Die Stromversorgung im Südwesten von Berlin ist vier Tage nach dem mutmaßlichen linksextremistischen Anschlag wieder vollständig hergestellt. Am Mittwoch sei seit 14.10 Uhr „Vollversorgung“ gemeldet worden, sagte Wirtschafts- und Energiesenatorin Franziska Giffey (SPD) vor Journalisten bei einer gemeinsamen Pressekonferenz der Berliner Behörden.

Nach Angaben von Berlins Wirtschafts- und Energiesenatorin Franziska Giffey (SPD) waren am Mittwochnachmittag noch etwa 550 Haushalte und 42 Gewerbebetriebe ohne Strom, die Zahl verringerte sich laufend.

Kabelverbindung wiederhergestellt und positiv getestet

Das Stromnetz wird in Berlin seit 11 Uhr wieder hochgefahren. Bereits in der Nacht konnte die entscheidende provisorische Kabelverbindung wiederhergestellt und positiv getestet werden, hieß es.

Während der Wiederanschaltung könne es zu kurzzeitigen Stromunterbrechungen kommen, hieß es. Das Land gab um 9:30 Uhr dazu eine mittlere Warnung per WarnApp an die Berliner heraus.

„Bevor der Strom jedoch für alle wieder da ist, wird es für einige der bereits wiederversorgten Kunden im ursprünglich betroffenen Gebiet zu einer circa 15 Minuten langen Stromunterbrechung kommen“, teilte Stromnetz Berlin weiter mit.

„Ähnlich wie bei einem Wechsel eines Steckers zu einer anderen Steckdose wird so die Wiederversorgung über die provisorische Leitung am Teltowkanal sichergestellt.“

Neues Bekennerschreiben: Es war nicht Russland

Spekulationen über eine angebliche Beteiligung Russlands wiesen die mutmaßlichen Täter in einem neuen Bekennerschreiben zurück.

Diese seien nichts weiter als der Versuch, die eigene Ohnmacht zu kaschieren, hieß es darin laut Medienberichten. Auch laut Polizei gibt es keine Hinweise auf eine Beteiligung ausländischer Akteure.

Die Stromversorgung im Berliner Südwesten ist wieder angelaufen.

Die Stromversorgung im Berliner Südwesten ist wieder angelaufen.

Foto: Britta Pedersen/dpa

Keine E-Autos laden

Im Laufe des Tages sollte die Versorgung in sämtlichen Haushalten stabil laufen. Am Morgen waren noch rund 19.900 Haushalte und 850 Gewerbebetriebe ohne Strom, so Stromnetz Berlin auf seiner Webseite. Bis alle Betroffenen wieder am Netz seien, dauere es voraussichtlich bis Donnerstagnachmittag.

Der Betreiber bat alle, die in der Zwischenzeit Strom haben, „den Stromverbrauch erst einmal auf ein unbedingt notwendiges Minimum zu beschränken.“

So sollten etwa Geräte wie Waschmaschinen oder Trockner zunächst nicht genutzt werden. „Auch das Laden von Elektro-Fahrzeugen über die heimische Wallbox soll erst einmal unterbleiben“, wie es hieß. Dafür sollten Ladepunkte außerhalb der betroffenen Stadtteile genutzt werden.

Karlsruhe ermittelt

Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe hat inzwischen die Ermittlungen übernommen. Aus Sicht der obersten deutschen Strafverfolgungsbehörde besteht der Verdacht auf verfassungsfeindliche Sabotage, Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, Brandstiftung und Störung öffentlicher Betriebe.

Das Bundesamt für Verfassungsschutz geht nach aktuellem Erkenntnisstand beim jüngsten Brandanschlag von einer authentischen Taterklärung der „Vulkangruppe – Den Herrschenden den Saft abdrehen“ und einem linksextremistisch motivierten Anschlag aus.

„Es muss angenommen werden, dass hinter den „Vulkangruppen“ nicht ein einzelner Personenzusammenschluss steht“, teilte das Bundesamt auf Anfrage mit. Vielmehr dürfte es sich um mehrere Gruppen handeln, die nach Art eines Franchise den Namen „Vulkangruppe“ nutzen. Ideologisch seien die „Vulkangruppen“ der militant-anarchistischen Strömung zuzuordnen.

Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) kündigte konsequente Ermittlungen nach dem Anschlag auf Stromleitungen in Berlin an.

Sicherheitsleute bewachen die Brandstelle einer Kabelbrücke vor dem Kraftwerk Lichterfelde am Teltowkanal.

Sicherheitsleute bewachen die Brandstelle einer Kabelbrücke vor dem Kraftwerk Lichterfelde am Teltowkanal.

Foto: Christophe Gateau/dpa

Stromausfall als Thema für Parlamentarisches Kontrollgremium

In der kommenden Woche soll der Stromausfall auch den Innenausschuss des Bundestages beschäftigen. Wie die „Rheinische Post“ unter Berufung auf Unionskreise berichtet, haben sich Union und SPD darauf verständigt.

Es sei überdies „nicht unwahrscheinlich“, hieß es weiter, dass der Brandanschlag auch Thema im geheim tagenden Parlamentarischen Kontrollgremium (PKGr) für die Kontrolle der Geheimdienste werde. Zu der Tat hatte sich die „Vulkangruppe“ bekannt.

Der Vorsitzende des PKGr, Marc Henrichmann (CDU), sagte der „Rheinischen Post“: „Unsere Infrastruktur darf nicht länger bis ins Detail offenliegen. Allumfassende Transparenz ist unter den heutigen Bedingungen zu einem echten Sicherheitsrisiko geworden.“

Auch das Kontrollgremium müsse dabei alle Arten von Sabotage im Blick behalten, „um die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen“, so Henrichmann. „Sicherheitsbehörden und Verfassungsschutz brauchen die nötigen Kompetenzen und Ressourcen, um zukünftig solche Angriffe frühzeitig aufzuklären und zu verhindern.“

Derartige Taten müssten ein „Weckruf“ sein, so Henrichmann weiter. „Politik, Behörden und Betreiber kritischer Infrastruktur müssen jetzt handeln: Wir brauchen redundante Systeme, schnelle Entscheidungen und eine vernetzte Sicherheitsarchitektur.“ Dabei müsse das Gremium alle Arten von Sabotage im Blick behalten, „um die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen“, sagte der Vorsitzende.

Techniker an der Stelle, an der ein linksradikaler Brandanschlag am 3. Januar 2026 Hochspannungskabel in der Nähe des Kraftwerks Lichterfelde am Teltowkanal in Berlin zerstörte. Das verursachte einen massiven Stromausfall.

Foto: Odd Andersen/AFP via Getty Images

Nach dem Anschlag mutmaßlicher Linksextremisten auf eine Kabelbrücke am Teltowkanal waren nach Angaben vom Dienstag im Südwesten Berlins weiterhin rund 25.500 Haushalte ohne Strom.

Am Samstagmorgen waren zunächst 45.000 Haushalte betroffen. Die Polizei stufte ein Bekennerschreiben einer Organisation namens Vulkangruppe als glaubwürdig ein. (afp/dts/dpa/ks)



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