Vieles ist zu lernen aus dem Strom-Anschlag der Vulkangruppe in Berlin: Von der Vorgeschichte des Energie-Volksentscheids über das verzweifelte Bekennerschreiben bis zum Umgang mit Privathaushalten erzählt der Stromausfall linke Geschichte


Licht per Generator am Mexikoplatz in Steglitz-Zehlendorf: Ein Anschlag führt zu einem mehrtägigen Stromausfall im Berliner Süden

Foto: Omer Messinger/Getty Images


Das politische Berlin schäumt. Endlich mal wieder „Linksterroristen“, man hat es ja schon immer gewusst. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) „glänzte zwar durch Abwesenheit“, so selbst die Berliner Morgenpost, aber Kapital möchte er doch schlagen aus dem Anschlag auf die Kabelbrücke in Berlin-Lichterfelde. Vier Stadtteile wurden in Berlins Südwesten am vergangenen Samstag von der Energieversorgung abgeschnitten. 45.000 Haushalte ohne Strom, bei Schnee und eisigen Temperaturen. Keine Heizung, kein Licht, kein Telefon und Internet – kein guter Jahresbeginn für die Betroffenen. Manch einer mag sich an die Menschen in der Ukraine erinnert haben, die nun bereits zum vierten Mal zu einem Jahreswechsel frieren. Mitten in Europa. Was sind wir froh, dass wir nicht frieren müssen!

Nun wurden sie doch völlig unvorbereitet und aus dem Nichts getroffen. Von einer Gruppe namens Vulkan, der schon die Anschläge auf die Tesla-Fabrik in Grünheide, auf das Technologiezentrum Adlershof und andere zugeschrieben werden. Deren Ziel ist die fossile Stromindustrie, im speziellen Fall die Berliner Stromnetz GmbH, die unter der Ägide des Regierenden Bürgermeisters und seiner Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) bestrebt sei, Berlin zu einer „Smartcity“ auszubauen, was einen gigantischen Energieausbau voraussetze.

So liest es sich im Bekennerschreiben der Vulkangruppe, der man unterstellen darf, dass sie keine Alten und Kranken frieren lassen wollte, die das im Sinne höherer Ziele aber billigend in Kauf nahm. Weil es sich um Bezirke handelt, in denen vornehmlich auch die Reichen und Einflussreichen residieren. „Die können wir uns nicht mehr leisten.“

Vorgeschichte Volksentscheid 2013: Berliner Stromnetz GmbH von Vattenfall zurückgekauft

Zur Ironie dieses Anschlags gehört, dass das ursprünglich zum schwedischen Energiekonzern Vattenfall gehörige Unternehmen nach einem Volksentscheid 2013 nach acht langen Verhandlungsjahren 2021 von der Stadt zurückgekauft, aber nicht, wie es das Votum verlangte, als Stadtwerk zurückgebaut wurde.

Und wenn man sich das längliche Bekennerschreiben aufmerksam durchliest, scheinen die unendlichen gescheiterten links-alternativen Versuche und die Frustrationen der vergangenen Bewegungs-Jahrzehnte auf.

Begonnen von der Vorstellung, man müsse nur bei sich selbst beginnen, um die Welt zu verändern, über das Projekt, den ökologischen Umbau global vernetzt zu stemmen, bis hin zum Unternehmen, die Verhältnisse lokal und regional auf eine umwelt- und menschenverträgliche Schiene zu bringen.

Unterschiede zu Bekennerschreiben der 1970er Jahre

Es ist gesättigt vom alltagserfahrenen Frust, als Teil der digitalen Community nicht „aussteigen“ zu können, aber die demokratischen Möglichkeiten der Technologie an der Macht der Digitalkonzerne zerschellen zu sehen. Das große kollektive „Wir“ geht in ein hilflos-schwangeres „Du“ über: „Was hast du eigentlich getan, um das, was auf uns zukommt, zu verhindern?“

Wer sich an die Bekennerschreiben der 1970er Jahre erinnert, der RAF und anderer Gruppen, erkennt diesen Unterschied sofort. „Wir sagen nicht, wir wüssten den Ausweg“, schreibt die Vulkangruppe. Undenkbar damals. Kein ostentativer Avantgarde-Gestus, sondern: „Dieser Ruf der Verzweiflung ist auch ein Weckruf.“

Und immer noch die positivistisch gestimmten aufklärerischen Daten und Fakten, wie wir sie von Fridays for Future kennen. Wie viele der Bekennenden mögen auf den vielen Demos mitmarschiert sein, Flugblätter verteilt, Petitionen in Gang gebracht haben?

Private Haushalte ganz schnell wieder ans Stromnetz angeschlossen? Von wegen

Und vielleicht grämen sie sich, weil ihre im Schreiben geäußerte Hoffnung, dass die privat vom Stromausfall Betroffenen ganz schnell wieder ans Stromnetz angeschlossen würden, sich als technologischer Trugschluss herausgestellt hat. Hätten sie das Unternehmen durchgezogen, wenn sie gewusst hätten, dass Berlin in solcher Lage so wenig resilient ist? Ich kann mir die Debatten in der Gruppe lebhaft vorstellen.

Was ein Licht wirft auf eine angeblich smarte Hauptstadt, die beim ersten Brand an einer Kabelbrücke sofort einbricht. Und da gibt es keine „klammheimliche Freude“, denn die Prominenten, die nun öffentlich jammern, wie die Gattin des Ex-FDP-Vorsitzenden Christian Lindner, Franca Lehfeldt, werden ganz schnell Ausweichmöglichkeiten finden.

Die Ärmeren, Kranken und Alten erleben gerade viel Solidarität im Kiez. Aber ob sie verstehen, was die Vulkangruppe ihnen sagen wollte?

für die Betroffenen. Manch einer mag sich an die Menschen in der Ukraine erinnert haben, die nun bereits zum vierten Mal zu einem Jahreswechsel frieren. Mitten in Europa. Was sind wir froh, dass wir nicht frieren müssen!Nun wurden sie doch völlig unvorbereitet und aus dem Nichts getroffen. Von einer Gruppe namens Vulkan, der schon die Anschläge auf die Tesla-Fabrik in Grünheide, auf das Technologiezentrum Adlershof und andere zugeschrieben werden. Deren Ziel ist die fossile Stromindustrie, im speziellen Fall die Berliner Stromnetz GmbH, die unter der Ägide des Regierenden Bürgermeisters und seiner Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) bestrebt sei, Berlin zu einer „Smartcity“ auszubauen, was einen gigantischen Energieausbau voraussetze.So liest es sich im Bekennerschreiben der Vulkangruppe, der man unterstellen darf, dass sie keine Alten und Kranken frieren lassen wollte, die das im Sinne höherer Ziele aber billigend in Kauf nahm. Weil es sich um Bezirke handelt, in denen vornehmlich auch die Reichen und Einflussreichen residieren. „Die können wir uns nicht mehr leisten.“Vorgeschichte Volksentscheid 2013: Berliner Stromnetz GmbH von Vattenfall zurückgekauftZur Ironie dieses Anschlags gehört, dass das ursprünglich zum schwedischen Energiekonzern Vattenfall gehörige Unternehmen nach einem Volksentscheid 2013 nach acht langen Verhandlungsjahren 2021 von der Stadt zurückgekauft, aber nicht, wie es das Votum verlangte, als Stadtwerk zurückgebaut wurde.Und wenn man sich das längliche Bekennerschreiben aufmerksam durchliest, scheinen die unendlichen gescheiterten links-alternativen Versuche und die Frustrationen der vergangenen Bewegungs-Jahrzehnte auf.Begonnen von der Vorstellung, man müsse nur bei sich selbst beginnen, um die Welt zu verändern, über das Projekt, den ökologischen Umbau global vernetzt zu stemmen, bis hin zum Unternehmen, die Verhältnisse lokal und regional auf eine umwelt- und menschenverträgliche Schiene zu bringen.Unterschiede zu Bekennerschreiben der 1970er JahreEs ist gesättigt vom alltagserfahrenen Frust, als Teil der digitalen Community nicht „aussteigen“ zu können, aber die demokratischen Möglichkeiten der Technologie an der Macht der Digitalkonzerne zerschellen zu sehen. Das große kollektive „Wir“ geht in ein hilflos-schwangeres „Du“ über: „Was hast du eigentlich getan, um das, was auf uns zukommt, zu verhindern?“ Wer sich an die Bekennerschreiben der 1970er Jahre erinnert, der RAF und anderer Gruppen, erkennt diesen Unterschied sofort. „Wir sagen nicht, wir wüssten den Ausweg“, schreibt die Vulkangruppe. Undenkbar damals. Kein ostentativer Avantgarde-Gestus, sondern: „Dieser Ruf der Verzweiflung ist auch ein Weckruf.“ Und immer noch die positivistisch gestimmten aufklärerischen Daten und Fakten, wie wir sie von Fridays for Future kennen. Wie viele der Bekennenden mögen auf den vielen Demos mitmarschiert sein, Flugblätter verteilt, Petitionen in Gang gebracht haben? Private Haushalte ganz schnell wieder ans Stromnetz angeschlossen? Von wegenUnd vielleicht grämen sie sich, weil ihre im Schreiben geäußerte Hoffnung, dass die privat vom Stromausfall Betroffenen ganz schnell wieder ans Stromnetz angeschlossen würden, sich als technologischer Trugschluss herausgestellt hat. Hätten sie das Unternehmen durchgezogen, wenn sie gewusst hätten, dass Berlin in solcher Lage so wenig resilient ist? Ich kann mir die Debatten in der Gruppe lebhaft vorstellen. Was ein Licht wirft auf eine angeblich smarte Hauptstadt, die beim ersten Brand an einer Kabelbrücke sofort einbricht. Und da gibt es keine „klammheimliche Freude“, denn die Prominenten, die nun öffentlich jammern, wie die Gattin des Ex-FDP-Vorsitzenden Christian Lindner, Franca Lehfeldt, werden ganz schnell Ausweichmöglichkeiten finden.Die Ärmeren, Kranken und Alten erleben gerade viel Solidarität im Kiez. Aber ob sie verstehen, was die Vulkangruppe ihnen sagen wollte?



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