Abschiede schmerzen, und der hier besonders: Der „Freitag“ wagt im nächsten Jahr auf einigen Seiten etwas Neues – und beendet die Ära des A – Z an dieser Stelle. Schon viele haben Adieu gesagt – manche sind dann doch zurückgekehrt
Jedes „Hello“ bedeutet zwangsläufig auch ein „Goodbye“
Foto: Nikita Teryoshin
A
wie A–Z
16 Jahre schmückte es die meist letzte Seite des Freitag: Die einen liebten das Lexikon („Lese ich immer als Erstes“), die anderen konnten mit dem eigenwilligen Format kaum was anfangen. Zehn kleine Beiträge zu unterschiedlichsten Themen, oft aus dem Alltag, von Filterkaffee bis Zivildienst, von Küchentisch bis Heißer Alkohol, von Biber bis Bücherregal (→ Sherlock), von Linkes Leipzig bis Pasolini. Einmal stellten wir unsere Wunschkandidatinnen als Bundespräsidentin vor, eine schräge Mischung.
Die kurzen Texte konnten persönlich, wissenswert, anekdotisch sein, auf alle Fälle unterhaltsam! Nicht leicht, auf 800 oder 1.000 Zeichen eine prägnante Geschichte zu erzählen. Unsere Autor:innen hatten es drauf – wenn mal das Z wegbrach, wussten wir, wo wir Ersatz finden. Wir konnten uns auf die A–Z-Community verlassen: Ihr hattet Lust auf diese Miniaturen, das freie Rumspinnen, das Um-die-Ecke-Denken. Dies ist leider das letzte Lexikon, das auf dieser Seite im Freitag erscheint. Danke und Ciao! Maxi Leinkauf
D
wie Duell
Der Zweikampf auf Leben und Tod bildete im Mittelalter eine probate Methode, Gerichtsprozesse zu entscheiden. Sie kamen selten vor, meistens genügte allein die Androhung, ein Duell zu veranstalten, damit sich Kläger und Beklagter doch noch einigten (→ Karten spielen). Das letzte Duell in Frankreich fand am 29. Dezember 1386 statt. Das ist urkundlich festgehalten. Der Ritter Jean de Carrouges forderte den Knappen Jacques Le Gris heraus, weil dieser seine Frau Marguerite vergewaltigt haben soll.
Diesen letzten Gerichtskampf entschied der Ritter für sich. Duelle um die Ehre fanden jedoch noch Jahrhunderte später statt. Eric Jagers Buch The Last Duel. A True Story of Crime, Scandal, and Trial by Combat in Medieval France thematisiert diesen Zweikampf und seinen Kontext. Das Buch wurde von Ridley Scott 2021 unter gleichem Titel verfilmt. Tobias Prüwer
F
wie Fernsehserie
Das US-Franchise Fast & Furious ist eine der erfolgreichsten Filmreihen der Geschichte. Aber es ist davon auszugehen, dass seine Macher in den 1990ern heimlich die RTL-Serie Und tschüss! geguckt haben: Schon Jahre vor den Abenteuern von Dom Toretto und seiner Gang gab es hier eine coole Clique mit schicken, aufgemotzten Karren, reichlich Action und selbstbewussten Frauen am Steuer, die wussten, was ein Drift um Häuserblocks (→ Gebäude) und ein sauberer J-Turn sind.
Und tschüss! spielt in Essen und bringt zusammen, was das Ruhrgebiet damals zu einem schrillen und prollig-sympathischen Teil der Popkultur machte: Autotuning, laute Musik, Pommesbuden, viel Frivoles, Sinn für Humor. In Folge 3 muss Günni (Benno Führmann) in seinem Ford Mustang Rudi Rammler, den preisgekrönten Stallhasen seines Vadderns, zum Decken überführen. Rudi büxt aus, klar. Eine ereignisreiche Suche beginnt. Nach der Staffel folgten drei Kinofilme. 1998 war Schluss. Das Ganze war aus der Zeit gefallen. Ji-Hun Kim
G
wie Gebäude
30 Anwohner*innen stehen Ende November in Berlin-Friedrichshain zusammen und halten eine Mahnwache ab. Ihr Ziel: den Abriss des Sport- und Erholungszentrums (SEZ) verhindern – des futuristischen DDR-Baus direkt neben ihnen. „Warum verschwindet alles, das uns einmal gutgetan hat?“, fragt Susanne Lorenz, Mitinitiatorin des Protests. Als Kind war sie hier schwimmen, ihrer Tochter wird das wohl nicht mehr möglich sein.
1981 eröffnete die DDR das SEZ – ein opulenter Ort, der für ein paar Mark Urlaub vom Alltag bot. Nach 1989 verfiel der Komplex zunehmend (→ Tyrannosaurus). Berlins Senat plant den Abriss, um Wohnungen zu bauen. Doch selbst offizielle Entwürfe und viele Expert*innen bestätigen, Denkmalschutz und Wohnungsbau ließen sich verbinden. Das macht die Anwohner*innen wütend – sie planen weitere Mahnwachen. Sebastian Bähr
H
wie Hello, Goodbye
Hello, Goodbye, erschienen 1967 auf dem Album Magical Mystery Tour, komponiert von John Lennon und Paul McCartney, wirkt auf den ersten Blick wie ein leichtfüßiger Popsong. Doch darunter, wie so oft bei den Beatles, schlummert viel mehr. Das Stück lebt von klaren Gegensätzen – es erzählt von Kommunikation. McCartney beschrieb den Song als Ausdruck dessen, was passiert, wenn sich zwei Menschen nicht verstehen und aneinander vorbeireden (→ Duell).
Das Lied beschreibt die Komplexität der Welt in schlichtesten Worten: Jedes „Hello“ bedeutet auch „Goodbye“. Jede Zustimmung birgt Widerspruch. Wie das klingt? Hell, zugänglich, freundlich und beschwingt. Der Song lächelt einen an, bevor er sich zu einem lebendigen, fast psychedelischen Outro öffnet. Im Video zum Stück tauchen in diesem Moment junge Frauen in hawaiianischen Röcken auf und umtanzen die Band in ihren Sgt.-Pepper-Kostümen. Beatles-Kenner und –Kennerinnen nennen diesen Teil des Songs das „Maori-Finale“. Marc Peschke
K
wie Karten spielen
Vor dem Abendessen und danach gleich wieder – als sie uns vier Kinder noch bei sich hatte, hätte die Mutter das für Zeitverschwendung gehalten. Nun war sie geradezu süchtig nach Rommé. Mit Vater allein funktionierte es nicht. Doch wann immer wir sie in Weimar besuchten, spielten wir Karten am runden Tisch. Zu Ostern, zu den Geburtstagen, zu Weihnachten (→ Hello, Goodbye). Zu selten eigentlich.
Ihren Schmerz, als ich nach Berlin zog, begriff ich erst, als unsere eigene Tochter aus dem Haus ging. Meine Mutter nahm es damals hin, drei Kinder blieben noch zu Hause. Aber als wir das letzte Mal Karten spielten, sagte meine Mutter etwas, das ich bis heute im Ohr habe: „Ach, meine Große, wie ich mich über dich gefreut habe, als du auf die Welt kamst.“ Wie froh bin ich, dass ich im Krankenhaus noch bis ganz zuletzt bei ihr war. Irmtraud Gutschke
R
wie Rock
Wiederauferstehungen nach dem selbstgewählten Ende gibt es in der Rockmusik zuhauf. KISS spielten schon 2000 ihre erste große Farewell-Tournee. Die Fans kamen in Scharen. 25 Jahre und 14 weitere (Abschieds-) Tourneen später spielen sie derzeit ihre sicher allerletzten Shows. Der Abschied vom Abschied gehört zum guten Ton, die Liste der Rücktrittsrücktrittler ist lang: Slayer, The Who, Elton John, Guns N’ Roses, zuletzt Oasis. Früh fing Ozzy Osbourne (→ Fernsehserie) an, sich zu verabschieden.
Aber schon Mitte der 1990er hieß seine Comeback-Tour „Retirement Sucks“: Rente ist kacke. Wer sein Leben lang auf der Bühne gefeiert wurde, ist abhängig vom realitätsentkoppelten Tourleben, der Fan-Euphorie. Konzerte spielen ist für viele einziger Sinn und auch Existenzgrundlage: Tickets für mutmaßliche Abschiedstourneen verkaufen sich besser. Osbourne spielte am 5. Juli seine letzte Show, Titel: „Back To The Beginning“. Er versammelte viele Größen der Metal- und Rockmusik, die ihm die letzte Ehre erwiesen, als hätten sie es diesmal alle gewusst: Ozzy verstarb keine drei Wochen später. Ji-Hun Kim
S
wie Sherlock
Am Ende bleiben ein Wanderstock und ein silbernes → Zigaretten-Etuimit einem Abschiedsbrief. Der große Detektiv ist in der Geschichte Das letzte Problem (1893) gemeinsam mit dem genialen Verbrecher Professor Moriarty bei einem Zweikampf die Reichenbachfälle hinuntergestürzt. Die Leiche wird nie gefunden. Was seinem Schöpfer Arthur Conan Doyle im Nachhinein gut zupasskommt.
Der hatte den populären Meisterdetektiv loswerden wollen, weil er seinen literarischen Ambitionen im Wege stand. Die heftigen Proteste seiner Leseschaft lassen den Autor zunächst ungerührt. Bis er seinen ungeliebten Helden für ein stattliches Honorar wiederauferstehen lässt, dauert es zehn Jahre. Angeblich hatte der exzentrische Ermittler seinen Tod nur vorgetäuscht. Überraschend ist das nicht – wie wir wissen, ist Sherlock Holmes eh unsterblich. Joachim Feldmann
T
wie Tyrannosaurus
Mancher Abschied ist ganz praktisch. Vermutlich wäre es niemals zur Menschwerdung gekommen, wenn der Tyrannosaurus Rex nicht ausgestorben wäre: Der bis zu sechs Meter große Fleischfresser machte sich über alles (→ A – Z) her, was sich bewegte. Hinweggerafft wurde er beim 5. Massenaussterben dieser Erde vor 66 Millionen Jahren. Damals war ein kilometergroßer Asteroid auf der Erde eingeschlagen, der fast alles Leben auslöschte. Pech allerdings für die Pflanzen und Tiere heutzutage: Die endlose menschliche Gier und unsere Entwicklung sorgten dafür, dass seit ein paar Jahren das 6. Massensterben der Erde läuft.
Waldvernichtung, Überfischung, Klimawandel: Bis zu eine Million Tier- und Pflanzenarten werden innerhalb der nächsten zehn Jahre durch den Einfluss des Menschen an den Rand der Ausrottung gedrängt und danach für immer verschwinden. Für die Korallen beispielsweise ist es schon zu spät: Weil die Ozeane immer heißer werden, sterben 90 Prozent von ihnen in den nächsten 25 Jahren, bis zum Ende des Jahrhunderts sogar 99 Prozent. Nick Reimer
Z
wie Zigaretten
Die letzte Zigarette rauchte ich am 9. November 2011. Ich hatte eine harmlose Operation hinter mir, das Erste, was mir daheim zu tun einfiel, war: eine rauchen. Das fand ich nach unzähligen Anläufen, mit dem Rauchen aufzuhören, besonders blöd. Unter den Nachwirkungen der Vollnarkose legte ich eine vorhandene Nichtraucherhypnose-CD (→ Rock) ein, hörte Kaufhausmusik und eine salbadernde Stimme, die mich sofort auf dem Sofa einschlafen ließ.
Ich wachte wieder auf, als die Stimme sagte: „Nun sind Sie wach und werden nie wieder rauchen!“ Das fand ich albern und ging schlafen. Am nächsten Morgen wollte ich zum Kaffee meine übliche Zigarette rauchen. Es ging nicht. Etwas in mir sträubte sich, die CD hatte in meinen Zustand gewirkt. Nach einem höllischen Jahr, in dem ich alle hasste, die in meiner Nähe rauchten, ging es mir besser als je zuvor. Beate Tröger
Heißer Alkohol, von Biber bis Bücherregal (→ Sherlock), von Linkes Leipzig bis Pasolini. Einmal stellten wir unsere Wunschkandidatinnen als Bundespräsidentin vor, eine schräge Mischung.Die kurzen Texte konnten persönlich, wissenswert, anekdotisch sein, auf alle Fälle unterhaltsam! Nicht leicht, auf 800 oder 1.000 Zeichen eine prägnante Geschichte zu erzählen. Unsere Autor:innen hatten es drauf – wenn mal das Z wegbrach, wussten wir, wo wir Ersatz finden. Wir konnten uns auf die A–Z-Community verlassen: Ihr hattet Lust auf diese Miniaturen, das freie Rumspinnen, das Um-die-Ecke-Denken. Dies ist leider das letzte Lexikon, das auf dieser Seite im Freitag erscheint. Danke und Ciao! Maxi Leinkauf Dwie DuellDer Zweikampf auf Leben und Tod bildete im Mittelalter eine probate Methode, Gerichtsprozesse zu entscheiden. Sie kamen selten vor, meistens genügte allein die Androhung, ein Duell zu veranstalten, damit sich Kläger und Beklagter doch noch einigten (→ Karten spielen). Das letzte Duell in Frankreich fand am 29. Dezember 1386 statt. Das ist urkundlich festgehalten. Der Ritter Jean de Carrouges forderte den Knappen Jacques Le Gris heraus, weil dieser seine Frau Marguerite vergewaltigt haben soll.Diesen letzten Gerichtskampf entschied der Ritter für sich. Duelle um die Ehre fanden jedoch noch Jahrhunderte später statt. Eric Jagers Buch The Last Duel. A True Story of Crime, Scandal, and Trial by Combat in Medieval France thematisiert diesen Zweikampf und seinen Kontext. Das Buch wurde von Ridley Scott 2021 unter gleichem Titel verfilmt. Tobias PrüwerFwie FernsehserieDas US-Franchise Fast & Furious ist eine der erfolgreichsten Filmreihen der Geschichte. Aber es ist davon auszugehen, dass seine Macher in den 1990ern heimlich die RTL-Serie Und tschüss! geguckt haben: Schon Jahre vor den Abenteuern von Dom Toretto und seiner Gang gab es hier eine coole Clique mit schicken, aufgemotzten Karren, reichlich Action und selbstbewussten Frauen am Steuer, die wussten, was ein Drift um Häuserblocks (→ Gebäude) und ein sauberer J-Turn sind.Und tschüss! spielt in Essen und bringt zusammen, was das Ruhrgebiet damals zu einem schrillen und prollig-sympathischen Teil der Popkultur machte: Autotuning, laute Musik, Pommesbuden, viel Frivoles, Sinn für Humor. In Folge 3 muss Günni (Benno Führmann) in seinem Ford Mustang Rudi Rammler, den preisgekrönten Stallhasen seines Vadderns, zum Decken überführen. Rudi büxt aus, klar. Eine ereignisreiche Suche beginnt. Nach der Staffel folgten drei Kinofilme. 1998 war Schluss. Das Ganze war aus der Zeit gefallen. Ji-Hun KimGwie Gebäude30 Anwohner*innen stehen Ende November in Berlin-Friedrichshain zusammen und halten eine Mahnwache ab. Ihr Ziel: den Abriss des Sport- und Erholungszentrums (SEZ) verhindern – des futuristischen DDR-Baus direkt neben ihnen. „Warum verschwindet alles, das uns einmal gutgetan hat?“, fragt Susanne Lorenz, Mitinitiatorin des Protests. Als Kind war sie hier schwimmen, ihrer Tochter wird das wohl nicht mehr möglich sein.1981 eröffnete die DDR das SEZ – ein opulenter Ort, der für ein paar Mark Urlaub vom Alltag bot. Nach 1989 verfiel der Komplex zunehmend (→ Tyrannosaurus). Berlins Senat plant den Abriss, um Wohnungen zu bauen. Doch selbst offizielle Entwürfe und viele Expert*innen bestätigen, Denkmalschutz und Wohnungsbau ließen sich verbinden. Das macht die Anwohner*innen wütend – sie planen weitere Mahnwachen. Sebastian BährHwie Hello, GoodbyeHello, Goodbye, erschienen 1967 auf dem Album Magical Mystery Tour, komponiert von John Lennon und Paul McCartney, wirkt auf den ersten Blick wie ein leichtfüßiger Popsong. Doch darunter, wie so oft bei den Beatles, schlummert viel mehr. Das Stück lebt von klaren Gegensätzen – es erzählt von Kommunikation. McCartney beschrieb den Song als Ausdruck dessen, was passiert, wenn sich zwei Menschen nicht verstehen und aneinander vorbeireden (→ Duell).Das Lied beschreibt die Komplexität der Welt in schlichtesten Worten: Jedes „Hello“ bedeutet auch „Goodbye“. Jede Zustimmung birgt Widerspruch. Wie das klingt? Hell, zugänglich, freundlich und beschwingt. Der Song lächelt einen an, bevor er sich zu einem lebendigen, fast psychedelischen Outro öffnet. Im Video zum Stück tauchen in diesem Moment junge Frauen in hawaiianischen Röcken auf und umtanzen die Band in ihren Sgt.-Pepper-Kostümen. Beatles-Kenner und –Kennerinnen nennen diesen Teil des Songs das „Maori-Finale“. Marc PeschkeKwie Karten spielenVor dem Abendessen und danach gleich wieder – als sie uns vier Kinder noch bei sich hatte, hätte die Mutter das für Zeitverschwendung gehalten. Nun war sie geradezu süchtig nach Rommé. Mit Vater allein funktionierte es nicht. Doch wann immer wir sie in Weimar besuchten, spielten wir Karten am runden Tisch. Zu Ostern, zu den Geburtstagen, zu Weihnachten (→ Hello, Goodbye). Zu selten eigentlich.Ihren Schmerz, als ich nach Berlin zog, begriff ich erst, als unsere eigene Tochter aus dem Haus ging. Meine Mutter nahm es damals hin, drei Kinder blieben noch zu Hause. Aber als wir das letzte Mal Karten spielten, sagte meine Mutter etwas, das ich bis heute im Ohr habe: „Ach, meine Große, wie ich mich über dich gefreut habe, als du auf die Welt kamst.“ Wie froh bin ich, dass ich im Krankenhaus noch bis ganz zuletzt bei ihr war. Irmtraud GutschkeRwie RockWiederauferstehungen nach dem selbstgewählten Ende gibt es in der Rockmusik zuhauf. KISS spielten schon 2000 ihre erste große Farewell-Tournee. Die Fans kamen in Scharen. 25 Jahre und 14 weitere (Abschieds-) Tourneen später spielen sie derzeit ihre sicher allerletzten Shows. Der Abschied vom Abschied gehört zum guten Ton, die Liste der Rücktrittsrücktrittler ist lang: Slayer, The Who, Elton John, Guns N’ Roses, zuletzt Oasis. Früh fing Ozzy Osbourne (→ Fernsehserie) an, sich zu verabschieden.Aber schon Mitte der 1990er hieß seine Comeback-Tour „Retirement Sucks“: Rente ist kacke. Wer sein Leben lang auf der Bühne gefeiert wurde, ist abhängig vom realitätsentkoppelten Tourleben, der Fan-Euphorie. Konzerte spielen ist für viele einziger Sinn und auch Existenzgrundlage: Tickets für mutmaßliche Abschiedstourneen verkaufen sich besser. Osbourne spielte am 5. Juli seine letzte Show, Titel: „Back To The Beginning“. Er versammelte viele Größen der Metal- und Rockmusik, die ihm die letzte Ehre erwiesen, als hätten sie es diesmal alle gewusst: Ozzy verstarb keine drei Wochen später. Ji-Hun KimSwie SherlockAm Ende bleiben ein Wanderstock und ein silbernes → Zigaretten-Etuimit einem Abschiedsbrief. Der große Detektiv ist in der Geschichte Das letzte Problem (1893) gemeinsam mit dem genialen Verbrecher Professor Moriarty bei einem Zweikampf die Reichenbachfälle hinuntergestürzt. Die Leiche wird nie gefunden. Was seinem Schöpfer Arthur Conan Doyle im Nachhinein gut zupasskommt.Der hatte den populären Meisterdetektiv loswerden wollen, weil er seinen literarischen Ambitionen im Wege stand. Die heftigen Proteste seiner Leseschaft lassen den Autor zunächst ungerührt. Bis er seinen ungeliebten Helden für ein stattliches Honorar wiederauferstehen lässt, dauert es zehn Jahre. Angeblich hatte der exzentrische Ermittler seinen Tod nur vorgetäuscht. Überraschend ist das nicht – wie wir wissen, ist Sherlock Holmes eh unsterblich. Joachim Feldmann Twie TyrannosaurusMancher Abschied ist ganz praktisch. Vermutlich wäre es niemals zur Menschwerdung gekommen, wenn der Tyrannosaurus Rex nicht ausgestorben wäre: Der bis zu sechs Meter große Fleischfresser machte sich über alles (→ A – Z) her, was sich bewegte. Hinweggerafft wurde er beim 5. Massenaussterben dieser Erde vor 66 Millionen Jahren. Damals war ein kilometergroßer Asteroid auf der Erde eingeschlagen, der fast alles Leben auslöschte. Pech allerdings für die Pflanzen und Tiere heutzutage: Die endlose menschliche Gier und unsere Entwicklung sorgten dafür, dass seit ein paar Jahren das 6. Massensterben der Erde läuft.Waldvernichtung, Überfischung, Klimawandel: Bis zu eine Million Tier- und Pflanzenarten werden innerhalb der nächsten zehn Jahre durch den Einfluss des Menschen an den Rand der Ausrottung gedrängt und danach für immer verschwinden. Für die Korallen beispielsweise ist es schon zu spät: Weil die Ozeane immer heißer werden, sterben 90 Prozent von ihnen in den nächsten 25 Jahren, bis zum Ende des Jahrhunderts sogar 99 Prozent. Nick Reimer Zwie ZigarettenDie letzte Zigarette rauchte ich am 9. November 2011. Ich hatte eine harmlose Operation hinter mir, das Erste, was mir daheim zu tun einfiel, war: eine rauchen. Das fand ich nach unzähligen Anläufen, mit dem Rauchen aufzuhören, besonders blöd. Unter den Nachwirkungen der Vollnarkose legte ich eine vorhandene Nichtraucherhypnose-CD (→ Rock) ein, hörte Kaufhausmusik und eine salbadernde Stimme, die mich sofort auf dem Sofa einschlafen ließ.Ich wachte wieder auf, als die Stimme sagte: „Nun sind Sie wach und werden nie wieder rauchen!“ Das fand ich albern und ging schlafen. Am nächsten Morgen wollte ich zum Kaffee meine übliche Zigarette rauchen. Es ging nicht. Etwas in mir sträubte sich, die CD hatte in meinen Zustand gewirkt. Nach einem höllischen Jahr, in dem ich alle hasste, die in meiner Nähe rauchten, ging es mir besser als je zuvor. Beate Tröger