Nach dem tödlichen Angriff auf einen Zugbegleiter bei einer Ticketkontrolle in Rheinland-Pfalz gehen die Ermittler den noch offenen Fragen nach. So werten sie unter anderem Videoaufzeichnungen aus dem Zug aus, in dem es am 2. Februar zu der Tat gekommen war. Das genaue Motiv ist weiter unklar, der Verdächtige schweigt bislang.

Ein 36 Jahre alter Bahnmitarbeiter hatte in einem fahrenden Regionalexpress nahe Kaiserslautern einen allein reisenden Mann kontrolliert, der kein gültiges Ticket hatte.

Nach Angaben der Polizei forderte der Zugbegleiter den 26 Jahre alten Fahrgast deshalb auf, beim nächsten Halt in Homburg auszusteigen. Den bisherigen Ermittlungen zufolge schlug der Mann daraufhin den Zugbegleiter unvermittelt und mehrmals heftig mit den Fäusten an den Kopf.

Täter polizeilich bislang unauffällig

Zugbegleiter Serkan C. verlor das Bewusstsein, musste reanimiert werden und starb eineinhalb Tage später in einer Klinik in Homburg. Todesursache war laut Obduktionsergebnis eine Hirnblutung als Folge von stumpfer Gewalt gegen den Kopf. Ein Messer oder andere Gegenstände seien bei der Tat nicht verwendet worden.

Der mutmaßliche Täter, ein Grieche, der nach eigenen Angaben seinen Wohnsitz in Luxemburg hat, wurde kurz nach der Tat in Homburg festgenommen und sitzt in Untersuchungshaft. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft war er der Polizei in Deutschland zuvor nicht aufgefallen, er habe keine Vorstrafen.

Acht Übergriffe pro Tag auf Bahnmitarbeiter

Die Deutsche Bahn teilte mit, dass es im Jahr 2025 rein rechnerisch pro Tag acht verbale oder auch körperliche Übergriffe auf Mitarbeiter des Unternehmens gegeben hat.

„Die Hälfte der Angriffe betrifft das Zugpersonal im Regionalverkehr. Auf Sicherheitskräfte entfällt gut ein Drittel“, sagte ein Bahnsprecher. „Auch Reinigungskräfte oder Servicekräfte am Bahnhof werden Opfer von Angriffen.“ Es gebe eigens eine App, um solche Taten zu melden.

Mehr Sicherheit durch Bodycams - das ist die Devise der Deutschen Bahn im Nahverkehr.

Mehr Sicherheit durch Bodycams – das ist die Devise der Deutschen Bahn im Nahverkehr.

Mehr und mehr Mitarbeiter würden daher mit Bodycams ausgerüstet, sofern diese das wünschten. Die Erfahrungen damit seien positiv. „Sie können Konflikt deeskalieren, wenn ein Angreifer sich auf dem Bildschirm sieht.“

Auch Trainings zur Deeskalation gehörten zur regelmäßigen Fortbildung der etwa 20.000 Bahnmitarbeiter mit Kundenkontakt. „Aber bei einer derart hemmungslosen Gewalt, wie wir sie jetzt erlebt haben, gibt es keinen hundertprozentigen Schutz“, sagte der Bahnsprecher.

Kriminologe: Solche Taten sind selten

Diese Einschätzung teilt auch der Kriminologe Tobias Kulhanek von der Leibniz Universität Hannover. Solche Taten seien auch mit mehr Sicherheitsmaßnahmen nicht zu verhindern. „Wie sollten die auch aussehen?“, fragte er.

Es könne schlicht nicht in jedem Zugwaggon in Deutschland noch ein Sicherheitsbediensteter sein. Wenn etwa Gewerkschaften nun mehr Sicherheit für Beschäftigte fordern, könne er das nachvollziehen. „Es würde diese Tat aber nicht verhindern, diese Ehrlichkeit gehört auch in die Debatte.“

Eine solche Tat komme selten vor, sie sei von außen betrachtet nicht nachvollziehbar. „Das, was wir hier haben, ist eine völlig unübliche Eskalation einer Fahrkartenkontrolle“, sagte Kulhanek. (dpa/ks)



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