Ein in Online-Netzwerken kursierendes Video hat in Uganda für Empörung gesorgt. Es brachte ans Licht, dass es offenbar auch in Uganda – neben Kenia und Südafrika – ein regelrechtes Rekrutierungsnetzwerk gibt. Mit diesem werden Männer für die russische Armee an die Front in der Ukraine geschickt.

Das afrikanische Land hat während der seit 40 Jahren andauernden Herrschaft von Präsident Yoweri Museveni enge Beziehungen zu Moskau aufgebaut und viel militärische Ausrüstung gekauft. Bei UN-Abstimmungen zum Ukraine-Krieg enthielt sich Kampala der Stimme.

Uganda ist bekannt für seine gut ausgebildeten und hoch qualifizierten Soldaten. Sie stellen etwa wichtige Kontingente für die internationale Truppe in Somalia. In der Vergangenheit waren sie in Ländern wie Afghanistan und Irak aktiv, die Veteranen von den dortigen Einsätzen sind kampferprobt.

Video eines Desertierten aus Uganda

In Uganda sorgt das Video von Richard Akantoran für Wirbel, ein Putzmann aus der Hauptstadt Kampala. Er floh nach eigenen Angaben aus seiner russischen Einheit und ist inzwischen in den Händen der Ukraine.

In einem von der ukrainischen Armee veröffentlichten Video berichtet er, ihm sei eine Stelle in einem Supermarkt oder als Wachmann in Russland versprochen worden.

Dort angekommen, sei er gezwungen worden, einen Vertrag mit der Armee zu unterzeichnen. Ein Soldat habe ihm „eine Waffe an den Kopf gehalten und gesagt: „Unterschreib‘ diese Papiere“.

Mit Klick auf den folgenden Button stimmen Sie zu, dass der Inhalt von twitter geladen wird.

Im Februar 2024 hatte die ugandische Regierung im Internet eine Nachricht des russischen Botschafters geteilt, in der es hieß, Russland biete „unbegrenzte Möglichkeiten für junge Menschen“. Akantoran fleht nun: „An meine afrikanischen Landsleute … tappt nicht in die Falle.“

Präsidentensohn: „Wir werden Soldaten zur Verteidigung Moskaus schicken“

Die Rückendeckung für Moskau erfolgt offenbar nicht nur stillschweigend. Bereits im März 2023 schrieb Präsidentensohn Muhoozi Kainerugaba in Online-Netzwerken: „Nennt mich ruhig einen ‚Putinisten‘, aber wir, Uganda, werden Soldaten zur Verteidigung Moskaus entsenden, sollte es jemals von den Imperialisten bedroht werden!“ Zum Zeitpunkt dieser Äußerungen war Kainerugaba ein hochrangiger Kommandeur, heute ist er Oberbefehlshaber der Armee.

General Muhoozi Kainerugaba, Chef der ugandischen Streitkräfte, bei einer Rede am 13. Mai 2025 in Kampala, Uganda, beim Inter Force Drill Competition des Chefs der Streitkräfte.

Foto: Hajarah Nalwadda/Getty Images

Ein Vertreter des Veteranenverbandes Special Returnees Association berichtete afp, dass einige ihrer 20.000 Mitglieder zuletzt ins Visier Russlands geraten seien. Ein Anwerber habe Veteranen beispielsweise offiziell Arbeitsverträge in Israel angeboten – um sie dann nach Russland zu schicken.

Er wisse von „mehr als zehn“ Veteranen, die nach Russland gegangen seien, drei von ihnen seien dort ums Leben gekommen, sagte der Veteranen-Vertreter, der anonym bleiben wollte. „Wir haben ihnen gesagt, dass sie mit einer Kugel im Kopf sterben und ihre Leichen im Eis begraben oder den Geiern überlassen werden.“

Kämpfer aus Uganda auf dem Weg nach Russland abgefangen

Wie viele Ugander für die russischen Truppen in der Ukraine rekrutiert wurden, ist unklar. Offizielle Zahlen dafür gibt es nicht. Allerdings erfuhr AFP aus Geheimdienstkreisen, dass im August neun Männer auf dem Flughafen Entebbe auf dem Weg nach Russland abgefangen wurden.

Sie gehörten demnach zu einer Gruppe von mehr als hundert Ugandern mit militärischer Erfahrung, die „verdeckt rekrutiert“ worden und in mehreren Kleingruppen ausgereist seien.

Im Zusammenhang mit den im August festgenommenen neun Männern sei ein russischer Staatsbürger festgenommen worden, hieß es weiter. Er sei aber später freigelassen worden, die Ermittlungen seien ins Stocken geraten.

Ansonsten wurden bisher keine Einsätze der ugandischen Behörden gegen mutmaßliche Schleusernetzwerke gemeldet. Aus Sicherheitskreisen hieß es, dass einige ugandische Rekruten nun über Kenia nach Russland ausreisten.

Kenia wirft Moskau Rekrutierungen vor

Kenia hatte Moskau erst in der vergangenen Woche vorgeworfen, Staatsbürger nach Russland zu locken und als „Kanonenfutter“ an die Front in der Ukraine zu schicken.

Südafrikas Regierung hatte wiederum im November erklärt, „Notrufe“ aus der heftig umkämpften ostukrainischen Region Donbass erhalten zu haben. Die Männer im Alter zwischen 20 und 39 Jahren seien „unter dem Vorwand lukrativer Arbeitsverträge“ dazu „verleitet“ worden, sich Söldnertruppen anzuschließen. (afp/ks)





Source link