Offiziell 1834 gegründet. kann man die Wurzeln der Partei bis ins 17. Jahrhundert zur „Exclusion Crisis“ zurückverfolgen, also zu der Zeit, zu der in England darüber gestritten wurde, ob der Bruder von Charles II – James, Duke of York, später James II – von der Thronfolge ausgeschlossen werden sollte, weil er ein „Roman Catholic“ war. Da der Duke of York später als James II den Thron bestiegen hat, ist offenkundig, wie diese Frage entschieden wurde.
Aber ich schweife ab.
Gegenstand ist die lange Geschichte der Conservative Party, die derzeit ihrem Ende zu geht. Denn die Conservative Party fällt im Moment auseinander, Grund dafür ist Reform UK, eine konservative Partei, die zum Totengräber der Partei wird, die einst Politiker wie Robert Peel, Benjamin Disraeli, Winston Churchill, Margaret Thatcher usw. hervorgebracht hat.
Wir sehen derzeit eine „flurry of defections“, den Wechsel von High-Profile Conservatives zu Reform UK, die zum einen die Conservative Party in einer Weise aushölen, die nur einen links-liberalen Kern übrig lässt. Indes, die Aufnahme von Conservatives in Reform UK ist eine sensible Angelegenheit, denn die Bedenken davor, zu „Tories Light“ zu werden, sind weit verbreitet, so dass jeder „Überläufer“ zunächst einmal auf erheblichen Pessimismus trifft, wenn er nicht gleich zu Ärger führt.
Ein Problem, das Robert Jenrick, der heute die Conservative Party in Richtung Reform UK verlassen hat, sicher nicht haben wird, denn Jenrick ist DER, nicht einer, er ist DER Standartenträger einer konservativen Politik für die Tories gewesen, ein Politiker der keinen Hehl daraus gemacht hat, dass er den European Court of Human Rights verlassen will, die Grenzen schließen, Illegale, die zu 100.000en ins UK gekommen sind, deportieren will, ein Politiker, der den Verfall des öffentlichen Lebens, die endemische Kriminalität und den Niedergang all dessen, was Britishness ist, anprangert und aufhalten will. Bis heute war Jenrick ein Front-Line Politiker der Tories, der als Shadow Justice Secretary sicher ein Grund dafür war, dass die Conservatives nach wie vor in Umfragen ein paar Bürger mit Wahlabschicht „Conservatives“ zusammenbringen.
Der Wechsel von Jenrick, der vor nicht allzulanger Zeit als zweiter hinter Kemi Badenoch durch das Ziel „Vorsitzender der Konservativen Partei“ gegangen ist, mischt das britische Parteiensystem einmal mehr auf und wird den Tories erheblichen Schaden zufügen. Insofern sich viele über die letzten Monate offen darüber gewundert haben, was jemand wie Robert Jenrick in der Konservativen Party sucht, war seine Defektion letztlich eine Frage der Zeit. Und mit dieser Defektion stellt sich natürlich die Frage, wie viele Abgeordnete der Conservative Party Robert Jenrick folgen werden bzw. von Reform UK aufgenommen werden, denn, wie angedeutet, ist jeder Wechsel eine sensible Angelegenheit, wie der Fall von Nadhim Zahawi zeigt, der vor wenigen Tagen zu Reform UK gewechselt ist.
Zahawi war Minister unter Theresa May, Boris Johnson, Liz Truss und Rishi Sunak fester Bestandteil der Regierung, vom Bildungsminister bis zum Chancellor of the Exchequer unter Rishi Sunak, der zweitwichtigsten Position im politischen System des Vereinigten Königreichs. Was Zahawi indes nachhängt, das ist nicht zuletzt seine Zeit als „Parliamentary Under-Secretary of State for COVID-19 Vaccine Deployment“. Als solcher war Zahawi für die COVID-19 Impfkampagne verantwortlich, eine Verantwortung, die er in ähnlicher Weise missbraucht hat, wie dies deutsche Polit-Darsteller getan haben. Zahawi ist vielen in Erinnerung für seinen Versuch, eine Impfpflicht durchzusetzen und seine Bereitschaft, unmündigen Kindern und nicht etwa ihren Eltern die letzte Entscheidung darüber zu überlassen, ob sie sich gegen COVID-19 „impfen“ lassen wollen.
Auch ansonsten hat sich Zahawi während der „COVID-Plandemie“ nicht unbedingt durch das ausgezeichnet, was man Feingefühlt nennt. Er gehört eher zu denen, die Bürger wie kleine Kinder behandeln und für sich in Anspruch nehmen, besser als andere zu wissen, was für sie gut ist…
Es ist, wie in der Überschrift geschrieben, ein Mixed Bag. Während für viele Reform UK Mitglieder die Aufnahme von Nadhim Zahawi, die damit verteidigt wurde, dass es Reform UK an erfahrenen Politikern, die schon einmal in Regierungsverantwortung waren, mangele, ein No Go ist, eine Kröte, von der viele noch nicht wissen, ob sie sie schlucken werden, ist Robert Jenrick sicher jemand, der mit offenen Armen begrüßt werden wird, und ganz davon abgesehen, ist er mit Sicherheit ein sympatischerer Zeitgenosse als Nadhim Zahawi…
Wer sich für die Pressekonferenz von Reform UK interessiert, in deren Verlauf Robert Jenrick als neues Mitglied von Reform UK und siebter Abgeordneter im House of Commons präsentiert wurde, der kann sie hier verfolgen:
Bleibt noch nachzutragen, dass die Conservatives heute morgen davon erfahren haben, dass Jenrick zu Reform UK wechsel wird und entsprechend des offenkundig nach wie vor in dieser Partei verbreiteten Gifts haben sie sich beeilt, Jenrick aus der Conservative Party auszuschließen und als Shadow Minister of Justice zu entlassen, ehe er vor die Presse treten und verkünden konnte, dass er seine Parteimitgliedschaft und sein Parteiamt niedergelegt hat.
Kindergarten. Zudem ein lernunfähiger Kindergarten, wie eine Anekdote zeigt, die Jenrick erzählt hat:
Robert Jenrick said of a recent shadow cabinet meeting: “The question was put to the group ‘is Britain broken?’ I said instinctively it’s broken. Almost everyone said it’s not broken.
“And we were told that is the party line. A few had a third position. It is broken but we can’t say so. Because the Conservative Party broke it.
“If they won’t admit publicly to you, the British people, what they broke, what possible faith can you have in them to fix it? The Conservative Party in Westminster isn’t sorry, it doesn’t get it, it hasn’t changed, it won’t change, it can’t change.”
Don’t ever trust the Conservatives again.
Ein Motto, das unter Britischen Wählern schon lange die Runde macht und wie die Anekdote zeigt, ein berechtigtes Motto, denn dort hat sich überhaupt nichts geändert, auch die katastrophale Niederlage bei der letzten Wahl zum House of Commons hat kein Umdenken ausgelöst, letztlich ist das der wichtigste Grund für Robert Jenrick, zu Reform UK zu wechseln, wie er in seiner Stellungnahme gesagt hat.
Falls Sie unsere Arbeit unterstützen, und dafür sorgen wollen, dass bei ScienceFiles auch weiterhin das Rad rund läuft, dann kaufen Sie uns doch einen Kaffee:
Oder unterstützen Sie uns auf einem der folgenden Wege
Unser herzlicher Dank ist Ihnen sicher!
DENN: ScienceFiles lebt von Spenden. Helfen Sie uns, ScienceFiles auf eine solide finanzielle Basis zu stellen, damit Sie uns auch morgen noch lesen können!