Die Netflix-Doku „Barbara – Becoming Shirin David“ erzählt viel über patriarchalen Schönheitsdruck und wenig über ihre Person. Genau das ist das Problem


Shirin David nimmt kein Ozempic – sie isst einfach nicht, sagt sie

Foto: Lyvans Boolaky/Getty Images


Wenn man „Shirin David“ googelt, ist der erste Suchvorschlag „Shirin David ungeschminkt“. Dass sich Menschen nur für ihr Äußeres interessieren, fasst die Netflix-Doku Barbara – Becoming Shirin David auf traurige Weise zusammen. Die Doku zeigt Shirin David nicht nur als Musikerin und bei ihren Vorbereitungen auf die Deutschlandtour 2025, sondern vor allem als Frau, die unter dem enormen Schönheitsdruck, den patriarchalen Strukturen der Musikindustrie, Perfektionismus und dem öffentlichen Hass zunehmend leidet.

Durch Youtube-Videos wurde Barbara Schirin Davidavicius als Shirin David bekannt. Sie wollte jedoch Rapperin werden und veröffentlichte 2021 ihr Album Bitches brauchen Rap. Es war der Beginn einer Musikkarriere, mit dem sich auch die Hasskommentare vervielfältigten, wie es die Doku erzählt. Denn die männerdominierte Hip-Hop-Branche erschwert Frauen strukturell den Zugang. Immer wieder wird die Leistung von Rapperinnen entwertet, indem sie auf ihre Körper reduziert werden. Auch Shirin David äußert sich so: „Es gibt keine Berichterstattung über mich als Person, ohne die Optik zu erwähnen.“

Aus diesem Druck heraus entsteht bei ihr ein Wahn, makellos aussehen zu müssen – mit Hilfe von Make-up, Schönheitsoperationen und Hungern. In einer Szene wird Shirin David bei einem Shooting auf ihren schlanken Körper angesprochen mit der Frage, ob sie Ozempic nehmen würde. Sie antwortet: Nein, ich esse nicht. Auch wenn durchscheint, dass David unter dem Schönheitsdruck zunehmend leidet, verharrt die Doku bei dem Eindruck, Makellosigkeit allein bringe Anerkennung und biete keine Angriffsfläche.

Doch dieser Gedanke ist eine Illusion. Der weibliche Körper wird im Patriarchat in jeder Hinsicht kommentiert, egal ob er durch OPs einem Ideal angeglichen wurde oder nicht. Frauen wie Shirin David arbeiten sich daran ab, einem Ideal zu entsprechen, das nie erreicht werden kann, weil es als unerreichbar konzipiert wurde.

Die Doku reduziert Shirin David auf ihren Schönheitsdruck

Im Diskurs um Shirin Davids Rolle bei diesem Schönheitsdruck gibt es zwei eng verwobene Ebenen. Das Problem: Shirin David ist Teil dieser patriarchalen Selbstinszenierung, die Schönheitsoptimierung als eine inhärent weibliche Aufgabe wertet. Dafür inszeniert die Doku sie immer wieder als zwei getrennte Personen: die perfekte Kunstfigur Shirin David, unter der die Privatperson Barbara keinen Platz zum Atmen hat. Denn jegliche Zeit wird in Shirin David investiert.

Doch die vermeintliche Authentizität trügt, denn auch in den Barbara-Szenen ist sie perfekt gestylt und geschminkt. Optisch immer makellos. Die „wirkliche“ Barbara wird nie gezeigt, sodass sich die Zuschauerin fragen muss, ob man die beiden Personen nicht doch als eine einzige begreifen muss. Der Körper ist in jedem Fall Teil des Geschäfts, auch die kontrastierte Barbara-Version. Die Message bleibt, dass Schönheitsarbeit für soziale Anerkennung geleistet werden muss.

Gleichzeitig sollte differenziert werden: Denn Shirin David ist ebenso Opfer eines Systems, das Frauen vorgibt, ein optimierter Körper sei Voraussetzung für gesellschaftliche Akzeptanz. Sie sollte als Spiegelbild einer Industrie verstanden werden, die Frauen seit jeher kleinhält und auf ihren Körper reduziert. Und dieses System reproduziert auch diese Doku, indem sie die Künstlerin Shirin David hauptsächlich auf ihren Schönheitsdruck reduziert und keinen Platz für die Vielfältigkeit ihrer Person lässt.

usikkarriere, mit dem sich auch die Hasskommentare vervielfältigten, wie es die Doku erzählt. Denn die männerdominierte Hip-Hop-Branche erschwert Frauen strukturell den Zugang. Immer wieder wird die Leistung von Rapperinnen entwertet, indem sie auf ihre Körper reduziert werden. Auch Shirin David äußert sich so: „Es gibt keine Berichterstattung über mich als Person, ohne die Optik zu erwähnen.“Aus diesem Druck heraus entsteht bei ihr ein Wahn, makellos aussehen zu müssen – mit Hilfe von Make-up, Schönheitsoperationen und Hungern. In einer Szene wird Shirin David bei einem Shooting auf ihren schlanken Körper angesprochen mit der Frage, ob sie Ozempic nehmen würde. Sie antwortet: Nein, ich esse nicht. Auch wenn durchscheint, dass David unter dem Schönheitsdruck zunehmend leidet, verharrt die Doku bei dem Eindruck, Makellosigkeit allein bringe Anerkennung und biete keine Angriffsfläche.Doch dieser Gedanke ist eine Illusion. Der weibliche Körper wird im Patriarchat in jeder Hinsicht kommentiert, egal ob er durch OPs einem Ideal angeglichen wurde oder nicht. Frauen wie Shirin David arbeiten sich daran ab, einem Ideal zu entsprechen, das nie erreicht werden kann, weil es als unerreichbar konzipiert wurde.Die Doku reduziert Shirin David auf ihren Schönheitsdruck Im Diskurs um Shirin Davids Rolle bei diesem Schönheitsdruck gibt es zwei eng verwobene Ebenen. Das Problem: Shirin David ist Teil dieser patriarchalen Selbstinszenierung, die Schönheitsoptimierung als eine inhärent weibliche Aufgabe wertet. Dafür inszeniert die Doku sie immer wieder als zwei getrennte Personen: die perfekte Kunstfigur Shirin David, unter der die Privatperson Barbara keinen Platz zum Atmen hat. Denn jegliche Zeit wird in Shirin David investiert.Doch die vermeintliche Authentizität trügt, denn auch in den Barbara-Szenen ist sie perfekt gestylt und geschminkt. Optisch immer makellos. Die „wirkliche“ Barbara wird nie gezeigt, sodass sich die Zuschauerin fragen muss, ob man die beiden Personen nicht doch als eine einzige begreifen muss. Der Körper ist in jedem Fall Teil des Geschäfts, auch die kontrastierte Barbara-Version. Die Message bleibt, dass Schönheitsarbeit für soziale Anerkennung geleistet werden muss.Gleichzeitig sollte differenziert werden: Denn Shirin David ist ebenso Opfer eines Systems, das Frauen vorgibt, ein optimierter Körper sei Voraussetzung für gesellschaftliche Akzeptanz. Sie sollte als Spiegelbild einer Industrie verstanden werden, die Frauen seit jeher kleinhält und auf ihren Körper reduziert. Und dieses System reproduziert auch diese Doku, indem sie die Künstlerin Shirin David hauptsächlich auf ihren Schönheitsdruck reduziert und keinen Platz für die Vielfältigkeit ihrer Person lässt.



Source link