Ein Gastbeitrag von Klaus Kelle

Als Anfang des Jahres ehrenamtliche Helfer des Cafés „Stay“ im Leipziger Stadtteil Reudnitz morgens die Tür aufschlossen, schlug ihnen beißender Gestank entgegen. Unbekannte hatten in der Nacht Buttersäure durch das Schlüsselloch in die Räume gespritzt. Das war bereits der 24. Anschlag auf das kleine, christlich motivierte Café innerhalb von zweieinhalb Jahren. Die Täter: Linksextremisten, denen so viel Gott in Leipzig ein Dorn im Auge ist. Der Vorfall ist trauriger Höhepunkt einer Anschlagsserie, die aber gleichzeitig nur ein kleiner Teil kirchen- und glaubensfeindlicher Aktionen ist.

In Leipzig blieb es nicht beim aktuellen Buttersäure-Attentat; nur wenige Tage später wurden die frisch eingesetzten Sicherheitsglasscheiben des Cafés mit Vorschlaghämmern attackiert. Der Sachschaden allein für dieses eine Objekt beläuft sich mittlerweile auf eine sechsstellige Summe. Und Reudnitz ist kein Einzelfall.

In Nordrhein-Westfalen wurden in der zweiten Januarwoche drei katholische Kirchen im Raum Köln/Bonn zum Ziel von Vandalismus. In einer der Kirchen wurden Heiligenfiguren geköpft und der Altar mit beleidigenden Parolen beschmiert. In Berlin-Neukölln wurde ein evangelisches Gemeindezentrum durch einen Brandanschlag schwer beschädigt. Der materielle Schaden bundesweit allein im Januar wird von den Versicherungen auf mehr als zwei Millionen Euro geschätzt. Es ist ein Terror der kleinen Nadelstiche, der die Gemeinden finanziell schädigt und die Gläubigen verunsichert und verängstigt.

Angriffe auf Kirchen waren einst selten, die Täter psychisch verstrahlte Einzelpersonen.

Die Kriminalstatistik belegt, dass sich das deutlich verändert hat. Die Angriffe auf katholische und evangelische Gotteshäuser haben sich im Vergleich zu den frühen 2020er Jahren nahezu verdoppelt. Die Kriminellen gehen heute geplant, fast professionell vor. Dabei geht es nicht nur um zerbrochene Fensterscheiben oder Graffiti. Täter dringen in sakrale Räume ein, schänden das Allerheiligste und zerstören Kulturgüter von oft unschätzbarem Wert. In München wurde Ende 2025 eine historische Kanzel aus dem 17. Jahrhundert so schwer beschädigt, dass eine Restaurierung unmöglich ist.

Die Folge: Immer mehr Gotteshäuser sind – anders als früher – nun tagsüber verschlossen oder werden mit Videokameras überwacht. Beides widerspricht der Idee von Kirche und Gotteshäusern, die jeden willkommen heißen, fundamental.