Was haben Schwanzus Longus und Strack-Zimmermann gemeinsam? Nein, die FDP-Politikerin hat keinen Sprachfehler. Aber sie leidet an einer Selbstüberschätzung, die jede klinische Realitätsferne sprengt.

Zur Erinnerung für alle, die den Film nicht kennen: In Monty Pythons „Das Leben des Brian“ verliest Pontius Pilatus die Liste der Delinquenten vor einer Volksmenge – die sich krümmt vor Lachen wegen seines Sprachfehlers (anzusehen hier). Sein Freund Schwanzus Longus fühlt sich bemüßigt, den Job für seinen Kumpel zu übernehmen – in völliger Verkennung der Lage denkt er, er könne es schon richten – obwohl er einen noch viel schlimmeren Sprachfehler hat. Er nimmt Pilatus gönnerhaft die Liste aus der Hand und glaubt, er könne „von gropfem Nuttpfen pfein“. Als er vor die Menge tritt, bricht die vollends zusammen – die Menschen kringeln sich vor Lachen auf dem Boden.

Der legendäre John Cleese als Centurio wollte das Elend noch verhindern, meinte verzweifelt „Oh nein“, doch er konnte Schwanzus nicht stoppen, als der ihm die Liste aus der Hand nahm. Cleese — unverwechselbar in seiner stoischen Fassungslosigkeit, Würde kurz vor dem totalen Zusammenbruch, so kann nur er schauen — schlägt angesichts des Desasters die Hände über den Augen zusammen: die fleischgewordene Verzweiflung der Stimme der Vernunft, die sich nicht durchsetzen kann. Dieser Blick kennt keine Worte mehr. Er kennt nur noch die bittere Gewissheit: Es wird schlimmer.

Genau so starren wir auf die Nachricht von Marie-Agnes Strack-Zimmermann, um die es hier geht.

Ich nehme an: Genauso wie Schwanzus versteht auch die FDP-Frontfrau bis zum Abspann nicht, warum alle lachen. Schwanzus hält sich für die Lösung. Dabei ist er nur die Pointe.

Genau an diese Szene fühlte ich mich erinnert, als ich heute die Meldung las: Marie-Agnes Strack-Zimmermann will den FDP-Vorsitz übernehmen. Jene Frau mit der Sturmfrisur, die als Dauergast-Generalin in den Talkshows das Gesicht einer FDP war, die viele Bürger das Fürchten lehrte. Die ins Europaparlament entsorgt wurde, weil man offenbar selbst in der FDP begriff, dass sie für die Bundestagswahl mehr Ballast als Nutzen bedeuten würde. Die mitverantwortlich dafür ist, dass die Liberalen eine Popularität knapp unterhalb einer Wurzelbehandlung genießen — und die nun gönnerhaft wie Schwanzus die Liste die Parteiführung in die Hand nehmen will und – politisch, nicht verbal – lispelnd erklärt, sie könne „von gropfem Nuttpfen pfein“.

Ich wollte zuerst nur einen Tweet über diese Nachricht schreiben, weil ich mir sagte: mehr ist sie nicht wert. Einen Satz, fertig. Zum Beispiel: Das ist so, als wenn der Brandstifter die Leitung der Feuerwehr übernehmen will. Oder: Die FDP hat offenbar beschlossen, dass sie noch nicht unbeliebt genug war. Ganz witzig, dachte ich, und weiter.