Ein politisches Erdbeben erschütterte am heutigen Sonntagabend die niederösterreichische Landeshauptstadt St. Pölten. Nach über sechs Jahrzehnten sozialdemokratischer Dominanz verlor SPÖ-Bürgermeister Matthias Stadler seine absolute Mehrheit im Gemeinderat. Damit endet eine Ära, die seit 1965 ungebrochen andauerte. Freude herrscht hingegen bei den Freiheitlichen, die kräftig zulegen können.
SPÖ erleidet herbe Verluste
Um 16 Uhr schlossen die Wahllokale, danach begann das Auszählen der Stimmen. Schon kurz darauf zeichnete sich ab, dass die SPÖ deutlich an Zustimmung eingebüßt hat. Stadler, der die Stadt seit 2004 führt, zeigte sich nach der Wahl gefasst: Man zähle heute nicht zu den Gewinnern, zeigte er sich einsichtig. Den Rückschlag führte er auf die politische Stimmung im Bund zurück, die stark durchgeschlagen habe.
Laut aktuellem Stand (20.05 Uhr, 80 Prozent ausgezählt) kommt die SPÖ auf 42,49 Prozent (minus 13,53 Punkte), die ÖVP auf 21 Prozent (minus 1,74 Prozentpunkte), die FPÖ auf 19,57 Prozent (plus 10,65 Prozentpunkte), die Grünen auf 9,98 Prozent (plus 1,97 Prozentpunkte), die Neos auf 2,83 Prozent (minus 0,36 Prozentpunkte), die KPÖ auf 4,05 Prozent (plus 2,94 Prozentpunkte) und die Liste Multi auf 0,09 Prozent.
Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen ÖVP und FPÖ
Für Spannung sorgte das Rennen um den zweiten Platz. ÖVP und FPÖ lieferten sich ein Kopf-an-Kopf-Duell, bei dem die Freiheitlichen kräftig zulegten und ihr Ergebnis fast verdoppelten.
Bei der letzten Gemeinderatswahl 2021 hatte die SPÖ noch 56 Prozent erreicht, gefolgt von der ÖVP mit 22,7 Prozent und der FPÖ mit 8,9 Prozent. Damals konnte Stadler seine Mehrheit trotz leichter Verluste verteidigen. Diesmal reichte es dafür nicht mehr.
Stadler bleibt vorerst im Amt
Mit rund 44.000 Wahlberechtigten wurde in 42 Mandaten über die politische Zukunft der Stadt entschieden. Die Neuwahl des Bürgermeisters steht nun im Gemeinderat an, Stadler will aber vorerst im Amt bleiben.