Am Dienstag ist Singles Day: Auch in Deutschland lockt dieses größte Online-Shopping-Event der Welt mit unschlagbaren Rabatten. Doch wie günstig sind die wirklich?

Chemnitz.

Der Black Friday und der Cyber Monday haben sich bei Schnäppchenjägern in Deutschland längst etabliert. Um den Single’s Day am 11.11. kommt inzwischen aber auch niemand mehr so einfach herum: Der gilt nämlich mittlerweile sogar als der umsatzstärkste Online-Shopping-Tag der Welt. Ob Media Markt, Conrad, Christ, Flaconi, Douglas oder Eventim, sie alle locken mit Rabatten. Selbst Marktkauf, Netto und Lidl machen mit. Inzwischen nehmen über 200 Unternehmen in Deutschland an diesem Aktionstag teil.

So kam es zu dem Single’s Day

Dabei wurde der 11.11. ganz bewusst als Datum ausgewählt: Ins Leben gerufen worden ist der Single’s Day nämlich ursprünglich von vier Studenten der Universität Nanjing als Gegenstück zum Valentinstag unter dem Motto „Liebe dich selbst“. Die vier Einsen stehen in China symbolisch fürs Alleinsein. Die Idee dahinter war anfangs, Partys zu veranstalten, um neue Leute kennenzulernen oder einen Partner zu finden. Zunächst feierten auch lediglich Männer an diesem Tag ihr Single-Dasein. Doch dann schlossen sich immer mehr Menschen diesem Event an, bis es sich schließlich über das Internet zu einem globalen Shopping-Ereignis entwickelte. Heute möchte in Deutschland jeder Zweite Aktionstage wie den Single’s Day, Black Friday oder Cyber Monday nicht mehr missen. Vor allem die jüngeren Altersklassen (18 bis 39 Jahre) halten an diesen Aktionstage nach Schnäppchen Ausschau. Das geht aus einer Studie der Gesellschaft für Konsumforschung hervor.

Rabatte für Neukunden oft am größten

Auchfür diesen Singles Day am Dienstag wird wieder mit exklusiven Rabatten geworben. Dabei werden Neukunden bei Temu zum Beispiel mit besonders hohen Preisnachlässen geködert. Wer übers Handy shoppt und die jeweilige App dafür nutzt, dem gewähren viele Online-Riesen zudem noch einmal Schnäppchen-Konditionen. Normalerweise ist auch der US-Konzern Amazon bei großen Sale-Events kaum zu übersehen. Am Single’s Day hält sich der Versandriese aber weitestgehend zurück. Stattdessen konzentriert sich Amazon lieber auf die kommenden Aktionstage – den Black Friday am 28. November und den Cyber Monday am 1. Dezember.

Rabattschlacht beginnt immer früher

Dabei ziehen die Händler die vorweihnachtliche Rabattschlacht rund um den Black Friday immer weiter vor. Preisstudien belegten, dass es damit inzwischen mitunter bereits Ende Oktober losgehe, sagt WDR-Experte Jörg Marksteiner. Denn oft tätigen die Kunden schon da ihre Weihnachtseinkäufe oder verschobene Anschaffungen. Das sind also keine zusätzlichen Einkäufe. „Für die Händler bedeutet das: Sind sie an Black Friday nicht dabei, fehlt ihnen später Umsatz“, so Marksteiner.

Ersparnis oft geringer als gedacht

Dass es immer früher losgeht, heißt aber auch: Die Tage selbst – wie Black Friday, Cyber Monday oder Single’s Day – bieten gar keine Schnäppchen-Garantie, wie Analysen der Preisvergleichsplattform „Idealo“ belegen. Demnach sind jedes Jahr rund 65 Prozent der Artikel an Black Friday zwar tatsächlich billiger als im Vormonat Oktober. Aber zugleich ist auch mehr als jedes zweite der 10.000 untersuchten Produkte an einem anderen Tag im November am günstigsten. Die Ersparnis an den Aktionstagen ist also meistens viel kleiner als suggeriert – laut „Idealo“ beträgt sie lediglich bei jedem zehnten Produkt mehr als 20 Prozent. Der Durchschnittsrabatt aller untersuchten Produkte liegt demnach bei nur etwa sechs Prozent.

Experte: Preisvergleichsportale nutzen

Zudem schwankt der Rabatt je nach Kategorie. Als Faustregel hat Marksteiner ausgemacht: Bei neuen Smartphones und Tablets ist die Ersparnis meist kleiner und bei Fernsehern, Lautsprechern, Kosmetik und Mode ist meist mehr drin. „Aber bei sehr teuren Artikeln können sich auch wenige Prozente lohnen“, sagt Marksteiner.

Die Rabattwerbung der Händler sollte nicht kaufentscheidend sein, rät Marksteiner. Die versprochenen 30, 40 oder 50 Prozent Nachlass gaukelten oft nur ein tolles Angebot vor. Ganz wichtig sei es daher, zu schauen, auf was sich dieser Rabatt bezieht. Oft ist es die unverbindliche Herstellerempfehlung UVP. Die werde aber ohnehin nur selten verlangt und entspreche oft gar nicht mehr der aktuellen Marktlage, so Marksteiner „Wichtiger ist: Was hat der Artikel tatsächlich zuletzt im Handel gekostet und wieviel billiger ist er jetzt?“ Über alle Vergleichsportale können Kunden inzwischen leicht selbst herausfinden, ob ein Schnäppchen tatsächlich ein Schnäppchen ist.

Stiftung Warentest: Zwei von drei Produkten bei Temu und Shein durchgefallen

Experten warnen zudem vor vermeintlichen Schnäppchen bei Temu und Shein. Laut Stiftung Warentest gehen die niedrigen Preise dort nämlich häufig mit Sicherheitsmängeln einher. Von 162 untersuchten Produkten erfüllten demnach 110 die EU-Sicherheitsanforderungen nicht. So fanden sich Schadstoffe in Baby-Spieltüchern, giftige Schwermetalle in Schmuck und zu heiße Ladegeräte. Die Tester raten dazu, betroffene Produkte zu entsorgen, und veröffentlichten eine Warnliste mit Artikelnummern von unsicheren Produkten.

Auch die Verbraucherzentrale mahnt zur Vorsicht. So fehle bei Temu-Produkten häufig das CE-Zeichen, mit dem sich europäische Hersteller zur Einhaltung von Anforderungen an Sicherheit, Gesundheit und Umweltschutz verpflichten, oder es werde sogar gefälscht. In den Produktbeschreibungen fehlten häufig Größen und Gewichtsangaben, oft liege keine Bedienungsanleitung in deutscher Sprache bei, obwohl dies vorgeschrieben ist. Richten von Temu gekaufte Produkte nach der Einfuhr Schaden an, kann der jeweilige Käufer im Ernstfall dafür haften müssen. (juerg)



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