Colonel Douglas Macgregor: Ukraine und die europäischen Kriegsphantasien – Ein kritisches Gespräch über US-Außenpolitik

In einem aktuellen Podcast-Interview der Sendung „Judging Freedom“, moderiert von Judge Andrew Napolitano am 17. Dezember 2025, diskutiert Colonel Douglas Macgregor, ein erfahrener Militärexperte und ehemaliger Berater des Verteidigungsministeriums, brisante Themen der US-Außenpolitik. Das Gespräch, das live ausgestrahlt und anschließend online verfügbar gemacht wurde, beleuchtet die drohende Eskalation in Venezuela, die anhaltende Krise in der Ukraine sowie die Illusionen europäischer Politiker. Macgregor, bekannt für seine scharfsinnigen Analysen und seine Kritik an militärischen Abenteuern, warnt vor den Konsequenzen unüberlegter Interventionen und plädiert für eine rationale, verfassungskonforme Herangehensweise.

Die drohende Konfrontation mit Venezuela: Eine Eskalation ohne Nutzen

Das Interview beginnt mit einer Breaking-News-Meldung: Tucker Carlson hatte Napolitano zuvor informiert, dass Präsident Donald Trump möglicherweise am Abend des 17. Dezember um 21:00 Uhr Eastern Time eine nationale Ansprache halten würde, um den Beginn von Feindseligkeiten gegen Venezuela anzukündigen. Basierend auf aktuellen Berichten (Stand: 18. Dezember 2025) fand eine solche formelle Rede zwar nicht statt, doch die Spannungen haben sich weiter zugespitzt.

Der US-Kongress hat am 17. Dezember Resolutionen abgelehnt, die eine Begrenzung der militärischen Aktionen Trumps gegen Venezuela gefordert hätten. Stattdessen eskaliert die Situation: Die USA haben eine Seeblockade verhängt, die unter internationalem Recht als Kriegsakt gilt, und es kam zu Angriffen auf Schiffe, bei denen bereits Tote zu beklagen sind. Berichte sprechen von US-Operationen im Karibikraum, die als „Kampf gegen Narco-Terroristen“ deklariert werden, ohne klare Kongressgenehmigung.

Macgregor ist kategorisch: Eine Invasion oder Eskalation in Venezuela würde die nationale Sicherheit der USA keineswegs stärken. „Nein“, antwortet er auf Napolitanos Frage, ob ein Krieg gegen Venezuela Amerikas Sicherheit verbessern würde. Stattdessen sieht er darin eine Vereinfachung des Entscheidungsprozesses, bei der der Kongress weitgehend umgangen wird.

Der Colonel kritisiert scharf, dass der Kongress selbst Schuld daran trägt: Die Verfassung erlaubt dem Präsidenten militärische Handlungen nur innerhalb der vom Kongress gesetzten Grenzen, doch der War Powers Act von 1973 wird nie angewendet. Trump habe mit der Blockade bereits de facto Krieg erklärt, da sie Venezuela wirtschaftlich stranguliere und verhungere.

Besonders besorgniserregend ist für Macgregor die Rolle Chinas und Russlands. China bezieht einen erheblichen Teil seines Öls aus Venezuela, doch der Colonel betont, dass Peking nicht intervenieren werde – es sei zu weit entfernt und strategisch unklug. Russland, unter Präsident Putin, handle stets bedächtig und wolle keinen Konflikt mit den USA riskieren. Dennoch könnten beide Mächte Venezuela indirekt unterstützen, was die Lage kompliziere.

Macgregor warnt vor den Illusionen der Trump-Administration: Selbst wenn alles über Nicolás Maduro wahr sei – dass er ein Drogenkartell-Chef sei, der Menschenhandel und Morde betreibe –, gewinne die USA nichts. Die eigene Drug Enforcement Administration (DEA) widerspreche vielen Behauptungen der Regierung. Strategisch sehe er keinen Vorteil; stattdessen riskiere man Chaos in Lateinamerika.

Der Colonel zerpflückt die „Fiktionen“ um die Intervention: Befürworter behaupten, ein Schlag gegen Venezuela würde Drogenkartelle kollabieren lassen, Kuba implodieren und Probleme in Mexiko, Honduras und Nicaragua lösen. „Das ist Unsinn“, kontert Macgregor. Stattdessen würde es Millionen Lateinamerikaner gegen die USA mobilisieren und Amerikas Ruf als „verrückter Nachbar“ zementieren. Historisch sei die US-Politik in der Region bereits unbeliebt; eine Invasion würde alles verschlimmern.

Falls Verteidigungsminister Pete Hegseth (der sich selbst als „Secretary of War“ bezeichnet) um Rat frage, würde Macgregor eine Invasion strikt ablehnen. Die 20.000 Truppen in Puerto Rico und auf Schiffen seien keine Lösung. Stattdessen plädiere er für Alternativen ohne massive Militäreinsätze.

Die Annahme, ein CIA-gestützter Putsch würde Maduro stürzen und US-Truppen nur als „Stabilisierungskraft“ dienen, sei naiv. Venezuela sei größer als Vietnam, mit Dschungel und Bergen – ein Albtraum für Besatzungstruppen. Die Bevölkerung liege bei 28,5 bis 29,9 Millionen; erreichbare Ziele? Kaum. Zerstörung ja, aber keine langfristige Kontrolle.

Macgregor spekuliert über israelische Einflüsse: Premierminister Benjamin Netanyahu habe sich positiv zu einer potenziellen Präsidentin María Corina Machado geäußert, die das venezolanische Botschaftsgebäude nach Jerusalem verlegen wolle. Doch der wahre Treiber seien Milliardäre, die Trumps Wahlkampf finanziert haben und nun eine Intervention forcieren. Machado verspreche, Venezuelas Ressourcen – die größten Ölreserven der Welt – den USA zu überlassen und chinesische sowie russische Investoren zu vertreiben. Das Ziel: Russland und China aus der Hemisphäre drängen.

Macgregor bezweifelt den Erfolg; stattdessen könnte man mit Maduro verhandeln und US-Öltechniker einladen, die weltweit konkurrenzlos seien.

Die Ukraine-Krise und europäische „Kriegsphantasien“

Das Gespräch wechselt zur Ukraine, wo Macgregor die europäischen Vorschläge als „Fantasiewelt“ enttarnt. Am 16. Dezember in Berlin präsentierten Deutschland, Großbritannien, Frankreich und die USA unter Beteiligung von Wolodymyr Selenskyj einen Waffenstillstandsplan: Die Ukraine solle russisch besetzte Gebiete behalten, neutral bleiben, aber europäische Truppen vor Ort akzeptieren.

Die US-Delegation schwieg, was Zustimmung andeutete, doch Trump änderte offenbar seine Meinung. Macgregor sieht darin einen Versuch, Putin einzuschüchtern – vergeblich.

Trump habe trotz gegenteiliger Versprechen die Biden-Politik fortgesetzt: Sanktionen gegen russische Ölkonzerne wie Rosneft blieben bestehen. „Bei Trump muss man schauen, was getan wird, nicht was gesagt“, mahnt der Colonel.

Europa lebe in Illusionen; Russland müsse diese ernst nehmen und rüste auf: Hunderttausende neue Rekruten, fortschrittliche Raketen, intensives Training. Putin sei bereit, militärisch vorzugehen, falls Diplomatie scheitere.

Im US-Senat debattierte man am 16. Dezember einen Vorschlag von Senator Lindsey Graham, Russland als Terrorstaat zu labeln – absurd und kontraproduktiv. Macgregor lobt Senator Rand Paul als „einsamen Ranger“ mit Charakter, dessen Argumente jedoch ungehört verhallen.

Paul warnte vor extrajudiziellen Tötungen, ähnlich wie bei „Narco-Terroristen“ in Venezuela. Macgregor fürchtet, dass erst eine Katastrophe – ein massiver Verlust US-amerikanischer Soldaten – die Politik ändern würde. Er erinnert an den Libanon 1983: Nach dem Tod von 300 Marines zog Reagan die Truppen ab. In Venezuela könnten Venezolaner US-Truppen angreifen, um einen Rückzug zu erzwingen.

Strukturelle Probleme im US-Militär: Ranginflation und Inkompetenz

Macgregor kritisiert das US-Militär als „top-heavy“: zu viele Generäle und Admirale mit Sternen, die wenig leisten. Seit der Authorization for Use of Military Force (AUMF) von 2001 sei die Ranginflation explodiert; Kongress und Dienstchefs förderten diese Entwicklung. Früher von Obersten besetzte Posten seien heute Generälen vorbehalten.

Noch gravierender sei der Auswahlprozess. Es gebe kein professionelles Stabssystem mit Kompetenztests. Beförderungen hingen von Konformität ab – von „Teamplayern“, die nicht hinterfragen. Wer „dumme Befehle“ befolge, steige auf. Macgregor zitiert einen Offizier: Man müsse als „Freund“ des Generals gelten, nicht kompetent sein. Das führe zu Inkompetenz an der Spitze.

Die Marine sei in Schwierigkeiten: Schiffe seien veraltet, Besatzungen unzureichend trainiert. Luftwaffe und Armee verschlissen Ausrüstung ohne klare Zukunftsvision. Verteidigung sei kein „Walmart-Kauf“, sondern erfordere Jahre der Planung und einen kulturellen Wandel.

Ein finanzielles Armageddon drohe: Gläubiger könnten aufhören zu leihen, wenn die Ausgaben nicht drastisch gekürzt würden.

Die Symbolik des „Department of War“ und eine Warnung vor Präventivkriegen

Der Senat lehnte Trumps Vorschlag ab, das Verteidigungsministerium in „Department of War“ umzubenennen, doch Trump und Hegseth verwenden die Bezeichnung weiterhin. Für Macgregor ist das metaphorisch: Es signalisiere Angriff statt Verteidigung.

Präventivkriege seien „Selbstmord aus Angst vor dem Tod“, wie es Bismarck formulierte. Krieg dürfe nur die letzte Option sein – ausschließlich bei direkter Bedrohung. Venezuela bedrohe die USA nicht; selbst die DEA widerlege viele der vorgebrachten Anschuldigungen.

Macgregor plädiert für Ehrlichkeit: Wenn es um Ressourcen gehe, brauche man keinen Krieg.

Das Interview endet mit Weihnachtsgrüßen und der Hoffnung auf weitere Diskussionen.

Schlussbemerkung

Dieses Gespräch unterstreicht Macgregors Ruf als kritischer Denker. Er warnt vor den Risiken imperialer Hybris und fordert eine Rückkehr zu verfassungsmäßigen Prinzipien. In einer Zeit eskalierender Konflikte bleibt seine Stimme essenziell für eine reflektierte und nüchterne Debatte.



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