Von Kai Rebmann
Globi ist aus Schweizer Kinderzimmern seit 90 Jahren nicht mehr wegzudenken. Selbstgestellter Anspruch der Bücher mit einem blaugefiederten Papageien als Protagonisten und Helden ist die Vermittlung von Wissen auf kindgerechte Art. Nicht umsonst nennt der gleichnamige Verlag die aktuelle Serie „Globi Wissen“. Doch was in den Büchern teilweise verzapft wird, ist nicht nur pure Ideologie, sondern teilweise schlicht hanebüchener Unsinn.
Aktuelles Beispiel ist der vor wenigen Wochen erschienene Titel „Globi und der Wald“. Der macht massiv Stimmung gegen Bauern und Waldbesitzer, hübsch verpackt im Gewand eines Kinderbuchs und moderiert von einem blauen Superhelden, dem die Kinder in der Schweiz so ziemlich alles abnehmen.
Behauptet wird unter anderem, dass die Nahrung von Schweizer Kühen „zu 80 Prozent aus Körnern und Soja“ bestehe. Globi führt dieser alternative Fakt dann auch sofort zu der rhetorischen wie gleichfalls absurden Fragestellung: „In Schweizer Milch, Käse und Fleisch steckt also ein Stück Regenwald?“
Nein, tut es natürlich nicht, jedenfalls nicht in nennenswertem Umfang. Und es ist auch kaum anzunehmen, dass der verantwortliche Verlag das bei der Veröffentlichung selbst glaubte. Offensichtliches Ziel ist der plumpe Versuch, tierische Nahrungsmittel verächtlich zu machen und die jungen Leser schon von Kindesbeinen an umzuerziehen. Tatsächlich liegt der Anteil an Kraftfutter, das Kühe in der Schweiz bekommen – und nicht nur dort – bei nur rund 10 Prozent.
Bauern und Fleischesser erneut als Zielscheibe
Es dauerte dann auch nur Stunden, ehe die Falschbehauptung von Globi in der Schweiz viral ging. Der Zürcher Bauernverband richtete eine Protestnote an den Verlag, woraufhin dieser schmallippig zurückrudern musste. Verlagsleiterin Gisela Klinkenberg spricht von einem „blöden Zahlenfehler“ und räumt die „tendenziöse“ Fragestellung Globis ein. Es sei „extrem ärgerlich“, dass der Fehler nicht schon vor der Drucklegung aufgefallen sei.
Nur, wer soll das glauben? Irgendwoher müssen die 80 Prozent ja stammen. Oder wurden sie schlicht aus der Luft gegriffen? Oder ließ man die inhaltliche Richtigkeit von einem Kfz-Mechaniker statt einem Landwirt oder Förster überprüfen? Fakt ist zudem, dass Globi nicht zum ersten Mal als Zeitgeist- und Klimaaktivist auffällt, anstatt sich auf das zu konzentrieren, was er am besten kann – oder zumindest früher einmal sehr gut konnte: das Erzählen von Geschichten und den Rest der Fantasie den kindlichen Lesern zu überlassen.
Oder ist das heute gar nicht mehr gewünscht? Dass Kinder einfach nur Kind sein dürfen und wie auch immer geartete Ideologie nicht schon mit der Muttermilch aufsaugen müssen? Schließlich hat der „Deutschlandfunk“ in einem Beitrag schon vor gut sieben Jahren dafür geworben, dass „moralische und politische Themen“ gar nicht früh genug auf das Inhaltsverzeichnis von Kinder- und Jugendbüchern gesetzt werden können. Erörtert werden müssten demnach unter anderem so spannende und weltbewegende Fragen, ob Jungs einen Rock tragen dürfen, ob Rosa nicht eigentlich das „kleine Rot“ und deshalb eine Farbe für Jungs sei oder nicht in Wahrheit alle Menschen „frei und gleich geboren“ würden.
Kinderbücher ohne Warnhinweise – eine vom Aussterben bedrohte Art?
Tatsächlich hat sich seither einiges getan in den Bücherregalen unserer Kinderzimmer. Originale von Pippi Langstrumpf, TKKG oder Jim Knopf – und ohne Warnhinweis – werden in nicht allzu ferner Zukunft wohl nur noch auf sehr gut sortierten Sammlerbörsen erhältlich sein. Neuauflagen dieser und weiterer Klassiker fallen immer öfter zeitgeistiger und politisch-korrekter Zensur zum Opfer, oder werden im Zweifelsfall gar nicht mehr gedruckt.
Ersteres war etwa bei der erstmals anno 1924 erschienenen „Häschenschule“ der Fall, die im vergangenen Jahr mit Anke Engelke als Autorin einen Ideologie-Booster verpasst bekam und jetzt als „Die neue Häschenschule“ firmiert. Landwirte zeigten sich entsetzt, handelt es sich bei dem Werk doch klar ersichtlich um billige Stimmungsmache gegen Bauern. Der Verlag begründete die Sinnentleerung so: Es sei wichtig gewesen, „dass es auch in der neuen Version einen Konflikt oder eine Gefahr gibt“. Wo sich im Original – und wie im natürlichen Leben – Hase und Fuchs gegenüberstanden, verbünden sich die eigentlichen Fressfeinde in der Neuauflage gemeinsam gegen die Bauern.
Letzteres, nämlich die Verbannung aus dem Verlagsprogramm, widerfuhr etwa der Hälfte der Globi-Bücher. Mal weil Globi als Tierquäler aufgefallen war, mal weil er als Rassist oder Kolonialist entlarvt wurde – freilich aus heutiger Sicht betrachtet. Und deshalb wird vor jeder Neuauflage eine interne Fragestellung in den Fokus gerückt, die Gisela Klinkenberg vom Globi Verlag so beschreibt: „Dinge, die zum Beispiel vor fünf Jahren noch gingen, werden von der Gesellschaft heute vielleicht nicht mehr akzeptiert.“
Dass Globi seine Wertschätzung für die in Teilen Afrikas lebende Bevölkerung – wie in den 1950er-Jahren noch geschehen – heute nicht mehr auf dieselbe Weise zum Ausdruck bringen kann („Alle lieben Negerlein sollen mir willkommen sein“), ist das Eine. Dass dafür in anderen thematischen Zusammenhängen – wie in der aktuellen „Wissen“-Reihe – aber Fakten einfach ganz neu erfunden werden, freilich etwas ganz Anderes.
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Kai Rebmann ist Publizist und Verleger. Er leitet einen Verlag und betreibt einen eigenen Blog.
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