In Kürze:
- Israel hackte über Jahre hinweg die Überwachungskameras in Teheran.
- Die Erstellung detaillierter „Pattern of Life“-Profile erfolgte mittels Algorithmen.
- Mossad, Einheit 8200 und Militärgeheimdienste arbeiteten zusammen.
- Der Angriff erfolgte mit präzisionsgelenkten „Sparrow“-Raketen.
- Strategische Neubewertung gezielter Tötungen seit dem 7. Oktober 2023 vonnöten.
Chamenei sollte keine Gelegenheit zum Untertauchen erhalten
Wie die FT berichtete, hatte Israel den Schlag gegen Chamenei bereits seit Jahren vorbereitet. Dafür hatten israelische Geheimdienste über Jahre hinweg fast alle Überwachungskameras in Teheran gehackt. Die Daten konnte man verschlüsselt nach Israel übertragen und dort auswerten. Auf diese Weise waren den Entscheidungsträgern in Jerusalem nicht nur die Örtlichkeiten bis ins Detail vertraut. Es ließen sich dadurch auch Tagesabläufe, Routinen und weitere Muster herausarbeiten.
Komplexe Algorithmen ermöglichten es den Diensten, detaillierte „Patterns of Life“, also Alltagsmuster, für potenzielle Ziele zu erstellen. Dies galt für die Funktionäre des Regimes ebenso wie für Leibwächter und Fahrer. Israel konnte auf diese Weise Wohnorte, Arbeitszeiten, Fahrtrouten und Schutzpersonen auskundschaften.
Außerdem gelang es am Tag des Angriffs auf den Gebäudekomplex, in dem sich Chamenei aufhielt, Mobilfunknetze in der Umgebung gezielt zu stören. Auf diese Weise gelang es, mögliche Warnungen zu verhindern.
Menschliche Quelle der CIA war vor Ort
An den Vorbereitungen des planvollen Schlages gegen den Obersten Führer des Iran waren mehrere Einrichtungen beteiligt. Zu den Stellen, die mit dem Auslandsgeheimdienst Mossad zusammenarbeiteten, gehörten die Signaleinheit 8200 und militärische Nachrichtendienste. Per „Social Network Analysis“ arbeiteten diese daran, Milliarden Datenpunkte auszuwerten, die man aus den Sammelaktivitäten gewonnen hatte.
Dadurch konnte man Entscheidungszentren und Zielpersonen identifizieren. Allerdings war im Vorfeld des Vorgehens gegen Chamenei auch eine menschliche Quelle der CIA vor Ort. Deren Aufgabe war es, die Anwesenheit des Zielobjekts zu bestätigen.
Theoretisch wäre eine gezielte Tötung Chameneis bereits bei früheren Gelegenheiten möglich gewesen. Der Oberste Führer hatte sich im Unterschied zu Führungskadern von Hamas oder Hisbollah regelmäßig im öffentlichen Raum bewegt. Allerdings hatte Israels Premierminister Benjamin Netanjahu im Kontext der Militäroperation gegen den Iran betont, dass man auf eine Situation warten wollte, in der das Regime hinreichend geschwächt wäre.
Schlag gegen Chamenei war eine politische und strategische Entscheidung
Die gezielte Offensive gegen die iranische Führung sollte – so die Überlegung – bereits zu Beginn der Militäroperation erfolgen. Eine gegenläufige Entscheidung hätte zur Folge haben können, dass sich Führungskader und Funktionseliten zeitnah in häufig gut geschützte Bunker zurückziehen. Dies hätte nach Einschätzung israelischer Dienste in jedem Fall den Krieg verlängert.
Um den größtmöglichen taktischen Überraschungseffekt erzielen zu können, erfolgte der Angriff bei Tag. Israel setzte dabei präzisionsgelenkte „Sparrow“-Raketen ein, die, so die FT, „aus über 1.000 Kilometern Entfernung Ziele von Tischgröße treffen können“. Zuvor gab US-Präsident Donald Trump den Befehl zur „Operation Epic Fury“, die von Cyberangriffen zur Ausschaltung der iranischen Luftabwehr begleitet war.
15 Millionen Überwachungskameras im Iran: Made in China
KI-Expertin Dr. Tahvili erklärte hierzu die Datenübertragung von Iran nach China: „Das Unternehmen, das Überwachungssoftware anbietet, benötigt die Daten – vorwiegend aus anderen Regionen der Welt – um die Qualität seiner eigenen Systeme zu verbessern.“ Sie bezog sich hierbei auf die chinesischen Firmen.
Der in den USA lebende chinesische Politikkommentator und YouTuber Zhang Tianliang führte in seiner Sendung eine systematische Analyse der israelischen Operation durch. Er bezeichnete die Aktion als „Revolution in der Kriegsführung“ durch Technologie.
Er wies darauf hin, dass die Präzision dieser gezielten Eliminierungsoperation möglicherweise nicht allein von der Rakete, sondern auch von den Daten abhing. Mit anderen Worten: Chamenei ist möglicherweise nicht „durch Bomben“, sondern „durch Daten“ ums Leben gekommen.
Die Überwachungssysteme im Iran sollen zum großen Teil aus China stammen. Zhang Tianliang führte aus: „Wenn Straßenkameras in Peking gehackt wurden, ist es denkbar, dass die Bewegungen von Xi Jinping, von amerikanischen und israelischen Geheimdiensten verfolgt werden könnten.“
Zhang Tianliang betonte, dass diese Operation strukturelle Schwachstellen in hochgradig digitalisierten Überwachungsgesellschaften aufgedeckt habe. Jede Nation, die eine großangelegte, miteinander verbundene Überwachungsinfrastruktur einsetze, sei demnach mit vergleichbaren Risiken der Geheimdienstinfiltration konfrontiert.