Ständig muss man der KI beweisen, dass man keine KI ist. Dabei soll man sich doch genau wie eine KI verhalten!
„Der Einsatz von KI zwingt mich, der KI zu zeigen, dass ich keine KI bin!“
Collage: der Freitag, Fotos: IMAGO Images, I Stock, Alamy
Wieso muss ich eigentlich ständig blöden Maschinen beweisen, dass ich keine Maschine bin? Indem ich blöde, maschinengenerierte Vierecke US-amerikanischer Stadtversteppungen mit Motorrädern oder Ampeln anklicke? Wieso lasse ich mich herumkommandieren von Maschinen?
Der Einsatz von KI zwingt mich, der KI zu zeigen, dass ich keine KI bin. Müsste man nicht die Beweislast umkehren? Doch eine Verweigerung wäre existenzgefährdend. Weil man dann nicht mit den Kollegen auf einer „kollaborativen Plattform“ das tun könnte, was man „kommunizieren“ und „arbeiten“ nennt. Wer nicht mitmacht, hätte bald weder Kollegen noch Arbeit.
So aber besteht die Arbeit, die man hat, zu großen Teilen im Nachweis, keine KI zu sein. KI-generierte Textbausteine zu verwalten. Oder maschinelle Lächel-Symbole zu verwenden, herzige Herzchen, angespannte Bizepse in verschiedenen Farben. Berechnete man mal die ganze Zeit, die für Kommunikation mit der Maschine draufgeht, würde man noch burnouteter, also lässt man es lieber.
Man kommt auch gar nicht mehr dazu, auf die Fahrräder zu steigen, die man mit „Ich bin keine Maschine, begreif das endlich!“-Häkchen versieht – mitunter minutenlang, weil die Maschine nicht glaubt, dass man keine Maschine ist. Weil man was übersieht oder zu schnell klickt. Weil man überhaupt keine Lust hat, mit dieser blöden Maschine zu „kommunizieren“, fast so wenig wie mit „Hotlines“, in denen Computerstimmen die Versicherung abfragen, kein Computer zu sein. Manchmal schreit man dann ins Telefon, frustriert von der Einseitigkeit einer „Kommunikation“, die voraussetzt, sich wie eine Maschine zu verhalten.
Ausgeliefert am Telefon
Wäre ich weniger resilient, säße ich vielleicht schon auf der Straße oder hätte keine Krankenkasse mehr. Und Internet hätte ich auch nicht, weil das ja keiner kapiert, diese „Produkte“ der „Anbieter“, die da „Vodafone GigaZuhause DSL 50“ heißen oder „Magenta mobil young“ oder „1&1 DSL flex“. Per Betreff „Wichtige Info zu deinem Vertrag“ schreibt mir die KI, dass es einen besseren Tarif für mich gebe. Und macht mir ein Angebot, bei dem ich zehn Monate weniger zahle und danach doppelt so viel, plus neue Zweijahresbindung. Man fühlt sich dann verpflichtet, sich damit zu beschäftigen, mindestens 60 Minuten lang: den Vertrag raussuchen, vergleichen, herumrechnen. Ergebnis: Wäre teurer.
Vielleicht habe ich mich auch verrechnet, weil ich kein Computer bin, aber in den 60 Minuten hätte ich schönere Dinge tun können. „Buch deine Tarif-Empfehlung gerne in unseren Shops oder ruf uns an“, empfiehlt der KI-Textbaustein. Buch? Auf keinen Fall!
Am Telefon ist man noch ausgelieferter. Man hat keine Ahnung, wovon der Mann am anderen Ende spricht, abgelenkt auch durch den Verdacht, dass es sich um eine Maschine handelt, weil so nur eine Maschine sprechen kann, der arme Mann, denkt man. Wahrscheinlich ist ihm das selbst unangenehm, deshalb redet er so schnell, während irgendwo KI-gesteuerte Kontrollettis sitzen, denen er beweisen muss, dass er der Schnellste ist bei der Verarsche, die sich „Beratung“ nennt. Und ballert einen gnadenlos zu mit Kauderwelsch, das man nicht mal verstände, wenn man das wirklich wollte.
Man fühlt sich klein und mickrig, wird zum ohnmächtigen, unwissenden Wesen – was im Übrigen ein besserer Nachweis fürs Menschsein wäre, als schlechte Fotos von US-Motorrädern anzuklicken: diese unausrottbare Unwissenheit, dieses verwirrend dysfunktionale Nichtperfektsein. Und dass man irgendwann stirbt, das wäre auch ein Beweis für Leben, aber der käme zu spät.
Was also tun? Mit schlechtem Gewissen beim alten Tarif bleiben und hinnehmen, dass man zwei Euro oder zehn Cent pro Monat „verliert“? Die nächste Werbemail ignorieren? So bin ich nicht erzogen. Oder, wie mein Ex-Mann es macht, alle zwei Jahre kündigen und ein besseres Angebot einheimsen? Das soll mal schön die KI für mich machen. Mir ist das erheblich zu anstrengend.
KI zu sein. KI-generierte Textbausteine zu verwalten. Oder maschinelle Lächel-Symbole zu verwenden, herzige Herzchen, angespannte Bizepse in verschiedenen Farben. Berechnete man mal die ganze Zeit, die für Kommunikation mit der Maschine draufgeht, würde man noch burnouteter, also lässt man es lieber.Man kommt auch gar nicht mehr dazu, auf die Fahrräder zu steigen, die man mit „Ich bin keine Maschine, begreif das endlich!“-Häkchen versieht – mitunter minutenlang, weil die Maschine nicht glaubt, dass man keine Maschine ist. Weil man was übersieht oder zu schnell klickt. Weil man überhaupt keine Lust hat, mit dieser blöden Maschine zu „kommunizieren“, fast so wenig wie mit „Hotlines“, in denen Computerstimmen die Versicherung abfragen, kein Computer zu sein. Manchmal schreit man dann ins Telefon, frustriert von der Einseitigkeit einer „Kommunikation“, die voraussetzt, sich wie eine Maschine zu verhalten.Ausgeliefert am TelefonWäre ich weniger resilient, säße ich vielleicht schon auf der Straße oder hätte keine Krankenkasse mehr. Und Internet hätte ich auch nicht, weil das ja keiner kapiert, diese „Produkte“ der „Anbieter“, die da „Vodafone GigaZuhause DSL 50“ heißen oder „Magenta mobil young“ oder „1&1 DSL flex“. Per Betreff „Wichtige Info zu deinem Vertrag“ schreibt mir die KI, dass es einen besseren Tarif für mich gebe. Und macht mir ein Angebot, bei dem ich zehn Monate weniger zahle und danach doppelt so viel, plus neue Zweijahresbindung. Man fühlt sich dann verpflichtet, sich damit zu beschäftigen, mindestens 60 Minuten lang: den Vertrag raussuchen, vergleichen, herumrechnen. Ergebnis: Wäre teurer.Vielleicht habe ich mich auch verrechnet, weil ich kein Computer bin, aber in den 60 Minuten hätte ich schönere Dinge tun können. „Buch deine Tarif-Empfehlung gerne in unseren Shops oder ruf uns an“, empfiehlt der KI-Textbaustein. Buch? Auf keinen Fall!Am Telefon ist man noch ausgelieferter. Man hat keine Ahnung, wovon der Mann am anderen Ende spricht, abgelenkt auch durch den Verdacht, dass es sich um eine Maschine handelt, weil so nur eine Maschine sprechen kann, der arme Mann, denkt man. Wahrscheinlich ist ihm das selbst unangenehm, deshalb redet er so schnell, während irgendwo KI-gesteuerte Kontrollettis sitzen, denen er beweisen muss, dass er der Schnellste ist bei der Verarsche, die sich „Beratung“ nennt. Und ballert einen gnadenlos zu mit Kauderwelsch, das man nicht mal verstände, wenn man das wirklich wollte.Man fühlt sich klein und mickrig, wird zum ohnmächtigen, unwissenden Wesen – was im Übrigen ein besserer Nachweis fürs Menschsein wäre, als schlechte Fotos von US-Motorrädern anzuklicken: diese unausrottbare Unwissenheit, dieses verwirrend dysfunktionale Nichtperfektsein. Und dass man irgendwann stirbt, das wäre auch ein Beweis für Leben, aber der käme zu spät.Was also tun? Mit schlechtem Gewissen beim alten Tarif bleiben und hinnehmen, dass man zwei Euro oder zehn Cent pro Monat „verliert“? Die nächste Werbemail ignorieren? So bin ich nicht erzogen. Oder, wie mein Ex-Mann es macht, alle zwei Jahre kündigen und ein besseres Angebot einheimsen? Das soll mal schön die KI für mich machen. Mir ist das erheblich zu anstrengend.