Die zunehmende Gewalt an Bahnhöfen und in Zügen im besten Deutschland ist kein neues Phänomen, doch durch den grausamen Tod des Zugbegleiters Serkan C. rückt die Lage wieder in den Fokus. Als Ursache verortet man in den Staatsmedien die allgemeine Verrohung der Gesellschaft. Massenmigration, der damit einhergehende Werteverfall und die aggressive Spaltung der Gesellschaft durch die Politik sind gewiss nicht verantwortlich – eher sind Zugbegleiter selbst schuld, weil sie interkulturell unsensibel sind, oder Donald Trump ist verantwortlich. Auch eine Lösung hat man parat: die Regulierung der sozialen Netzwerke!
Ein Schaffner wird totgeschlagen, weil er seinen Job macht – und Politik und Medien rätseln darüber, warum die Gesellschaft in den vergangenen Jahren so “verroht” ist. Für das Establishment steht zweifelsfrei fest: Die Armuts- und Massenmigration aus gewaltbereiteren Kulturkreisen hat ganz gewiss nichts damit zu tun. Die damit einhergehende Zersetzung von Kultur und Werten und die durch die Politik forcierte Spaltung der Gesellschaft in den letzten Jahren auch nicht. Eher ist Donald Trump schuld, der “das Recht des Stärkeren” lebe und “nicht mehr aufs Völkerrecht” setze, wie etwa eine WDR-Moderatorin postuliert.
Im Zuge der aktuellen Meldungen und Berichte rückte auch ein etwas älterer Beitrag des NDR wieder ins Rampenlicht, der jüngst erneut ausgestrahlt wurde. In ihm machte ein “Rechtsextremismusforscher” (und Professor an einer Polizeiakademie) kurzerhand Zugbegleiter selbst dafür verantwortlich, dass ihnen Gewalt angetan wird: Sie wären unzureichend geschult, es mangele ihnen an „interkultureller Kompetenz“ und sie hätten bei der Fahrkartenkontrolle vielleicht eine autoritäre Körperhaltung, die als diskriminierend wahrgenommen werden könne. Er plädierte dafür, über Gewalt weniger zu berichten, nicht zuletzt, weil “Kriminalitätsängste” sich “kapitalisieren” ließen und auch in Wahlergebnissen widerspiegeln würden.
Im selben Beitrag fand ein anderer “Experte” vom Deutschen Zentrum für Schienenverkehrsforschung übrigens einen weiteren Erklärungsansatz: Weil es so schwer wäre, sich an einem fremden Bahnhof zu orientieren, geriete man eher in Stress – und werde deswegen schneller gewalttätig.
Beim “Sonntags-Stammtisch” im BR sinnierte man derweil kürzlich über die Notwendigkeit einer Klarnamenpflicht und einer Abschaffung der Anonymität im Internet, um vermeintlich die Verrohung der Gesellschaft zu stoppen. Immer wieder ging es in der Debatte auch um Politiker-Beleidigungen. Der Tod des Schaffners, der brutal erschlagen wurde, wurde dabei zwischenzeitlich als direkte Konsequenz von “Hass und Hetze” im Netz bewertet. Nach der Logik dieser Runde wird also bestimmt kein Mensch mehr zu Tode geprügelt, wenn nur endlich eine Ricarda Lang nicht mehr anonym auf X beleidigt werden kann.
Fragt sich freilich eher, wie viel Hass in der Gesellschaft lodern wird, wenn die Politik und ihr Apparat aus Medienschaffenden und sonstigen Hofnarren sich weiter so massiv von den Normalbürgern entfernen, die wahren Probleme negieren und als einzige, “alternativlose” Lösung noch mehr Verbote, Zensur und Unterdrückung durchsetzen. Das Problem kommt nämlich – mitsamt aller Faktoren, die diese Negativspirale in Gang gesetzt haben – nicht von unten (aus der Gesellschaft), sondern von oben (aus der Politik). Und es wird kaum von den Personalien, die es verursacht haben, gelöst werden können.