Rettung aus der Ostsee gelungen, Helfer erleichtert: Der gestrandete Wal ist mit den Schleppern „Robin Hood“ und „Fortuna B“ unterwegs zwischen Dänemark und Schweden.

Die Rettung des Wals erregte im In- und Ausland große Anteilnahme. Der jugendliche Buckelwal irrte seit Anfang März vor der deutschen Ostseeküste umher und strandete mehrfach, zudem verfing er sich in Netzen. Seit vier Wochen lag er in einem Seitenarm der Wismarer Bucht auf Grund.

 

 

Unser Poster zur Rettungsaktion

Seit Wochen bewegt die Rettungsaktion rund um den Buckelwal Timmy-Hope Menschen in ganz Deutschland. Viele haben mitgefiebert, gehofft und jeden neuen Schritt verfolgt.

Unser Poster hält die wichtigsten Stationen dieser besonderen Zeit fest – als ruhige, visuelle Erinnerung an einen Moment, der viele Menschen verbunden hat. Ab sofort kann es hier bestellt werden. Ein Teil des Erlöses geht an die DLRG sowie an die beteiligte Helferinitiative – als Zeichen der Anerkennung für ihren Einsatz.

 

Die aktuellen Entwicklungen am 30. April:

Wal mit Schlepper im Kattegat Richtung Aalborg-Bucht

Aktuell befindet sich der Wal mit dem Schleppern „Robin Hood“ und „Fortuna B“ sich derzeit im Kattegat auf dem Weg in die Aalborg Bucht, nordöstlich von Dänemark.

Backhaus sagt Walschutz-Gespräch ab

Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) hatte ein für den 15. April geplantes Gespräch von Naturschutzverbänden und Fischereivertretern zum Schutz der Wale in der Ostsee abgesagt. Stattdessen gab der Minister eine Pressekonferenz zu dem Buckelwal in der Ostsee, wie der „Spiegel“ berichtet.

Darin gab Backhaus den erneuten Rettungsversuch für das auch „Timmy“ oder „Hope“ genannte Tier durch die private Initiative bekannt. Das Umweltministerium von Mecklenburg-Vorpommern erklärte, dass eine Abteilungsleiterin den Termin zum Schutz der Ostseewale in Vertretung von Backhaus wahrgenommen habe.

Mit dem Minister sollte unter anderem diskutiert werden, wie sich die Zahl der Wale in der Ostsee reduzieren ließe, die als Beifang in Fischernetzen verenden. „Seit 2006 sterben jedes Jahr über 50 Schweinswale vor unserer mecklenburgischen Küste, viele davon auf qualvolle Weise als Beifang“, sagte der an dem Termin beteiligte Meeresbiologe Henning von Nordheim von der Universität Rostock dem „Spiegel“. Das sei seit Langem bekannt, werde öffentlich jedoch kaum wahrgenommen.

In der Diskussion über den Wal in der Ostsee wird immer wieder kritisiert, dass viele Ressourcen in die Rettung dieses einen Tiers fließen, während der Tier- und Meeresschutz seit Jahren zu kurz komme. Die Population der Ostseeschweinswale besteht nur noch aus wenigen Hundert Tieren und gilt als vom Aussterben bedroht.

Gerade im Licht der aktuellen Geschehnisse sei es „absolut nicht hinnehmbar“, dass weiter so viele Wale in Fischernetzen in der Ostsee verendeten, so von Nordheim. „Das sind Tiere, die genauso leben, die genauso Schmerzen empfinden, die kläglich sterben, ähnlich wie möglicherweise jetzt der Buckelwal.“

Wal „singt vor sich hin“

Der Transport des vor der Insel Poel geborgenen Buckelwals kommt weiter voran. Die hinter der privaten Rettungsinitiative stehende Unternehmerin Karin Walter-Mommert sagte der Nachrichtenagentur AFP, der Wal sei „sehr lebendig“ und „singt im Moment sehr viel vor sich hin“.

Walter-Mommert strebt nach eigenen Worten an, dass der Lastkahn mit dem Buckelwal weiter Richtung Norwegen und Atlantik gebracht wird – „dorthin, wo andere Wale in die Nähe kommen“.

Zwei Meter hohe Wellen angekündigt

Das Transportschiff mit dem Poeler Buckelwal an Bord ist noch relativ weit von der Nordsee entfernt. Zur Mittagszeit war es laut dem Schiffsortungsdienst Marinetraffic zwischen Dänemark und Schweden unterwegs, etwas nördlich des dänischen Grenaa und somit etwa 140 Kilometer Luftlinie von Skagen entfernt, wo die Ostsee auf die Nordsee trifft.

Laut dem dänischen meteorologischen Institut soll am Freitag im Skagerrak starker Wind wehen, mit Wellenhöhen bis zu zwei Metern. Am Wochenende soll der Wind demnach etwas schwächer werden.

Walstrandungen gab es schon früher

Ein Wal auf Abwegen – die Geschichte gab es schon einmal: Vor fast genau 60 Jahren machte ein Belugawal im Rhein Schlagzeilen. Auch damals wurde versucht, dem verirrten Tier zu helfen – allerdings mit teils deutlich brachialeren Methoden als heute in der Ostsee.

Die Geschichte begann am 18. Mai 1966. Zwei Rheinschiffer machten damals bei Duisburg eine unglaubliche Entdeckung. Sie riefen die Wasserschutzpolizei und berichteten von einem weißen Wal im Rhein. Die ungläubigen Polizisten – so berichten es einige Quellen – ordneten daraufhin erst mal eine Alkoholprobe für die beiden Rheinschiffer an…

Das Transportschiff  ist weiter in Richtung Nordsee unterwegs. Am frühen Morgen fuhr der Schlepperverband vor der dänischen Küste etwa vor Aarhus.

Das dänische Umweltministerium teilte dpa mit, dass man gestrandete Meeressäugetiere in Dänemark prinzipiell nicht rette. Strandungen seien demnach „ein natürlich vorkommendes Phänomen“ und Wale sollten generell „nicht durch menschliches Eingreifen gerettet oder gestört“ werden.

Zu dem konkreten Fall des an der Ostseeküste gestrandeten Buckelwals äußerte sich das Ministerium nicht.

Backhaus: Timmy-Hope in dänischen Gewässern – „es geht ihm gut“

Der Wal ist nun in dänischen Gewässern. Umweltminister Mecklenburg-Vorpommerns, Till Backhaus, erklärte in einer Pressekonferenz, der Wal liege ruhig und habe in der Nacht auch gebrummt.

„Das heißt, es geht ihm gut“, so Backhaus. „Wir gehen davon aus, er wird in der Nordsee dann freigelassen. Der Standort ist jetzt in Abstimmung. Er wird dann weiter beobachtet.“

Backhaus bezeichnete die Rettung des Wals, in einigen Medien Hope oder Timmy genannt, als einzigartig. Er habe immer dran geglaubt, dass der Wal gerettet werden könne, sagte Backhaus.

Eine Sprecherin der Initiative die Rechtsanwältin Constanze von der Meden erklärte: „Was hat es mir gezeigt? Dass es wirklich tatsächlich für alle Menschen da draußen auch gesehen werden muss, dass man, wenn man einen Willen hat und ein Ziel hat und etwas Gutes machen möchte, dass man nicht einfach aufgibt, sondern dass man sich wirklich tatsächlich traut, die Kraft nimmt, nicht aufgibt, wenn mal Steine in den Weg gelegt werden, sondern dass man einfach dieses Ziel weiterverfolgt.“

MediaMarkt-Gründer: „War das schönste Erlebnis in meinem Leben“

Walforscher: Transport könnte zusätzliche Belastung darstellen

Der Gesundheitszustand des Wals sei grundsätzlich schon nicht gut, sagte der Walforscher und Meeresbiologe Fabian Ritter. „Das sagen alle, auch die Befürworter der Rettungsaktion.“ Es gebe eine lange, traumatische Vorgeschichte. Das Tier habe sich in Netzen verfangen, sei wochenlang herumgeirrt und habe fünf Selbststrandungen hinter sich. „Das sind deutliche Zeichen, dass der Wal alles andere als fit ist.“

Der Transport könnte den Wal zusätzlich stark stressen, vor allem wegen der Lautstärke. Da Wale sehr schallempfindlich sind, wird die mehrtägige Fahrt als erhebliche Belastung eingeschätzt.

Von der Tierschutzorganisation Whale and Dolphin Conservation hieß es: „Viele Wildtiere entwickeln unter solchen Bedingungen eine Fangmyopathie – ein stressbedingter Muskelabbau, der durch extreme Anstrengung, Angst, Einfang oder Transport entsteht.“

Dokumentation und Tracking entscheidend für Bewertung der Walrettung

Eine langfristige vollständige Dokumentation sei für die Einschätzung der gesamten Maßnahme essenziell, hieß es vom Meeresmuseum Stralsund. „Insbesondere die öffentliche Verfügbarkeit der Trackerdaten in Echtzeit sowie Live-Videomaterial vom Wal während des Transports und während der Freilassung sind grundlegend für eine transparente Vorgehensweise und um wertvolle Erfahrungen für zukünftige Bergungen sammeln zu können.“

Auch das IWC Strandings Expert Panel der Internationalen Walfangkommission betonte die Wichtigkeit solcher Daten, unter anderem um die Intervention im Nachhinein aufzuarbeiten.

Eine langfristig erfolgreiche Rettung ließe sich vermutlich daran festmachen, dass der Wal in den nächsten Jahren in seinen nördlichen Nahrungsgründen, südlichen Paarungsgebieten oder auch dazwischen, während seiner Wanderungen, gesichtet und mittels Foto-ID eindeutig identifiziert werde, hieß es von WDC.

„Das wäre ein klares Indiz dafür, dass er seinem natürlichen Verhalten nachkommt.“

Meeresmuseum warnt vor Ertrinken

Das Deutsche Meeresmuseum in Stralsund erklärt: „Das Abladen des Tieres ins offene Meer birgt die Gefahr, dass es ertrinkt“, warnten die Experten. Der Wal sei sehr geschwächt und finde im offenen Meer keine Möglichkeit, sich abzulegen.

„Von einer Rettung des Wales kann erst dann gesprochen werden, wenn er sich als Einzelindividuum selbstständig und dauerhaft auf seiner gewöhnlichen Route im Nordatlantik bewegt, wenn er selbstständig frisst und sich sein Gesundheitszustand verbessert“, so das Meeresmuseum, das das als Forschungseinrichtung auch eine Spezialabteilung für Meeressäuger unterhält.

GPS-Sender und Waltourismus

Dem Meeressäuger sollte in der Transport-Barge noch mit einem anderen GPS-Senderchip ausgestattet werden, um ihn nach einer geplanten Auswilderung verfolgen zu können.

Die Informationen, wo sich der Wal befinde, würden den Initiatoren der Aktion und dem Schweriner Umweltministerium, nicht aber der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt, sagte die Rechtsanwältin der privat finanzierten Bergungsinitiative, Constanze von der Meden, bei einer Pressekonferenz auf der Insel Poel.

„Wir wollen keinen Waltourismus generieren.“ Es solle vermieden werden, dass Menschen losführen und nach dem Wal schauten.

Das Mitglied der Initiative auf dem Schleppverband sagte, über der Barge mit dem Wal sei am Vormittag ein Sonnensegel angebracht worden, um den Wal zu schützen. Zudem sei er bewässert worden. Er floate und bewege die Flipper. Gefüttert werden solle der Wal nicht.

Der Schlepper „Robin Hood“, der die Barge bis südöstlich von Fehmarn gezogen hatte, bevor es von der größeren „Fortuna B“ abgelöst wurde, dient laut Initiative nun quasi als Shuttle, um Helfer von der „Fortuna B“ auf die Barge und zurückzubringen.

Es soll den Angaben zufolge unter anderem versucht werden, eine Kamera an der Barge zu befestigen, um den Wal auch von dem Mehrzweckschiff beobachten zu können. Man hoffe, dass das funktioniere.

Experten kritisieren die Aktion.

Der Wal auf See.

Walfangkommission will Sender

Fachleute der Internationalen Walfangkommission (IWC) warnen vor einem Trugschluss. „Das Tier scheint schwer geschädigt zu sein und dürfte selbst bei einer Verbringung in tieferes Wasser kaum überleben“, hieß es von dem zuständigen Gremium für Strandungen.

„Nach unserer Einschätzung bedeuten diese Maßnahmen, obwohl sie gut gemeint sind, eine erhebliche zusätzliche Belastung für ein Tier, das bereits schwer erkrankt ist, und bringen letztlich kaum Nutzen.“

Das IWC Strandings Expert Panel betonte, der Wal müsse unbedingt mit einem Sender ausgestattet werden. „Ohne Ortungsdaten gibt es keine zuverlässige Möglichkeit, den Ausgang der Intervention zu überwachen, keine Möglichkeit, ein erneutes Stranden rechtzeitig zu erkennen, um darauf zu reagieren, und keine Faktengrundlage, auf der die Entscheidung zur Intervention anschließend bewertet oder verteidigt werden kann.“

Initiative: Wal soll in Nordsee freigelassen werden

Nach Angaben der privaten Initiative soll der Wal in der Nordsee freigelassen werden. Wo genau, stehe noch nicht fest, sagte ein Mitglied der Initiative, das den Schleppverband begleitet.

Das Tier soll zudem mit einem Sender ausgestattet werden. Dies sei aber noch nicht geschehen. Wer später Zugriff auf die Daten bekomme, konnte das Mitglied der Initiative zunächst nicht sagen.

Auf Schiffs-Ortungsdiensten befand sich der Verband gegen 11:00 Uhr nördlich von Fehmarn ziemlich mittig zwischen der schleswig-holsteinischen Insel und der dänischen Insel Lolland.

Der Schleppverband ist weiter in Richtung Nordsee unterwegs

Der Schleppverband ist weiter in Richtung Nordsee unterwegs

Ministerium: Wal liegt in Barge auf Sandbett

Der Buckelwal liegt während seines Transports in Richtung Nordsee in einem gefluteten Lastschiff nach Angaben von Mecklenburg-Vorpommens Umweltministerium auf einem Bett aus Sand.

Das Tier sei quasi sein eigener Anker, sagte ein Sprecher von Minister Till Backhaus (SPD) in Schwerin. Der Wal sei nicht angebunden.

Am Mittag wollen der Minister und Beteiligte der Rettungsaktion in Kirchdorf auf Poel über den aktuellen Stand berichten.

Anderer Schlepper hat übernommen

Auf seiner Reise Richtung Nordsee wird der Lastkahn mit dem gestrandeten Buckelwal an Bord nun von einem anderen Schiff weitergezogen. Die „Fortuna B“ hat am Morgen vor 7:00 Uhr als Schleppfahrzeug übernommen, wie ein Mitglied der privaten Initiative, das an Bord ist, dpa sagte.

Am Dienstagabend hatte zunächst der Schlepper „Robin Hood“ die Barge – also eine Art schwimmendes Becken – mit dem Wal am Ausgang der Kirchsee vor der Insel Poel übernommen. Anschließend fuhr er samt dem mit Wasser gefüllten Lastkahn in die Wismarbucht und weiter hinaus auf die offene Ostsee. Begleitet wurde er von dem Mehrzweckschiff „Fortuna B“, das nun die Schleppaufgabe übernimmt.

Beide Schiffe befinden sich laut Marinetraffic.com gegen 8:00 Uhr östlich vor Fehmarn.

Wal ist südöstlich von Fehmarn

Der Schleppverband mit dem Buckelwal ist auf dem Weg Richtung Nordsee. Laut dem Schiffs-Ortungsdienst Marinetraffic.com befand sich der Verband am frühen Morgen circa 6 Seemeilen (rund 11 Kilometer) südöstlich von Fehmarn.

Der Weg des Schleppers Robin Hood kann hier verfolgt werden. Der Transport bewege sich mit „sehr langsamer Geschwindigkeit“ in Richtung der Insel, sagte ein Sprecher der begleitenden Wasserschutzpolizei.

Kurz nachdem die „Robin Hood“ die Barge auf den Haken genommen hatte, machte auch das Mehrzweckschiff „Fortuna B“ im Hafen von Wismar los und folgte dem Schleppverband. Den bisherigen Plänen zufolge soll eines der Schiffe den motorlosen Lastkahn schleppen, während das andere den Verband begleitet.

Der Schlepper Robin Hood übernimmt

Nun hat ein Schlepper mit größerem Tiefgang die Barge mit dem Buckelwal übernommen.

Auf Livestreams ist zu sehen, wie der mit Wasser gefüllte Lastkahn, mit dem der Wal in die Nordsee gebracht werden soll, von kleineren Booten aus der Kirchsee der Insel Poel heraus in die Wismarbucht gebracht wurde.

Der Schlepper „Robin Hood“ bewegt den Wal nun weiter – hier der Tracking-Link – mit dem Ziel Skagen in Dänemark.

Er soll nach Angaben von Vertretern der privaten Rettungsaktion auf dem Weg zur Nordsee von dem Schlepper gezogen und dabei von einem weiteren Schiff begleitet werden.

Unklar war zunächst noch die Route, die der Schleppverband in die Nordsee nehmen wird. Frühere Pläne sahen einen Kurs entlang der dänischen Küste Richtung Skagerrak vor. Möglich wäre auch, dass der Weg durch den Nordostseekanal zunächst in die Deutsche Bucht führen könnte.

Veterinärmediziner begleiten den Wal auf seiner mehrtägigen Fahrt in Richtung Nordsee.

Nun hat die Abfahrt des Lastkahns begonnen

Der Transport des Lastkahns samt Wal hat begonnen. Bis morgen vormittag ist noch geplant, die Barge auf 1,60–1,75 m Wassertiefe hochzufahren und etwas Wasser abpumpen. Dann kann der Wal stabil und schonend liegen.

Später erfolgt das Ausschleppen aus der Bucht, was zunächst ein kleiner Schlepper übernimmt. Für die Weiterfahrt sind zwei Schlepper im Gespräch, die Fortuna B und die Robin Hood.

Die geplante Fahrt soll ca. 4 Tage bis Skagen dauern, bei gutem Wetter und gutem Zustand des Wals möglicherweise weiter Richtung Stavanger in den Nordatlantik führen.

Felix Bohnsack überwältigt: „So eine Euphorie habe ich noch nie erlebt“

Felix Bohnsack, Taucher und technischer Leiter der privaten Wal-Rettungsinitiative, ist überwältigt von der enormen Euphorie und dem Zusammenhalt in einer extrem heterogenen Gruppe – so etwas hat er noch nie erlebt.

Nach intensiven Tagen mit Zweifeln war der Erfolg riesig: Der Wal hat hervorragend mitgearbeitet, ist die letzten 30 Meter selbst geschwommen und hat sich perfekt in der Barge positioniert.

Für die Zukunft nimmt er als Erfahrung mit: Wichtige Helfer frühzeitig einbinden und bewährte Konzepte sichern.

Dr. Tönnies: „Für ‚nur ein Tier‘ haben sich Menschen aus allen Bereichen zusammengeschlossen“

Dr. Kirsten Tönnies, Tierärztin der privaten Rettungsinitiative, bedankt sich bei den vielen Menschen aus unterschiedlichen Bereichen. Sie haben sich für „nur ein Tier“ zusammengefunden und gekämpft.

Genau diese „nur ein Tier“-Debatte habe zu wichtigen gesellschaftlichen Diskussionen geführt: dem Umgang mit Ressourcen, Geisternetzen in den Meeren, Gefühle von Fischen und Walen sowie die Frage, wie wir generell mit der Umwelt und Tieren umgehen.

Deutschland habe wenig Erfahrung mit Walrettung gehabt und plötzlich international im Rampenlicht gestanden. Sie freue sich riesig, dass Hope-Timmy sicher im Kahn ist und will den Erfolg nutzen, um auf strukturelle Missstände im Tierschutz hinzuweisen.

Besonders kritisiert sie die massive Bürokratie: Letzte Anträge mussten noch auf der Plattform und vom Bagger aus gestellt werden, während der Wal bereits im Wasser war. Gleichzeitig würden Massentransporte von Nutztieren mit Elektroschockern etc. von denselben Behörden ohne großen Aufwand genehmigt.

Zum Wal sagt sie weiter: Er ist nicht todgeweiht, reagiert positiv auf Menschen und wirkt wie ein verunsicherter Hund im neuen Stall. Hätte man ihn liegen gelassen, wäre er elendig gestorben. Sie kritisiert scharf den Behörden-Satz „in Würde sterben lassen“.

Sie sieht große Probleme in der tierärztlichen Ausbildung und berichtet, dass ihr persönlich der Approbationsentzug angedroht wurde. Dennoch dankt sie Minister Backhaus ausdrücklich für seine Unterstützung.

Umweltminister Till Backaus zieht eine positive Bilanz

Der Minister zieht positive Bilanz zur Rettung des Buckelwals. Der erste große Schritt sei geschafft: Der Wal befinde sich sicher im Lastkahn und soll in den nächsten Tagen in die Nordsee gebracht werden. Er dankt der Feuerwehr Kirchdorf, der DLRG, der Initiative und allen Beteiligten für die tagelange harte Arbeit.

Am Abend, „wenn die See ruhiger wird, wird er seine Reise antreten in Richtung Nordsee – und dann kommt er in seine heimatlichen Gefilde zurück“, kündigte er an.

Kritik am Gutachten und am Einsatz der Gurte weist er zurück: Mehrere Tierärzte hätten das Vorgehen begleitet, und alle Entscheidungen seien schnell und unbürokratisch getroffen worden.

Die erfolgreiche Bergung eines lebenden Buckelwals bezeichnet er als „großes Kino“ und als historischen Erfolg für Mecklenburg-Vorpommern. Abschließend appelliert er, aus dem Fall Lehren für besseren Umwelt- und Artenschutz zu ziehen.

Es sei ihm nie um Profilierung gegangen, sondern ausschließlich um das Wohl des Wals. Das Thema will er auch auf die Umweltministerkonferenz Anfang Mai bringen.

Die Vorbereitung für die nächsten Schritte sehen so aus: Der Lastkahn wird auf eine Wassertiefe von etwa 1,60 m Wasser eingestellt. Der Wal, der ebenfalls etwa 1,60 m hoch ist, soll dadurch mit dem Bauch leicht die Sandsäcke berühren, die den Innenraum auskleiden – was ihm Stabilität gibt.

Für die Fahrt auf rauer See wird zusätzlich etwas Wasser abgelassen oder der Lastkahn leicht angehoben, sodass sein Bauch den Boden sanft berührt und er sich weder verletzt noch unwohl fühlt.

Geplant ist eine lange Seereise von der Wismarer Bucht in die Ostsee, weiter in die Nordsee und bei gutem Wetter möglicherweise sogar ein Stück in den Nordatlantik, wo deutlich rauere Bedingungen herrschen.

Zunächst ziehen kleinere Schlepper den Lastkahn aus der Bucht. Der große Schlepper „Fortuna“, der ihn später übernimmt, kann wegen seines Tiefgangs nicht in die Bucht einfahren.

Geschafft: Hope-Timmy ist im Lastkahn

Der Wal ist selbst überraschend schnell die letzten Meter in den Lastkahn hineingeschwommen. Hinter ihm wurde ein Netz am Heck des Lastkahns verankert, damit er nicht wieder hinaus kann. Gleichzeitig kann so frisches Wasser in seine „fahrende Badewanne“ gelangen.

Nach der Aktion fielen sich die Helfer der privaten Rettungsinitiative im Hafen in die Arme, bei manchem rollte eine Träne der Erleichterung nach Wochen der Anspannung.

Bei ihrer Ankunft im Hafen von Kirchdorf wurden sie von den Anwesenden teils mit Jubel und Klatschen empfangen. „Die Hoffnung haben wir nie aufgegeben“, sagte eine Schaulustige vor Ort.

Der Lastkahn ist vorbereitet

Auch das Netz, das hinter dem Wal auf dem Lastkahn heruntergelassen wird, ist vorbereitet. Das grüne Netz ist am Lastkahn im Livestream zu sehen.

Nun liegt der Wal richtig

Die erste Zwischenstation ist geschafft: der Wal zeigt mit dem Kopf in die richtige Richtung.

Zeitweise ziehen und schieben über 20 Helfer

Zeitweise ziehen 16 Helfer an einer Seite des Walt und sechs weitere schieben an der anderen Seite, um ihn zu drehen – bisher zeigte er nicht mit dem Kopf zum Lastkahn. Sie warten jeweils, bis der Wal ausgeatmet hat, bevor gemeinsam begonnen wird. Dann dürfte das Verletzungsrisiko geringer sein.

Der Wal brummt und gibt hin und wieder ein Blas ab. Auch Flossenbewegungen sind zu sehen. Die Helfer sind schon ein gutes Stück bei der Drehung vorwärtsgekommen.

Wal schaut derzeit in die falsche Richtung

Derzeit wird versucht, den Wal zu drehen, damit der Kopf in Richtung Lastkahn zeigt. Nach einigen ergebnislosen Versuchen wird überlegt, wie das am besten geschehen kann.

Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus sagte heute vormittag: „Bis Sonnenuntergang sollte es möglichst gelungen sein, den Wal auf der Barge zu haben“.

Auch Karin Walter-Mommert, eine Geldgeberin der privaten Initiative, sagte: „Wir wollen heute fertig werden.“

Finanziell wird die Aktion von MediaMarkt-Mitgründer Walter Gunz und Trabrennsportunternehmerin Karin Walter-Mommert getragen.

„Tauziehen“ mit Wal beginnt

Viele Helfer bemühen sich nun auf beiden Seiten des Buckelwals im Wasser, den Wal zu bewegen – mithilfe der Gurte bzw. Feuerwehrschläuche. Zunächst wurde einer der Gurte um die Brustflosse gelegt.

Erste Versuche, den Wal zu bewegen, wirken – in kleinen Schritten – erfolgreich. Der Wal blieb ruhig, buckelte ein paar Mal und brummte dabei. Doch es scheint leicht vorwärts zugehen. Der Lastkahn ist geflutet und bereit, den Wal aufzunehmen.

Unklar ist, ob der Peilsender, den der Wal derzeit trägt, noch gewechselt wird. Der aktuell angebrachte ist für küstennahe Gebiete geeignet, jedoch nicht für eine Ortung unter Wasser im Atlantik. Ein neuer, technisch etwas anderer, Peilsender war in den USA bestellt worden.

Helfer und DLRG beginnen die Arbeiten am Wal

Nach der Freigabe für die Arbeiten vom Ministerien sind nun Helfer und DLRG mit den ersten Gurten zum Wal unterwegs. Walexperte Jeff Foster und Tierärztin Anne Herrschaft sind beteiligt.

Es sollen Feuerwehrschläuche unter die Flossen und den Bauch des Wals gebracht werden, um ihn dann mit dessen Hilfe in den Lastkahn zu bewegen.

Backhaus gibt grünes Licht

Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) will den geplanten Abtransport des Buckelwals ins offene Meer begleiten. „Ich werde es auf jeden Fall begleiten“, sagte Backhaus am Morgen vor Ort auf eine Frage, ob er auf einem Schiff mitfahren werde.

Es sei seine „absolute Priorität“, den Wal lebend zu bergen. Er versuche, „alles zu tun, um dem Tier zu helfen“.

Backhaus: Ein einmaliges Vorhaben

„Laut Einschätzung der Tierärztinnen ist der Wal transportfähig. Er atme regelmäßig, der Herzschlag sei normal. Festgestellt wurde eine leichte Bindehautentzündung, die von Schwebteilchen im Wasser herrühren könnte. Wir werden daher den Versuch, das Tier zu retten weiter dulden“, sagte Umweltminister Dr. Till Backhaus nach der heutigen Untersuchung durch die Tierärzte in einer Pressemitteilung des Ministeriums.

Nun plane das Rettungsteam, den Wal mittels breiter Gurte durch einen gespülten Kanal zu dem Lastkahn zu führen, in dem er anschließend verschifft werden soll. „Auch dieses Vorgehen werden wir dulden, durch unsere Veterinäre vor Ort jedoch genau beobachten. Oberstes Gebot bleiben der Tierschutz und das Tierwohl. Dafür trägt die Initiative die Verantwortung.“

Wie lange das Manöver dauern werde, könne man nicht abschätzen, sagt Backhaus:

„Es hat ein solches Vorhaben noch nie in Deutschland gegeben. Deshalb gibt es auch keine Erfahrungswerte. Klar ist: Wir alle hoffen, dass es glückt, das Tier wieder in die Freiheit zu bringen. Mir ist aber wichtig, nochmals darauf hinzuweisen, dass uns das Schicksal dieses einen Tieres natürlich alle bewegt. Doch ich sehe es als unsere Pflicht an, auch den Zustand unserer Meere und der darin lebenden Tiere als Ganzes im Blick zu behalten. Der Wal vor Poel sollte uns mahnen, mehr für den Schutz der Artenvielfalt und wichtigen Ökosysteme zu unternehmen.“

Aktuell treffen sich alle Beteiligten zu einer Lagebesprechung. Parallel sind Ärzte und Fachleute beim Wal und schauen nach seinem Zustand.

Geplant ist, mittels eines Gurtsystems und viel Muskelkraft den Wal in den Lastkahn zu bewegen. Dazu sollen Feuerwehrschläuche unter die Flossen und den Bauch des Wals gebracht werden. Feuerwehrschläuche sind sehr dehnbar und reißfest. Zumindest war dies bisher der Plan, der sich an einem australischen System orientiert.

Die Schläuche wurden bereits im Hafenbecken positioniert, die Boote beladen.

Backhaus ist optimistisch

Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus ist für den heutigen Tag optimistisch und hofft vor der Presse auf ein glückliches Ende der Aktion. Der Buckelwal zeige, dass Menschen sich allgemein mit der Lage der Ozeane auseinandersetzen sollten. Dieses Tier sei ein wildes Tier und gehöre nicht in diesen Lebensraum.

Backhaus erinnerte zudem an den Anfang der Aktion. Es habe zunächst überhaupt kein Konzept gegeben, wie man das Tier bergen konnte. „Die Entscheidung der Initiative, ein Konzept vorzulegen und die Verantwortung zu übernehmen, ist anzuerkennen.“ Backhaus fügt an: „Wir haben ein gemeinsames Ziel: Das Tier zu bergen und es in einen lebenswerten Lebensraum zurückzubringen.“

Für ihn ist heute der „Tag der Entscheidung“. Derzeit stünde man noch vor der Entscheidung, ob man das veränderte Rettungskonzept, dass Gurte vorsähe, um den Wal in einen Lastkahn zu ziehen, zulasse, sagte Backhaus am Hafen von Poel.

„Wenn es hilft, diesem Tier aus dieser Situation zu helfen und das gering invasiv ist, dann prüfen wir das“, so der Minister. „Wir brauchen heute Ruhe, wir brauchen heute Glück (…) für mich wäre es mit eines meiner schönsten Erlebnisse in meinem Leben.“

Das erste Team macht sich zum Wal auf: Die Kirchsee ist ruhig, der Wasserstand wieder etwas gesunken. Der Wal bewegt sich langsam auf und ab. Von den Big Bags, die  vor einigen Tagen um ihn herum versenkt worden, schauen einige aus dem Wasser. Die Arbeitsplattform und der 50-Meter-Lastkahn warten in der Nähe auf ihren Einsatz.

DLRG: Wal wird nicht auf Sand aufliegen

Tierärztin Kirsten Tönnies gab bekannt, das der Wal vorwärts mittels eines Gurtes durch eine eigens im flachen Wasser geschaffene Rinne zur und in die Barge gelenkt werden soll.

„Wir versuchen, das so schonend wie möglich zu machen, und das ist nur eine Unterstützung.“ Der Wal werde nicht überbeansprucht, versicherte Tönnies.

Oliver Bartelt von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft, die die Initiative unterstützt, sagte, der Wal werde sich „floatend bewegen“. Das Tier werde nicht aufliegen. „Er wird über keinen Sand gezogen.“

Bis zum späten Nachmittag des 27. April wurden nach Angaben des Schweriner Umweltministeriums trotz mehrfacher Nachfragen keine Unterlagen für den Einsatz des Gurtes eingereicht. Das Ministerium hatte in der Vergangenheit betont, dass es bei der Abstimmung entsprechender Maßnahmen nicht um Genehmigungen, sondern die Frage der Duldung gehe.

Deutsches Meeresmuseum: Wal größtmöglich in Ruhe lassen

Das Deutsche Meeresmuseum sprach sich gestern nochmals dafür aus, dem Tier statt der Rettung die größtmögliche Ruhe zu lassen. Die wiederholten Strandungen des Wales wiesen auf ein ernsthaftes Gesundheitsproblem hin.

Wie der Wal letztendlich reagiert, könne niemand sagen, hieß es von der Wal- und Delfin-Schutzorganisation WDC. Die wenigen vorhandenen Daten wiesen darauf hin, dass Interaktionen mit Menschen bei wildlebenden Groß- beziehungsweise Bartenwalen Stress auslösten.

„In freier Natur sind Wale keine Situationen gewohnt, in denen sie eingesperrt sind. Am wahrscheinlichsten ist, ganz allgemein gesprochen, dass die ungewohnte Situation einen Wal zusätzlich in Stress, möglicherweise auch Angst und Panik versetzen würde.“ Dies gelte insbesondere, da der Wal nicht seinem natürlichen Fluchtinstinkt nachkommen könne.

Wenn der Wal die Energie aufbringe, seien etwa heftigen Flossenschlägen und damit Risiken für das Tier und Einsatzkräfte denkbar. Es könne aber auch sein, dass das Tier in eine Fangmyopathie verfällt, „also in eine Art Schockstarre, bei der sich die Muskeln verkrampfen“. Es könne auch schon zu geschwächt sein, um starke Reaktionen zu zeigen. „So könnte es dann wirken, als würde er den Einsatz freiwillig mitmachen oder über sich ergehen lassen.“

Wetter laut Vorhersagen günstig

Sollte der Transport trotz aller Widrigkeiten starten, ist laut Vorhersagen immerhin das Wetter günstig. Richtung Schleswig-Holstein könnte es Dienstag Wind höchstens bis zur Windstärke 4 geben, hieß es vom Seewetteramt.

Der Mittwoch werde in der Region „total schwachwindig“, sagte ein Meteorologe. Laut Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie werden demnächst zudem keine außergewöhnlichen Pegelschwankungen vor Poel erwartet.

Der Lastkahn für die geplante Bergung des Wals Timmy kam am 27. April im Wismarer Hafen an, ebenso zwei Schlepper. Die Aktion soll am Dienstag starten.

Mit Material der Nachrichtenagenturen



Source link