seit 2021 umfangreiche Kredite für Wiederaufbauprogramme nach der Corona-Krise und für Hilfen an die Ukraine aufgenommen. 

Zusätzliche rund 118 Milliarden Euro Schulden

Der konsolidierte Schuldenstand der EU-Institutionen lag 2025 bei rund 477 Milliarden Euro. Aufgrund seines hohen Beitrags zum EU-Haushalt trägt Deutschland daran rechnerisch etwa ein Viertel – rund 118 Milliarden Euro oder etwa 2,6 Prozent der deutschen Wirtschaftsleistung.

Prognosen: Schuldenquote dürfte weiter steigen

Trotz dieser schweren Hypothek für künftige Generationen ändert die Regierung ihre Politik nicht.

Das Kieler Institut für Weltwirtschaft etwa erwartet, dass die Schuldenquote bereits in diesem Jahr auf etwa 65 Prozent steigt und bis 2027 auf rund 66,6 Prozent klettern könnte. Getrieben wird diese Entwicklung vor allem von den beschlossenen und geplanten Milliardenausgaben für militärische Aufrüstung und Klimaschutz sowie Infrastruktur.



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