Gerade bei Radio RSA gehört: Die Moderatorin fragt ihren Co-Moderator, ob er wisse, wie man im Flugzeug immer an warmes Essen kommt. Die Lösung: Man nehme eine 5-Minuten-Terrine mit und bitte die Stewardess um heißes Wasser. Fertig.
Ich frage mich ernsthaft, wie tief wir gesunken sind. Es gibt ikonische Fotos aus den Sechzigern – da schenkt die Stewardess frisch gezapftes Bier aus. Und heute? Der Weg vom Bordservice zur selbst mitgebrachten Tütensuppe.
Bitte holt mich aus diesem falschen Film. Ich will nicht mehr mitspielen.
PS: Das war ernst gemeint – als Pro-Tipp.
Diese Zuschrift – hier leicht gekürzt – von einem Leser, der längst ein Freund geworden ist.
Ich weiß noch, wie das war. Flüge nach Moskau, Anfang der 2000er. Ein warmes Gericht, eine Beilage, Dessert, mehrere Getränke. Und das selbst auf dreistündigen Strecken.
Dann kam der Bruch: erst nur noch ein Sandwich. Dann ein winziger Snack. Und heute? Bei zwei, drei Stunden Flugzeit: ein Wasser. Manchmal auch das nur auf Nachfrage. Und wir reden hier nicht über Billig-Airlines. Wir reden über Lufthansa, Austrian & Co.
Andere machen’s vor. Turkish Airlines verteilt auf einer Stunde Flug warme Mahlzeiten. Auch die griechische Aegean serviert selbst auf kurzen Strecken großzügig. Emirates und Qatar? Welten entfernt vom Kranich aus Frankfurt und seinen Satelliten in Wien, Zürich und Brüssel. Selbst in der Economy.
Warum macht Lufthansa das nicht? Die Erklärung ist so deutsch, dass sie schmerzt: Weil in irgendeinem Konferenzraum ein Controller sitzt, der stolz meldet, er habe 30 Cent pro Passagier gespart. Macht im Jahr 200.000 Euro. Hurra! Und sicher auch eine nette Prämie. Dass dieselbe Maßnahme Kunden vergrault, Vertrauen zerstört, Image ramponiert – interessiert niemanden. Denn das taucht nicht in der Excel-Tabelle auf.
Und wenn man dann einmal Meilen einlöst für ein Business-Upgrade, ist die Ernüchterung fast noch schlimmer: Billigst-Essen auf Porzellan, aber ohne Stil. Innerdeutsch? Keine vegetarische Option – die Aegean oder Turkish selbst für Ein-Stunden-Flüge in der Economy anbieten. Aber grünwoke Imagekampagnen fahren – das geht.
Dass Kunden wie mein Leser – und auch ich – dann irgendwann sagen: „Ich möchte nicht mehr mitspielen“, scheint bei Lufthansa niemanden mehr zu interessieren. Die Meilen gibt’s ja trotzdem. Noch. Und solange noch genug mitmachen, und sich den Service-GAU schönreden, weil sie eine silberne oder goldene Vielflieger-Karte als Schnuller bekommen, geht das Spiel weiter.
Es ist tragisch: Die Airline der Nation ist zu einem Symbol geworden – nicht für Fortschritt, sondern für den langsamen, schleichenden Service-Abbau. Für Unverschämtheit statt Service. Für Abwickeln und oft sogar Abwimmeln des Kunden statt Gastfreundschaft. Und für eine Manager-Kaste, die die Zahlen sieht – aber nicht mehr den Kunden.
Viele andere Europäische Luftfahrtgesellschaften machen es leider ähnlich. Zumindest westeuropäische. Aegean, Turkish und die Golf-Airlines machen vor, wie es anders geht. Und halten uns einen Spiegel vor für unseren Niedergang – den viele nicht sehen – oder nicht sehen wollen.
PS: Jetzt schreibt der schon wieder über Lufthansa, werden manche sagen. Aber ich habe mich bewusst dafür entschieden. Weil das Ganze symbolisch ist – und weil ich finde: Diese Leserzuschrift ist zu gut für einen schnellen Social-Media-Post. Manchmal sagt ein Satz über Thermoskannen mehr über Deutschland als jede Bilanzpressekonferenz.
Zigtausende frieren – und unsere Medien spülen alles weich. Weil’s linker Terror war, nicht rechter.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von YouTube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Sicherheits-Placebo: Wie Augsburg sich mit Pollern vor Terror „schützt“ – aber nichts verhindert
Unheimlich daheim. Weihnachten in Augsburg
Bitte beachten Sie die aktualisierten Kommentar-Regeln – nachzulesen hier. Insbesondere bitte ich darum, sachlich und zum jeweiligen Thema zu schreiben, und die Kommentarfunktion nicht für Pöbeleien gegen die Kommentar-Regeln zu missbrauchen. Solche Kommentare müssen wir leider löschen – um die Kommentarfunktion für die 99,9 Prozent konstruktiven Kommentatoren offen zu halten.
Mehr zum Thema auf reitschuster.de
Lufthansas Hütchenspiel – und wie der Konzern sich selbst entlarvt hat
Ein Versprechen schwarz auf weiß. Ein Video zur Sicherheit. Und trotzdem verweigert Lufthansa die Rückzahlung. Wer nicht alles minutiös dokumentiert, verliert – denn der Konzern kalkuliert mit Ihrer Ohnmacht.

