Die schlechte Nachricht vorweg, rund 61,6% der Bevölkerung mangelt es an Vitamin-D. Anteil steigend.

Gleichzeitig sind rund 2,5% der Erwachsenen im Alter von 40 oder mehr Jahren in Deutschland von Alzheimer betroffen.

Und zwischen beidem scheint es einen Zusammenhang zu geben.
Eine Reihe von Studien hat bereits gezeigt, dass geringere Vitamin-D-Level bei älteren Menschen (55+ Jahre) mit Alzheimer und Demenz verbunden sind, während höhere Vitamin-D-Level im Alter einen gewissen Schutz zu bieten scheinen.

Afzal, Shoaib, Stig E. Bojesen, and Børge G. Nordestgaard (2014). Reduced 25-hydroxyvitamin D and risk of Alzheimer’s disease and vascular dementia.; Alzheimer’s & Dementia 10(3): 296-302.

Feart, Catherine, Catherine Helmer, Bénédicte Merle, François R. Herrmann, Cédric Annweiler, Jean-François Dartigues, Cécile Delcourt, and Cécilia Samieri (2017). Associations of lower vitamin D concentrations with cognitive decline and long-term risk of dementia and Alzheimer’s disease in older adults. Alzheimer’s & Dementia 13(11): 1207-1216.

Licher, Silvan, Renée FAG de Bruijn, Frank J. Wolters, M. Carola Zillikens, M. Arfan Ikram, and M. Kamran Ikram (2017). Vitamin D and the risk of dementia: the Rotterdam study. Journal of Alzheimer’s Disease 60(3): 989-997.

Littlejohns, Thomas J., William E. Henley, Iain A. Lang, Cedric Annweiler, Olivier Beauchet, Paulo HM Chaves, Linda Fried et al. (2014). Vitamin D and the risk of dementia and Alzheimer disease. Neurology 83(10): 920-928.

Moon, J. H., S. Lim, J. W. Han, K. M. Kim, S. H. Choi, K. W. Kim, and H. C. Jang (2015). Serum 25‐hydroxyvitamin D level and the risk of mild cognitive impairment and dementia: the Korean Longitudinal Study on Health and Aging (KL o SHA). Clinical Endocrinology 83(1): 36-42.

Studien, wie diese legen den Schluss nahe, dass man sich im Alter durch Vitamin-D Aufnahme vor Alzheimer bzw. Demenz schützen kann. Und wahrscheinlich kann man das auch, indes, eine neue Studie legt den Verdacht nahe, dass verstärkte Aufnahme von Vitamin D im Alter zu spät kommen kann:

Mulligan et al. (2026) nutzen die Daten der Framingham Heart Study, um zu analysieren, ob Vitamin D Level in jüngerem Alter in einem Zusammenhang mit der Wahrscheinlichkeit, im Alter Alzheimer zu entwickeln, stehen. Die Framingham Heart Study ist eine Längsschitt-Studie, in deren Verlauf die Teilnehmer mehrfach befragt und untersucht wurden. Im vorliegenden Fall macht es diese Studienanlage möglich, das Vitamin-D Level, das für die Teilnehmer in ihren 30er Jahren bestimmt wurde, mit Ablagerungen im Gehirn, tau und Amyloid-beta, die im Schnitt 16 Jahre später mit einem PET-Scan (Positron Emission Tomography) festgestellt wurden, in Zusammenhang zu bringen.

Für 424 Befragte sind Vitamin-D Level bestimmt zu einem Zeitpunkt im Verlauf ihres 4 Lebensjahrzehnts, ein PET-Scan für Amyloid-beta steht für 374 Probanden ein solcher für tau bei  369 Probanden zur Verfügung. Auf dieser Grundlage ist das Vorgehen der Autoren „straight forward“, wie es so schön heißt: Sie berechnen lineare Regressionen auf Basis normalisierter Vitamin-D-Werte und finden in der Tat einen Zusammenhang zwischen einem HÖHEREN Vitamin-D Level, das bei den Probanden im Verlauf ihres 4. Lebensjahrzehnts gemessen wurde und einer geringeren Ablagerung von tau in ihrem Gehirn. Sie finden KEINEN Zusammenhang mit Amyloid-beta, also dem Peptid, das in so vielen Veröffentlichungen mit Alzheimer in Verbindung gebracht wird.

Amyloid-beta-Plague

Ein Ergebnis, das man erst einmal erklären muss, indes keines, das die Autoren zu verwundern scheint, denn sie bleiben die Erklärung schuldig. Ein wenig Schmökern in der Literatur macht schnell deutlich, dass der Zusammenhang zwischen Amyloid-beta und Alzheimer / Demenz im Gegensatzu zum entsprechenden Zusammenhang für tau gar nicht so eindeutig ist, wie man es, aufgrund der vielen Forschung, die es dazu gibt, vermutet hätte:

  • Amyloid beta findet sich als Plaque außerhalb von Zellen;
    Tau ist ein Protein, das sich in Zellen, genauer: Neuronen findet;
  • Die Role, die Amyloid beta im Gehirn von Menschen spielt, ist weitgehend unklar, scheint mit über Synapsen vermittelten Signale zu tun zu haben oder in einer Schutzfunktion, welcher auch immer, zu bestehen.
    Tau ist in Neuronen für die Sicherung der internen Struktur und der Transportwege, über die Nährstoffe verteilt werden, zuständig;
  • In seiner pathologischen Form (als Plague) klumpt Amyloid beta außerhalb von Zellen;
    Tau wir durch Hyperphosphorylierung außer Gefecht gesetzt und klumpt innerhalb von Zellen als fehlgeformtes Protein;
  • Amyloid beta taucht 15 bis 20 Jahre bevor sich Symptome von Alzheimer / Demenz einstellen, auf, und zwar als diffuse Verteilung im Neocortex;
    Tau taucht später auf, in vorhersagbaren Mustern und steht in einem zeitlichen Zusammenhang mit Symptomen von Alzheimer und Demenz;
  • Amyloid beta in seiner Form als Plague findet sich bei vielen Menschen, die wenigsten davon leiden an Demenz oder Alzheimer;

    Dagegen steht tau in seiner fehlgeformten Variante in einem klaren Zusammenhang mit kognitivem Niedergang und dem Verlust von Neuronen und Synapsen;

Amyloid-beta Plague verursacht Entzündungen und oxidativen Stress, steht im Verdacht, Veränderungen in tau hervorzurufen;
Fehlgebildetes tau führt zu einem Zusammenbruch der Versorgung von Neuronen, Synapsen UND Neuronen sterben ab, es besteht eine Art „Ansteckung“, denn fehlgebildetes tau kann von Zelle zu Zelle weitergegeben werden;

Während die Rolle, die tau im Zusammenhang mit Alzheimer / Demenz spielt, ziemlich eindeutig ist, denn absterbende Neuronen, ein nachfolgender Verlust kognitiver Funktionen, ausgelöst durch fehlgeformte tau-Proteine ist eine klare Indizienkette für Alzheimer / Demenz ist der Zusammenhang zwischen Amyloid-beta und Alzheimer / Demenz alles andere als klar, die Funktion des Peptids eher ungeklärt und diffus.

Soweit so gut.

PET-Scan

Indes, zwischen einem mindestens 16 Jahre früher bestimmten Wert für Vitamin-D und 16 Jahre später vorhandenen tau-Ablagerungen einen Zusammenhang an der Grenze zur Kausalität herstellen zu wollen, scheint ziemlich weit hergeholt zu sein, wogegen der Zusammenhang zwischen geringem Vitamin-D Level und zeitgleich bestimmtem Alzeheimer, zeitgleich bestimmter Demenz eine andere Liga zu bespielen scheint. Eine nähere Beschreibung der Wirkunsgweise von Vitamin D auf die Bildung bzw. Verhinderung der Bildung von fehlgeformtem tau, ist somit notwendig. Sie könnte so aussehen:

Vitamin D könnte über verschiedene mögliche Mechanismen positive Auswirkungen auf die neurokognitiven Funktionen haben. Vitamin-D-Rezeptoren und 1-Alpha-Hydroxylase, das für die Synthese von aktivem Vitamin D erforderliche Enzym, sind im Nervensystem, einschließlich des Hippocampus, weit verbreitet. Immunzellen exprimieren Vitamin-D-Rezeptoren, und Vitamin D kann sowohl die angeborene als auch die adaptive Immunantwort beeinflussen, die Bildung entzündlicher Zytokine verringern und die entzündungshemmende Abwehr stärken. Ein Vitamin-D-Mangel kann deshalb zu verstärkter Neuroinflammation, einer beeinträchtigten Antioxidation und einer erhöhten tau-Phosphorylierung führen. Oxidativer Stress steht in engem Zusammenhang mit der tau-Pathologie, und Vitamin D könnte durch die Verstärkung antioxidativer Wirkungen vor einer Hyperphosphorylierung von tau schützen, der Fehlformung von tau somit vorbeugen.


 

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