Leider muss ich zugeben: Ich bin offenbar ein schlechter Demokrat. Nicht weil ich die Demokratie nicht schätze – im Gegenteil. Ich bin tief überzeugt davon, dass nur ihre drei Grundprinzipien, Meinungsfreiheit, Konkurrenz und Machtwechsel, Regierungen halbwegs erträglich machen. Und es bei uns so unerträglich ist, weil diese drei Grundprinzipien bei uns massiv beschädigt sind – um es diplomatisch auszudrücken – und wir mehr in einer Fassaden-Demokratie leben als in einer echten, lebendigen.

Wobei es noch ein weiteres Grundprinzip gibt, an dem ich besonders verzweifele: dem Vertrauen in das kollektive Urteilsvermögen.

Eine aktuelle INSA-Umfrage zur Beliebtheit deutscher Politiker hat mich wieder einmal in diesen Zustand der Demokratie-Verzweiflung versetzt. Dabei ist es eigentlich eine harmlose Grafik. Zahlen von null bis zehn. Balken in Parteifarben. Und doch lese ich sie und frage mich: Reden wir wirklich von denselben Personen?