Der Skandal um die russische Präsenz auf der Biennale in Venedig spitzt sich zu. Während die Festivalleitung auf Unabhängigkeit pocht, will die EU dem Festival die Fördermittel entziehen.

Die Rückkehr Russlands zur Biennale von Venedig gleicht zunehmend einer grotesken politischen Farce – mit Erpressung, Nötigung und Ähnlichem. Ein Sturm der Entrüstung brach los, nachdem die Leitung der Biennale bekannt gegeben hatte, dass Russland in diesem Jahr wieder an dem Festival teilnehmen werde. Die Berliner Zeitung schrieb kürzlich dazu:

„Biennale-Präsident Pietrangelo Buttafuoco hatte verkündet, dass Russland seinen Pavillon zum Beginn der Messe im Mai wiedereröffnen dürfe. Die Organisatoren hatten kürzlich in einer Stellungnahme erläutert, dass sich die Kunstmesse als ‚eine offene Institution‘ verstehe. Zu den Grundsätzen heißt es: ‚Die Biennale von Venedig lehnt jegliche Form von Ausgrenzung oder Zensur von Kultur und Kunst ab. Wie die Stadt Venedig selbst ist auch die Biennale ein Ort des Dialogs, der Offenheit und der künstlerischen Freiheit, der die Verbindung zwischen Völkern und Kulturen fördert und die Hoffnung auf ein Ende von Konflikten und Leid nährt.‘

Jedes von der Italienischen Republik anerkannte Land könne eigenständig eine Teilnahme beantragen. Auch nicht anerkannte Länder hätten ‚im Laufe der Jahre Wege gefunden, sich im Rahmen der Begleitveranstaltungen zu beteiligen und zu präsentieren‘. So werden dieses Jahr auch Künstler aus Palästina Arbeiten präsentieren.“

Russland kehrt zur Biennale in Venedig zurück – EU droht mit Förderentzug

Diese Entscheidung der Biennale sei „nicht vereinbar mit der kollektiven Reaktion der EU auf die brutale Aggression Russlands“, hieß es daraufhin aus den EU-Chefetagen. Konkret droht die EU-Kommission nun, wie die Zeitung weiter schreibt, mit folgenden Maßnahmen:

„‚Sollte die Fondazione Biennale ihre Entscheidung, die Teilnahme Russlands zuzulassen, fortsetzen, werden wir weitere Maßnahmen prüfen, einschließlich der Aussetzung oder Beendigung eines laufenden EU-Zuschusses an die Biennale Foundation.‘ Die Förderung beläuft sich laut der Financial Times (FT) auf zwei Millionen Euro.“

Auch Minister aus 22 europäischen Ländern brachten in einem gemeinsamen Brief „ihre Bestürzung und Besorgnis darüber zum Ausdruck“.

Darauf folgte ein Skandal innerhalb der italienischen Regierung. Die österreichische Zeitung Der Standard schreibt:

„Der italienische Kulturminister Alessandro Giuli hat die Vertreterin seines Ministeriums im Verwaltungsrat der Biennale, Tamara Gregoretti, aufgefordert, ihr Mandat niederzulegen. Als Grund nannte der Minister ein ‚zerstörtes Vertrauensverhältnis‘.

Gregoretti habe ihn weder über die mögliche Präsenz Russlands informiert noch im Biennale-Verwaltungsrat gegen die russische Teilnahme gestimmt. Die Betroffene weigert sich jedoch, zurückzutreten. Sie erklärte, sie handle im Einklang mit der Satzung der Biennale und der Autonomie der Institution. Mitglieder des Verwaltungsrats, so Gregoretti, seien nicht denjenigen verpflichtet, die sie ernannt hätten.“

Der stellvertretende Ministerpräsident und Vorsitzende der italienischen Regierungspartei Lega, Matteo Salvini, kündigte hingegen an, die Biennale besuchen zu wollen, und distanzierte sich von der kritischen Linie gegenüber Russland innerhalb der Regierung von Giorgia Meloni. Kultur vermittle ebenso wie Sport eine universelle Botschaft des Zusammenhalts, sagte Salvini. „Niemand darf ausgeschlossen werden“, zitiert ihn Der Standard.

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