Nach den Drohungen von US-Präsident Donald Trump mit Sonderzöllen im Streit um Grönland hat die EU vor einer „gefährlichen Abwärtsspirale“ gewarnt.
„Zölle würden die transatlantischen Beziehungen untergraben und eine gefährliche Abwärtsspirale riskieren“, hieß es am Abend in einer gemeinsamen Erklärung von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und EU-Ratspräsident António Costa. Beide betonten: „Europa wird geeint, koordiniert und entschlossen bleiben, seine Souveränität zu wahren.“
Die EU steht zu Dänemark
„Die EU steht in voller Solidarität mit Dänemark und dem Volk von Grönland“, hieß es in der Erklärung der EU weiter. „Der Dialog bleibt wesentlich, und wir sind entschlossen, auf dem Prozess aufzubauen, der bereits vergangene Woche zwischen dem Königreich Dänemark und den USA begonnen wurde.“
Trump hatte am Samstag wegen des Streits um Grönland Strafzölle gegen acht europäische Länder angekündigt.
Solange die USA die zu Dänemark gehörende Insel nicht kaufen könnten, sollten Deutschland, Dänemark, Norwegen, Schweden, Frankreich, Großbritannien, die Niederlande und Finnland ab dem 1. Februar zusätzliche Zölle von zehn Prozent auf alle Einfuhren in die USA zahlen, erklärte Trump. Ab dem 1. Juni würden diese Zölle auf 25 Prozent erhöht.
Kopenhagen, Berlin, Stockholm und Paris kündigten daraufhin eine gemeinsame europäische Antwort an.
Berlin reagiert diplomatisch-zurückhaltend
Dänemark zeigte sich „überrascht“ über die neuen Zölle. Außenminister Lars Lökke Rasmussen sagte AFP: „Wir stehen in engem Kontakt mit der Europäischen Kommission und unseren weiteren Partnern in dieser Angelegenheit.“ Es wurde eine gemeinsame Reaktion der betroffenen Länder erwartet.

Bundeswehrsoldaten am 16. Januar 2026 in Nuuk, Grönland.
Foto: Alessandro Rampazzo/afp/Getty Images
Ähnlich äußerte sich die deutsche Regierung. „Die Bundesregierung hat die Äußerungen des US-Präsidenten zur Kenntnis genommen“, sagte Regierungssprecher Stefan Kornelius am Abend. Man befinde sich „in engster Abstimmung mit den europäischen Partnern“.
Der britische Premierminister Keir Starmer erklärte: „Zölle gegen Verbündete zu verhängen, weil sie die kollektive Sicherheit der NATO-Partner verfolgen, ist völlig falsch.“
Starmer betonte, dass die Sicherheit in der Arktis „für die gesamte NATO von Bedeutung ist und die Verbündeten gemeinsam mehr tun sollten, um der Bedrohung durch Russland in verschiedenen Teilen der Arktis zu begegnen“.
Der schwedische Ministerpräsident Ulf Kristersson kündigte „intensive Gespräche“ mit den betroffenen Ländern an: „Wir lassen uns nicht einschüchtern.“

Unter den heutigen Demonstranten in Nuuk war auch der Ministerpräsident des Gebiets, Jens-Frederik Nielsen (17.01.2026, Grönland).
Foto: Alessandro Rampazzo/AFP via Getty Images
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron erklärte, Trumps Zoll-Androhungen seien „inakzeptabel“.
Derzeit läuft eine militärische Erkundungsmission mehrerer NATO-Staaten in Grönland, an der auch Deutschland beteiligt ist. Am Freitag trafen 15 Bundeswehrsoldaten in Grönland ein, am Samstag bestätigte ein Sprecher des Operativen Führungskommandos der Bundeswehr den Beginn der Mission.
Auch Frankreich, Schweden und Norwegen nehmen auf Einladung Dänemarks daran teil. (afp/ks)