Eine schonungslose Analyse des stockenden Iran-Kriegs
In einem hochbrisanten Interview mit Richter Andrew Napolitano auf dessen Sendung „Judging Freedom“ vom 26. März 2026 hat der ehemalige Colonel der US-Armee Douglas Macgregor eine ungeschönte Bestandsaufnahme der amerikanisch-israelischen Militäroperation gegen den Iran geliefert.
Macgregor, ein erfahrener Militärstratege und scharfer Kritiker interventionistischer Politik, erklärt, warum Präsident Donald Trump angesichts des unerwartet zähen Konflikts zunehmend unter Druck gerät – und welche katastrophalen Konsequenzen eine weitere Eskalation für die USA, die Region und die Weltwirtschaft haben könnte.
Grundsatzkritik an der US-Außenpolitik
Der Colonel beginnt seine Analyse mit einer grundsätzlichen Kritik an der amerikanischen Außenpolitik:
Nicht erklärte Kriege und präventive Aggressionen seien leider zur Normalität geworden, ohne dass die amerikanische Bevölkerung dagegen aufbegehre. Die Gesellschaft habe sich an den illegitimen Einsatz staatlicher Gewalt gewöhnt.
Um eine wirklich freie Gesellschaft zu schaffen, müsse das Prinzip der Initiativgewalt grundsätzlich abgelehnt werden. Macgregor erinnert an die Worte Thomas Jeffersons und stellt rhetorisch die Frage, ob es manchmal notwendig sei, die eigene Regierung zu verändern oder abzuschaffen, um das Land zu lieben – und ob die größte Gefahr für die Freiheit gerade jetzt drohe.
Gescheiterte Blitzkrieg-Strategie
Im Kern des Gesprächs steht die aktuelle Lage im Golf:
Trump sieht sich einer doppelten Demütigung ausgesetzt – im Inland und international. Die ursprüngliche Planung einer kurzen, entscheidenden Kampagne, die die iranische Führung enthaupten, die Regierung zerschlagen und innere Unruhen auslösen sollte, sei grandios gescheitert.
Stattdessen sei man in eine langwierige, zermürbende Phase des Bombardements übergegangen, bei der Ziele aus militärischen und anderen Gründen ausgewählt wurden.
Nun plane Trump eine fünftägige Pause, um eine „warnende Offensive“ aus der Luft mit Raketen und Bomben vorzubereiten – eine letzte Verzweiflungstat, um die Initiative zurückzugewinnen.
Grenzen militärischer Optionen
Eine Bodenoffensive mit großen Truppenkontingenten habe es nie gegeben und sei auch nicht realistisch, betont Macgregor.
Der Iran zähle 93 Millionen Einwohner und sei flächenmäßig so groß wie Westeuropa. Eine Invasion würde eine nationale Notlage, die Wiedereinführung der Wehrpflicht und mindestens 12 bis 18 Monate Vorbereitung mit zwei bis drei Millionen Soldaten erfordern – ein Szenario, das politisch und militärisch undenkbar sei.
Die einzig verbliebene „Bodenoption“ sei extrem begrenzt: die Besetzung einiger strategischer Inseln in der Straße von Hormus, darunter Kharg Island (im Transkript als „Car Island“ bezeichnet), Kish Island oder Qeshm Island sowie kleinere Eilande vor Bandar Abbas.
Diese Inseln beherbergen Einheiten der iranischen Revolutionsgarde (IRGC) mit Schnellbooten und Raketen. Doch selbst hier sei der Nutzen fraglich.
Die Straße von Hormus und wirtschaftliche Kriegsführung
Macgregor erinnert daran, dass die Straße von Hormus nicht primär durch iranische Militäraktionen, sondern durch Lloyd’s of London geschlossen wurde:
Ohne Versicherungsschutz wagte kein Reeder, Tankschiffe im Wert von Hunderten Millionen Dollar durch die Enge zu schicken.
Die Iraner nutzten dies geschickt aus und ließen Schiffe aus nicht-alliierten Ländern wie China, Indien oder Japan passieren – vorausgesetzt, das Öl sei bezahlt.
Dies untergrabe den Petrodollar und zeige, dass der Konflikt auf zwei Ebenen geführt werde: einer ökonomischen Kriegsführung, die die USA bereits verlieren, und einer neuen, asymmetrischen iranischen Kriegsform.
Neue Kriegsführung: Raketen und Drohnen
Der Colonel kontrastiert das klassische US-Kriegsmodell aus dem Zweiten Weltkrieg – Flugzeugträger, Zerstörer, U-Boote und Flugzeuge von Basen in der Region oder sogar aus den USA und Diego Garcia – mit der iranischen Antwort des 21. Jahrhunderts:
Riesige Mengen präzisionsgelenkter Raketen und unbemannter Systeme (Drohnen), die aus unterirdischen Anlagen bis zu 1.000 Meilen entfernt abgefeuert werden können.
Iran brauche weder Luftwaffe noch Marine, sondern nur eine Armee, Raketen und Drohnen.
Diese Strategie habe die US-Flotte weit aufs offene Meer zurückgedrängt, zwinge zu permanenten Luftbetankungen über Irak, Saudi-Arabien oder anderen Gebieten und erweise sich als hoch effektiv.
Die iranischen Luftabwehrsysteme seien unter 15.000 Fuß Höhe noch immer leistungsfähig, was Helikopter- oder Osprey-Einsätze extrem riskant mache.
Kritik an Trumps Erfolgsmeldungen
Trump hatte zwei Tage zuvor erklärt, der Krieg sei „gewonnen“, die Iraner hätten keine Marine, keine Luftwaffe und könnten nichts gegen US-Flugzeuge über Teheran ausrichten.
Macgregor zerpflückt diese Behauptungen als absurd und veraltet.
Die verwendeten Metriken – zerstörte Panzer, Schiffe oder Flugzeuge nach Pilotenberichten oder Satellitenbildern – seien dieselben, die bereits in Vietnam und im Irak-Krieg versagt hätten.
Iran habe seit dem Sturz des Schahs ohnehin keine nennenswerte Luftwaffe mehr besessen.
Die „versenkte Marine“ bestehe aus alten Fregatten und Hunderten kleiner, bemannter oder unbemannter Boote mit Raketen und Sprengstoff – Ziele, die man wochenlang bombardieren könne, ohne sie vollständig auszuschalten.
Die wahren Verluste seien oft übertrieben oder auf Attrappen zurückzuführen, wie bereits im Kosovo 1999.
Globale wirtschaftliche Folgen
Noch dramatischer seien die globalen wirtschaftlichen Folgen.
Die Unterbrechung der Öl- und Gasversorgung treffe die gesamte Welt: Lebensmittel-, Treibstoff-, Dünger- und Futtermittelkrise.
Großbritannien stehe in zwei Wochen ohne Ölvorräte da, Indien schalte Industrien ab und habe Millionen Menschen an Tankstellen, Japan kämpfe ähnlich.
Nur China sei durch große strategische Reserven besser vorbereitet.
Die Iraner wüssten genau, dass der weltweite Druck auf Washington wachsen werde, den Krieg zu beenden.
Gleichzeitig stehe die US-Wirtschaft vor dem Abgrund: Das Verteidigungsbudget sei von einer Billion auf 1,5 Billionen Dollar explodiert, Inflation und fragile Finanzsysteme machten sich bemerkbar.
Finanzministerin Janet Yellen oder vergleichbare Stimmen (im Transkript „Besson“) würden einfach Geld drucken und eigene Schulden aufkaufen – ein Rezept für eine spätere Katastrophe.
Strategische Ziele und Kritik
Macgregor sieht den wahren Zweck des Krieges nicht in Verhandlungen, sondern in der Zerstörung Irans und der anschließenden Aufteilung der Ressourcen – vor allem Öl und Gas – durch USA und Israel.
Dies sei eine Wiederholung der gescheiterten Strategie gegen Russland in der Ukraine, wo Sanktionen wirkungslos blieben und Russland sogar vom Ölverkauf profitiere.
Die USA hätten nun nur noch etwa 10.000 leichte Infanteristen für mögliche Inseloperationen – eine extrem gefährliche Mission mit hohem Risiko für die Soldaten.
Munitionslage und militärische Realität
Zur Munitionslage verweist Macgregor auf eine Analyse des Royal United Services Institute (RUSI):
Israel stehe kurz vor dem Kollaps, acht von zehn Raketen durchdringen die israelischen Abwehrsysteme.
Die USA seien bei hochwertigen Systemen wie THAAD und PAC-3 ebenfalls knapp; nach wenigen Wochen müsse man auf „dumme Bomben“ aus B-52-Bombern zurückgreifen – Flächenbombardements wie im Zweiten Weltkrieg, die jedoch keine Kriege gewinnen.
Luftangriffe allein hätten noch nie einen Krieg entschieden; eine echte Besetzung Irans wäre strategisch sinnlos und würde ein feindliches Land auf Dauer schaffen.
Der Irak sei das beste Beispiel: Nach der Besatzung stehe Bagdad nun an vorderster Front gegen die USA und unterstütze Teheran.
Kritik an militärischen Beratern
Der Colonel kritisiert scharf Berater wie denjenigen, der Trump im Golfcart zuflüstere, zwei Marine-Expeditionseinheiten könnten Inseln wie Iwo Jima einnehmen und das Regime „auf dem Weinstock verdorren“ lassen.
Solche Weltkriegs-Analogien seien gefährlich und ignorieren die Realität: Viele Pazifik-Inseln seien unnötig teuer erkauft worden, Okinawa sei ein Blutbad gewesen und habe zur Atombombe geführt.
Dieser Krieg diene nicht amerikanischen Interessen, sondern ausschließlich Israel und dessen einflussreichen Lobbyisten in den USA.
Die US-Streitkräfte würden zu einer „Söldnertruppe“ für fremde Interessen degradiert – eine Einschätzung, die auch ein junger Marine in einem Interview mit Tucker Carlson teile.
Mögliche Folgen eines Zusammenbruchs Irans
Selbst wenn die „kriegbeendende Offensive“ gelänge und der iranische Staat zerfiele, drohe Chaos:
Spill-over-Effekte in die Türkei, Syrien, die Arabische Halbinsel und schließlich Europa.
Russland und China würden eine dauerhafte Schließung der Straße von Hormus und das Ende des Golfkooperationsrats nicht hinnehmen.
Die Golfstaaten würden verschwinden, die Region Jahrzehnte brauchen, um sich zu erholen.
Gesellschaftliche Kritik in den USA
Macgregor schließt mit einer bitteren Reflexion über die US-Gesellschaft:
Die Abschaffung der Wehrpflicht und die Freiwilligenarmee hätten es ermöglicht, Kriege ohne breite gesellschaftliche Betroffenheit zu führen – weniger als ein Prozent der Amerikaner trage die Last.
Seit Ronald Reagan und George H. W. Bush kümmere sich kaum noch jemand um die Soldaten.
George W. Bush habe nach 9/11 nur „Go shopping“ gerufen.
Heute sei die Frage erlaubt, ob dieser Krieg für die USA wirklich Sinn ergebe.
Fazit
Zusammenfassend malt Colonel Macgregor ein düsteres Bild:
Trump ist verzweifelt, weil der Krieg weder militärisch noch wirtschaftlich läuft wie geplant, die Munition knapp wird, die Welt leidet und der innenpolitische Druck wächst.
Die angekündigte Offensive ist der letzte Wurf der Würfel – mit unkalkulierbarem Risiko für amerikanische Truppen, die Weltwirtschaft und die Stabilität der gesamten Region.
Ob sie zum erhofften „Sieg“ führt oder nur weitere Demütigung bringt, bleibt abzuwarten.
Macgregors Analyse ist ein eindringlicher Appell, die Illusionen zu durchbrechen und die Kosten eines Krieges zu bedenken, der nie im vitalen Interesse der Vereinigten Staaten lag.