Mir ist klar: Dieser Gastbeitrag von Klaus Kelle wird manchen Leser herausfordern. Gut so. Denn wer hier mitliest, weiß, dass ich mich keiner Partei, keiner Bewegung und keinem Lager verpflichtet fühle. Natürlich habe ich meine Sympathien – aber eben keine Dogmen und keine Scheuklappen. Mein Maßstab ist das kritische Denken. Und das heißt auch: eigene Überzeugungen hinterfragen, Widerspruch zulassen, Vielfalt aushalten.
Würde ich Gastautoren aussortieren, nur weil ihre Meinung aneckt, hätte ich meinen Beruf verfehlt. Und ich würde Sie, liebe Leser, behandeln wie unmündige Kinder – so wie es viele Journalisten in den Staatsmedien längst tun. Und leider auch immer öfter in der sogenannten Gegenöffentlichkeit.
Klaus Kelle vertritt in diesem Text eine klare Haltung – die nicht jedem gefallen wird. Aber wer es ernst meint mit Meinungsfreiheit, echter Debatte und geistiger Unabhängigkeit, der sollte sich keine Einheitsmeinung wünschen. Auch nicht auf Seiten, die anders ticken als der Mainstream. Und schon gar nicht auf Seiten, die dessen Mechanismen bloß spiegeln – seitenverkehrt, aber im Kern ebenso autoritär.
Sie haben jedes Recht, anderer Meinung zu sein als Klaus Kelle. Sie haben jedes Recht, dafür Respekt einzufordern. Aber Klaus Kelle hat eben auch jedes Recht, diese Meinung zu haben. Denn wer nur Meinungen duldet, die ihm gefallen, ist nicht für Meinungsfreiheit – sondern für betreutes Denken. Und davon haben wir in Deutschland weiß Gott genug. Und wer nur noch liest, was er sowieso schon denkt, kann sich den Strom fürs Internet auch sparen – und sich gleich ein Standbild von sich selbst an die Wand hängen.
Ein Gastbeitrag von Klaus Kelle
Dass sich Thüringens schillernder AfD-Chef und rechter Flügelmann seiner Partei, Björn Höcke, zu Höherem berufen fühlt, daraus macht der Mann keinen Hehl. Den Ministerpräsidenten im Freistaat traut er sich zu – und viele Bürger in Thüringen tun das wohl auch, wenn man auf die Umfragen schaut.
In der vergangenen Woche spulte Höcke, ostdeutscher Volkstribun aus Lünen in Westdeutschland, am Rednerpult des Thüringer Landtags eine wahre Gruselshow ab.
Er rief die Abgeordneten und damit die Öffentlichkeit dazu auf, sich vorzustellen, wie ihre Kinder und Enkel mit abgerissenen Armen und Beinen in einem Minenfeld verbluteten oder in einem Panzer verbrennen. Oder als Kriegsgefangene gefoltert würden, denen man erst die Ohren abschneide, dann die Genitalien und schließlich die Augen aussteche.
Landtagssitzungen im Thüringer Landtag haben etwas ganz Eigenes
Die unsägliche Rede Höckes fand im Rahmen einer Aktuellen Stunde statt, die die AfD-Fraktion beantragt hatte, um unter dem Titel „Kriegsrhetorik und Wehrpflichtdebatte: die Zukunft der Thüringer Jugend muss der Frieden, nicht der Krieg sein“ auf die Tagesordnung des Hohen Hauses gehievt hatte.
Höcke polemisierte gegen die geplante Einführung einer Wehrpflicht, verbunden mit der Erfassung aller jungen Männer im wehrfähigen Alter.
Wie groß die Heuchelei bei Höckes martialischem Auftritt war, ist nicht nur daran zu erkennen, dass Kampfeinsätze deutscher Wehrpflichtiger in der Ukraine qua Gesetz verboten sind. Und niemand, wirklich niemand in Deutschland, plant so etwas. Es ist völlig abstrus und wirr, aber bei einem Teil der Bevölkerung können Politiker mit solchem gefährlichen Unfug punkten.
Der CDU-Abgeordnete Christoph Zippel widersprach Höcke im Landtag energisch und sagte: „Kein neuer Wehrdienstleistender wird in die Ukraine geschickt. Es findet nicht statt. Aber Sie erfinden es trotzdem. Sie schüren diese Angst bei Eltern und jungen Menschen in ganz Thüringen, weil Sie eben mit Verunsicherung Stimmen gewinnen wollen.“
Amen!
Doch Höcke überdreht weiter
Was solle man denn in Deutschland verteidigen, fragt der AfD-Chef und verweist auf „Dragqueen-Auftritte in Kindergärten“, und solche hat es – na klar – in Berlin tatsächlich gegeben. Aber unsere Bundeswehr ist nicht dazu da, Dragqueen-Auftritte zu verteidigen, sondern die Kinder, die in ganz Deutschland in diesen Einrichtungen betreut werden, und deren Leben wie das von uns allen durch russische Raketen und Sabotageakte bedroht werden.
Das allerdings fällt dem selbsternannten Superpatrioten Höcke nicht ein. Erst müsse das Land wieder „ein Staat der Deutschen“ werden, bevor ein junger Deutscher „zwangsweise wieder in Uniform antreten soll“.
Höckes Rede ist Demagogie pur, aber zweifellos wirkt sie. Und die AfD hat wie in Sachsen-Anhalt und Sachsen eine echte Machtperspektive als Partei der Kreml-Lautsprecher, zusammen mit den Genossen von der Putin-Fanpartei BSW.
Während im Rest Deutschland fieberhaft daran gearbeitet wird, die Versäumnisse der vergangenen 20 Jahr bei der Bundeswehr zu reparieren, arbeitet ein Teil der AfD gegen das eigene Land. Nicht DIE AfD, aber ein Teil, und das nicht nur in den Ost-Bundesländern.
Wenn Sie so etwas aussprechen, dann werden Sie von diesen Leuten mit Beschimpfungen und Kübeln von Schmutz überschüttet, das muss man wissen.
Aber es darf uns nicht davon abhalten, die Fakten und die Gefahr zu benennen, die diese Politik wirklich für das Leben unserer Kinder und Enkel bedeutet.
Patrioten? Dass ich nicht lache…
Patriotismus, das ist die Liebe, Loyalität, Hingabe und das starke Gefühl der Zugehörigkeit zum eigenen Land. Da gibt es keine Einschränkung, je nachdem, ob einem die Regierung gefällt oder das Fernsehprogramm der ARD. Ein Patriot steht immer für sein Land ein und betreibt niemals das miese Geschäft seiner Feinde.
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Gastbeiträge geben immer die Meinung des Autors wieder, nicht meine. Und ich bin der Ansicht, dass gerade Beiträge von streitbaren Autoren für die Diskussion und die Demokratie besonders wertvoll sind. Ich schätze meine Leser als erwachsene Menschen und will ihnen unterschiedliche Blickwinkel bieten, damit sie sich selbst eine Meinung bilden können.

Klaus Kelle, Jahrgang 1959, gehört laut Focus-online zu den „meinungsstärksten Konservativen in Deutschland“. Der gelernte Journalist ist jedoch kein Freund von Schubladen, sieht sich in manchen Themen eher als in der Wolle gefärbten Liberalen, dem vor allem die Unantastbarkeit der freien Meinungsäußerung und ein Zurückdrängen des Staates aus dem Alltag der Deutschen am Herzen liegt. Kelle absolvierte seine Ausbildung zum Redakteur beim „Westfalen-Blatt“ in Bielefeld. Seine inzwischen 30-jährige Karriere führte ihn zu Stationen wie den Medienhäusern Gruner & Jahr, Holtzbrinck, Schibsted (Norwegen) und Axel Springer. Seit 2007 arbeitet er als Medienunternehmer und Publizist und schreibt Beiträge für viel gelesene Zeitungen und Internet-Blogs. Dieser Beitrag ist zuerst auf seinem Portal the-germanz.de erschienen.
Bild: Ryan Nash Photography/Shutterstock
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