Trump hat drei prominente Führungskader der irakischen Kurden angerufen. Angesichts ihrer Autonomie haben diese mehr zu verlieren, als die Kurden in Iran. Sie wollen sich nicht gegen Teheran exponieren und auch nicht in den Krieg ziehen
Gerade sind hier drei iranische Drohnen abgestürzt: Ein Peschmerga-Kämpfer in Erbil, Irakisch-Kurdistan, 3. März 2026
Foto: Pauline Gauer/SIPA/picture alliance
Wer immer noch glaubte, Donald Trump hätte eine klare Vorstellung von seinen Zielen im Krieg gegen den Iran und eine detailliert ausgearbeitete Strategie dafür, sah sich in den zurückliegenden Tagen eines Besseren belehrt.
Das jüngste Beispiel für Trumps konzeptloses Agieren ist sein Umgang mit den iranischen Kurden. Noch am Donnerstag, dem 5. März, sagte der US-Präsident in seiner gewohnt verqueren Ausdrucksweise der Nachrichtenagentur Reuters über diese Bevölkerungsgruppe des Iran: „Ich denke, es ist wunderbar, dass sie das tun wollen“, nämlich sich gegen Teheran zu erheben.
Trump hatte wohl gehofft, dass die iranischen Kurden, die seit Jahrzehnten auch im bewaffneten Kampf Erfahrung haben, für die USA und Israel die Kastanien aus dem Feuer holen. Doch nur einen Tag später, am Freitag, dem 6. März, ruderte er zurück.
„Ich will nicht, dass die Kurden in den Iran gehen“, sagte er auf dem Rückflug vom Staatsbegräbnis für sechs gefallene US-Soldaten und fuhr fort: „Der Krieg ist kompliziert genug.“ Offenkundig viel komplizierter, als Donald Trump anfangs vermutete.
Die Führer der iranischen Kurden sitzen im irakischen Exil
Schon die innerkurdische Komplexität scheint ihn zu überfordern. Da sind zum einen fünf iranisch-kurdische Parteien, die vor zwei Wochen, am 22. Februar, ein Bündnis geschlossen hatten, das sich „Koalition der politischen Kräfte Iranisch-Kurdistans“ nennt.
Der Allianz gehören politisch so gegensätzliche Parteien an wie die kulturell und wirtschaftlich eher konservative Demokratische Partei Kurdistans-Iran (KDP-I). Hinzu kommen die sozialdemokratische Komala der Arbeiter Kurdistans und die Kurdistan-Partei des Freien Lebens (PJAK), ursprünglich ein Ableger der türkisch-kurdischen Arbeiterpartei (PKK). Mit dabei sind zudem die Freiheitspartei Kurdistans (PAK) und die Organisation für den Kampf um Iranisch-Kurdistan (Khabat).
Zusammengebracht hat die bislang schwer zersplitterte iranisch-kurdische Opposition die verstärkte Unterdrückung durch das theokratische Regimes des Iran in den Wochen zuvor. In Iranisch-Kurdistan und in Belutschistan gab es bei den Zusammenstößen zu Beginn des Jahres die meisten Opfer.
Trump hatte dazu gedrängt, die iranischen Kurden zu unterstützen
Eine wichtige Rolle spielt derzeit besonders die Regionalregierung von Irakisch-Kurdistan (Kurdistan Regional Government/KRG). Ein Gebilde, das 1992 entstanden ist. Die irakischen Kurden erlangten seinerzeit ihre begrenzte Autonomie nur deshalb, weil die USA Staatschef Saddam Hussein im Golfkrieg Anfang 1991 eine militärische Niederlage beibrachten. Als dann mit der US-Invasion im März/April 2003 der Irak ins Chaos stürzte, konnten die kurdischen Regionen im Norden und mit ihnen das KRG ihren Status festigen.
Heute sitzen die Führungskader der iranisch-kurdischen Parteien allesamt in Irakisch-Kurdistan und werden gewissermaßen von den Autoritäten dort geduldet. Deshalb hat Donald Trump in der vergangenen Woche persönlich drei prominente Führungskader der irakischen Kurden angerufen und gedrängt, die iranischen Kurden logistisch und militärisch zu unterstützen, sobald diese zu den Waffen greifen.
Doch anders als die Kurden des Iran haben die des Irak viel zu verlieren, ihre Autonomie und – wenn nicht Sicherheit und Frieden – so auf jeden Fall die Abwesenheit von Krieg. Hinzu kommt, dass die kurdische Regionalregierung extrem verwundbar ist. Die von ihr verwalteten Provinzen Erbil, Dahuk, Sulaimaniyya und Halabdscha liegen eingezwängt zwischen dem schiitischen Iran im Norden und dem Gebiet der schiitisch dominierten irakischen Zentralregierung in Bagdad.
Sicherheitspolitisch bleibt die KRG auf die USA angewiesen, wirtschaftlich ist sie mit der Türkei verflochten und damit deren anti-kurdischen Positionen ausgesetzt. Kein Wunder, dass sich sowohl ihr Präsident Nedschirvan Barzani als auch der zweitmächtigste Mann in der KRG, Bafel Talabani, dem Druck von Trump nicht gefügt haben, als der zum Besten gab: „Die Kurden müssen sich entscheiden – wir oder der Iran!“ Auch die türkische Regierung zeigte sich alarmiert. Sollten die Kurden des Iran tatsächlich losschlagen, droht das irakische Kurdengebiet zum Schauplatz von Kämpfen zu werden, an denen Teheran, Bagdad und Ankara beteiligt sind.
Außenminister Sa’ar sieht die Kurden als „natürliche Verbündete Israels“
Donald Trumps Hin und Her lässt nur den Schluss zu, dass die US-Regierung einen Einsatz der iranischen Kurden alles andere als gründlich durchdacht hat. Allerdings gilt Israel als die Mutter dieser Idee. Die dortige Regierung pflegt seit Jahrzehnten enge Beziehungen mit kurdischen Akteuren. Israels Außenminister Gideon Sa’ar nannte gleich zu Beginn seiner Amtszeit im Jahr 2024 die Kurden „natürliche Verbündete Israels“.
Diese Wahrnehmung ist sehr viel älter als das Netanjahu-Kabinett. Schon Israels erster Premierminister David Ben Gurion (im Amt 1948–1963) richtete sein Augenmerk auf alle nicht-arabischen Gruppen des Nahen Ostens als potenzielle Verbündete seines Landes. Tel Aviv unterstützte die irakischen Kurden in ihren Kämpfen gegen Bagdad. Der Mossad half beim Aufbau ihres Geheimdienstes Parastin.
Und um den Kurden einen eventuellen Aufstand zu erleichtern, bombardierten schon in den ersten Tagen des aktuellen Krieges israelische Flugzeuge bevorzugt Stellungen des iranischen Militärs und seiner Milizen in Iranisch-Kurdistan.
Anders als Washington scheint Tel Aviv auch klar zu wissen, was es mit diesem Krieg bezweckt: ein Ende des Mullah-Regimes. Donald Trump dagegen ändert seine Meinung dazu fast jeden Tag. Das gibt denen in Washington neuen Auftrieb, die der Meinung sind, dass nicht eine Bedrohung der USA durch den Iran zum Krieg verleitet hat, sondern die Entschlossenheit, die von Tel Aviv ausgeht, sich zur regionalen Vormacht aufzuschwingen.
s sie das tun wollen“, nämlich sich gegen Teheran zu erheben.Trump hatte wohl gehofft, dass die iranischen Kurden, die seit Jahrzehnten auch im bewaffneten Kampf Erfahrung haben, für die USA und Israel die Kastanien aus dem Feuer holen. Doch nur einen Tag später, am Freitag, dem 6. März, ruderte er zurück.„Ich will nicht, dass die Kurden in den Iran gehen“, sagte er auf dem Rückflug vom Staatsbegräbnis für sechs gefallene US-Soldaten und fuhr fort: „Der Krieg ist kompliziert genug.“ Offenkundig viel komplizierter, als Donald Trump anfangs vermutete.Die Führer der iranischen Kurden sitzen im irakischen ExilSchon die innerkurdische Komplexität scheint ihn zu überfordern. Da sind zum einen fünf iranisch-kurdische Parteien, die vor zwei Wochen, am 22. Februar, ein Bündnis geschlossen hatten, das sich „Koalition der politischen Kräfte Iranisch-Kurdistans“ nennt.Der Allianz gehören politisch so gegensätzliche Parteien an wie die kulturell und wirtschaftlich eher konservative Demokratische Partei Kurdistans-Iran (KDP-I). Hinzu kommen die sozialdemokratische Komala der Arbeiter Kurdistans und die Kurdistan-Partei des Freien Lebens (PJAK), ursprünglich ein Ableger der türkisch-kurdischen Arbeiterpartei (PKK). Mit dabei sind zudem die Freiheitspartei Kurdistans (PAK) und die Organisation für den Kampf um Iranisch-Kurdistan (Khabat).Zusammengebracht hat die bislang schwer zersplitterte iranisch-kurdische Opposition die verstärkte Unterdrückung durch das theokratische Regimes des Iran in den Wochen zuvor. In Iranisch-Kurdistan und in Belutschistan gab es bei den Zusammenstößen zu Beginn des Jahres die meisten Opfer.Trump hatte dazu gedrängt, die iranischen Kurden zu unterstützen Eine wichtige Rolle spielt derzeit besonders die Regionalregierung von Irakisch-Kurdistan (Kurdistan Regional Government/KRG). Ein Gebilde, das 1992 entstanden ist. Die irakischen Kurden erlangten seinerzeit ihre begrenzte Autonomie nur deshalb, weil die USA Staatschef Saddam Hussein im Golfkrieg Anfang 1991 eine militärische Niederlage beibrachten. Als dann mit der US-Invasion im März/April 2003 der Irak ins Chaos stürzte, konnten die kurdischen Regionen im Norden und mit ihnen das KRG ihren Status festigen.Heute sitzen die Führungskader der iranisch-kurdischen Parteien allesamt in Irakisch-Kurdistan und werden gewissermaßen von den Autoritäten dort geduldet. Deshalb hat Donald Trump in der vergangenen Woche persönlich drei prominente Führungskader der irakischen Kurden angerufen und gedrängt, die iranischen Kurden logistisch und militärisch zu unterstützen, sobald diese zu den Waffen greifen.Doch anders als die Kurden des Iran haben die des Irak viel zu verlieren, ihre Autonomie und – wenn nicht Sicherheit und Frieden – so auf jeden Fall die Abwesenheit von Krieg. Hinzu kommt, dass die kurdische Regionalregierung extrem verwundbar ist. Die von ihr verwalteten Provinzen Erbil, Dahuk, Sulaimaniyya und Halabdscha liegen eingezwängt zwischen dem schiitischen Iran im Norden und dem Gebiet der schiitisch dominierten irakischen Zentralregierung in Bagdad.Sicherheitspolitisch bleibt die KRG auf die USA angewiesen, wirtschaftlich ist sie mit der Türkei verflochten und damit deren anti-kurdischen Positionen ausgesetzt. Kein Wunder, dass sich sowohl ihr Präsident Nedschirvan Barzani als auch der zweitmächtigste Mann in der KRG, Bafel Talabani, dem Druck von Trump nicht gefügt haben, als der zum Besten gab: „Die Kurden müssen sich entscheiden – wir oder der Iran!“ Auch die türkische Regierung zeigte sich alarmiert. Sollten die Kurden des Iran tatsächlich losschlagen, droht das irakische Kurdengebiet zum Schauplatz von Kämpfen zu werden, an denen Teheran, Bagdad und Ankara beteiligt sind.Außenminister Sa’ar sieht die Kurden als „natürliche Verbündete Israels“ Donald Trumps Hin und Her lässt nur den Schluss zu, dass die US-Regierung einen Einsatz der iranischen Kurden alles andere als gründlich durchdacht hat. Allerdings gilt Israel als die Mutter dieser Idee. Die dortige Regierung pflegt seit Jahrzehnten enge Beziehungen mit kurdischen Akteuren. Israels Außenminister Gideon Sa’ar nannte gleich zu Beginn seiner Amtszeit im Jahr 2024 die Kurden „natürliche Verbündete Israels“.Diese Wahrnehmung ist sehr viel älter als das Netanjahu-Kabinett. Schon Israels erster Premierminister David Ben Gurion (im Amt 1948–1963) richtete sein Augenmerk auf alle nicht-arabischen Gruppen des Nahen Ostens als potenzielle Verbündete seines Landes. Tel Aviv unterstützte die irakischen Kurden in ihren Kämpfen gegen Bagdad. Der Mossad half beim Aufbau ihres Geheimdienstes Parastin.Und um den Kurden einen eventuellen Aufstand zu erleichtern, bombardierten schon in den ersten Tagen des aktuellen Krieges israelische Flugzeuge bevorzugt Stellungen des iranischen Militärs und seiner Milizen in Iranisch-Kurdistan.Anders als Washington scheint Tel Aviv auch klar zu wissen, was es mit diesem Krieg bezweckt: ein Ende des Mullah-Regimes. Donald Trump dagegen ändert seine Meinung dazu fast jeden Tag. Das gibt denen in Washington neuen Auftrieb, die der Meinung sind, dass nicht eine Bedrohung der USA durch den Iran zum Krieg verleitet hat, sondern die Entschlossenheit, die von Tel Aviv ausgeht, sich zur regionalen Vormacht aufzuschwingen.