Kronprinz Reza Pahlavi sieht sich schon bald an der Macht im Iran – nur ist fraglich, ob er eine Basis hat. Was wirklich hinter den Drohungen der US steckt: Die Konturen einer neuen Weltordnung
Reza Pahlavi in Washington
Foto: Kevin Dietsch/Getty Images
Der Schah-Sprössling Reza Pahlavi hat alles auf die Karte eines US-gesteuerten Regimewechsels gesetzt und großspurig angekündigt, noch vor dem „Tag X“ in sein Heimatland zurückkehren zu wollen. So klingt jemand, der sich seiner Sache sehr sicher wähnt und davon träumt, die Ereignisse vom 1. Februar 1979 zu kopieren. Damals landete Ayatollah Khomeini in Teheran, um der Schah-Diktatur – schwer erschüttert durch die Massenproteste – den Garaus zu machen.
Nur, dass Pahlavi Jr. – anders als Khomeini vor 47 Jahren – in Iran keine Machtbasis hat. Auch wenn er im ARD-Interview von Millionen Menschen spricht, die seine Rückkehr fordern. Niemand weiß bis heute, was genau in den Tagen und Wochen der Proteste passiert ist, und wie viele Menschen wirklich auf den Straßen waren, Millionen wohl eher nicht. Sicher ist nur, dass Washington seit dem Zwölf-Tage-Krieg vom Sommer 2025 auf einen Sturz des Regimes hinarbeitet. Daran lässt die Trump-Administration keinen Zweifel.
US-Finanzminister Scott Bessent hat sich jüngst in Davos gebrüstet, die iranische Wirtschaftskrise eskaliert und den heimischen Rial auf Talfahrt geschickt zu haben. Was schlussendlich selbst die regimetreuen Basarhändler zum Protest nötigte. Zur Erinnerung: Scott Bessent war 1992 im Team von George Soros, als der mit Leerverkäufen erfolgreich gegen das britische Pfund wettete und London so aus dem europäischen Wechselkursmechanismus drängte. Bessent soll danach um eine Milliarde Dollar reicher gewesen sein.
Moskau macht aus seiner Hilfe für Teheran kein Geheimnis
In Teherans Lesart waren für die Proteste und ihre gewaltsame Eskalation vor allem amerikanische und israelische Agenten verantwortlich. Natürlich klingt das nach einem bekannten Schutz-Narrativ des Regimes. Auf der anderen Seite weiß die Welt seit dem Juli-Krieg, wie stark Iran bis in die Führungsebenen der Nomenklatura von Mossad und CIA infiltriert sein muss.
Tatsächlich stellt sich aktuell zum Beispiel die Frage, wie 50.000 Starlink-Terminals im Wert von etwa 2,5 Millionen Dollar unter verschärften Sanktionsbedingungen ins Land geschmuggelt werden konnten, wenn diese Schmuggelrouten nachweislich zum Kerngeschäft der Revolutionsgarden gehören. Und wie hat das Regime diese alternative Kommunikation so schnell ausschalten können, dass der Protest danach zusammenbrach?
Westliche Geheimdienste vermuten hier aktive Unterstützung russischer Experten, die mit der Stralink-Technologie ihre Erfahrungen im Ukraine-Krieg gesammelt haben. Wie überhaupt Moskau aus seiner Schützenhilfe für die Mullah-Riege kein Geheimnis macht.
Russland hat nach dem Juli-Krieg SU-35-Kampfjets geliefert, iranische Drohnen weiterentwickelt und sich beim Wiederaufbau der iranischen Atom- und Rüstungsindustrie engagiert. Anfang des Jahres soll der Kreml dem Iran moderne Raketensysteme vom Typ „Iskander-E“ geliefert haben. Die ballistische Kurzstreckenwaffe ist mobil, schnell einsetzbar, sie hat eine hohe Treffsicherheit und gilt als schwer abfangbar.
Und weil auch China Iran seit Jahren politisch hofiert und US-Sanktionen ungerührt unterläuft, scheinen im Überlebenskampf des Mullah-Regimes Konturen einer neuen Weltordnung auf. Eine Weltordnung, in der Großmächte ihre Claims entlang von Einflusszonen abstecken und diese aggressiv absichern.
Die Pahlavi-Dynastie kam 1925 an die Macht
Iran liegt aktuell im Schnittpunkt solcher Großmachtrivalitäten – und lag dort auch historisch. Die Pahlavi-Dynastie kam 1925 an die Macht. Am Vorabend eines Weltkrieges, dessen Siegermächte 1943 in Teheran erstmalig zueinander fanden. Da war Iran von britischen und sowjetischen Truppen besetzt, und Schah Pahlavi mit seiner unverhohlenen Sympathie für Hitler-Deutschland ein Kaiser ohne Land.
1953 rettete ein CIA-Putsch im Namen der antikommunistischen Domino-Theorie dem bereits abgesetzten Schah die Macht – bis er schließlich 1979 vor einer Volksrevolution aus dem Land floh, das er ein Vierteljahrhundert lang als Washingtons Vasall mit absolutistischer Macht regiert hatte. Der Aufstand stand unter der Losung „Weder Ost noch West, sondern Islamische Republik“ und verkündete neben dem Ende der Pahlavi-Diktatur auch den Abgesang an die bipolare Nachkriegsordnung.
Es wäre ein schlechter Witz der Weltgeschichte, wenn ausgerechnet der Kronprinz jetzt im Schatten amerikanischer Militärschläge an die politischen Schalthebel in Teheran zurückkehren würde. Und sei es nur für den Übergang. Ein Versprechen, dem weder Freund noch Feind des Schah-Erben so recht glauben wollen.
im ARD-Interview von Millionen Menschen spricht, die seine Rückkehr fordern. Niemand weiß bis heute, was genau in den Tagen und Wochen der Proteste passiert ist, und wie viele Menschen wirklich auf den Straßen waren, Millionen wohl eher nicht. Sicher ist nur, dass Washington seit dem Zwölf-Tage-Krieg vom Sommer 2025 auf einen Sturz des Regimes hinarbeitet. Daran lässt die Trump-Administration keinen Zweifel.US-Finanzminister Scott Bessent hat sich jüngst in Davos gebrüstet, die iranische Wirtschaftskrise eskaliert und den heimischen Rial auf Talfahrt geschickt zu haben. Was schlussendlich selbst die regimetreuen Basarhändler zum Protest nötigte. Zur Erinnerung: Scott Bessent war 1992 im Team von George Soros, als der mit Leerverkäufen erfolgreich gegen das britische Pfund wettete und London so aus dem europäischen Wechselkursmechanismus drängte. Bessent soll danach um eine Milliarde Dollar reicher gewesen sein.Moskau macht aus seiner Hilfe für Teheran kein GeheimnisIn Teherans Lesart waren für die Proteste und ihre gewaltsame Eskalation vor allem amerikanische und israelische Agenten verantwortlich. Natürlich klingt das nach einem bekannten Schutz-Narrativ des Regimes. Auf der anderen Seite weiß die Welt seit dem Juli-Krieg, wie stark Iran bis in die Führungsebenen der Nomenklatura von Mossad und CIA infiltriert sein muss.Tatsächlich stellt sich aktuell zum Beispiel die Frage, wie 50.000 Starlink-Terminals im Wert von etwa 2,5 Millionen Dollar unter verschärften Sanktionsbedingungen ins Land geschmuggelt werden konnten, wenn diese Schmuggelrouten nachweislich zum Kerngeschäft der Revolutionsgarden gehören. Und wie hat das Regime diese alternative Kommunikation so schnell ausschalten können, dass der Protest danach zusammenbrach?Westliche Geheimdienste vermuten hier aktive Unterstützung russischer Experten, die mit der Stralink-Technologie ihre Erfahrungen im Ukraine-Krieg gesammelt haben. Wie überhaupt Moskau aus seiner Schützenhilfe für die Mullah-Riege kein Geheimnis macht.Russland hat nach dem Juli-Krieg SU-35-Kampfjets geliefert, iranische Drohnen weiterentwickelt und sich beim Wiederaufbau der iranischen Atom- und Rüstungsindustrie engagiert. Anfang des Jahres soll der Kreml dem Iran moderne Raketensysteme vom Typ „Iskander-E“ geliefert haben. Die ballistische Kurzstreckenwaffe ist mobil, schnell einsetzbar, sie hat eine hohe Treffsicherheit und gilt als schwer abfangbar.Und weil auch China Iran seit Jahren politisch hofiert und US-Sanktionen ungerührt unterläuft, scheinen im Überlebenskampf des Mullah-Regimes Konturen einer neuen Weltordnung auf. Eine Weltordnung, in der Großmächte ihre Claims entlang von Einflusszonen abstecken und diese aggressiv absichern. Die Pahlavi-Dynastie kam 1925 an die MachtIran liegt aktuell im Schnittpunkt solcher Großmachtrivalitäten – und lag dort auch historisch. Die Pahlavi-Dynastie kam 1925 an die Macht. Am Vorabend eines Weltkrieges, dessen Siegermächte 1943 in Teheran erstmalig zueinander fanden. Da war Iran von britischen und sowjetischen Truppen besetzt, und Schah Pahlavi mit seiner unverhohlenen Sympathie für Hitler-Deutschland ein Kaiser ohne Land.1953 rettete ein CIA-Putsch im Namen der antikommunistischen Domino-Theorie dem bereits abgesetzten Schah die Macht – bis er schließlich 1979 vor einer Volksrevolution aus dem Land floh, das er ein Vierteljahrhundert lang als Washingtons Vasall mit absolutistischer Macht regiert hatte. Der Aufstand stand unter der Losung „Weder Ost noch West, sondern Islamische Republik“ und verkündete neben dem Ende der Pahlavi-Diktatur auch den Abgesang an die bipolare Nachkriegsordnung.Es wäre ein schlechter Witz der Weltgeschichte, wenn ausgerechnet der Kronprinz jetzt im Schatten amerikanischer Militärschläge an die politischen Schalthebel in Teheran zurückkehren würde. Und sei es nur für den Übergang. Ein Versprechen, dem weder Freund noch Feind des Schah-Erben so recht glauben wollen.