Dresscode schwarz, nur die Halstuch-Farben variieren: Linke gehen in Leipzig auf die Straßen – die einen gegen „rassistische No-Go-Zone der Angst“ in Connewitz, die anderen „gegen jeden Antisemitismus“. Wie das szeneintern kommentiert wird


Dem Aufruf, nach Leipzig zu fahren, schlossen sich bundesweit etliche pro-palästinensische Gruppen an.

Foto: Imago/EHL Media


Der Leipziger Südstadtteil Connewitz ist mit seiner bewegten Geschichte kein Ort, dem politische Proteste fremd wären. So etwas hat es aber selbst hier noch nicht gegeben: Dutzende Palästina-Fahnen an einem der zentralen Verkehrsknotenpunkte, im Lokalkolorit als „Connewitzer Kreuz“ bekannt. Dazu Hunderte Teilnehmer*innen einer Demonstration, die sich explizit gegen Institutionen des Leipziger Viertels richtet: das soziokulturelle Zentrum Conne Island und das Abgeordnetenbüro der lokalen Linken-Politikerin Juliane Nagel.

Zudem noch ein weiterer Anblick, den es im für seine linke Alternativkultur bekannten Connewitz nur äußerst selten, und wenn, dann kurz zu sehen gibt: Neonazis. Manchmal muss man genau hingucken, um die einschlägigen Insignien zu erkennen. Aber da sind sie doch: „Marsch für das Leben“, Thor Steinar, et cetera.

Wie kam es dazu? Vor einigen Wochen kündigte eine pro-palästinensische Gruppe namens Lotta Antifascista an, in Connewitz demonstrieren zu wollen. In einem Demoaufruf heißt es: „Man feierte im Conne Island, im linXXnet und auf den Straßen des Stadtteils unter US-Fahnen die Bomben, die der Imperialismus auf den Irak und Afghanistan warf und seine Völker zu Flüchtlingen machte.“

Gegenprotest aus SPD, Grünen, FDP und Deutsch-Israelischer Gesellschaft

Unterstützt wurde der Aufruf unter anderem von den Gruppen Migrantifa Leipzig und Handala. Letztere organisierte nach dem Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 und der darauffolgenden desaströsen israelischen Kriegsführung immer wieder antiisraelische Kundgebungen und Demonstrationen in Leipzig. Bis Dezember vergangenen Jahres war Handala ein eingetragener Verein, der vom sächsischen Verfassungsschutz als „extremistisch“ betrachtet wurde. Ende vergangenen Jahres löste sich der Handala e.V. formal auf, die Gruppe agiert unter dem Namen aber nach wie vor in den sozialen Medien.

Dem Aufruf, nach Leipzig zu fahren, schlossen sich bundesweit etliche pro-palästinensische Gruppen an. Aufmerksam machen wollten sie laut eigenen Aussagen auf Gewalt, die sich in Connewitz gegen palästinasolidarische Menschen richten würde. Als Beispiele werden hierfür Übergriffe auf einzelne Personen genannt, unter anderem ein Angriff Vermummter auf einen Infotisch der Studierendengruppe „Students for Palestine“. Für die Demo-Anmelder*innen zeigten sich bei dem Vorfall „zionistische Schlägerbanden“, die in Connewitz marodierten, Handala bezeichnete das Viertel als „rassistische No-Go-Zone der Angst“.

Daraufhin formierte sich Gegenprotest. Ein Zusammenschluss aus SPD, Grünen, FDP sowie der Deutsch-Israelischen Gesellschaft trat unter dem Slogan „Leipzig gegen jeden Antisemitismus“ auf. Die Linkspartei befand offenbar, dass man an dem sich abzeichnenden Konflikt nichts zu gewinnen hätte. Zwar solidarisierte sich der Stadtverband mit Juliane Nagel und dem Conne Island, trommelte aber nicht selbst zur Demonstration.

Juliane Nagel von der Linkspartei hält eines der Direktmandate hier

Leipzig-Connewitz gilt als linke Oase im sonst fast flächendeckend rechts wählenden Sachsen. Bei der jüngsten Landtagswahl 2024 erlangte die Linkspartei hier eins von zwei Direktmandaten – unter anderem jenes von Juliane Nagel.

Weil der angekündigte Protest aber auch das antifaschistische Selbstverständnis einer eher parteilosen linken Subkultur in Connewitz berührt, die gelegentlich unter dem Schlagwort „antideutsch“ beschrieben wird, formierten sich schnell weitere Kundgebungen, etwa unter den Slogans „Enough is enough – kein Frieden mit Antisemit*innen“ und „All Connewitzer Are Beautiful“. Auch für die proisraelischen Kundgebungen wurde deutschlandweit mobilisiert.

Von da an entwickelte das Geschehen eine gewisse Eigendynamik. Die Satirepartei Die Partei versuchte mit dem Motto „Stromausfall und Bombenhagel, Schuld hat nur Juliane Nagel“ ihrerseits humoristisches Kapital aus dem sich ankündigenden Chaostag zu schlagen. Die rechtsextreme Kleinpartei Freie Sachsen kündigte an, auf dem Connewitzer Kreuz Popcorn verteilen zu wollen, eine entsprechende Kundgebung kam letztlich aber nicht zustande. Dennoch waren die Zutaten für einen wilden Demo-Tag ausreichend vorhanden, ausgerechnet enorm nah am zehnjährigen Jubiläum eines bekannt gewordenen Neonazi-Überfalls in Connewitz. Auch zahlreiche Youtuber und Streamer aus dem rechten und verschwörungsideologischen Spektrum witterten eine Chance auf unterhaltsamen Content.

Kein pro-palästinensischer Aufzug bis vor Conne Island

Sie wurden zumindest nicht vollständig enttäuscht: Am Mittag schon herrschte in Connewitz Ausnahmezustand. „Links gegen Links?! Deswegen hassen euch ALLE!“, hat jemand auf eine Wand im Leipziger Süden gesprüht. Kurze Zeit später lief hier ein streng von der Polizei bewachter Pulk vorbei. Angekommen am symbolträchtigen „Kreuz“, packten die Protestierenden ihre Palästina-Fahnen aus und legten ihre Kufiyas an. Da warteten schon mehrere Hundert Gegendemonstrant*innen auf sie, ihrerseits zum Teil mit Israel-Fahnen. Kurz darauf erreichte noch eine angereiste proisraelische Zubringer-Demo die Straßenkreuzung. Gegen 13 Uhr standen sich dann zwei größere Blöcke gegenüber, die jeder für sich den Begriff „Antifa“ reklamierten.

Die Polizei sprach von insgesamt 3.500 Teilnehmer*innen, knapp 1.500 sollen dabei zur pro-palästinensischen Seite gehört haben. Zu sehen waren erlebnisorientierte Antifa-Kids neben Connewitzer Altpunks, Schaulustige neben Politiker*innen wie dem sächsischen Innenminister Armin Schuster (CDU). Wären die Gruppen nicht von einem massiven Polizeiaufgebot überwiegend getrennt geblieben, es wäre schwergefallen, die Beteiligten auseinanderzuhalten. Neben der Antifa-Einheitsmontur – schwarze Jacke, Jeans, Sneaker – unterschieden sie sich zuweilen nur an der Farbe des Halstuchs: kariert, rot oder schwarz. Begleitet wurde der Aufzug von etwa 1.000 polizeilichen Einsatzkräften, die mit einer Iran-Demonstration sowie dem Spiel von RB Leipzig gegen Bayern München auch an anderer Stelle in der Messestadt gut zu tun hatten.

Stunden vor dem 17. Januar beschloss der Palästina-Demoverbund allerdings, nun doch nicht vors Conne Island und das linXXnet zu ziehen. Man richte sich nicht gegen „linke Räume“, sondern sei „für ein solidarisches Connewitz“. Der medial bereits kommunizierten Erzählung, in Leipzig drohe ein innerlinker Szenekrach, konnte das aber nicht mehr ernstlich etwas entgegensetzen.

Das Verhältnis zwischen linksextremer Subkultur und Palästinasolidarität in Leipzig

Trotz zuweilen hitziger Stimmung und verbaler Attacken („Antideutsche sind keine Linken“, „Lang lebe Israel“) blieb der große Knall aber aus. Verglichen mit anderen Protesten, wie etwa dem sogenannten „Tag X“ im Juni 2023 oder dem zuvor erwähnten Nazi-Überfall 2016, verlief dieser kühle Januartag in Connewitz einigermaßen friedlich. Nachdem die Polizei am Nachmittag nur von einigen „Identitätsfeststellungen“ sprach, kam es später wohl doch auch zu vorläufigen Festnahmen, unter anderem wegen Beleidigung und Volksverhetzung. Zu hören waren aus dem Palästina-Block etwa die Parole „Yallah, Yallah, Intifada“, die rechtlich in der Vergangenheit bereits als Aufruf zur Gewalt beurteilt wurde. Auch Verstöße gegen das zuvor erlassene Vermummungsgebot nannten die Behörden.

Szeneintern wurden die Demonstrationen von verschiedensten Gruppen kommentiert. Selbst eher palästinasolidarische Vereinigungen in Leipzig betrachteten den Auftritt von Handala und Lotta Antifascista aber kritisch. Die Rote Wende Leipzig formulierte ein Statement, in dem sie den Palästina-Aktivist*innen zwar ihre Solidarität aussprach, aber ergänzte, jene hätten „mit dem notwendigen, handfesten Kampf gegen das braune Gesindel vor den eigenen ostdeutschen Haustüren“ nie etwas zu tun gehabt. Trotz des kraftvollen Eindrucks scheint es so, als sei die ostdeutsche linke bis linksextreme Subkultur der Palästinasolidarität zwar nicht ganz abgeneigt, zöge bei Connewitz und seinen Institutionen aber eine gewisse rote Linie.

Der Druck auf soziokulturelle Zentren – durch den Stadtrat

In diesem Licht trug der 17. Januar in Leipzig wohl eher dazu bei, vorhandene Gräben zu vertiefen, während woanders das Wasser längst bricht. Denn obwohl Connewitz sowohl demografisch als auch politisch ein recht durchmischtes und in vielen Fällen typisch sächsisches – also auch: rechts wählendes – Stadtviertel ist, haben sich die Menschen hier schon oft erfolgreich gegen Attacken von rechts gewehrt, auch mit ideeller Unterstützung durch Juliane Nagel oder das Conne Island. Bis heute sieht man Connewitz den Stolz über das partikular ausgeprägte antifaschistische Selbstverständnis in Form von Plakaten, Stickern und Graffiti auch an. Und doch sind jahrzehntelang bestehende Institutionen wie das Conne Island bedrohter denn je, unter anderem durch die AfD, CDU und das BSW im Leipziger Stadtrat, die seit geraumer Zeit versuchen, die Förderung für solche soziokulturellen Zentren stark zusammenzukürzen.

Angesichts des scheinbar endlos fortschreitenden Rechtsrucks in Ostdeutschland hatten daher viele Leipziger*innen, auch außerhalb von Connewitz, für das Spektakel kaum mehr als Kopfschütteln übrig. Im Nachbarbundesland Sachsen-Anhalt wird dieses Jahr gewählt. In den Umfragen steht die AfD aktuell bei 40 Prozent.

linke Alternativkultur bekannten Connewitz nur äußerst selten, und wenn, dann kurz zu sehen gibt: Neonazis. Manchmal muss man genau hingucken, um die einschlägigen Insignien zu erkennen. Aber da sind sie doch: „Marsch für das Leben“, Thor Steinar, et cetera.Wie kam es dazu? Vor einigen Wochen kündigte eine pro-palästinensische Gruppe namens Lotta Antifascista an, in Connewitz demonstrieren zu wollen. In einem Demoaufruf heißt es: „Man feierte im Conne Island, im linXXnet und auf den Straßen des Stadtteils unter US-Fahnen die Bomben, die der Imperialismus auf den Irak und Afghanistan warf und seine Völker zu Flüchtlingen machte.“Gegenprotest aus SPD, Grünen, FDP und Deutsch-Israelischer GesellschaftUnterstützt wurde der Aufruf unter anderem von den Gruppen Migrantifa Leipzig und Handala. Letztere organisierte nach dem Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 und der darauffolgenden desaströsen israelischen Kriegsführung immer wieder antiisraelische Kundgebungen und Demonstrationen in Leipzig. Bis Dezember vergangenen Jahres war Handala ein eingetragener Verein, der vom sächsischen Verfassungsschutz als „extremistisch“ betrachtet wurde. Ende vergangenen Jahres löste sich der Handala e.V. formal auf, die Gruppe agiert unter dem Namen aber nach wie vor in den sozialen Medien.Dem Aufruf, nach Leipzig zu fahren, schlossen sich bundesweit etliche pro-palästinensische Gruppen an. Aufmerksam machen wollten sie laut eigenen Aussagen auf Gewalt, die sich in Connewitz gegen palästinasolidarische Menschen richten würde. Als Beispiele werden hierfür Übergriffe auf einzelne Personen genannt, unter anderem ein Angriff Vermummter auf einen Infotisch der Studierendengruppe „Students for Palestine“. Für die Demo-Anmelder*innen zeigten sich bei dem Vorfall „zionistische Schlägerbanden“, die in Connewitz marodierten, Handala bezeichnete das Viertel als „rassistische No-Go-Zone der Angst“.Daraufhin formierte sich Gegenprotest. Ein Zusammenschluss aus SPD, Grünen, FDP sowie der Deutsch-Israelischen Gesellschaft trat unter dem Slogan „Leipzig gegen jeden Antisemitismus“ auf. Die Linkspartei befand offenbar, dass man an dem sich abzeichnenden Konflikt nichts zu gewinnen hätte. Zwar solidarisierte sich der Stadtverband mit Juliane Nagel und dem Conne Island, trommelte aber nicht selbst zur Demonstration.Juliane Nagel von der Linkspartei hält eines der Direktmandate hierLeipzig-Connewitz gilt als linke Oase im sonst fast flächendeckend rechts wählenden Sachsen. Bei der jüngsten Landtagswahl 2024 erlangte die Linkspartei hier eins von zwei Direktmandaten – unter anderem jenes von Juliane Nagel.Weil der angekündigte Protest aber auch das antifaschistische Selbstverständnis einer eher parteilosen linken Subkultur in Connewitz berührt, die gelegentlich unter dem Schlagwort „antideutsch“ beschrieben wird, formierten sich schnell weitere Kundgebungen, etwa unter den Slogans „Enough is enough – kein Frieden mit Antisemit*innen“ und „All Connewitzer Are Beautiful“. Auch für die proisraelischen Kundgebungen wurde deutschlandweit mobilisiert.Von da an entwickelte das Geschehen eine gewisse Eigendynamik. Die Satirepartei Die Partei versuchte mit dem Motto „Stromausfall und Bombenhagel, Schuld hat nur Juliane Nagel“ ihrerseits humoristisches Kapital aus dem sich ankündigenden Chaostag zu schlagen. Die rechtsextreme Kleinpartei Freie Sachsen kündigte an, auf dem Connewitzer Kreuz Popcorn verteilen zu wollen, eine entsprechende Kundgebung kam letztlich aber nicht zustande. Dennoch waren die Zutaten für einen wilden Demo-Tag ausreichend vorhanden, ausgerechnet enorm nah am zehnjährigen Jubiläum eines bekannt gewordenen Neonazi-Überfalls in Connewitz. Auch zahlreiche Youtuber und Streamer aus dem rechten und verschwörungsideologischen Spektrum witterten eine Chance auf unterhaltsamen Content.Kein pro-palästinensischer Aufzug bis vor Conne IslandSie wurden zumindest nicht vollständig enttäuscht: Am Mittag schon herrschte in Connewitz Ausnahmezustand. „Links gegen Links?! Deswegen hassen euch ALLE!“, hat jemand auf eine Wand im Leipziger Süden gesprüht. Kurze Zeit später lief hier ein streng von der Polizei bewachter Pulk vorbei. Angekommen am symbolträchtigen „Kreuz“, packten die Protestierenden ihre Palästina-Fahnen aus und legten ihre Kufiyas an. Da warteten schon mehrere Hundert Gegendemonstrant*innen auf sie, ihrerseits zum Teil mit Israel-Fahnen. Kurz darauf erreichte noch eine angereiste proisraelische Zubringer-Demo die Straßenkreuzung. Gegen 13 Uhr standen sich dann zwei größere Blöcke gegenüber, die jeder für sich den Begriff „Antifa“ reklamierten.Die Polizei sprach von insgesamt 3.500 Teilnehmer*innen, knapp 1.500 sollen dabei zur pro-palästinensischen Seite gehört haben. Zu sehen waren erlebnisorientierte Antifa-Kids neben Connewitzer Altpunks, Schaulustige neben Politiker*innen wie dem sächsischen Innenminister Armin Schuster (CDU). Wären die Gruppen nicht von einem massiven Polizeiaufgebot überwiegend getrennt geblieben, es wäre schwergefallen, die Beteiligten auseinanderzuhalten. Neben der Antifa-Einheitsmontur – schwarze Jacke, Jeans, Sneaker – unterschieden sie sich zuweilen nur an der Farbe des Halstuchs: kariert, rot oder schwarz. Begleitet wurde der Aufzug von etwa 1.000 polizeilichen Einsatzkräften, die mit einer Iran-Demonstration sowie dem Spiel von RB Leipzig gegen Bayern München auch an anderer Stelle in der Messestadt gut zu tun hatten.Stunden vor dem 17. Januar beschloss der Palästina-Demoverbund allerdings, nun doch nicht vors Conne Island und das linXXnet zu ziehen. Man richte sich nicht gegen „linke Räume“, sondern sei „für ein solidarisches Connewitz“. Der medial bereits kommunizierten Erzählung, in Leipzig drohe ein innerlinker Szenekrach, konnte das aber nicht mehr ernstlich etwas entgegensetzen.Das Verhältnis zwischen linksextremer Subkultur und Palästinasolidarität in LeipzigTrotz zuweilen hitziger Stimmung und verbaler Attacken („Antideutsche sind keine Linken“, „Lang lebe Israel“) blieb der große Knall aber aus. Verglichen mit anderen Protesten, wie etwa dem sogenannten „Tag X“ im Juni 2023 oder dem zuvor erwähnten Nazi-Überfall 2016, verlief dieser kühle Januartag in Connewitz einigermaßen friedlich. Nachdem die Polizei am Nachmittag nur von einigen „Identitätsfeststellungen“ sprach, kam es später wohl doch auch zu vorläufigen Festnahmen, unter anderem wegen Beleidigung und Volksverhetzung. Zu hören waren aus dem Palästina-Block etwa die Parole „Yallah, Yallah, Intifada“, die rechtlich in der Vergangenheit bereits als Aufruf zur Gewalt beurteilt wurde. Auch Verstöße gegen das zuvor erlassene Vermummungsgebot nannten die Behörden.Szeneintern wurden die Demonstrationen von verschiedensten Gruppen kommentiert. Selbst eher palästinasolidarische Vereinigungen in Leipzig betrachteten den Auftritt von Handala und Lotta Antifascista aber kritisch. Die Rote Wende Leipzig formulierte ein Statement, in dem sie den Palästina-Aktivist*innen zwar ihre Solidarität aussprach, aber ergänzte, jene hätten „mit dem notwendigen, handfesten Kampf gegen das braune Gesindel vor den eigenen ostdeutschen Haustüren“ nie etwas zu tun gehabt. Trotz des kraftvollen Eindrucks scheint es so, als sei die ostdeutsche linke bis linksextreme Subkultur der Palästinasolidarität zwar nicht ganz abgeneigt, zöge bei Connewitz und seinen Institutionen aber eine gewisse rote Linie.Der Druck auf soziokulturelle Zentren – durch den StadtratIn diesem Licht trug der 17. Januar in Leipzig wohl eher dazu bei, vorhandene Gräben zu vertiefen, während woanders das Wasser längst bricht. Denn obwohl Connewitz sowohl demografisch als auch politisch ein recht durchmischtes und in vielen Fällen typisch sächsisches – also auch: rechts wählendes – Stadtviertel ist, haben sich die Menschen hier schon oft erfolgreich gegen Attacken von rechts gewehrt, auch mit ideeller Unterstützung durch Juliane Nagel oder das Conne Island. Bis heute sieht man Connewitz den Stolz über das partikular ausgeprägte antifaschistische Selbstverständnis in Form von Plakaten, Stickern und Graffiti auch an. Und doch sind jahrzehntelang bestehende Institutionen wie das Conne Island bedrohter denn je, unter anderem durch die AfD, CDU und das BSW im Leipziger Stadtrat, die seit geraumer Zeit versuchen, die Förderung für solche soziokulturellen Zentren stark zusammenzukürzen.Angesichts des scheinbar endlos fortschreitenden Rechtsrucks in Ostdeutschland hatten daher viele Leipziger*innen, auch außerhalb von Connewitz, für das Spektakel kaum mehr als Kopfschütteln übrig. Im Nachbarbundesland Sachsen-Anhalt wird dieses Jahr gewählt. In den Umfragen steht die AfD aktuell bei 40 Prozent.



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