Ein vergleichsweise kräftiges Wachstum im Schlussquartal hat der deutschen Wirtschaft im vergangenen Jahr das erste Plus seit 2022 beschert. Allerdings sind die Löcher im Staatshaushalt 2025 größer als zunächst angenommen.
Bezogen auf die gesamte Wirtschaftsleistung betrug das Defizit von Bund, Ländern, Gemeinden und Sozialversicherung wie ein Jahr zuvor 2,7 Prozent, wie das Statistische Bundesamt mitteilte.
Auf vorläufiger Basis hatte die Wiesbadener Behörde das Minus für 2025 auf 2,4 Prozent beziffert. Deutschland hielt dennoch die europäische Verschuldungsregel ein, die ein Haushaltsdefizit von höchstens drei Prozent erlaubt.
Weitere Steigerung der Defizitquote erwartet
Die Bundesbank rechnet damit, dass sich die Defizitquote bis 2027 auf 4,5 Prozent erhöhen wird, weil der Staat schuldenfinanziert gewaltige Milliardensummen in Straßen, Schienen und Verteidigung stecken will.
Im Jahr 2025 gab der Fiskus 119,1 Milliarden Euro mehr aus, als er einnahm. Damit war das Defizit um rund vier Milliarden Euro höher als ein Jahr zuvor.
Zwar stiegen Sozialbeiträge und Steuereinnahmen deutlich, doch insgesamt wuchsen die Staatsausgaben schneller als die Einnahmen. Auch waren die Zinsausgaben 2025 höher als im Vorjahr und ebenso wuchsen die Sozialausgaben, vor allem für Renten und Pensionen.
4. Quartal 2025: Staatliche Milliarden als Konjunkturtreiber
Im vierten Quartal 2025 legte das Bruttoinlandsprodukt zum Vorquartal um 0,3 Prozent zu, wie das Statistische Bundesamt bestätigte. Die Erwerbstätigkeit ging im vierten Quartal leicht zurück.
Getragen wurde das Wachstum in den letzten drei Monaten des vergangenen Jahres nach Angaben der Statistiker vor allem von steigenden privaten (+0,5 Prozentpunkte) und staatlichen (+ 1,1) Konsumausgaben. Auch die Bauinvestitionen (+1,6) zogen deutlich an.
„Damit endete das konjunkturell wechselhafte Jahr 2025 mit einem Anstieg der Wirtschaftsleistung“, ordnete die Präsidentin des Bundesamtes, Ruth Brand, ein. Im Gesamtjahr 2025 schrammte Deutschland mit 0,2 Prozent Plus knapp am dritten Jahr ohne Wirtschaftswachstum in Folge vorbei.
Die Investitionen in Ausrüstungen wie Maschinen, Geräte und Fahrzeuge stiegen ebenfalls leicht, nach einem starken Anstieg im dritten Quartal flachte die Entwicklung hier deutlich ab. „Vom Außenhandel blieben positive Signale erneut aus“, sagen die Statistiker. Die Warenexporte gingen um 0,4 Prozent und die Ausfuhren von Dienstleistungen um 1,2 Prozent zurück.
Volkswirte gehen davon aus, dass die deutsche Wirtschaft nach einem vergleichsweise schwachen Start ins neue Jahr ab dem Frühjahr mehr Fahrt aufnehmen wird.
Die genauen Daten zu 2025: Bund und Gemeindennahmen weniger ein
Mit 79,6 Milliarden Euro entfielen rund zwei Drittel des gesamtstaatlichen Finanzierungsdefizits im Jahr 2025 auf den Bund, das Defizit stieg gegenüber dem Vorjahr um 18,6 Milliarden Euro (2024: 60,9 Milliarden Euro). Bei den Gemeinden gab es einen Defizitzuwachs von 7,1 Milliarden Euro auf 28,1 Milliarden Euro (2024: 21,0 Milliarden Euro).
Demgegenüber konnten die Länder ihr Finanzierungsdefizit auf 9,8 Milliarden Euro mehr als halbieren (2024: 21,6 Milliarden Euro). Die Sozialversicherung wies ebenfalls einen Defizitrückgang auf nun 1,7 Milliarden Euro auf, nach einem Defizit von 11,8 Milliarden Euro im Jahr 2024.
Im Jahr 2025 betrugen die Einnahmen des Staates in Abgrenzung der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen 2.140,2 Milliarden Euro – sie stiegen um 5,7 Prozent oder 115,8 Milliarden Euro. Verantwortlich hierfür war insbesondere der Anstieg der Sozialbeiträge, die sich um 8,9 Prozent erhöhten.
Die laufenden Steuereinnahmen des Staates stiegen im Jahr 2025 um 3,5 Prozent auf 1.031,5 Milliarden Euro. Bei der Mehrwertsteuer wurde ein Zuwachs von 4,0 Prozent verzeichnet, die Einnahmen aus Einkommen- und Vermögensteuern stiegen um 3,4 Prozent.
Ausgaben stiegen stärker als die Einnahmen
Die Ausgaben des Staates erhöhten sich demnach 2025 gegenüber dem Vorjahr um 5,6 Prozent oder 119,6 Milliarden Euro auf 2.259,3 Milliarden Euro. Die Zinsausgaben lagen im Jahr 2025 um 8,1 Prozent höher als im Vorjahr, monetäre Sozialleistungen stiegen um 5,6 Prozent. Soziale Sachleistungen nahmen um 7,3 Prozent zu.
Daneben ist der Anstieg der Bruttoinvestitionen um 10,3 Prozent auf anlaufende Ausgaben aus dem Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität sowie steigende Militärausgaben zurückzuführen.
Bei den Daten handelt es sich um Werte in der Abgrenzung des Europäischen Systems Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen 2010. Sie bilden die Grundlage für die Überwachung der Haushaltslage in den EU-Mitgliedstaaten nach dem Stabilitäts- und Wachstumspakt – den Maastricht-Kriterien – und sind nicht identisch mit dem Finanzierungssaldo des Öffentlichen Gesamthaushalts in Abgrenzung der Finanzstatistiken. (dpa/dts/ks)