Ein verirrter Wolf in Altona sorgt für Panik und Beißvorfälle. Doch war es ein Angriff oder purer Stress? Warum das Ereignis in der Hamburger City kein Beleg für eine neue Gefahr ist, sondern eine Lehre über Panikreaktionen von Wildtieren
Der Hamburger Wolf wich Menschen offenbar aus und sah sie nicht als Beute
Collage: der Freitag, Material: Getty, Istock
Mitten in Hamburg hat ein Wolf eine Frau gebissen. Danach tobte eine gewaltige Debatte in den Medien. Besorgt fragten viele: „Was macht ein Wolf mitten in Hamburg? “ Oder: „Sind Wölfe also doch gefährlich für Menschen? “
Zunächst ein Blick auf den Hergang des Geschehens: Nach Angaben der Hamburger Umweltbehörde sichteten mehrere Menschen am vergangenen Samstag einen Wolf in den Elbvororten. Zunächst tauchte er nahe des Stadtrands auf, später lief er Richtung Innenstadt bis nach Altona. Schließlich gelangte er in eine Einkaufspassage in der Großen Bergstraße.
Dort saß das Tier hinter gläsernen Automatiktüren fest. Beim Versuch, es zu befreien, biss der Wolf eine Frau. Ein Augenzeuge berichtete dem NDR: „Wie sie mir sagte, hielt sie ihn für einen Hund und wollte ihn nach draußen führen. Doch er war so verängstigt, dass er zuschnappte. Er wollte nur raus und rannte mit voller Wucht gegen die Glasscheibe, bis sie sich öffnete. “ Der Wolf entkam und verschwand in die umliegenden Straßen und wurde erst später von Polizisten aus der vier Kilometer entfernten Binnenalster gerettet.
„Was macht ein Wolf mitten in Hamburg?“
Junge Wölfe verlassen ihr Geburtsrudel, um ein eigenes Revier zu finden. Auf der Suche nach einem eigenen Territorium legen sie oft weite Strecken zurück. Diese sogenannten „Floater“ bewegen sich ständig in unbekanntem Terrain und stoßen dabei auch auf Ortschaften.
Meist drehen sie dann um. Doch wenn sie die falsche Richtung wählen, geraten sie in Siedlungsgebiete, die für sie völlig ungeeignet sind. Dabei durchqueren sie kleinere Ortschaften und Dörfer meist zügig und unbemerkt, oft nachts. Der Hamburger Wolf jedoch lief vom Stadtrand immer tiefer in die Stadt.
Die vielen Menschen, der Lärm und die fehlende Deckung dürften ihm zugesetzt und stark gestresst haben. Spätestens im Einkaufszentrum war er wohl völlig verängstigt. Die Frau, die ihm helfen wollte, nahm er als Bedrohung wahr und schnappte zu. Sein Verhalten entsprach dem Angstbeißen, wie es auch ein Hund in einer solchen Situation zeigen würde.
Sind Wölfe also doch für Menschen gefährlich?
Ob man diese Abwehrreaktion als Wolfsangriff bezeichnen will, bleibt Ansichtssache. Entscheidend ist: Der Hamburger Wolf wich Menschen offenbar aus und sah sie nicht als Beute. Aggressives Verhalten zeigte er dabei nicht. Und tatsächlich gab es trotz wachsender Wolfsbestände in Europa seit Jahrzehnten keinen vergleichbaren Fall. Wölfe können jedoch gefährlich werden, wenn sie gefüttert werden und dadurch ihre Scheu vor Menschen verlieren. Die wenigen dokumentierten Angriffe der letzten Jahrzehnte belegen das. Wölfe zu füttern, ist falsch verstandene Tierliebe und muss tabu bleiben.
Was können wir aus Hamburg lernen?
Der Vorfall in Hamburg ändert nichts an der Tatsache, dass Wölfe für Menschen in Deutschland ein extrem geringes Risiko darstellen. Im Alltag setzen wir uns weitaus größeren Gefahren aus, man denke nur an den Straßenverkehr. Haushunde beißen jedes Jahr unzählige Menschen, doch niemand fordert deshalb ein Verbot der Hundehaltung. Ebenso wenig rechtfertigt der Hamburger Vorfall den Abschuss von Wölfen.
Die Ereignisse zeigen vielmehr, was längst auf den Webseiten der Umweltministerien steht: Wölfe in der Nähe von Ortschaften sind nicht automatisch gefährlich und greifen Menschen nicht gezielt an. Sie sind vielmehr auf Wanderschaft und wollen so schnell wie möglich zurück in die freie Natur. Wer einen Wolf sieht, sollte Abstand halten und die Behörden oder die Polizei informieren. Ein großes, wehrhaftes Tier gehört in einer Stadt unter Beobachtung. Wird die Situation brenzlig, hat der Schutz des Menschen immer Vorrang. Wo es keine andere Lösung gibt, muss der Wolf notfalls erschossen werden. Daran darf es keinen Zweifel geben.
, biss der Wolf eine Frau. Ein Augenzeuge berichtete dem NDR: „Wie sie mir sagte, hielt sie ihn für einen Hund und wollte ihn nach draußen führen. Doch er war so verängstigt, dass er zuschnappte. Er wollte nur raus und rannte mit voller Wucht gegen die Glasscheibe, bis sie sich öffnete. “ Der Wolf entkam und verschwand in die umliegenden Straßen und wurde erst später von Polizisten aus der vier Kilometer entfernten Binnenalster gerettet.„Was macht ein Wolf mitten in Hamburg?“Junge Wölfe verlassen ihr Geburtsrudel, um ein eigenes Revier zu finden. Auf der Suche nach einem eigenen Territorium legen sie oft weite Strecken zurück. Diese sogenannten „Floater“ bewegen sich ständig in unbekanntem Terrain und stoßen dabei auch auf Ortschaften.Meist drehen sie dann um. Doch wenn sie die falsche Richtung wählen, geraten sie in Siedlungsgebiete, die für sie völlig ungeeignet sind. Dabei durchqueren sie kleinere Ortschaften und Dörfer meist zügig und unbemerkt, oft nachts. Der Hamburger Wolf jedoch lief vom Stadtrand immer tiefer in die Stadt.Die vielen Menschen, der Lärm und die fehlende Deckung dürften ihm zugesetzt und stark gestresst haben. Spätestens im Einkaufszentrum war er wohl völlig verängstigt. Die Frau, die ihm helfen wollte, nahm er als Bedrohung wahr und schnappte zu. Sein Verhalten entsprach dem Angstbeißen, wie es auch ein Hund in einer solchen Situation zeigen würde.Sind Wölfe also doch für Menschen gefährlich?Ob man diese Abwehrreaktion als Wolfsangriff bezeichnen will, bleibt Ansichtssache. Entscheidend ist: Der Hamburger Wolf wich Menschen offenbar aus und sah sie nicht als Beute. Aggressives Verhalten zeigte er dabei nicht. Und tatsächlich gab es trotz wachsender Wolfsbestände in Europa seit Jahrzehnten keinen vergleichbaren Fall. Wölfe können jedoch gefährlich werden, wenn sie gefüttert werden und dadurch ihre Scheu vor Menschen verlieren. Die wenigen dokumentierten Angriffe der letzten Jahrzehnte belegen das. Wölfe zu füttern, ist falsch verstandene Tierliebe und muss tabu bleiben.Was können wir aus Hamburg lernen?Der Vorfall in Hamburg ändert nichts an der Tatsache, dass Wölfe für Menschen in Deutschland ein extrem geringes Risiko darstellen. Im Alltag setzen wir uns weitaus größeren Gefahren aus, man denke nur an den Straßenverkehr. Haushunde beißen jedes Jahr unzählige Menschen, doch niemand fordert deshalb ein Verbot der Hundehaltung. Ebenso wenig rechtfertigt der Hamburger Vorfall den Abschuss von Wölfen.Die Ereignisse zeigen vielmehr, was längst auf den Webseiten der Umweltministerien steht: Wölfe in der Nähe von Ortschaften sind nicht automatisch gefährlich und greifen Menschen nicht gezielt an. Sie sind vielmehr auf Wanderschaft und wollen so schnell wie möglich zurück in die freie Natur. Wer einen Wolf sieht, sollte Abstand halten und die Behörden oder die Polizei informieren. Ein großes, wehrhaftes Tier gehört in einer Stadt unter Beobachtung. Wird die Situation brenzlig, hat der Schutz des Menschen immer Vorrang. Wo es keine andere Lösung gibt, muss der Wolf notfalls erschossen werden. Daran darf es keinen Zweifel geben.