Mein Großvater war ein militanter Mittagsschläfer.
Wer ihn während seiner einstündigen Ruhephase störte, tat dies auf eigene Gefahr.

Geht es nach den Autoren einer relativ neuen Studie, dann müsste ihm sein Mittagsschlaf einen gewissen Schutz vor neurodegenerativen Erkrankungen gewährt haben, einen Schutz, den er vielleicht marginal relativ, nicht aber absolut hatte, denn er ist an Parkinson erkrankt und verstorben.

Vielleicht hatte er die falschen Gene, gehörte nicht zu denen, die „liable“ anfällig für Mittagsschläfchen sind. 123 Gene haben entsprechend Motivierte im Genom von Menschen entdeckt, denen sie eine einschläfernde Intention zu schreiben, 123 Gene, die man anhand des Ausmaßes ihrer einschläfernden Wirkung weiter unterteilen kann. Dazu muss man sie indes erst einmal identifizieren. Paz et al. (2023) haben dies für 487.409 Briten, deren Daten in der UK Biobank verfügbar sind, getan und bei 452.663 von ihnen schläfrig machende Gene gefunden. Eine Verbreitung von 93% dieser Gene nimmt dem Sample eine gehörige Portion an Varianz, macht die entsprechenden Gene so normal, dass man, angesichts weit verbreiteter Arbeitszeiten, die die Mittagszeit umfassen, eher von Irrelevanz oder Freak-Messung ausgehen muss. In schöner statistischer Sprache: Von einem Artefakt, etwas, das es nur in der Vorstellung derer gibt, die es messen, nicht in der Welt des Gemessenen.

Für Paz et al. (2023) sieht diese Vorstellungswelt wie folgt aus: Neurodegenerative Erkrankungen und der Rückgang kognitiver Fähigkeiten, so zeigen manche Studien, stehen in einem Zusammenhang mit einem kleiner werdenden Gehirnvolumen. Rund 0,2% bis 0,5% Volumen verliert das Gehirn ab der Grenze von 35 Jahren, ein Abbau dessen, was bis dahin nicht gebraucht wurde, wie man annehmen könnte. Paz et al. (2023) sehen darin indes den Weg in die kognitive Störung und Demenz, denn bei Dementen und Personen mit Gehirnen im neurodegenerativen Niedergang, wurde ein vergleichsweise geringeres Gehirnvolumen festgestellt.

Alter = geringeres Gehirnvolumen, geringeres Gehirnvolumen = Demenz. Fehlt noch der Schlaf: Schlafstörungen (Insomnia etc.) werden in ihrer Konsequenz mit deutlicher schrumpfendem Gehirnvolumen in Verbindung gebracht. Mittagsschlaf, so die Hypothese, muss sich folglich positiv auf die kognitiven Fähigkeiten auswirken und den Abbau von Gehirnvolumen verringern.

Die Kausalkette, die sich nun in der Vorstellungswelt von Paz et al. (2023) bildet, sie lautet:

  • Mit zunehmendem Alter wird das Gehirnvolumen kleiner,
  • mit zunehmendem Alter gibt es eine höhere Wahrscheinlichkeit für neurodegenerative Erkrankungen.
  • Neurodegenerative Erkrankungen stehen in einem Zusammenhang mit einem relativ kleineren Gehirnvolumen.
  • Schlafmangel wird mit einem relativ kleineren Gehirnvolumen in Verbindung gebracht.
  • Daraus folgt: Schlafmangel reduziert Gehirnvolumen erhöht die Gefahr von kognitivem Funktionsverlust und neurodegenerativer Erkrankung.
  • MIttagsschlaf beugt dem vor.

Gesagt, getestet, und vor dem Hintergrund einer per Hauptkomponentenanalyse über die rund 6.2 Milliarden Nukleotide, angeordnet in rund 3,1 Milliarden Basenpaare im menschlichen Genom, Gruppen von Personen aus der UK Biobank gebildet, die eine besondere Häufung von 123 bzw 84 usw. Nukleotiden aufgewiesen haben, die Schläfrigkeit erhöhen (sollen). Wozu das ganze, das ist uns nicht ganz klar. Aber warum auch nicht …?

Die Autoren nutzen bei rund 35.080 Personen Ergebnisse von Magnetresonanztomographien, bei 487.409 Personen nutzen sie Ergebnisse kognitiver Tests und alles wir verrürht mit der Selbstauskunft der Befragten, ob sie denn einen Mittagsschlaf halten, regelmäßig oder gelegentlich oder nicht. Die Ergebnisse sind teils-teils und überwiegend enttäuschend, denn weder der Hippocampus will in Kombination mit dem selbst-berichteten Mittagsschlaf weniger schrumpfen, noch ergeben sich irgendwelche signifikanten Unterschiede zwischen denen, die Mittags schlafen und denen, die es nicht tun und ihren jeweiligen kognitiven Fähigkeiten. Was die Autoren finden, ist ein etwas größeres Gehirnvolumen bei denen, die Mittags schlafen, ein Ergebnis, das sie sogleich nutzen, um die Medien mit ins Boot zu holen und eine Verringerung des Alterungsprozesses unseres Gehirns (Volumenreduktion wird nun zum Alterungsprozess) um zwischen 2.5 und 6.5 Jahren per Mittagsschlaf zu verkünden.

Pixabay

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Pixabay

Schlaft und ihr bleibt geistig fit, so die Message dieser Leute, von der sie sich auch nicht dadurch abbringen lassen, dass ihre eigenen Messungen keinerlei Unterschied in geistiger Fitness zwischen denen, die Mittags schlafen und denen, die es nicht tun, zeigen. Ein für die Autoren „überraschendes Ergebnis“, das sie indes nicht dazu bringt, die eigene Argumentation zu überdenken, sondern nach Variablen suchen lässt, die den Zusammenhang, den sie zwar nicht finden, von dem sie – wie alle Gläubigen – aber wissen, dass es ihn gibt, verdecken könnten – ohne dabei über fragwürdige Spekulation hinauszukommen.

Assuming a linear decline between 0.2% and 0.5% per year, our finding of a larger total brain volume (ie, 15.8 cm3 ≈ 1.3% difference) in those who habitually nap is approximately equivalent to 2.6-6.5 years of difference in aging. In addition, this difference approximately equates to the difference in brain volume between people with normal cognitive function and mild cognitive impairment.

[…]

We were surprised by the lack of a causal link between daytime napping and our cognitive outcomes, especially visual memory, given the evidence of cross-sectional, observational associations between daytime napping and memory …“

Indes, der implizite Rat, Mittagsschläfchen zu halten, um dem kognitiven Niedergang vorzubeugen, ist ein zweischneidiges Schwert, wie die Meta-Analyse zeigt, die Yang et al. (2024) ein Jahr nach Erscheinen des Beitrags von Paz et al. (2023) und unter Einbezug von deren Arbeit veröffentlicht haben:



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