Nicht nur der Rücktritt von ORF-Generaldirektor Roland Weißmann sorgt für ordentlich Wirbel im ORF, auch gegen Stiftungsratsvorsitzenden Heinz Lederer wurden schwere Vorwürfe erhoben. Die FPÖ fordert deshalb die Aufklärung der Umstände und den Rücktritt Lederers.
Schwere Vorwürfe gegen Stiftungsratschef
Die Anschuldigungen haben es in sich: Lederer soll, wie berichtet, profil-Chefredakteurin Anna Thalhammer mit „Konsequenzen im ORF“ gedroht haben. Auch soll er in Abrechnungen der Kanzlei von Signa-Anwalt Stefan Prochaska aufgetaucht sein, mit dokumentierten Kontakten in den Jahren 2022 und 2023, wie die Kronen Zeitung berichtete. Dazu kommen Berichte über gut bezahlte Beraterjobs für den Österreichischen Sportverband (ÖSV) und den Verkauf der ORF-Funkhäuser an das Bau- und Immobilienunternehmen Rhomberg, das 2016 den Großteil des traditionsreichen ORF-Funkhauses in der Wiener Argentinierstraße gekauft hat – und das damals ausgerechnet von Lederer beraten wurde.
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Lederer nicht mehr tragbar
Weil der von der SPÖ installierte Lederer im Verdacht stehe, seine Tätigkeit im Kontrollgremium für Geschäftemacherei gegen die Interessen des ORF benutzt zu haben, sei er „in dieser Funktion nicht eine Minute länger tragbar“, zeigte sich FPÖ-Mediensprecher Christian Hafenecker empört. SPÖ-Chef Andreas Babler müsse „als Medienminister daher sofort für seinen Rücktritt und Aufklärung sorgen!“, forderte er. Hafenecker wörtlich:
Wenn ein amtierender ORF-Stiftungsrat den ÖSV berät, an den der ORF Millionen für Übertragungsrechte bezahlt, und auch noch den neuen Eigentümer des Funkhauses, gegen dessen Verkauf sogar ORF-Mitarbeiter protestiert hatten, dann stellt sich schon die Frage, wessen Interessen sich Lederer verpflichtet gefühlt hat.
Hat sich Lederer Babler „an den Hals geschmissen“?
Hafenecker ärgerte sich über die Untätigkeit des Vizekanzlers und Medienministers: Lederer habe sich dem „Marxisten Babler“ offenbar „an den Hals geschmissen“, so der Vorwurf. Das komme „nämlich auch heraus, wenn man bei den aktuellen Medienberichten um seine Geschäftemacherei eins und eins zusammenzählt“.
ORF als „grüne Wiese für rotes Bonzentum“
Babler solle deshalb sofort handeln, denn weiteres Zögern und Wegschauen würde „nämlich nur bedeuten, dass er Lederer die Stange hält und seine mutmaßlichen Verfehlungen insgeheim goutiert“. Hafenecker abschließend:
Mit der Skandalkaskade seines Genossen steht der ORF nun als grüne Wiese für rotes Bonzentum da, finanziert mit der Zwangssteuer der Bürger. Wenn Babler weiter kein Wort über die Lippen bringt und Lederer weiter fuhrwerken lässt, stimmt er dem zu!
Lederer weißt Anschuldigungen zurück
Lederer selbst meldete sich inzwischen in einer Presseaussendung zu Wort und wies die Anschuldigungen zurück: Alle Beratungsleistungen im Rahmen seiner beruflichen Tätigkeit als Unternehmer und nicht als Aufsichtsrat seien hinsichtlich der Vereinbarkeit mit seiner Funktion im ORF-Stiftungsrat geprüft worden und stünden in keinem Zusammenhang und nicht im Widerspruch zu den Interessen des ORF, teilte er mit. Alle Vorgaben der Compliance sowie der Corporate Governance wären vollumfänglich erfüllt und eingehalten worden.