In Kürze:

  • Politiker, Wirtschaftsführer und Wissenschaftler diskutieren in Davos globale Probleme.
  • US-Präsident Donald Trump wird begleitet von der größten US-Delegation in der Geschichte des WWFs.
  • Starmer will einen Friedensplan für die Ukraine ausarbeiten.
  • Russland ist nicht eingeladen.

 

Führende Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Wissenschaft werden im schweizerischen Wintersportort Davos vom 19. bis 23. Januar zusammenkommen, „um zukunftsorientierte Diskussionen zu führen, globale Probleme anzugehen und Prioritäten zu setzen“ gibt das Weltwirtschaftsforum (WWF) bekannt. Nach eigener Aussage ruft das WWF „zu mutigem gemeinschaftlichem Handeln“ auf, was „dieses Treffen besonders relevant“ mache.

Das Wirtschaftsforum wird seit 1971 jährlich einberufen. Gründer ist der inzwischen 87-jährige deutsche Wirtschaftswissenschaftler Klaus Schwab aus Ravensburg. Das WWF ist eine Stiftung, die von Schwab bis April 2025 als Vorsitzender geleitet wurde. Es hat seinen Hauptsitz in Genf, mit Zweigniederlassungen in New York, Peking und Tokio.

Das WWF steht seit geraumer Zeit in Konkurrenz zur jährlichen Münchner Sicherheitskonferenz, die Mitte Februar tagt. In München steht allerdings die Weltpolitik im Mittelpunkt, während das WWF mehr die weltwirtschaftliche Entwicklung beobachtet. Die Übergänge beider Konferenzen sind jedoch fließend.

USA kommen mit größter Delegation aller Zeiten

Auf der langen Gästeliste stehen die Größen der Weltpolitik und Wirtschaft. Im Mittelpunkt: US-Präsident Donald Trump mit Außenminister Marco Rubio, die für den 21. Januar erwartet werden.

Wenige Tage nach dem US-Militäreinsatz in Venezuela und der erneuten Absicht, Grönland den USA anzugliedern, wird Trumps Rede in Davos mit Spannung erwartet. Wird er die Welt mit einer weiteren Ankündigung überraschen?

Die schweizerische Polizei rechnet mit zahlreichen Protestaktionen gegen den amerikanischen Präsidenten rund um Davos und hat höchste Sicherheitsstufe ausgegeben. Wie die Nachrichtenagentur „Associated Press“ berichtet kommen die USA mit der größten Delegation seit Bestehen des WWF.

Russland nicht eingeladen

Keine Überraschung: Auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sowie die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen werden sprechen. Aus Argentinien reist Präsident Javier Milei an.

Ebenfalls in Davos vertreten ist Syriens selbsternannter Präsident und früheres Al-Qaida-Mitglied Ahmed al-Scharaa. Organisationen und Vereine wie die Kurdische Gemeinde Deutschland und die Gesellschaft für bedrohte Völker werfen al‑Scharaa „Massaker, Vertreibungen und systematische Gewalt gegen Zivilisten in Syrien“ vor.

Aus Russland wurde vom WWF niemand eingeladen, wie die russische staatliche Nachrichtenagentur TASS mitteilte. Peking entsendet mit dem sogenannten Stellvertretenden Premier He Lifeng einen vergleichsweise niedrigrangingen Vertreter der kommunistischen Partei Chinas. Insgesamt haben sich 64 Staats- und Regierungschefs angekündigt.

Starmer will Friedensplan für Ukraine

Namhafte Vertreter aus der EU sind der französische Präsident Emmanuel Macron, der polnische Präsident Karol Nawrocki und Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), der laut Ankündigung des Bundeskanzleramts am 21. und 22. Januar am WWF teilnehmen will. Geplant sei unter anderem ein Austausch „mit internationalen Investoren“.

Als besonders ambitioniert hat sich der britische Premier Keir Starmer bereits im Vorfeld positioniert. Er möchte in Davos „einen Friedensplan für die Ukraine „heraushämmern“ (ausarbeiten), wie die englische Tageszeitung „The Telegraph“ am 13. Januar mitteilte.

1700 Top-Manager

Aus der Wirtschaft haben sich etwa 1700 Top-Manager und CEOs angemeldet, darunter Microsoft-Chef Satya Nadella, Sergio Ermotti von der Großbank UBS, Nvidia-Chef Jensen Huang sowie zahlreiche Spitzenvertreter von KI-Unternehmen. Die UNO wird durch Generalsekretär António Guterres vertreten. Hinzu kommen der Weltbank-Chef Ajay Banga und der NATO-Generalsekretär Mark Rutte. Von weiteren internationalen Nichtregierungsorganisationen nehmen beispielsweise die Menschenrechtsbeobachtungsgruppe Human-Rights-Watch, Amnesty-International und das Internationale-Rote-Kreuz teil.

Experten: Geoökonomische Konfrontationen größtes Risiko

Im Vorfeld des Treffens veröffentlichte das WWF einen „Welt-Risiko-Bericht 2026“, der sich als „Frühwarnsystem“ versteht. Die Autoren kommen darin zu dem Schluss, dass „geoökonomische Konfrontationen das größte Risiko für dieses Jahr darstellen“. Unter diese Kategorie fallen zum Beispiel Handelszölle, die als politisches Druckmittel eingesetzt werden. Auf Platz zwei folgen zwischenstaatliche Konflikte, danach extreme Wetterereignisse, gesellschaftliche Polarisierungen sowie Fehlinformation und Desinformation.

Für den Bericht wurden Führungskräften und Experten befragt. Laut WWF-Bericht rechnet die Hälfte der Befragten für die nächsten zwei Jahre mit einer „turbulenten“ Welt, was einem Anstieg von 14 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr entspreche. Weitere 40 Prozent würden erwarten, dass die Aussichten für die nächsten zwei Jahre zumindest unruhig sein werden, während 9 Prozent Stabilität und 1 Prozent Ruhe erwarten. Was die Aussichten für die nächsten 10 Jahre angeht, erwarten 57 Prozent weiterhin hohe weltweite Turbulenzen. Nur 10 Prozent sagen Stabilität voraus.

Børge Brende, der neue Vorsitzende des WWF, erklärte am 14. Januar vor der Presse: Eine neue Wettbewerbsordnung entsteht, da die Großmächte versuchen, ihre Interessensphären zu sichern. Diese sich wandelnde Landschaft, in der die Zusammenarbeit deutlich anders aussieht als gestern, spiegelt eine pragmatische Realität wider: Kooperationsansätze und der Geist des Dialogs bleiben unverzichtbar“, ist Brende überzeugt.

Naher Osten ein Top-Thema

Während für Europa der Krieg in der Ukraine das wichtigste politische Thema darstellt, blickt ein Großteil der Welt eher auf die Krisen im Nahen Osten. Wie die Tageszeitung „The National News“ aus den Vereinigten Arabischen Emiraten in ihrer Online-Ausgabe berichtet, habe der WWF-Chef Børge Brende vor der Presse weiterhin angekündigt, dass in diesem Jahr die arabische Welt stark vertreten sein werde.

Zum ersten Mal nehme auch eine Delegation aus Syrien teil. Zum Beispiel würden Jordaniens Kronprinz Hussein und Katars Premierminister Scheich Mohammed bin Abdulrahman anreisen. „Wir haben starke Delegationen aus Saudi-Arabien, zehn Minister, und auch eine sehr starke Delegation aus den Vereinigten Arabischen Emiraten“, fügte Brende hinzu. Es gehe um die derzeitige Lage im Iran und im palästinensischen Gaza-Streifen, so das Blatt.

Weitere Themen: Zusammenarbeit, Wasser, Umwelt, KI

Als weitere Top-Themen nennt der WWF mehrere Fragen. Wissenschaftler der texanischen „Rice University“, die zu den Top-20 der USA zählt, haben sich im Vorfeld mit den Themen auseinandergesetzt. Zu der Frage „Wie können wir in einer zunehmend umkämpften Welt zusammenarbeiten?“ erklärt Rice-Professor Mark Jones, bei diesem Thema gehe es darum, „wie geopolitischer Wettbewerb die globale Zusammenarbeit neugestaltet“. Dies habe auch Auswirkungen auf Diplomatie, Sicherheit und internationale Politikkoordination.

Zum Forum mit dem Titel „Wie können wir neue Wachstumsquellen erschließen?“ erklären Rice-Finanzexperten, hier würden unter anderem „Wege zu nachhaltigem Wirtschaftswachstum in fortgeschrittenen und aufstrebenden Volkswirtschaften“ diskutiert. Auch gehe es um die „Rolle der Finanzpolitik bei der Förderung von Innovation, Investitionen und der Makroökonomie“ sowie darum, „wie neue Materialien die Abhängigkeit von knappen oder geopolitisch sensiblen Ressourcen verringern können“. Es bedürfe zudem bei der Beschaffung und Verarbeitung kritischer Materialien neuer Ideen. Gemeint sind hier wohl unter anderem Seltene Erden.

Zum Forums-Thema „Wie können wir besser in Menschen investieren?“ erklären die Rice-Experten, dass zur Beantwortung über „Investitionen in sauberes Wasser“ diskutiert werden müsse. Wasser sei die „Grundlage für die menschliche Gesundheit und wirtschaftliche Entwicklung“. Es bedürfe nachhaltige Wassersysteme in wasserarmen Gemeinden, denn es bestehe ein Zusammenhang zwischen Infrastruktur, der Fähigkeit, schwierige Lebenssituationen zu meistern und langfristigem Wohlstand. Außerdem müssten Arbeitskräfte auf eine künftig KI-gesteuerte Volkswirtschaft vorbereitet werden. Dazu zähle eine gleichberechtigte fortschrittliche technische Ausbildung.

An dieses Forum schließt sich die Frage an: „Wie können wir Innovationen verantwortungsbewusst in großem Maßstab einsetzen?“ Die Rice-Wissenschaftler verweisen darauf, dass es für eine Antwort zum Beispiel eine „verantwortungsbewusste Anpassung von KI in verschiedenen Branchen“ geben müsse. Auch eine „Verringerung der Umweltverschmutzung bei gleichzeitiger Förderung des Wirtschaftswachstums“ sei anzustreben. Für Umwelt- und Klimathemen gibt es ein weiteres Forum in Davos.

Netzwerken mit Brücken bauen

Neben den offiziellen Reden und Diskussionsforen dient das Weltwirtschaftsforum in den vielen Pausengesprächen auch als eine Top-Möglichkeit, alte Netzwerke zu pflegen und neue zu bilden. Deshalb zeigte sich der neue WWF-Chef Brende davon überzeugt: „Unsere Jahrestagung in Davos wird als wichtige Plattform dienen, um Risiken und Chancen zu verstehen und die notwendigen Brücken zu bauen, um ihnen zu begegnen.“



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