„Wir halten es für wünschens- und erstrebenswert, die menschlichen Beschränkungen zu überwinden; durch die Heilung des Alterungsprozesses, Erweiterung der geistigen Fähigkeiten, die Abschaffung unfreiwilligen Leids und letztlich die Expansion der menschlichen Zivilisation über die Erde hinaus.“

Diese Leitvorstellungen des Transhumanismus wurden bereits vor beinahe dreißig Jahren in der sogenannten Transhumanen Deklaration formuliert. Für viele mag es verlockend klingen, Krankheit, Leid und selbst den Tod eines Tages durch den vermeintlich unaufhaltsamen Fortschritt der Technik besiegen zu können. Doch dabei geraten die Schattenseiten dieses Unternehmens häufig aus dem Blick: gesellschaftliche Ungleichheit, Totalüberwachung und die Entwürdigung des Menschen.

Bereits die Forderung, den Menschen zu verbessern, setzt die Überzeugung voraus, dass er grundsätzlich verbesserungsbedürftig, also ein „Mängelwesen“ ist. Die Transhumanisten übersehen dabei, dass es oftmals die vermeintlichen Mängel des Menschen sind, die sich als seine größten Stärken erweisen können: Im Alter von zehn Jahren erkrankte die kanadische Musikerin und Komponistin Joni Mitchell an Kinderlähmung, was zu einer dauerhaften Schwächung ihrer linken Hand führte.

Historische Ursprünge

Aus der Not heraus entwickelte Mitchell eigene alternative Gitarrenstimmungen, die es ihr erlaubten, ihre Spieltechnik an die veränderten körperlichen Bedingungen anzupassen. Diese eigens geschaffenen Stimmungen eröffneten ihr neue harmonische und strukturelle Möglichkeiten beim Songwriting und wurden zu einem zentralen Merkmal ihrer Musik. Durch diesen innovativen Ansatz prägte sie ganze Generationen von Musikerinnen und Musikern.

Um die gegenwärtigen Gefahren des Transhumanismus zu erkennen, lohnt sich ein kurzer Blick auf seine historischen und ideologischen Ursprünge. Der britische Biologe und Philosoph Julian Huxley, der diesen Begriff schon Mitte des letzten Jahrhunderts in seinem Buch New Bottles For New Wine prägte, war bereits ein Verfechter eugenischer Ideen.

Er forderte vor allem eine Verbesserung der genetischen Ausstattung des Menschen. Hier ging es ihm unter anderem um die Ausmerzung von Krankheiten wie die Sichelzellenanämie, das Down-Syndrom, Chorea Huntington oder sogenannter Geisteskrankheiten. Darüber hinaus soll mittels Eingriffen in das Erbgut auch das Niveau der individuellen Intelligenz erhöht werden: „Mithilfe künstlicher Besamung durch ausgewählte Spender ließe sich ein solches Ergebnis in der Praxis erzielen.“

Francis Fukuyama warnt

Im Zuge der „Rassenhygiene“ der Nazis wurde ebenfalls versucht, den Genpool der Bevölkerung nach bestimmten, als positiv oder negativ bewerteten Erbanlagen zu beeinflussen. Die Folgen dieses Denkens dürften hinreichend bekannt sein. Und hier stellt sich bereits die entscheidende Frage: Wer befindet darüber, welche Eigenschaften des Menschen positiv, welche negativ sind?

In der Regel sind das diejenigen, die über die Macht verfügen, die jeweiligen Eigenschaften festzulegen. Doch „die Macht des Menschen, aus sich zu machen, was ihm beliebt, bedeutet (…) die Macht einiger weniger, aus anderen zu machen, was ihnen beliebt.“ (C. S. Lewis) Macht allein, das haben die Nazis in aller Deutlichkeit bewiesen, ist nun einmal kein Garant für Wahrheit, Erkenntnis oder ethisches Handeln.

Denn natürlich geht es am Ende um Interessen. Welche Interessen verfolgen diese „Menschenverbesserer“, was für Ziele haben sie, in wessen Auftrag handeln sie? Der amerikanische Politikwissenschaftler Francis Fukuyama nannte den Transhumanismus aus diesen Gründen „die gefährlichste Idee der Welt“. Er warnte vor dem Schreckensszenario einer neuen Zweiklassengesellschaft, in der eine optimierte Elite der Reichen über den Rest der nicht-transformierten Menschheit herrscht.

Der Transhumanismus, so Fukuyama, würde die Veränderung des menschlichen Wesens anstreben. Und „wenn wir beginnen, uns in etwas Überlegenes zu verwandeln, welche Rechte werden diese verbesserten Wesen dann beanspruchen und welche Rechte werden sie im Vergleich zu denen besitzen, die zurückgelassen wurden?“

Leider ist es exakt dieses Denken, das sich wie ein roter Faden durch die Geschichte der transhumanistischen Bewegung bis in die Gegenwart zieht. Der Mensch ist aus Sicht der Transhumanisten am Ende nicht mehr als eine defiziente Maschine, die man verbessern kann und muss. Krankheit, Leiden und Tod sind lediglich technische Probleme, die sich auf technischer Ebene lösen lassen.

Der transhumanistische Philosoph Stefan Lorenz Sorgner ist davon überzeugt, dass das äußere Erscheinungsbild eines Menschen (Phänotyp) ausschließlich durch seine Gene (Genotyp) bestimmt wird. Somit glaubt er, eines Tages sämtliche Eigenschaften eines Menschen über Eingriffe in die DNA bestimmen zu können. Er träumt außerdem davon, von Geburt an durch einen implantierten Chip identifizierbar und mit dem Internet der Dinge verbunden zu sein.

Das Freiheitskettchen

So sind am Ende all diese Fantasien, den Menschen zu verbessern, das Einfallstor für Willkür, Machtmissbrauch und Unterdrückung. Dieser Hang zum Totalitarismus zeigt sich in seinem ganzen Ausmaß bei einem der bekanntesten Protagonisten des Transhumanismus: Nick Bostrom. Um kriminellen Akteuren zuvorzukommen, die diese Welt eines Tages vernichten könnten, plädiert der schwedische Philosoph für die Totalüberwachung der Menschen mittels eines um den Hals getragenen „Freiheitskettchens“, das jeweils mit Kameras und Mikrofonen ausgestattet ist.

Die so gewonnenen Bild- und Audiodaten werden in die Cloud hochgeladen, unter Zuhilfenahme künstlicher Intelligenz analysiert und von sogenannten Freiheitsbeauftragten in Echtzeit interpretiert. Bei verdächtigen Aktivitäten werden geeignete Maßnahmen ergriffen. Das klingt nicht nur ziemlich krank, das ist es wohl auch.

Auch ist bei den Transhumanisten immerzu von der Steigerung der Intelligenz die Rede. Nie geht es um die Steigerung der Empathie, der Kooperationsbereitschaft oder der Fähigkeit zu lieben. Aber trägt Intelligenz wirklich dazu bei, diese Welt besser zu machen, oder wird sie nicht in Wahrheit allzu oft dazu missbraucht, das Böse noch zu perfektionieren?

Heerscharen von Wissenschaftlern und natürlich auch Wissenschaftlerinnen setzen bis heute ihre ganze Intelligenz dafür ein, Waffen zu bauen, um möglichst viele Menschen effektiv zu töten. Die Ergebnisse ihrer intelligenten Handlungen lassen sich täglich in den Nachrichten begutachten. Da wäre es manchmal besser, dumm zu sein. Und „Krankheiten“ wie das Down-Syndrom ausrotten zu wollen, heißt nichts anderes, als diesen Menschen im Nachhinein ihr Lebensrecht abzusprechen.

Unabhängig vom Körper

Doch das erklärte Ziel der Transhumanisten ist die Überwindung des Todes. Der Transhumanist und ehemalige Google-Chefingenieur Ray Kurzweil nimmt täglich Unmengen an Nahrungsergänzungsmitteln zu sich und überwacht regelmäßig seine Blutwerte. Er hofft, auf diese Art lange genug zu leben, bis die Technik so weit ist, sein Leben mittels Nanorobotern und einer „Umprogrammierung“ seiner Biochemie weiter zu verlängern.

Doch die ultimative Lösung des Problems der Sterblichkeit sehen die Transhumanisten in der gezielten Veränderung des menschlichen Erbguts und in radikalen technologischen Konzepten wie dem sogenannten Mind-Uploading. Dabei handelt es sich um die Vorstellung, das menschliche Bewusstsein samt all seiner Erinnerungen und Persönlichkeitsmerkmale auf einen digitalen Datenträger zu übertragen.

Auf diese Weise, so die Hoffnung der Transhumanisten, könnte der Mensch in gewisser Weise unsterblich werden, indem sein Geist unabhängig vom biologischen Körper fortbesteht. Doch der Tod ist keine Krankheit und schon gar nicht der Gegenspieler des Lebens. Er ist in Wahrheit sein Mitarbeiter und Motor. Erst das Wissen um die Endlichkeit unserer Existenz verleiht dieser ihren Wert.

So lebensfreundlich der Transhumanismus sich gibt, ist er in Wahrheit eine gefährliche Ideologie, die den Menschen zu einem kranken und mangelbehafteten Wesen degradiert, das technisch verbessert werden muss. Sie hat ihre Wurzeln in der Eugenik und missversteht fundamental das Wesen des Lebens und des Todes. Auch lenken all diese Versuche, den Menschen zu verbessern, von den wirklichen Herausforderungen der Zukunft ab: Denn nicht der Mensch muss verbessert werden, sondern seine Lebensbedingungen.

Das beinhaltet die eigentlich selbstverständliche Forderung, Städte so zu konzipieren, dass sich dort auch Menschen mit körperlichen Einschränkungen frei und ohne Hindernisse bewegen können. Und der beste IQ hilft nichts, wenn noch immer Millionen Kinder keinen Zugang zu regulärer Schulbildung haben. So bleibt der Transhumanismus ein Symptom einer satten und dekadenten Wohlstandsgeneration. Und weil ihr Leben so schön ist, würden sie es natürlich gerne verlängern, während so manches Kind im Slum von Nairobi wünscht, nie geboren zu sein.

Faschistoider Wahn

Sollte sich dieser faschistoide Wahn der Selbstoptimierung durchsetzen, wäre die Folge eine kontrollierte, totalüberwachte und zutiefst ungerechte Zweiklassengesellschaft. Die beiden Transhumanisten und milliardenschweren Tech-Unternehmer Elon Musk und Peter Thiel geben uns bereits einen Vorgeschmack darauf, wie eine solche Zukunft aussehen würde.

Es ist höchste Zeit, dass Politik und Gesellschaft das fragwürdige Welt- und Menschenbild der Transhumanisten, das inzwischen über Trends wie „Longevity“ und „Biohacking“ weit in die Gesellschaft eingedrungen ist, klar zurückweisen. Wir müssen verhindern, dass am Ende irreversible Veränderungen am menschlichen Genom vorgenommen werden und stattdessen die unantastbare Würde des Menschen in seiner einzigartigen, unvollkommenen und endlichen Form verteidigen.

Eckart Löhr ist freier Publizist. Zuletzt erschien im oekom Verlag sein Buch Die Würde der Natur

seiten dieses Unternehmens häufig aus dem Blick: gesellschaftliche Ungleichheit, Totalüberwachung und die Entwürdigung des Menschen.Bereits die Forderung, den Menschen zu verbessern, setzt die Überzeugung voraus, dass er grundsätzlich verbesserungsbedürftig, also ein „Mängelwesen“ ist. Die Transhumanisten übersehen dabei, dass es oftmals die vermeintlichen Mängel des Menschen sind, die sich als seine größten Stärken erweisen können: Im Alter von zehn Jahren erkrankte die kanadische Musikerin und Komponistin Joni Mitchell an Kinderlähmung, was zu einer dauerhaften Schwächung ihrer linken Hand führte.Historische UrsprüngeAus der Not heraus entwickelte Mitchell eigene alternative Gitarrenstimmungen, die es ihr erlaubten, ihre Spieltechnik an die veränderten körperlichen Bedingungen anzupassen. Diese eigens geschaffenen Stimmungen eröffneten ihr neue harmonische und strukturelle Möglichkeiten beim Songwriting und wurden zu einem zentralen Merkmal ihrer Musik. Durch diesen innovativen Ansatz prägte sie ganze Generationen von Musikerinnen und Musikern.Um die gegenwärtigen Gefahren des Transhumanismus zu erkennen, lohnt sich ein kurzer Blick auf seine historischen und ideologischen Ursprünge. Der britische Biologe und Philosoph Julian Huxley, der diesen Begriff schon Mitte des letzten Jahrhunderts in seinem Buch New Bottles For New Wine prägte, war bereits ein Verfechter eugenischer Ideen.Er forderte vor allem eine Verbesserung der genetischen Ausstattung des Menschen. Hier ging es ihm unter anderem um die Ausmerzung von Krankheiten wie die Sichelzellenanämie, das Down-Syndrom, Chorea Huntington oder sogenannter Geisteskrankheiten. Darüber hinaus soll mittels Eingriffen in das Erbgut auch das Niveau der individuellen Intelligenz erhöht werden: „Mithilfe künstlicher Besamung durch ausgewählte Spender ließe sich ein solches Ergebnis in der Praxis erzielen.“Francis Fukuyama warntIm Zuge der „Rassenhygiene“ der Nazis wurde ebenfalls versucht, den Genpool der Bevölkerung nach bestimmten, als positiv oder negativ bewerteten Erbanlagen zu beeinflussen. Die Folgen dieses Denkens dürften hinreichend bekannt sein. Und hier stellt sich bereits die entscheidende Frage: Wer befindet darüber, welche Eigenschaften des Menschen positiv, welche negativ sind?In der Regel sind das diejenigen, die über die Macht verfügen, die jeweiligen Eigenschaften festzulegen. Doch „die Macht des Menschen, aus sich zu machen, was ihm beliebt, bedeutet (…) die Macht einiger weniger, aus anderen zu machen, was ihnen beliebt.“ (C. S. Lewis) Macht allein, das haben die Nazis in aller Deutlichkeit bewiesen, ist nun einmal kein Garant für Wahrheit, Erkenntnis oder ethisches Handeln.Denn natürlich geht es am Ende um Interessen. Welche Interessen verfolgen diese „Menschenverbesserer“, was für Ziele haben sie, in wessen Auftrag handeln sie? Der amerikanische Politikwissenschaftler Francis Fukuyama nannte den Transhumanismus aus diesen Gründen „die gefährlichste Idee der Welt“. Er warnte vor dem Schreckensszenario einer neuen Zweiklassengesellschaft, in der eine optimierte Elite der Reichen über den Rest der nicht-transformierten Menschheit herrscht.Der Transhumanismus, so Fukuyama, würde die Veränderung des menschlichen Wesens anstreben. Und „wenn wir beginnen, uns in etwas Überlegenes zu verwandeln, welche Rechte werden diese verbesserten Wesen dann beanspruchen und welche Rechte werden sie im Vergleich zu denen besitzen, die zurückgelassen wurden?“Leider ist es exakt dieses Denken, das sich wie ein roter Faden durch die Geschichte der transhumanistischen Bewegung bis in die Gegenwart zieht. Der Mensch ist aus Sicht der Transhumanisten am Ende nicht mehr als eine defiziente Maschine, die man verbessern kann und muss. Krankheit, Leiden und Tod sind lediglich technische Probleme, die sich auf technischer Ebene lösen lassen.Der transhumanistische Philosoph Stefan Lorenz Sorgner ist davon überzeugt, dass das äußere Erscheinungsbild eines Menschen (Phänotyp) ausschließlich durch seine Gene (Genotyp) bestimmt wird. Somit glaubt er, eines Tages sämtliche Eigenschaften eines Menschen über Eingriffe in die DNA bestimmen zu können. Er träumt außerdem davon, von Geburt an durch einen implantierten Chip identifizierbar und mit dem Internet der Dinge verbunden zu sein.Das FreiheitskettchenSo sind am Ende all diese Fantasien, den Menschen zu verbessern, das Einfallstor für Willkür, Machtmissbrauch und Unterdrückung. Dieser Hang zum Totalitarismus zeigt sich in seinem ganzen Ausmaß bei einem der bekanntesten Protagonisten des Transhumanismus: Nick Bostrom. Um kriminellen Akteuren zuvorzukommen, die diese Welt eines Tages vernichten könnten, plädiert der schwedische Philosoph für die Totalüberwachung der Menschen mittels eines um den Hals getragenen „Freiheitskettchens“, das jeweils mit Kameras und Mikrofonen ausgestattet ist.Die so gewonnenen Bild- und Audiodaten werden in die Cloud hochgeladen, unter Zuhilfenahme künstlicher Intelligenz analysiert und von sogenannten Freiheitsbeauftragten in Echtzeit interpretiert. Bei verdächtigen Aktivitäten werden geeignete Maßnahmen ergriffen. Das klingt nicht nur ziemlich krank, das ist es wohl auch.Auch ist bei den Transhumanisten immerzu von der Steigerung der Intelligenz die Rede. Nie geht es um die Steigerung der Empathie, der Kooperationsbereitschaft oder der Fähigkeit zu lieben. Aber trägt Intelligenz wirklich dazu bei, diese Welt besser zu machen, oder wird sie nicht in Wahrheit allzu oft dazu missbraucht, das Böse noch zu perfektionieren?Heerscharen von Wissenschaftlern und natürlich auch Wissenschaftlerinnen setzen bis heute ihre ganze Intelligenz dafür ein, Waffen zu bauen, um möglichst viele Menschen effektiv zu töten. Die Ergebnisse ihrer intelligenten Handlungen lassen sich täglich in den Nachrichten begutachten. Da wäre es manchmal besser, dumm zu sein. Und „Krankheiten“ wie das Down-Syndrom ausrotten zu wollen, heißt nichts anderes, als diesen Menschen im Nachhinein ihr Lebensrecht abzusprechen.Unabhängig vom KörperDoch das erklärte Ziel der Transhumanisten ist die Überwindung des Todes. Der Transhumanist und ehemalige Google-Chefingenieur Ray Kurzweil nimmt täglich Unmengen an Nahrungsergänzungsmitteln zu sich und überwacht regelmäßig seine Blutwerte. Er hofft, auf diese Art lange genug zu leben, bis die Technik so weit ist, sein Leben mittels Nanorobotern und einer „Umprogrammierung“ seiner Biochemie weiter zu verlängern.Doch die ultimative Lösung des Problems der Sterblichkeit sehen die Transhumanisten in der gezielten Veränderung des menschlichen Erbguts und in radikalen technologischen Konzepten wie dem sogenannten Mind-Uploading. Dabei handelt es sich um die Vorstellung, das menschliche Bewusstsein samt all seiner Erinnerungen und Persönlichkeitsmerkmale auf einen digitalen Datenträger zu übertragen.Auf diese Weise, so die Hoffnung der Transhumanisten, könnte der Mensch in gewisser Weise unsterblich werden, indem sein Geist unabhängig vom biologischen Körper fortbesteht. Doch der Tod ist keine Krankheit und schon gar nicht der Gegenspieler des Lebens. Er ist in Wahrheit sein Mitarbeiter und Motor. Erst das Wissen um die Endlichkeit unserer Existenz verleiht dieser ihren Wert.So lebensfreundlich der Transhumanismus sich gibt, ist er in Wahrheit eine gefährliche Ideologie, die den Menschen zu einem kranken und mangelbehafteten Wesen degradiert, das technisch verbessert werden muss. Sie hat ihre Wurzeln in der Eugenik und missversteht fundamental das Wesen des Lebens und des Todes. Auch lenken all diese Versuche, den Menschen zu verbessern, von den wirklichen Herausforderungen der Zukunft ab: Denn nicht der Mensch muss verbessert werden, sondern seine Lebensbedingungen.Das beinhaltet die eigentlich selbstverständliche Forderung, Städte so zu konzipieren, dass sich dort auch Menschen mit körperlichen Einschränkungen frei und ohne Hindernisse bewegen können. Und der beste IQ hilft nichts, wenn noch immer Millionen Kinder keinen Zugang zu regulärer Schulbildung haben. So bleibt der Transhumanismus ein Symptom einer satten und dekadenten Wohlstandsgeneration. Und weil ihr Leben so schön ist, würden sie es natürlich gerne verlängern, während so manches Kind im Slum von Nairobi wünscht, nie geboren zu sein.Faschistoider WahnSollte sich dieser faschistoide Wahn der Selbstoptimierung durchsetzen, wäre die Folge eine kontrollierte, totalüberwachte und zutiefst ungerechte Zweiklassengesellschaft. Die beiden Transhumanisten und milliardenschweren Tech-Unternehmer Elon Musk und Peter Thiel geben uns bereits einen Vorgeschmack darauf, wie eine solche Zukunft aussehen würde.Es ist höchste Zeit, dass Politik und Gesellschaft das fragwürdige Welt- und Menschenbild der Transhumanisten, das inzwischen über Trends wie „Longevity“ und „Biohacking“ weit in die Gesellschaft eingedrungen ist, klar zurückweisen. Wir müssen verhindern, dass am Ende irreversible Veränderungen am menschlichen Genom vorgenommen werden und stattdessen die unantastbare Würde des Menschen in seiner einzigartigen, unvollkommenen und endlichen Form verteidigen.



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