Das Bakterium bewohnt ausschließlich Menschen, jedenfalls ist es bislang noch nicht gelungen, es bei irgend einem anderen Lebewesen auf diesem Planeten zu finden und dass N. men. Lactoferrine oder Transferrine, Proteine, die sich nur bei Menschen finden, benötigt, um seinem (invasiven) Geschäft nachzugehen, mag eine Erklärung dafür sein, dass N. men. Menschen ein Monopol eingeräumt hat.
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10% tragen N. men. mit sich herum, über Wochen, zuweilen auch Monate. Die meisten bemerken nichts davon. Gefährlich wird das Bakterium erst, wenn es ihm gelingt, die Schleimhaut in Rachen und Nase hinter sich zu lassen und in die Blutbahn einzudringen, eines dieser „Vorkommnisse, das gewöhnlich mit dem Attribut „sehr selten“ versehen wird.
Indes, in nur drei Tagen hat sich in Canterbury, unter Schülern einer Grammar School und Studenten der University of Kent, eine Variante von N. men. eingestellt, die bislang nicht bekannt ist, weil es die UK Health and Security Agency bislang nicht geschafft hat, das Genom des Stranges von N. men. vollständig zu sequenzieren, von der aber bekannt ist, dass sie sehr schnell zu infizieren und die Blutbahn Infizierter zu infiltrieren im Stande ist, schneller als die meisten zuvor bekannten Varianten.
Vermutlich hat ein Aufenthalt in einem Tanzclub in Canterbury (Club Chemistry, zugelassen für 1600 Besucher, die sich auf 3 Etagen drängen) für die Betroffenen dazu ausgereicht, sich mit N. men. zu infizieren: 13 Fälle wurden in den drei Tagen vom 13. bis 15. März gezählt. Sie alle haben sich wohl eine Woche zuvor infiziert. 2 der 13 Betroffenen sind mittlerweile verstorben, 11 weitere liegen schwer erkrankt im Krankenhaus, einige im Koma, denn N. men. löst Miningitis, Hirnhautentzündung aus, in etlichen Fällen begleitet von einer Blutvergiftung.
N. men. beginnt wie eine üble Erkältung mit hohem Fieber, Kopfschmerzen, eine steifen Genick und Lichtempfindlichkeit, könnte auch als „Kater“ fehlgedeutet werden, entwickelt sich schnell in Verwirrung, zuweilen von Anfällen begleitet und erfordert, wenn sich die Symptome eingestellt haben, eine schnelle Behandlung mit einem Antibiotikum. Im Schnitt 10% der N. men. Erkrankten sterben an den Folgen der Erkrankung. Für rund 30% derjenigen, die die Erkrankung überleben, bleiben erhebliche Einschränkungen als Erinnerung an das Aufeinandertreffen mit N. men. zurück, Erinnerungen, die – wenn eine Blutvergiftung die Hirnhautentzündung begleitet hat, von der Amputation von Gliedmaßen, über Taubheit und Hirnverletzungen bis zu Verhaltensveränderungen reichen.
N. men. ist nichts, womit man spasen kann, und Fälle von N. men. sind in den letzten Jahren auf dem Vormarsch (in Deutschland sind es 255 (2019) bzw. 251 (2023) Fälle in der Spitze, im Vereinigten Königreich waren es in den letzten beiden Jahren (2023/24: 340 bzw. 2024/25: 375 Fälle). Die Gründe für den Vormarsch sind bislang unbekannt. Übertragen wird das Bakterium über kleine Tröpfchen im interpersonalen Kontakt, ein Grund dafür, dass sich das Bakterium im Gedränge oder in Räumen, in denen Menschen zusammengepfercht sind, wie dies in Tanzclubs und Diskotheken der Fall ist, besonders wohl fühlt. Der Anteil der Träger von N. men. steigt in solcher Umgebung schnell von den normalen 10% auf bis zu 40%. Eine Erklärung dafür, dass es Studenten besonders häufig trifft. Sie tragen rund 10% aller invasiven N. men. Fälle bei.
N. men. gibt es in verschiedenen Varianten, von Meningitis A, B und C bis W, Y und X, MenB und MenW sind die am häufigsten auffindbaren Varianten von Neisseria meinigitidis (N. men.), wobei MenB nicht nur die häufigste, sondern auch die gefährlichste Variante ist, was bei Statistiker sofort alle Alarmglocken läuten lässt, denn wenn MenB die gefährlichste Variante von Neisseria miningitidis ist, dann ist es auch die Variante, die am häufigsten über schwere Erkrankung in Erscheinung tritt und entsprechend die höchste Wahrscheinlichkeit hat, aufgefunden zu werden. Wer sich noch an den Anfang des Textes erinnert: Die meisten, die N. men. über eine gewisse Zeit mit sich herumtragen, bemerken nichts davon. Die, die etwas davon bemerken, tragen am häufigsten MenB, eine Aussage, die keinerlei Rückschluss auf die „Dunkelziffer“ erlaubt, also all diejenigen, die eine spezifische Variante von N. men. tragen, die es nie in die Blutbahn schafft.
Kurz: Was wir mit einem Ausbruch, wie dem in Canterbury sehen, ist die sehr dünne Spitze eines Eisberges. Für die Betroffenen ist dies erheblich, denn sie haben oft mit lebensverändernden Folgen zu kämpfen, indes, ein solches Ereignis bleibt ein sehr seltenes Ereignis, sofern, wofür derzeit keine Indizien vorliegen, weil die UK Health and Security Agency, was die Sequenzierung angeht, noch nicht zu Potte gekommen ist, es kein „besonderer Mutant“ ist. Ergo muss man bislang von einem von mit der höchsten Wahrscheinlichkeit MenB ausgelösten Freak Event mit einer hochinfektiösen (neuen?) Variante von N. men. ausgehen, das (wohl) abgeschlossen ist, nicht davon, dass wir uns einer neuen hyperinfektiösen und gefährlicheren Variante gegenübersehen, die schnell um sich greifen und Opfer fordern kann.
Wie immer, wir bleiben am Ball.
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