Die Angriffe auf Teheran gehen unaufhörlich weiter. Wie überlebt man in einer Stadt, die täglich von neuen Schlägen erschüttert wird, fragt sich eine iranische Autorin


Einschläge in Teheran: In den ersten Tagen gibt es nur kurze Pausen zwischen den Angriffswellen

Foto: Arash Khamooshi/NYT/Redux/laif


Jeder Tag beginnt mit guten Vorsätzen. Mit einer Liste mit Aufgaben, die vor Einbruch der Nacht erledigt werden müssen: einen Entwurf für einen Roman überarbeiten. Ein paar Buchseiten über Emotionen in sozialen Bewegungen übersetzen. Eine Abhandlung über das iranische Kino fertigschreiben, die in einem Buch über den subtilen Kulturwandel in der postrevolutionären iranischen Gesellschaft erscheinen soll. Reha-Übungen machen, um mich von einer Operation zu erholen, und nicht vergessen, Wasser zu trinken.

Das Einzige, was je abgehakt wird, ist „Wasser trinken“. Abseits davon schrumpft der Berg an Arbeit nie. Der 28. Februar begann früh. Noch bevor wir unsere Augen geöffnet hatten, kam die Nachricht von einem US-Raketenangriff auf eine Mädchen-Grundschule in Minab. Der zweite Tag begann noch früher mit der Nachricht, dass bei den Angriffen in Teheran der Staatschef Ali Khamenei getötet worden war. Bevor die Sonne am dritten Tag aufging, erfuhren wir, dass der Golestan-Palast und der Große Basar, beides UNESCO-Weltkulturerbestätten, angegriffen worden waren. Und im Zickzack der Schläge näherte sich die Nacht an den Tag.

Nach diesen ersten Kriegstagen merkt man, dass kaum noch Zeit zur Nachrichtenflucht bleibt. Ich schlafe nur in den kurzen Pausen zwischen den Ankündigungen neuer Angriffswellen. Jede wache Stunde verbringe ich am Handy.

In jedem Winkel Teherans wohnt jemand, der mir am Herzen liegt. Im Gegensatz zum vorherigen Krieg haben viele Freunde die Stadt nicht verlassen. Die Zukunft erscheint ihnen zu ungewiss, als dass sie ihre Häuser aufgeben wollen, und sie wissen auch nicht, ob es woanders sicherer ist. Gerüchte über bombardierte Straßen und Plätze verbreiten sich. Donald Trumps Posts klingen, als ob der Krieg andauern wird. Der US-Außenminister sagt: „Die einzigen Iraner, die sich Sorgen machen sollten, sind diejenigen, die glauben, dass sie überleben werden.“ Und doch sind wir noch am Leben.

In den sozialen Medien können viele ihre Angst nicht verbergen

Natürlich wurde im Iran wieder einmal das Internet abgeschaltet, Auslands-Telefonate sind eingeschränkt. Trotzdem empfangen die Menschen weiterhin die Botschaften des Propagandakriegs, der parallel zum militärischen Angriff auf das Land geführt wird. In den sozialen Medien können viele, die es irgendwie online geschafft haben, ihre Angst nicht verbergen, selbst wenn sie versuchen, bloß über ihren Alltag zu bloggen.

„Die Botschaft ist angekommen“: Diesen Satz sagte einst der berühmte Schriftsteller Houshang Golshiri am Grab seines Schriftstellerfreundes Mohammad Mokhtari, der Opfer der „Kettenmorde“ geworden war – jener Mordserie, der in den Neunziger Jahren zahlreiche iranische Oppositionelle und Intellektuelle zum Opfer fielen. Jetzt kommt mir der Satz in den Sinn, wenn ich die Posts amerikanischer Politiker lese.

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Am elften Kriegstag, als Trump davon sprach, er wolle im Iran den „ultimativen Sieg erringen“, ergriff mich die Angst, dass er sich mit nicht weniger als der totalen Zerstörung zufriedengeben würde. Mit einem in Schutt und Asche gebombten Teheran. Einer Art „Stunde Null“ Irans, nach der die tieferliegenden gesellschaftlichen Zustände aber sogar noch gleichbleiben, selbst wenn dieser dumme Krieg zu einem gewissen politischen Wandel führen sollte.

In den ersten Tagen kündigten Israel und die Vereinigten Staaten ständig neue Angriffswellen an. Irgendwann verschmolzen die Angriffe zu einem einzigen, ununterbrochenen Feuer. Da es kein staatliches Warnsystem gibt, geben die Menschen die neuesten Nachrichten über Angriffe in Echtzeit weiter. Am achten Tag war klar: Wenn Kampfflugzeuge über einer westlichen Stadt fliegen, erreicht der Lärm acht bis zehn Minuten später Teheran.

Aber die Lage scheint sich zu verschlimmern mit jedem Tag, jeder Nacht. Wobei: Die Nacht, in der der Teheraner Mehrabad-Flughafen bombardiert wurde – einer der ältesten Flughäfen Irans, der sich an Wohngebiete schmiegt – kann man eigentlich nicht Nacht nennen. Die Lichter der Explosionen um drei und vier Uhr morgens schienen fast wie der Beginn eines neuen Tages, und achtundvierzig Stunden lang war es nichts als Tag. Ein helles Leuchten im Süden Teherans zerriss auch die folgende Nacht. Ein Öllager ging in Flammen auf und überstrahlte noch jedes apokalyptische Bild, das bis dato in Teheran aufgenommen wurde.

Öl regnet vom Himmel

Als der Irak sich unter Saddam Hussein im Zweiten Golfkrieg 1991 aus Kuwait zurückzog, setzte er dort die Ölquellen in Brand. Aus einer schwarzen Wolke regnete es in der Folge tagelang auf die Menschen im Südwesten Irans herab. Vierunddreißig Jahre später steht so eine Wolke im Himmel über Teheran. Öl regnet vom Himmel auf Zivilistinnen und Zivilisten herab, die versuchen, keine Plastikstrohhalme mehr zu benutzen, um ihren CO₂‑Fußabdruck zu reduzieren, während amerikanische Amtsträger in Pressekonferenzen offen einräumen, dass es ihnen ums Öl geht.

Die Buchseiten, die am 28. Februar übersetzt werden sollten, liegen immer noch offen auf dem Schreibtisch herum. Niemand erwartet Antworten auf E-Mails. Anders als im Krieg des letzten Sommers schreiben die Menschen diesmal nicht einmal ihr Testament. Sie haben es bereits geschrieben.

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Die Luft in Teheran, die in den ersten Kriegstagen himmlisch war und auf einen frühen Frühling hindeutete, ist wieder kalt geworden. Auf den Bildern aus Teheran ist deutlich zu sehen, dass die Straßen die Leere des Krieges widerspiegeln. Die Menschen verlassen ihre Häuser nur für das Nötigste. Die Bürde, die Explosionen zu fotografieren, kam in den ersten Tagen jenen zu, die nach Norden gerichtete Fenster hatten. Jetzt ist sie auf die übergegangen, die in der Nähe der Industriezonen im Süden und Westen der Stadt leben, wohin sich die Angriffe verlagert haben.

Für alle anderen spielt sich das Leben auf den Bildschirmen ihrer Mobiltelefone ab, wo sie einen VPN-Tunnel nach dem anderen ausprobieren, auf der Suche nach Internet. Jede Nachricht, die sie empfangen, geben sie weiter, von Handy zu Handy oder von Ohr zu Ohr. Es ist offensichtlich, dass Wassertrinken das Einzige ist, was täglich von der To-Do-Liste gestrichen werden kann.

Was, wenn wir kein Trinkwasser mehr haben?

Ich kann nicht aufhören, an den Film Deutschland im Jahre Null des Regisseurs Roberto Rossellini zu denken, ein Drama über den Überlebenskampf eines Kindes im Berlin von 1947, in dem die Geister des Nationalsozialismus weiter in den Ruinen spuken. Und an die Trauer im Blick des Odysseus, in dem der griechische Regisseur Theo Angelopoulos den Zerfall Jugoslawiens verarbeitet. War es Hermann Hesses Krieg und Frieden, das ins Persische als „Wenn der Krieg nicht endet“ übersetzt wurde? Die Telefone funktionieren nicht, ich kann einen befreundeten Deutsch-Übersetzer nicht fragen, ob meine Vermutung richtig ist.

Aber welche Rolle spielt das noch? Am siebten Tag des Krieges wurden die Enghelab-Straße und wichtige Teile des Zentrums von Teheran, dem kulturellen Herzen der Stadt, bombardiert. Ich kann meinen Buchhändlerfreund dort nicht telefonisch erreichen, weder um nach dem Buch noch nach seinem Wohlergehen, noch nach der Buchhandlung zu fragen, die jahrelang für viele Menschen ein Zufluchtsort war. Ich setze „Buchhändler kontaktieren“ auf die To-Do-Liste.

Laut den neuesten Nachrichten aus dem Süden Irans könnten Entsalzungsanlagen getroffen worden sein. Es ist nicht mehr undenkbar, dass die Menschen irgendwann durstig bleiben. Trump drohte kürzlich mit Angriffen auf die Öl-Infrastruktur, sollte die iranische Marine die Straße von Hormus weiterhin blockieren. Während des Zwölf-Tage-Krieges traf eine israelische Rakete eine der wichtigsten Wasserleitungen im Herzen Teherans, wodurch Teile des Stadtzentrums und Westens tagelang ohne Trinkwasser waren. Was, wenn solche Fehler wieder passieren? Sind es Fehler?

Die Bäckereien bleiben geöffnet

Die Bäckereien bleiben geöffnet. Ein Freund von mir, der die Notaufnahme eines Krankenhauses in Teheran leitet, meldet sich fast täglich bei mir, wiederholt seine Ratschläge für die Zeit nach meiner OP, erzählt Geschichten aus seinem Alltag als Arzt und betont, dass das Leben weitergeht.

Der Iran hat 92 Millionen Einwohner, ein Volk, dessen wichtigstes literarisches Werk, das Schahname, ein Epos über den mythischen Widerstand gegen ausländische Mächte ist. Donald Trumps Behauptung, Iran habe zum ersten Mal in tausenden von Jahren gegen Nachbarstaaten verloren, zeugt von seiner historischen Ahnungslosigkeit. Aber sie wird nichts ändern.

Mit diesen Gedanken tröste ich mich. Ich schalte den „Blick des Odysseus“ aus. Eine Zeile aus einem Lied des iranischen Exil-Sängers Siavash Ghomayshi spult sich immer wieder in meinem Kopf ab, während ich mir unzählige Videos von Rauch und Feuer anschaue, die über Teheran aufsteigen: „Halte durch, mein Freund.“

Gibt es inmitten der Zerstörung noch Raum für Hoffnung? Sarajevo war vier Jahre lang im Krieg, Gaza zwei. Wie lange wird es in Teheran dauern?

Wenn Freunde mich fragen, wie ich mit diesem neuen Alltag zurechtkomme, antworte ich: Dies ist nicht der erste Krieg, den wir in den letzten Jahren erlebt haben. Um mich aufrecht zu halten, bleibt mir nur, die To-do-Liste länger und länger zu machen.

Der Name der Autorin wurde aus Sicherheitsgründen geändert und ist der Redaktion bekannt.

chricht von einem US-Raketenangriff auf eine Mädchen-Grundschule in Minab. Der zweite Tag begann noch früher mit der Nachricht, dass bei den Angriffen in Teheran der Staatschef Ali Khamenei getötet worden war. Bevor die Sonne am dritten Tag aufging, erfuhren wir, dass der Golestan-Palast und der Große Basar, beides UNESCO-Weltkulturerbestätten, angegriffen worden waren. Und im Zickzack der Schläge näherte sich die Nacht an den Tag.Nach diesen ersten Kriegstagen merkt man, dass kaum noch Zeit zur Nachrichtenflucht bleibt. Ich schlafe nur in den kurzen Pausen zwischen den Ankündigungen neuer Angriffswellen. Jede wache Stunde verbringe ich am Handy.In jedem Winkel Teherans wohnt jemand, der mir am Herzen liegt. Im Gegensatz zum vorherigen Krieg haben viele Freunde die Stadt nicht verlassen. Die Zukunft erscheint ihnen zu ungewiss, als dass sie ihre Häuser aufgeben wollen, und sie wissen auch nicht, ob es woanders sicherer ist. Gerüchte über bombardierte Straßen und Plätze verbreiten sich. Donald Trumps Posts klingen, als ob der Krieg andauern wird. Der US-Außenminister sagt: „Die einzigen Iraner, die sich Sorgen machen sollten, sind diejenigen, die glauben, dass sie überleben werden.“ Und doch sind wir noch am Leben.In den sozialen Medien können viele ihre Angst nicht verbergenNatürlich wurde im Iran wieder einmal das Internet abgeschaltet, Auslands-Telefonate sind eingeschränkt. Trotzdem empfangen die Menschen weiterhin die Botschaften des Propagandakriegs, der parallel zum militärischen Angriff auf das Land geführt wird. In den sozialen Medien können viele, die es irgendwie online geschafft haben, ihre Angst nicht verbergen, selbst wenn sie versuchen, bloß über ihren Alltag zu bloggen.„Die Botschaft ist angekommen“: Diesen Satz sagte einst der berühmte Schriftsteller Houshang Golshiri am Grab seines Schriftstellerfreundes Mohammad Mokhtari, der Opfer der „Kettenmorde“ geworden war – jener Mordserie, der in den Neunziger Jahren zahlreiche iranische Oppositionelle und Intellektuelle zum Opfer fielen. Jetzt kommt mir der Satz in den Sinn, wenn ich die Posts amerikanischer Politiker lese.Placeholder image-1Am elften Kriegstag, als Trump davon sprach, er wolle im Iran den „ultimativen Sieg erringen“, ergriff mich die Angst, dass er sich mit nicht weniger als der totalen Zerstörung zufriedengeben würde. Mit einem in Schutt und Asche gebombten Teheran. Einer Art „Stunde Null“ Irans, nach der die tieferliegenden gesellschaftlichen Zustände aber sogar noch gleichbleiben, selbst wenn dieser dumme Krieg zu einem gewissen politischen Wandel führen sollte.In den ersten Tagen kündigten Israel und die Vereinigten Staaten ständig neue Angriffswellen an. Irgendwann verschmolzen die Angriffe zu einem einzigen, ununterbrochenen Feuer. Da es kein staatliches Warnsystem gibt, geben die Menschen die neuesten Nachrichten über Angriffe in Echtzeit weiter. Am achten Tag war klar: Wenn Kampfflugzeuge über einer westlichen Stadt fliegen, erreicht der Lärm acht bis zehn Minuten später Teheran.Aber die Lage scheint sich zu verschlimmern mit jedem Tag, jeder Nacht. Wobei: Die Nacht, in der der Teheraner Mehrabad-Flughafen bombardiert wurde – einer der ältesten Flughäfen Irans, der sich an Wohngebiete schmiegt – kann man eigentlich nicht Nacht nennen. Die Lichter der Explosionen um drei und vier Uhr morgens schienen fast wie der Beginn eines neuen Tages, und achtundvierzig Stunden lang war es nichts als Tag. Ein helles Leuchten im Süden Teherans zerriss auch die folgende Nacht. Ein Öllager ging in Flammen auf und überstrahlte noch jedes apokalyptische Bild, das bis dato in Teheran aufgenommen wurde.Öl regnet vom HimmelAls der Irak sich unter Saddam Hussein im Zweiten Golfkrieg 1991 aus Kuwait zurückzog, setzte er dort die Ölquellen in Brand. Aus einer schwarzen Wolke regnete es in der Folge tagelang auf die Menschen im Südwesten Irans herab. Vierunddreißig Jahre später steht so eine Wolke im Himmel über Teheran. Öl regnet vom Himmel auf Zivilistinnen und Zivilisten herab, die versuchen, keine Plastikstrohhalme mehr zu benutzen, um ihren CO₂‑Fußabdruck zu reduzieren, während amerikanische Amtsträger in Pressekonferenzen offen einräumen, dass es ihnen ums Öl geht.Die Buchseiten, die am 28. Februar übersetzt werden sollten, liegen immer noch offen auf dem Schreibtisch herum. Niemand erwartet Antworten auf E-Mails. Anders als im Krieg des letzten Sommers schreiben die Menschen diesmal nicht einmal ihr Testament. Sie haben es bereits geschrieben.Placeholder image-2Die Luft in Teheran, die in den ersten Kriegstagen himmlisch war und auf einen frühen Frühling hindeutete, ist wieder kalt geworden. Auf den Bildern aus Teheran ist deutlich zu sehen, dass die Straßen die Leere des Krieges widerspiegeln. Die Menschen verlassen ihre Häuser nur für das Nötigste. Die Bürde, die Explosionen zu fotografieren, kam in den ersten Tagen jenen zu, die nach Norden gerichtete Fenster hatten. Jetzt ist sie auf die übergegangen, die in der Nähe der Industriezonen im Süden und Westen der Stadt leben, wohin sich die Angriffe verlagert haben.Für alle anderen spielt sich das Leben auf den Bildschirmen ihrer Mobiltelefone ab, wo sie einen VPN-Tunnel nach dem anderen ausprobieren, auf der Suche nach Internet. Jede Nachricht, die sie empfangen, geben sie weiter, von Handy zu Handy oder von Ohr zu Ohr. Es ist offensichtlich, dass Wassertrinken das Einzige ist, was täglich von der To-Do-Liste gestrichen werden kann.Was, wenn wir kein Trinkwasser mehr haben? Ich kann nicht aufhören, an den Film Deutschland im Jahre Null des Regisseurs Roberto Rossellini zu denken, ein Drama über den Überlebenskampf eines Kindes im Berlin von 1947, in dem die Geister des Nationalsozialismus weiter in den Ruinen spuken. Und an die Trauer im Blick des Odysseus, in dem der griechische Regisseur Theo Angelopoulos den Zerfall Jugoslawiens verarbeitet. War es Hermann Hesses Krieg und Frieden, das ins Persische als „Wenn der Krieg nicht endet“ übersetzt wurde? Die Telefone funktionieren nicht, ich kann einen befreundeten Deutsch-Übersetzer nicht fragen, ob meine Vermutung richtig ist.Aber welche Rolle spielt das noch? Am siebten Tag des Krieges wurden die Enghelab-Straße und wichtige Teile des Zentrums von Teheran, dem kulturellen Herzen der Stadt, bombardiert. Ich kann meinen Buchhändlerfreund dort nicht telefonisch erreichen, weder um nach dem Buch noch nach seinem Wohlergehen, noch nach der Buchhandlung zu fragen, die jahrelang für viele Menschen ein Zufluchtsort war. Ich setze „Buchhändler kontaktieren“ auf die To-Do-Liste.Laut den neuesten Nachrichten aus dem Süden Irans könnten Entsalzungsanlagen getroffen worden sein. Es ist nicht mehr undenkbar, dass die Menschen irgendwann durstig bleiben. Trump drohte kürzlich mit Angriffen auf die Öl-Infrastruktur, sollte die iranische Marine die Straße von Hormus weiterhin blockieren. Während des Zwölf-Tage-Krieges traf eine israelische Rakete eine der wichtigsten Wasserleitungen im Herzen Teherans, wodurch Teile des Stadtzentrums und Westens tagelang ohne Trinkwasser waren. Was, wenn solche Fehler wieder passieren? Sind es Fehler?Die Bäckereien bleiben geöffnetDie Bäckereien bleiben geöffnet. Ein Freund von mir, der die Notaufnahme eines Krankenhauses in Teheran leitet, meldet sich fast täglich bei mir, wiederholt seine Ratschläge für die Zeit nach meiner OP, erzählt Geschichten aus seinem Alltag als Arzt und betont, dass das Leben weitergeht.Der Iran hat 92 Millionen Einwohner, ein Volk, dessen wichtigstes literarisches Werk, das Schahname, ein Epos über den mythischen Widerstand gegen ausländische Mächte ist. Donald Trumps Behauptung, Iran habe zum ersten Mal in tausenden von Jahren gegen Nachbarstaaten verloren, zeugt von seiner historischen Ahnungslosigkeit. Aber sie wird nichts ändern.Mit diesen Gedanken tröste ich mich. Ich schalte den „Blick des Odysseus“ aus. Eine Zeile aus einem Lied des iranischen Exil-Sängers Siavash Ghomayshi spult sich immer wieder in meinem Kopf ab, während ich mir unzählige Videos von Rauch und Feuer anschaue, die über Teheran aufsteigen: „Halte durch, mein Freund.“Gibt es inmitten der Zerstörung noch Raum für Hoffnung? Sarajevo war vier Jahre lang im Krieg, Gaza zwei. Wie lange wird es in Teheran dauern?Wenn Freunde mich fragen, wie ich mit diesem neuen Alltag zurechtkomme, antworte ich: Dies ist nicht der erste Krieg, den wir in den letzten Jahren erlebt haben. Um mich aufrecht zu halten, bleibt mir nur, die To-do-Liste länger und länger zu machen.



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