In einer Welt, in der Freiheit zerbrechlich ist und ständiger Verteidigung bedarf, wie es der ehemalige US-Präsident Ronald Reagan einst formulierte, wirft das jüngste Eingreifen der USA in Venezuela fundamentale Fragen zur US-Außenpolitik auf. Basierend auf einem exklusiven Interview des Richters Andrew Napolitano mit dem ehemaligen UN-Waffeninspektor und Militärexperten Scott Ritter in der Sendung „Judging Freedom“ vom 3. Januar 2026 beleuchtet dieser Artikel die dramatischen Ereignisse in Venezuela. Dort hat Präsident Donald Trump eine Invasion angeordnet, die zur Verhaftung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro führte. Ritter kritisiert dies scharf als Verletzung des Völkerrechts und als gefährlichen Präzedenzfall für eine imperiale US-Politik. Der folgende ausführliche Bericht fasst die Schlüsselpunkte des Interviews zusammen, analysiert die Implikationen und stellt die Argumente in einen breiteren geopolitischen Kontext.
Der Kontext der Invasion: Ein „Made-for-TV“-Ereignis
Das Interview beginnt mit einer direkten Auseinandersetzung mit den Ereignissen der letzten 24 Stunden in Venezuela. Präsident Trump hat eine militärische Operation genehmigt, bei der Eliteeinheiten der Delta Force in die Hauptstadt Caracas eindrangen, Maduro verhafteten und die Regierung effektiv übernahmen. Napolitano fragt Ritter, wie Trump dies im Hinblick auf die nationale Sicherheit der USA rechtfertigen könne.
Ritter betont, dass Trump keine faktenbasierte Diskussion führen werde, sondern vielmehr die öffentliche Wahrnehmung manipulieren wolle. „Der Präsident ist im Geschäft, Wahrnehmungen zu formen“, erklärt Ritter. Er spinnt die Operation als großen Sieg für die US-Sicherheit dar, indem er Venezuela als Hauptquelle illegaler Drogen wie Fentanyl darstellt – eine Behauptung, die Ritter als Lüge enttarnt. Tatsächlich stammen die meisten Drogen aus Ländern wie Kolumbien und Mexiko, und Fentanyl gelangt hauptsächlich über die mexikanische Grenze in die USA. „Wenn wir eine faktenbasierte Diskussion führen würden, würde der Präsident als Lügner dastehen“, sagt Ritter.
Besonders scharf kritisiert Ritter die Unwissenheit der amerikanischen Öffentlichkeit, insbesondere der MAGA-Bewegung (Make America Great Again), die Trumps Basis darstellt. „Die MAGA-Bewegung besteht aus einigen der unwissendsten Menschen der Welt über die Welt, in der wir leben“, konstatiert er. Das „America First“-Mantra verdecke Sünden wie Ignoranz und ermögliche es, Lügen über Venezuela zu verbreiten.
Die Invasion sei kein echter Kampf gewesen, sondern ein inszeniertes Ereignis: Die CIA habe Hunderte Millionen Dollar an die venezolanische Elite, einschließlich Militär und Sicherheitskräfte, gezahlt, um den Weg freizumachen. „Das war ein permissives Umfeld. Sie gingen hinein, es war grünes Licht, und sie bekamen ihren Made-for-TV-Moment.“
In den letzten Monaten habe die USA Sanktionen und die Möglichkeit ihrer Aufhebung genutzt, um die Elite Venezuelas zu kaufen. Ölflüsse und damit verbundenes Geld seien als Köder verwendet worden. „Wir haben die politische und wirtschaftliche Elite Venezuelas gekauft, einschließlich derer, die noch vor einer Woche sagten, sie stünden für immer zu Maduro“, fasst Ritter zusammen. Für die MAGA-Basis, die keine tiefgehenden Fragen stelle, sei dies ein großer Sieg – doch langfristig schade es Amerikas Ruf.
Die Anklage gegen Maduro: Eine Farce des Rechtsstaats
Ein zentraler Punkt des Interviews ist die Anklage gegen Maduro, die Trump als Grund für die „Verhaftung eines Flüchtigen“ darstellt. Napolitano weist darauf hin, dass die Anklagepunkte übertrieben seien: Es gebe keine Erwähnung von Fentanyl, und einer der Vorwürfe beziehe sich auf den Besitz einer Waffe, der gegen das US-Waffengesetz von 1934 verstoße – ein Gesetz, das vom Obersten Gerichtshof für verfassungswidrig erklärt wurde. „Wie kann jemand in Caracas, Venezuela, eine Waffe besitzen, die dort legal ist, und dafür in den USA angeklagt werden?“, fragt Napolitano rhetorisch.
Ritter stimmt zu und geht weiter: Die Anklage erwähne das „Cartel de los Soles“ (Kartell der Sonnen), das in Wahrheit eine CIA-Front sei, die Ende der 1980er Jahre geschaffen wurde. „Das ist kein venezolanisches Kartell, sondern eine CIA-Narko-Front“, betont er. Sollte es zu einem Prozess kommen, würde Maduro Zugang zu CIA-Akten verlangen, was peinlich für die USA werden könnte.
Ritter spekuliert sogar, dass Maduro kollaboriert haben könnte: Die Operation sei zu einfach verlaufen, Maduro zu willig gegangen. „Vielleicht wird der Fall fallen gelassen, und er geht ins Exil nach China oder Russland.“
Grundsätzlich sei dies keine Rechtsdurchsetzung, sondern ein Angriff auf eine fremde Regierung. „Das ist das Gegenteil des Rechtsstaats“, sagt Ritter. Maduro sei unschuldig bis zum Beweis des Gegenteils, doch die USA hätten ihn bereits verurteilt. Dies untergrabe Amerikas Anspruch, eine Nation des Rechts zu sein. Napolitano vergleicht es mit der Nachkriegsverwaltung Japans durch Douglas MacArthur: Nun würden Pete Hegseth und Marco Rubio Venezuela leiten.
Auswirkungen auf internationale Beziehungen: Misstrauen gegenüber Russland und China
Ritter verbindet die Venezuela-Invasion mit breiteren geopolitischen Entwicklungen. Er erwähnt einen kürzlichen Drohnenangriff auf Russland, den er als CIA-Operation sieht, die von Trump genehmigt wurde, um Putin eine Warnung zu senden. „Das war eine Botschaft: Wir können dich treffen, wann wir wollen“, erklärt er. Russland habe Beweise übergeben, die die US-Beteiligung belegten. Dies verändere Russlands Haltung: „Die Russen wissen alles. Lügt uns nicht an.“
Auf die Frage, ob Putin Trump noch vertrauen könne, antwortet Ritter mit einem klaren Nein. Putin vertraue grundsätzlich niemandem, aber die USA hätten sich als duplizitär erwiesen. Die Wirtschaftsdiplomatie durch Kilian Dmitriev sei gescheitert; Verhandlungen mit Steve Witkoff und Jared Kushner – Profitgetriebenen – seien naiv gewesen. „Die Russen haben eine kalte Dusche bekommen. Die USA sind unfähig, in gutem Glauben zu verhandeln.“
In Bezug auf China sieht Ritter eine ähnliche Enttäuschung. Eine hochrangige chinesische Delegation habe Maduro nur Stunden vor seiner Verhaftung besucht, was auf Vertrauen in seine Stabilität hindeute. Nun müsse China alles überprüfen: „Die Venezolaner haben ihre Seele an die USA verkauft. China hat Schlamm im Gesicht.“ Maduro sei von Korruption umgeben gewesen, die die CIA ausnutzte, und lasse China, Russland und andere im Stich.
Risiken für die USA: Kein neues Vietnam, aber ein imperialer Weg
Napolitano fragt, ob Trump sich ein „neues Vietnam“ einkaufe, und spielt ein Statement Trumps ab, in dem er „Stiefel am Boden“ nicht ausschließe, aber betont, die Operation sei riskant gewesen. Trump spricht von der Notwendigkeit, Venezuela „richtig zu leiten“ und erwähnt gestohlenes Öl – obwohl die Anklage nichts damit zu tun hat.
Ritter glaubt nicht an ein Vietnam-Szenario: Die Operation sei so gestaltet, dass keine langfristige Besatzung nötig sei. Im Gegensatz zu Irak, wo die Armee aufgelöst wurde, blieben Venezuelas Verteidigungs- und Innenministerien intakt. „Die Strukturen der Sicherheit existieren weiter – nur nehmen sie jetzt Befehle von den USA an“, sagt er. Die USA besitzen nun das Militär und die Sicherheitskräfte durch Bestechung. „Trump weiß, dass er keine 300.000 Truppen hat. ‚Stiefel am Boden‘ bedeutet nur, dass wir bei Bedarf wieder zuschlagen können.“
Dennoch warnt Ritter vor Eskalation: Dies schaffe Präzedenzfälle für Mexiko, Kolumbien, Panama oder Peru, wo chinesische Interessen bedroht seien. „Wartet auf Panama. Das ist noch nicht erledigt.“ Selbst Grönland könnte betroffen sein: „Die Dänen denken, sie besitzen Grönland? Das habt ihr gerade verloren.“ Trump verfolge eine „Festung Amerika“-Mentalität, entkoppelt von Europa und dem Nahen Osten, um aggressiv im Westen vorzugehen.
Kritik an der US-Führung: Diktatorische Tendenzen
Ritter kritisiert scharf Verteidigungsminister Pete Hegseth, der sich „Kriegsminister“ nennt und die Operation als „America First“ und „Frieden durch Stärke“ feiert. „Das ist Dummheit im Extrem“, sagt Ritter. Alles sei rechtlich anfechtbar; frühere Präsidenten hätten es vermieden, weil es illegal sei. Trump brauche nur seine Basis zu mobilisieren, um als „unkontestierter Diktator“ zu regieren.
Er ignoriere Kongress und Verfassung: Der CIA agiere ohne Aufsicht, der Außenminister sei auch Sicherheitsberater – verfassungswidrig. Trump prahlt mit „America First“, indem er Venezuela als Quelle von Stabilität und Energie darstellt. Ritter sieht darin Diebstahl: „Wir stehlen, was wir können.“ Dies löse keine Probleme wie Fentanyl, sondern schaffe neue: „Nächstes Ziel Mexiko? Kolumbien?“
Als Veteran sei er besorgt: „Wir sind keine Nation des Rechts mehr. Das ist verstörend für jeden, der den Eid auf die Verfassung geschworen hat.“
Der Nexus zu Iran und Russland: Sanktionen als Waffe
Ritter sieht einen Zusammenhang zwischen Venezuela, Iran und Russland: Alle seien Sanktionsopfer. Sanktionen erzeugten wirtschaftlichen Druck, der Hoffnung auf Aufhebung schaffe – eine Illusion, die Opposition schüre. In Venezuela führte dies zum Sturz Maduros.
Ähnlich in Iran: Hoffnung auf Sanktionserleichterung schaffe Unruhe. In Russland versuche man Ähnliches durch Wirtschaftsverhandlungen, parallel zu Angriffen auf Putin, um ihn schwach dastehen zu lassen. „Das Ziel ist innerer Unfrieden, um Regierungen zu stürzen.“
Schluss: Ein gefährlicher Präzedenzfall für die Welt
Das Interview endet mit Ritters Warnung: Die USA seien ein „Schurkenstaat“, der internationales Recht ignoriere. Trump riskiere globale Konflikte, inklusive nuklearer Eskalation, für innenpolitische Siege. „Das war keine gute Woche für Amerika“, resümiert Ritter. Es sei das Ende guter Glauben-Verhandlungen mit Russland und China und der Weg zu einer imperialen Diktatur.
Dieser Präzedenzfall könnte die Hemisphäre destabilisieren und Amerikas Isolation fördern. Wie Jefferson fragte: Was, wenn man die Regierung abschaffen muss, um das Land zu lieben? Ritter impliziert, dass Trumps Handeln Amerika selbst bedroht – eine Mahnung, dass Freiheit ständig verteidigt werden muss, auch gegen innere Feinde.