Die Vergangenheit scheint oft wehrlos dem ausgeliefert zu sein, was sich Leute vorstellen wollen, um so mehr, je weiter das, was Gegenstand der Vorstellung ist, zurückliegt. So träumte Johann Jakob Bachofen (1861) vom sogenannten Mutterrecht und Friedrich Engels (1884) von der sogenannten Gruppenehe, die in der Vorgeschichte der Menschheit geherrscht haben sollen. Später kamen die Vorstellung vom vorgeschichtlichen „Menschen, dem Jäger“ auf, gemäß derer der Mensch seinen aufrechten Gang, seine spezifische Gehirnentwicklung u.a.m. bis hin zur Anatomie des menschlichen Fußes (Geist 1978) dem Jagen von Großwild zu verdanken haben soll (Dart 1953; Washburn & Lancaster 1968) sowie die Vorstellung vom „ursprünglichen“ friedfertigen Leben von Jägern und Sammlern in egalitären Gesellschaften, d.h. in einem Utopia des Friedens und der Gleichheit (s. z.B. Gray 2011).

Diese Vorstellungen fallen mehrheitlich dadurch auf, dass sie die Vegangenheit, besonders die ferne Vergangenheit, des Menschen bzw. der menschlichen Spezies als eine Utopie konstruieren, als eine Zeit oder einen Zustand, in dem es all das gegeben haben soll, was von den jeweiligen Konstrukteuren der Vergangenheit als „gut“ oder „richtig“ oder wünschenswert (für die Konstrukteure, versteht sich) angesehen wird.

Gewöhnlich nimmt das die Form einer kommunistischen Konstruktion der Vergangenheit an, in der Gleichheit der Menschen (inklusive, wenn nicht vor allem, der Geschlechter) geherrscht haben soll, sie alle gleichermaßen am allgemeinen Wohlergehen interessiert gewesen sein sollen (statt eigeninteressiert oder von partikularen Interessen motiviert), Privatbesitz so gut wie unbekannt gewesen sein soll, und (deshalb?) Solidarität und Frieden geherrscht haben soll.

All diese Vorstellungen haben vorausgesetzt, was zu zeigen war, gefunden und festgehalten, was irendwie zu passen schien oder passend gemacht werden konnte, und ignoriert oder in seiner Bedeutung herabgewürdigt, was nicht passte. Heute sind die genannten (und weitere) Konstruktionen als falsch erwiesen oder stark erschüttert oder in ihrem Geltungsbereich stark eingeschränkt worden, nicht zuletzt aufgrund der Entwicklung neuer Analysetechniken und ihrer Verwendung (auch) in der Archäologie und Paläontologie, die neue, interdisziplinäre Felder der Spezialisierung geschaffen und es ermöglicht haben, Befunde zu erzielen, die in der Vergangenheit einfach nicht zur Verfügung standen.

Die vielleicht größte Bedeutung haben in diesem Zusammenhang die molekularbiologischen und biochemischen Verfahren gehabt, anhand derer DNA-Analysen auch unter Verwendung sehr alter Proben möglich ist; sie bilden einen Spezialbereich der Genetik wie der Archäologie, der – dementsprechend – „Archäogenetik“ bzw. im Englischen „archaeogenetics“genannt wird. (Eine Abteilung für Archäogenetik gibt es z.B. am Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie, und im Glyn Daniel Laboratory for Archaeogenetics der University Cambridge).

Ein wichtiger Aspekt menschlichen Über-/Lebens auf diesem Planeten, der in den utopischen Entwürfen der menschlichen Vergangenheit in der Regel keinen Platz gefunden hat, sind schwierige Umweltbedingungen, insbesondere Umweltgifte. In kommunistisch geprägten Utopien mit Bezug auf die ferne Vergangenheit des Menschen kommen Umweltgifte gar nicht erst in den Blick bzw. werden als weitgehend nicht existent angesehen, assoziieren Kommunisten Umweltgifte doch gewöhnlich mit dem „Fall“ der Menschheit, wie er sich ihrer Ansicht nach zuerst mit der Verbreitung von Ackerbau und Viehzucht vollzog und später – und vor allem – mit der Industrialisierung. Diese Vorstellung vom Selbstausschluss des Menschen aus dem ihm angeblich gegebenen, „ursprünglichen“ Paradies hat derzeit einen vorläufigen Höhepunkt in der Erzählung vom menschengemachten Klimawandel gefunden.

Aber die Vorstellung vom Nicht-Vorhandensein oder der Irrelevanz von Umweltgiften in der fernen Vergangenheit der menschlichen Spezies ist falsch, wie u.a. eine neue Studie zeigt, die Renaud Joannes-Boyau und eine (längere) Reihe von Kollegen in einer gemeinsamen Publikation (Joannes-Boyau et al. 2025) vorgelegt haben. Die Archäogenetik ermöglicht es, schwierige Umweltbedingungen in der Frühgeschichte des Menschen festzustellen – und nicht nur das: sie ermöglicht auch, festzustellen, ob bzw. welche Folgen sie für die weitere Entwicklung der menschlichen Spezies hatten. Und genau das ist es, was Joannes-Boyau et al. untersucht haben, und zwar mit Bezug auf Bleivergiftung. Sie untersuchen die Frage nach dem Vorhandensein von Bleivergiftung und dem Effekt von Bleivergiftung auf die Evolution des Menschen über zwei Millionen Jahre hinweg.

Die Untersuchung basiert auf der fossiler Zahnproben und hat das folgende ergeben:

„Unter Verwendung präziser validierter Protokolle zur mikroräumlichen Probenahme mittels Laserablation … analysierten wir 51 Fossilienproben (Australopithecus africanus, Paranthropus robustus, früher Homo sp., Gigantopithecus blacki, Pongo sp., Papio sp., Homo neanderthalensis und Homo sapiens) aus Regionen in Asien, Afrika und Europa. Wir fanden bei 73 % der Exemplare (71 % bei den Homininen Australopithecus, Paranthropus und Homo) klare Anzeichen einer episodischen Bleiexposition …. Einige der geologisch ältesten Proben, G. blacki, die schätzungsweise aus dem frühen (~1,8 Millionen Jahre vor der Gegenwart) und mittleren Pleistozän (~1 Million Jahre vor der Gegenwart) stammen, zeigen wiederholte Ereignisse von Bleiexposition, die durch Perioden vernachlässigbarer Bleiaufnahme unterbrochen sind … Proben dieser Gattung zeigten die häufigsten akuten Bleiexpositionen“ (Joannes-Boyau et al. 2025: 2 von 21).

Im Original:

http://images-of-elements.com/lead.php, CC BY 3.0, Link

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By Hi-Res Images ofChemical Elements – http://images-of-elements.com/lead.php, CC BY 3.0, Link

„Using precise validated laser ablation micro spatial sampling protocols …, we analyzed 51 fossil samples (Australopithecus africanus, Paranthropus robustus, early Homo sp., Gigantopithecus blacki, Pongo sp., Papio sp., Homo neanderthalensis, and Homo sapiens) from regions in Asia, Africa, and Europe. We found clear signals of episodic lead exposure in 73% of the specimens (71% for hominins Australopithecus, Paranthropus, and Homo) … Some of the geologically oldest samples, G. blacki estimated to be from the early (~1.8 Ma) and middle Pleistocene (~1 Ma), show repeated events of lead exposure separated by periods of negligible lead uptake … Samples from this genus demonstrated the most frequent acute lead exposures“ (Joannes-Boyau et al. 2025: 2 of 21).

Die Autoren halten aufgrund ihrer Ergebnisse und eines Vergleiches mit Zahnproben von zwischen 1940 und 1970 in den USA Geborenen zweierlei fest,

„dass die Bleiexposition nicht nur ein postindustrielles Phänomen war. Darüber hinaus stützt das Vorhandensein von Bleibändern in modernen menschlichen Zähnen auch die Schlussfolgerung, dass die Muster in unseren fossilen Zähnen nicht auf Diagenese zurückzuführen sind“ (Joannes-Boyau et al. 2025: 4 of 21),

Im Original:

„… that lead exposure was not just a postindustrial phenomenon. Furthermore, the presence of lead bands in modern human teeth also supports the inference that the patterns in our fossil teeth are not due to diagenesis“ (Joannes-Boyau et al. 2025: 4 of 21).

also nicht auf eine Verunreinigung des Zahnschmelzes in den fossilen Proben, die nach Ablage des toten Körpers vor Ort erfolgt ist, zurückzuführen ist.

Nun ist bekannt, dass Bleibelastung in einem gewissen Ausmaß normal und unvermeidlich ist, weil Blei (ebenso wie Quecksilber) ein natürlicher Bestandteil der Erdkruste ist, als Vulkanasche auf die Erdoberfläche kommt, in mineralienreichen Böden konzentriert vorkommen kann und ebenso in Wasser, das durch bleihaltiges Gestein hindurchfließt. Aber diese statistische Normalität bedeutet nicht, dass sie deshalb gefahrlos für den menschlichen Organismus (oder für andere Organismen) sei, und es einen „normalen“ Wert von Blei im Organismus gibt, der als unbedenklich gelten kann: „There is no safe blood level of lead“, d.h. „Es gibt keinen sicheren [d.h. für den Organismus gefahrlosen] Bleispielgel im Blut“, so heißt es im Eintrag für „Lead poisoning“ bei der Mayo Clinic, so dass es prinzipiell von Vorteil ist, die Exposition gegenüber Blei so weit wie möglich zu vermeiden. Was es gibt, sind Erfahrungswerte, ab denen Blei im Körper mit erkennbaren Krankheitssymptomen oder messbaren höheren Wahrscheinlichkeiten für bestimmte Gesundheitsrisiken verbunden sind.

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Bei ungeborenen Kindern und Kleinkindern hat Bleivergiftung eine Beeinträchtigung der Gehirnentwicklung und des zentralen Nervensystems zur Folge, wobei Erstere sich nicht nur in statistisch signifikant niedrigeren IQ-Werten niederschlägt, sondern auch in Verhaltensauffälligkeiten, besonders soziales Rückzugsverhalten und aggressives und zerstörerisches Verhalten (Delgado et al. 2018; Hou et al. 2013; Lanphaer et al. 2005; Liu et al. 2013; Needleman & Gatsonis 1990; Olympio et al. 2009; Reuben et al. 2017; Shadbegian et al. 2019).

Man würde deshalb vielleicht vermuten, dass die Gattung homo (und ggf. ihre nicht-menschlichen Vorfahren) im Verlauf ihrer Evolution einen Schutzmechanismus gegen Bleivergiftung entwickelt hat. Aber nur der moderne Mensch bzw. unsere Spezies von Mensch weist einen solchen Mechanismus auf der molekularen Ebene auf.

„[d]ie Genomsequenzen von Neandertalern und Denisova-Menschen – unseren nächsten ausgestorbenen Homininenverwandten – bieten wertvolle Einblicke in die menschliche Evolution. Unter den 61 einzigartigen proteinkodierenden Genen, die moderne Menschen [gegenüber anderen Hominiden] auszeichnen, spielt das neuroonkologische ventrale Antigen 1 (NOVA1) eine entscheidende Rolle in der frühen Gehirnentwicklung“.

Im Original:

„The genomic sequences of Neanderthals and Denisovans—our closest extinct hominin relatives—offer valuable insights into human evolution. Among the 61 unique protein-coding genes distinguishing modern humans …, the neuro-oncological ventral antigen 1 (NOVA1) plays a crucial role in early brain development“ (Joannes-Boyau et al. 2025: 1 von 21).

NOVA1 reguliert bleiinduziertes alternatives Spleißen (alternatives Spleißen ist ein molekularer Vorgang, durch den es möglich wird, dass ein Gen „Bauanleitungen“ für unterschiedliche Proteine liefert), und Joannes-Boyau et al. (2025) vermuten, dass es die Ausbildung der speziellen, dem modernen Menschen eigenen Variante von NOVA1 ist, die ihm einen evolutionären Vorteil gegenüber anderen Hominiden verschafft und sein Überleben gesichert hat, während andere Hominiden ausgestorben sind.

Um diese Vermutung zu testen,

„… haben wir den molekularen und zellulären Effekt von Blei in Gehirnorganoiden gemessen, die die modernen (NOVA1hu/hu) oder archaischen (NOVA1ar/ar) Versionen des menschlichen NOVA1-Gens tragen“,

Im Original:

„… we measured the molecular and cellular impact of lead in brain organoids carrying the modern (NOVA1hu/hu) or archaic (NOVA1ar/ar) versions of the human NOVA1 gene“.

so schreiben Joannes-Boyau et al. (2025: 4 von 21), und ihre Schlussfolgerung aus den erzielten Daten beschreiben die Autoren so:

„Diese Daten deuten darauf hin, dass die archaische Variante nicht gegen bleiinduzierten neuronalen Stress puffert, was die Schlussfolgerung stützt, dass sie [d.h. die archaische Variante von NOVA1] verminderte Widerstandsfähigkeit gegenüber Blei verschaffte und damit einen potenziellen Überlebensnachteil angesichts von Bleiexposition in der Umwelt bedeutete. Im Gegensatz dazu bot die moderne menschliche Variante [von NOVA1] einen relativen [d.h. einen gößeren] Schutz gegen dieses Neurotoxikum. Während wir einräumen, dass Primatenarten über verschiedene soziale Verhaltensweisen verfügen, untermauert dieser Befund unsere Annahme, dass die Bleiexposition eine bemerkenswerte Rolle in ihrer Evolution spielte, indem sie neurosoziale [Entwicklungs-]Pfade wie den sozialen Zusammenhalt auf Gruppenebene beeinflusste und dem modernen Menschen damit einen relativen Überlebensvorteil gegenüber Neandertalern verschaffte“.

Im Original:

„These data indicate that the archaic variant fails to buffer against lead-induced neuronal stress, supporting the conclusion that it conferred reduced resilience and thus a potential survival disadvantage, under environmental lead exposure. In contrast, the modern human variant offered relative protection against this neurotoxicant. While we acknowledge that primate species have various social behaviors, this finding bolsters our proposition that lead exposure played a noteworthy role in their evolution by affecting neurosocial pathways, such as group-level social cohesion, providing a relative survival advantage to modern humans over Neanderthals“ (Joannes-Boyau et al. (2025: 10 von 21).

Eben diese Vermutung hatten Trujillo et al. bereits im Jahr 2021 ausgesprochen und für sie argumentiert, aber sie hatten sie nicht mit Exposition gegenüber Blei in Verbindung gebracht. Anders Joannes-Boyau et al. (2025: 10 von 21):

„[e]in wichtiges Ergebnis unserer Studie betrifft die bleiinduzierte Änderung in der FOXP2-Expression [FOXP2 ist ein Gen, das eine „Bauanleitung“ für ein Protein liefert, das als sog. Transkriptionsfaktor dient, d.h. es kontrolliert die Aktivität anderer Gene] innerhalb von NOVA1ar/ar-Organoiden, was die Vermutung einer mögliche Wechselwirkung zwischen NOVA1 und FOXP2 als Reaktion auf Bleibelastung nahelegt. Dies deutet darauf hin, dass FOXP2 die Auswirkungen von Umweltgiften auf die neurologische Entwicklung beeinflussen könnte, aber um diesen Zusammenhang zu bestätigen, sind Untersuchungen erforderlich“.

Im Original:

https://swissmodel.expasy.org/repository/uniprot/P23258?template=6v5v, CC BY-SA 4.0, Link

“ data-medium-file=“https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2025/12/FOXP2_2as5.png?fit=300%2C260&ssl=1″ data-large-file=“https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2025/12/FOXP2_2as5.png?fit=640%2C555&ssl=1″ class=“ wp-image-281024″ src=“https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2025/12/FOXP2_2as5.png?resize=254%2C220&ssl=1″ alt=““ width=“254″ height=“220″ srcset=“https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2025/12/FOXP2_2as5.png?resize=300%2C260&ssl=1 300w, https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2025/12/FOXP2_2as5.png?resize=768%2C666&ssl=1 768w, https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2025/12/FOXP2_2as5.png?resize=665%2C577&ssl=1 665w, https://i0.wp.com/sciencefiles.org/wp-content/uploads/2025/12/FOXP2_2as5.png?w=929&ssl=1 929w“ sizes=“auto, (max-width: 254px) 100vw, 254px“/>

FOXP2; By SWISS-MODEL – https://swissmodel.expasy.org/repository/uniprot/P23258?template=6v5v, CC BY-SA 4.0, Link

„One major finding of our study involves the lead-induced alteration in FOXP2 expression within NOVA1ar/ar organoids, suggesting a potential interaction between NOVA1 and FOXP2 in response to lead exposure. This indicates that FOXP2 may mediate the neuro-developmental effects of environmental toxicants, although further research is necessary to confirm this relationship“.

So ist bereits bekannt, dass eine erhöhte Expression FOXP2 mit neuropsychiatrischen Störungen verbunden ist und Sprachapraxis im Kindesalter mit einer Mutation von FOXP2 verbunden ist (Joannes-Boyau et al. 2025: 10 von 21). Die Autoren vermuten, dass die spezifische Expression von FOXP2 im Zusammenhang mit der archaischen Variante von NOVA1 der Grund dafür sein könnte, dass die Modulation bei sprachbezogenen Genen vormoderner Menschenspezies‘ nicht so flexibel gewesen ist wie beim modernen Menschen.

Wenn zutrifft, dass der Erwerb von Sprache und und die fortschreitende Entwicklung elaborierter Sprachfähigkeit für den sozialen Zusammenhalt und damit das Überleben von Menschen entscheidend gewesen ist, dann könnten die verschiedenen Varianten von FOXP2 bzw. NOVA1 beim modernen Menschen und anderen menschlichen Spezies die Erklärung dafür liefern, warum der moderne Mensch (bis jetzt) überlebt hat, während andere menschliche Spezies ausgestorben sind.

Mit anderen Worten: Erst Bleiresistenz scheint Menschen zum „Sozialen“ überhaupt fähig zu machen.


Literatur

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