Im niederösterreichischen Frauenhaus Mödling offenbaren sich gravierende Missstände. Bilder aus dem Inneren der Einrichtung, die unzensuriert vorliegen, zeigen marode Fenster, beschädigte Zäune und stark verschmutzte Sanitärräume. Die frühere Geschäftsführerin schildert teils erschütternde Zustände – und erhebt schwere Vorwürfe gegen den SPÖ-nahen Trägerverein.

Chefin durfte nicht einmal Putzfrau anstellen

Mehr als vier Jahre, so berichtete die Ex-Leiterin, habe sie ohne ausreichende Mittel und Entscheidungs-Spielräume gearbeitet. Sie habe „nicht einmal eine Putzfrau einstellen“ dürfen, keinen Zugriff auf das Konto gehabt und sogar bei Spenden die Zustimmung des Vorstands einholen müssen. „Ich musste sogar den Vorstand anrufen und fragen, ob ich Spenden annehmen darf, den Dreck durfte ich selber wegmachen als Führungskraft“, erklärte sie.

Arbeitsstreit ging vor Gericht

Nachdem sie auf die Missstände aufmerksam gemacht hatte, soll der Vorstand den Spieß umgedreht haben. Letztlich verlor sie ihre Stelle und spricht von Mobbing und Drohungen. Der Fall wird derzeit vor Gericht behandelt, für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung.

Hunderttausende Euro auf separatem Konto?

Nach Angaben der Ex-Geschäftsführerin sei nicht nur die Bausubstanz problematisch gewesen. Sie behauptete, auf einem separaten Konto seien hunderttausende Euro geparkt worden – offiziell, um Anwaltskosten zu begleichen. Ihr Vorwurf lautet: „Für die Frauen in Not wurde nur das Allernotwendigste gemacht, aber ich bin dann die Hysterische, der Störenfried.“

Asylanten leben in Österreich besser als Frauen in Not

Unterstützung erhält sie von der niederösterreichischen FPÖ-Frauensprecherin Edith Mühlberghuber. Sie zeigte sich entsetzt über die Verhältnisse: „Es ist nicht nachvollziehbar, dass in Österreich Asylwerber in weit besser ausgestatteten Unterkünften untergebracht werden als Frauen im Frauenhaus Mödling.“ Besonders kritisierte sie die hygienischen Mängel und den Umgang mit Schutzsuchenden: „Diese Frauen suchen Zuflucht vor Gewalttätern und finden durchlöcherte Zäune, fast schon aus dem Rahmen fallende Fenster, Lurch, Dreck und unfassbare Sanitär-Zustände vor.“

Führung duldet katastrophale Zustände

In jeder anderen Einrichtung, so Mühlberghuber weiter, würden solche Zustände sofort Konsequenzen haben. „Im SPÖ-geführten Frauenhaus wird aber einfach darüber hinweggesehen anstatt zu handeln.“ Sie fordert Aufklärung, Prüfung, Transparenz und konkrete Maßnahmen.

Träger des Frauenhauses ist der Verein „Sozialhilfezentrum für werdende Mütter, gefährdete Frauen und ihre Kinder (SHZ)“ – Vereinsobfrau ist seit 2019 SPÖ-Bezirksfrauenvorsitzende Gabriele Steiner, als Stellvertreterin fungiert Steiners Genossin und Gemeinderätin in Wiener Neudorf, Monika Waldhör. Die Finanzierung erfolgt durch das Land Niederösterreich mit jährlich 520.000 Euro, teilte die damalige SPÖ-Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig 2023 mit – als Geschäftsführerin Monika Schweiger auf die Zustände aufmerksam gemacht hatte.

Neubau kommt – mit Verspätungen

Inzwischen hat die zuständige SPÖ-Landesrätin Eva Prischl einen Neubau des Frauenhauses angekündigt. Dafür sind Kosten von mehr als sechs Millionen Euro veranschlagt. Der Baubeginn verzögert sich jedoch, während die bestehende Einrichtung zunehmend als untragbar gilt. Bleibt der Neubau aus, droht eine Schließung des Frauenhauses.



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