Der republikanische Senator aus Oklahoma ist Trump-Freund, MMA-Kämpfer, Ureinwohner und politischer Provokateur. Jetzt soll Markwayne Mullin das US-Heimatschutzministerium führen – eine Personalie mit weitreichenden Folgen
Markwayne Mullin ist als Senator in Sachen Migrationspolitik in den vergangenen Jahren als rigoroser MAGA-Hardliner und treuer Anhänger Trumps aufgefallen
Foto: Anna Moneymaker/Getty Images
„Die erste Lektion, die ich da oben gelernt habe, ist: Man muss Beziehungen aufbauen.“
In einem im Juli 2017 veröffentlichten Video sitzt Markwayne Mullin, zu jenem Zeitpunkt republikanischer Abgeordneter für Oklahoma im US-amerikanischen Repräsentantenhaus, neben seiner Frau Christie. Beide sind seriös gekleidet – Mullin in hellblauem Hemd mit Stehkragen. Sie befinden sich in einer Umgebung, die vermutlich ihr eigenes Haus ist.
In diesem elfminütigen Clip, wenige Monate nach dem ersten Amtsantritt von Donald Trump aufgenommen, erläutert Mullin, warum er sein ursprüngliches Versprechen, nur sechs Jahre im Repräsentantenhaus zu dienen, bricht und sich erneut zur Wahl aufstellt. Dazu habe ihn die Präsidentschaft Trumps ermutigt – sowie die Erkenntnis, man müsse „die richtigen Leute in Schlüsselpositionen haben“, um die eigenen politischen Vorstellungen durchsetzen zu können.
Kontakte pflegen im Fitnessstudio
Relevante Beziehungen aufbauen, das ist Mullin ohne Frage gelungen. Im Fitnessstudio des Repräsentantenhauses leitet der ehemalige Mixed-Martial-Arts-Kämpfer und College-Wrestler Workout-Sessions, wodurch er Kontakte zu anderen Abgeordneten beider Parteien knüpfte. Berichten zufolge freundete er sich im Jahr 2023 nach einem gemeinsamen Besuch einer Wrestling-Veranstaltung in Tusla, Oklahoma, mit Trump an, der ihn später als „MAGA-Krieger“ anpries.
Wie die New York Times erläutert, sei er „zu dem Senator geworden, der dem Präsidenten wohl am nächsten steht. Seinen eigenen Angaben zufolge spricht er oft mit Mr. Trump“. Es ist eine Freundschaft, die diesen eigentlichen Außenseiter im US-amerikanischen Politbetrieb mitten in dessen Zentrum katapultierte.
Dass der amtierende Präsident sein Kabinett bevorzugt nach Sympathien und nicht nach Kompetenzen aussucht, hat Markwayne Mullin in eins der höchsten und öffentlichkeitswirksamsten Ämter der US-Regierung erhoben: Der 48-Jährige wird Nachfolger im Department of Homeland Security (DHS), dem Heimatschutzministerium, von der kürzlich geschassten Kristi Noem. Am 31. März soll er diese Rolle übernehmen. Offiziell muss seine Personalie noch vom Senat bestätigt werden, die Zustimmung gilt aber als sehr wahrscheinlich.
Angetreten als Außenseiter: „Ein Rancher. Ein Businessman. Kein Politiker!“
Auf nationaler Ebene ist Mullin bis dato wenig aufgefallen. 1977 in Tulsa geboren, lernte er seine Ehefrau Christie in der Highschool kennen. Die beiden heirateten 1997 im Alter von nur 19 Jahren und haben inzwischen sechs Kinder, drei von ihnen adoptiert. Der gläubige Christ ist eingetragenes Mitglied des indigenen Stammes Cherokee Nation und war bei seinem Amtsantritt im Januar 2023 – nachdem er zehn Jahre im Repräsentantenhaus gedient hatte – der erste Native American im Senat seit dem Jahr 2005.
Seine politische Karriere begann im Jahr 2011, als Mullin seine Kandidatur für einen Sitz im Kongress verkündete. In jenem Wahlkampf gerierte er sich, Trump nicht unähnlich, als Außenseiter – „Ein Rancher. Ein Businessman. Kein Politiker!“, lautete sein Slogan damals. Anders als bei Trump, der natürlich Teil der US-amerikanischen Elite ist, stimmt dieses Outsider-Bild bei Mullin sogar. Dieser hatte, bevor er ins Repräsentantenhaus einzog, den Klempnerbetrieb seines Vaters geleitet, den er im Alter von zwanzig Jahren übernommen hatte.
Auch jetzt, nach mehr als einer Dekade im Kongress, inszeniert er sein Anti-Establishment-Image noch immer. Er stolziert mit Cowboyhut durch den Senat, wo Kopfbedeckung nicht gerne gesehen wird, und er lässt gerne lautstark einen Gummiball auf den Marmorboden ploppen.
Mullin ist bisher nicht nur durch breitbeiniges Auftreten, sondern auch durch sein breitbeiniges Verhalten aufgefallen. 2023 beispielsweise geriet der frühere Wrestler im Senat mit einem Gewerkschaftsführer in einen Streit, und machte daraufhin Anstalten, diesen auch physisch auszutragen. Er musste von Bernie Sanders barsch zurechtgewiesen werden, der ihn daran erinnerte, dass er ein US-Senator ist.
Hardliner in der Migrationspolitik – und Indigener
Im Verlauf seiner politischen Karriere hat sich Mullin wiederholt für die Rechte von Indigenen eingesetzt. Er gilt als Brückenbauer zwischen ihnen und der Trump-Regierung. Während Trumps Präsidentschaftswahlkampfs war er an einer Kampagne beteiligt, die explizit Native-Wähler*innen adressierte.
Im Februar, also noch vor seiner Ernennung zum Heimatschutzminister, wurde er von Chief Standing Bull von der Osage Nation mit den Worten gelobt, Mullin habe sich „stets als starker Verfechter der Souveränität der Stämme erwiesen“. Er verstehe „die besondere Partnerschaft zwischen den Stämmen und den Regierungen des Bundesstaates und der Bundesregierung“ und setze sich ein für eine Zusammenarbeit, „die allen Bewohnern unseres Territoriums zugutekommt“.
Die Behinderung der Bundespolizei ist eine Straftat. Die meisten Amerikaner befolgen die Anweisungen von ICE, ohne zu zögern
In Sachen Migrationspolitik wiederum hat sich der Senator in den vergangenen Jahren als rigoroser MAGA-Hardliner und treuer Anhänger Trumps hervorgetan. Eins seiner Hauptanliegen sind „sichere Grenzen“. So lautete auch sein erstes Versprechen, das er nach der Verkündung seiner Nominierung für das Amt des Heimatschutzministers machte, er wolle sich „auf den Schutz des Vaterlands“ konzentrieren.
Mullin setzt sich auch für ein Ende des sogenannten Birthright Citizenship ein, laut dem auf US-amerikanischem Grund Geborene automatisch auch US-Bürger*innen sind. Sein Framing: Wenn Eltern ohne Aufenthaltsgenehmigung abgeschoben werden, sollte man sie nicht von ihren Kindern trennen.
Entschiedener Verteidiger der Einwanderungsbehörde ICE
Da überrascht es wenig, dass er auch die protofaschistische Einwanderungsbehörde ICE verteidigt. Als ICE-Beamte Anfang des Jahres in Minneapolis erst Renée Good, dann Alex Pretti erschossen, bezeichnete Mullin diese auf X als „Patrioten“ und tat die Tötungen ab mit der Aussage: „Die Behinderung der Bundespolizei ist eine Straftat. Die meisten Amerikaner befolgen die Anweisungen von ICE, ohne zu zögern“. Außerdem bezeichnete er Pretti auf Fox News als „geistesgestörten Menschen“.
Kristi Noem, die jetzt Sonderbeauftragte für die Sicherheitsinitiative „Shield of the Americas“ werden soll, ist in ihrer Zeit als Heimatschutzministerin vor allem durch menschenverachtendes Verhalten aufgefallen. Unvergessen ist etwa das Foto von vergangenem März, das sie vor mehreren aus den USA abgeschobenen Männern im Hochsicherheitsgefängnis CECOT in El Salvador zeigt. Ob Trump-Freund Mullin universelle Menschenrechte einen höheren Stellenwert haben als für Noem, ist zu bezweifeln.
aufgenommen, erläutert Mullin, warum er sein ursprüngliches Versprechen, nur sechs Jahre im Repräsentantenhaus zu dienen, bricht und sich erneut zur Wahl aufstellt. Dazu habe ihn die Präsidentschaft Trumps ermutigt – sowie die Erkenntnis, man müsse „die richtigen Leute in Schlüsselpositionen haben“, um die eigenen politischen Vorstellungen durchsetzen zu können.Kontakte pflegen im Fitnessstudio Relevante Beziehungen aufbauen, das ist Mullin ohne Frage gelungen. Im Fitnessstudio des Repräsentantenhauses leitet der ehemalige Mixed-Martial-Arts-Kämpfer und College-Wrestler Workout-Sessions, wodurch er Kontakte zu anderen Abgeordneten beider Parteien knüpfte. Berichten zufolge freundete er sich im Jahr 2023 nach einem gemeinsamen Besuch einer Wrestling-Veranstaltung in Tusla, Oklahoma, mit Trump an, der ihn später als „MAGA-Krieger“ anpries.Wie die New York Times erläutert, sei er „zu dem Senator geworden, der dem Präsidenten wohl am nächsten steht. Seinen eigenen Angaben zufolge spricht er oft mit Mr. Trump“. Es ist eine Freundschaft, die diesen eigentlichen Außenseiter im US-amerikanischen Politbetrieb mitten in dessen Zentrum katapultierte. Dass der amtierende Präsident sein Kabinett bevorzugt nach Sympathien und nicht nach Kompetenzen aussucht, hat Markwayne Mullin in eins der höchsten und öffentlichkeitswirksamsten Ämter der US-Regierung erhoben: Der 48-Jährige wird Nachfolger im Department of Homeland Security (DHS), dem Heimatschutzministerium, von der kürzlich geschassten Kristi Noem. Am 31. März soll er diese Rolle übernehmen. Offiziell muss seine Personalie noch vom Senat bestätigt werden, die Zustimmung gilt aber als sehr wahrscheinlich.Angetreten als Außenseiter: „Ein Rancher. Ein Businessman. Kein Politiker!“Auf nationaler Ebene ist Mullin bis dato wenig aufgefallen. 1977 in Tulsa geboren, lernte er seine Ehefrau Christie in der Highschool kennen. Die beiden heirateten 1997 im Alter von nur 19 Jahren und haben inzwischen sechs Kinder, drei von ihnen adoptiert. Der gläubige Christ ist eingetragenes Mitglied des indigenen Stammes Cherokee Nation und war bei seinem Amtsantritt im Januar 2023 – nachdem er zehn Jahre im Repräsentantenhaus gedient hatte – der erste Native American im Senat seit dem Jahr 2005.Seine politische Karriere begann im Jahr 2011, als Mullin seine Kandidatur für einen Sitz im Kongress verkündete. In jenem Wahlkampf gerierte er sich, Trump nicht unähnlich, als Außenseiter – „Ein Rancher. Ein Businessman. Kein Politiker!“, lautete sein Slogan damals. Anders als bei Trump, der natürlich Teil der US-amerikanischen Elite ist, stimmt dieses Outsider-Bild bei Mullin sogar. Dieser hatte, bevor er ins Repräsentantenhaus einzog, den Klempnerbetrieb seines Vaters geleitet, den er im Alter von zwanzig Jahren übernommen hatte.Auch jetzt, nach mehr als einer Dekade im Kongress, inszeniert er sein Anti-Establishment-Image noch immer. Er stolziert mit Cowboyhut durch den Senat, wo Kopfbedeckung nicht gerne gesehen wird, und er lässt gerne lautstark einen Gummiball auf den Marmorboden ploppen.Mullin ist bisher nicht nur durch breitbeiniges Auftreten, sondern auch durch sein breitbeiniges Verhalten aufgefallen. 2023 beispielsweise geriet der frühere Wrestler im Senat mit einem Gewerkschaftsführer in einen Streit, und machte daraufhin Anstalten, diesen auch physisch auszutragen. Er musste von Bernie Sanders barsch zurechtgewiesen werden, der ihn daran erinnerte, dass er ein US-Senator ist.Hardliner in der Migrationspolitik – und IndigenerIm Verlauf seiner politischen Karriere hat sich Mullin wiederholt für die Rechte von Indigenen eingesetzt. Er gilt als Brückenbauer zwischen ihnen und der Trump-Regierung. Während Trumps Präsidentschaftswahlkampfs war er an einer Kampagne beteiligt, die explizit Native-Wähler*innen adressierte.Im Februar, also noch vor seiner Ernennung zum Heimatschutzminister, wurde er von Chief Standing Bull von der Osage Nation mit den Worten gelobt, Mullin habe sich „stets als starker Verfechter der Souveränität der Stämme erwiesen“. Er verstehe „die besondere Partnerschaft zwischen den Stämmen und den Regierungen des Bundesstaates und der Bundesregierung“ und setze sich ein für eine Zusammenarbeit, „die allen Bewohnern unseres Territoriums zugutekommt“.Die Behinderung der Bundespolizei ist eine Straftat. Die meisten Amerikaner befolgen die Anweisungen von ICE, ohne zu zögernMarkwayne MullinIn Sachen Migrationspolitik wiederum hat sich der Senator in den vergangenen Jahren als rigoroser MAGA-Hardliner und treuer Anhänger Trumps hervorgetan. Eins seiner Hauptanliegen sind „sichere Grenzen“. So lautete auch sein erstes Versprechen, das er nach der Verkündung seiner Nominierung für das Amt des Heimatschutzministers machte, er wolle sich „auf den Schutz des Vaterlands“ konzentrieren.Mullin setzt sich auch für ein Ende des sogenannten Birthright Citizenship ein, laut dem auf US-amerikanischem Grund Geborene automatisch auch US-Bürger*innen sind. Sein Framing: Wenn Eltern ohne Aufenthaltsgenehmigung abgeschoben werden, sollte man sie nicht von ihren Kindern trennen.Entschiedener Verteidiger der Einwanderungsbehörde ICEDa überrascht es wenig, dass er auch die protofaschistische Einwanderungsbehörde ICE verteidigt. Als ICE-Beamte Anfang des Jahres in Minneapolis erst Renée Good, dann Alex Pretti erschossen, bezeichnete Mullin diese auf X als „Patrioten“ und tat die Tötungen ab mit der Aussage: „Die Behinderung der Bundespolizei ist eine Straftat. Die meisten Amerikaner befolgen die Anweisungen von ICE, ohne zu zögern“. Außerdem bezeichnete er Pretti auf Fox News als „geistesgestörten Menschen“.Kristi Noem, die jetzt Sonderbeauftragte für die Sicherheitsinitiative „Shield of the Americas“ werden soll, ist in ihrer Zeit als Heimatschutzministerin vor allem durch menschenverachtendes Verhalten aufgefallen. Unvergessen ist etwa das Foto von vergangenem März, das sie vor mehreren aus den USA abgeschobenen Männern im Hochsicherheitsgefängnis CECOT in El Salvador zeigt. Ob Trump-Freund Mullin universelle Menschenrechte einen höheren Stellenwert haben als für Noem, ist zu bezweifeln.