Für den Olymp der Berichterstattung, der nur durch Zwangsbeiträge erreicht werden kann, ist das, was man gerade auf Space News lesen kann, keine Meldung: China hat bei der ITU, der International Telecommunications Union gerade Anträge für zwei Satelliten-Netzwerke, jedes davon soll 96.174 Satelliten umfassen, eingereicht. Die rund 190.000 Satelliten kommen zu bereits vorhandenen 14.300 Satelliten, die Space X in den nächsten Jahren um weitere 7.500 Satelliten ergänzen will hinzu. Zu den rund 14.300 aktiven Satelliten, die die Erde umkreisen, kommen weitere rund 3.100 Satelliten, die Space Junk geworden sind, die ohne jede Funktion im Orbit driften.

„The filings, submitted to the ITU in late December 2025, are designated CTC-1 (CHN2025-79441) and CTC-2 (CHN2025-79398), each covering 96,714 satellites in 3,660 orbital planes, according to documents posted in the Union’s “as-received” database.

CTC-1 includes both advance publication information (API) and a more detailed coordination request, reflecting progression through different stages of the ITU regulatory process for a single notional Non-Geostationary Orbit (NGSO) system, while CTC-2 currently remains at the API-only stage. Both reference a “new operating agency” as a placeholder for their operating agencies.

Together, the pair represent one of the largest constellation filings ever made, highlighting the growing competition over orbital and spectrum resources.

Quelle: Space News

ESA

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Aktuelle Verteilung von Space-Junk auf Umlaufbahnen um die Erde Quelle: ESA

Mit jedem neuen Satelliten verbindet sich ein altes Problem, das von Donald J. Kessler und Burton G. Cour-Palais bereits 1978 formuliert wurde und unter Auslassung von Cour-Palais als Kessler Syndrom bekannt ist.

Ab einer bestimmten Dichte von Satelliten in einem Orbit um die Erde, wird die Gefahr einer Kollision zwischen Satelliten oder zwischen Satelliten und bereits vorhandenem Space-Junk so hoch, dass das Auslösen einer Kettenreaktion durch einen Zusammenstoß sehr wahrscheinlich ist. Unabhängig von der Größe des Space Junks, der nach einer Kollision entsteht, hat die Menge der durch die Kollision freigesetzten Trümmerteile das Potential eine Kettenreaktion auszulösen, weitere Kollisionen zu initiieren, die in weitere Kollisionen münden, die abermals Trümmerteile produzieren bis bestimmte Umlaufbahnen durch Weltraumschrott so dicht sind, dass sie als Umlaufbahn für weitere Satelliten ausfallen und im schlimmsten Fall undurchdringbar werden, was Raumfahrt von der Erde aus beenden würde.

Das zentrale Maß, das Kessler und Cour-Palais in ihrem 1978 veröffentlichten Paper zur Berechnung herangezogen haben, ist die Dichte der Satelliten auf einer Umlaufbahn. Die Dichte hat sich seither erhöht, das Kessler Syndrom ist wahrscheinlicher geworden, ein Faktum, das unter Wissenschaftlern schon seit Jahren für rege Publikationstätigkeit sorgt, Publikationen, die die Weltraum-Kessler-Uhr auf 5 vor 12 setzen und Vorschläge unterbreiten, mit denen es möglich ist, das Kessler Syndrom zu vermeiden:

Die Gefahr sich inmitten des Prozesses wiederzufinden, der als Kessler-Syndrom beschrieben wird, ist bereits hoch, und sie wächst stetig, auch ohne weitere Satelliten, wie die ESA im ESA Space Environment Report 2025 feststellt. Demnach besteht die Gefahr, ein Kessler Syndrom auszulösen, bereits heute und auf Grundlage des vielen Schrotts, der sich bereits als Fragment in einer Umlaufbahn um die Erde befindet. Eine Feststellung, die vor allem für LEO, den Low Earth Orbit gilt, also alles, was in einer Höhe von 500 bis 800 Kilometern die Erde umschwirrt.

Schon heute sind aufwendige Sicherungsmethoden notwendig, um Kollisionen zwischen Satelliten und Space-Junk zu vermeiden, ein Unterfangen, das mit einem einzigen Sonnensturm nutzlos gestellt werden kann. Ein einziger Sonnensturm, der stark genug ist, um die Kommunikation mit Satelliten zu unterbinden, reicht aus, um zu Kollisionen zwischen Satelliten zu führen und das Kessler Syndrom auszulösen, wie neuere Studien  zeigen, etwa die druckfrische Studie von Thiele, Heiland, Boley und Lawler:

Die Autoren berechnen eine „CRASH Clock“, die von den Verhältnissen, wie sie sich im Juni 2025 im Orbit dargestellt haben, ausgeht. Schon jetzt steht die CRASH Clock im Falle eines Sonnensturms und nachfolgendem Kommunikationsausfall auf 2.8 Tagen, d.h. es gibt schon heute eine Wahrscheinlichkeit von 30%, dass ein Sonnensturm ein Kessler-Syndrom auslösen kann bzw. wird. Das ist erheblich kürzer als die 121 Tage, die noch 2018 als Pufferzone im Orbit vorhanden waren. Dass dieser Zeitpuffer nicht mehr vorhanden ist, liegt vor allem an Megakonstellationen, an Netzwerken aus Satelliten, die in hoher Dichte auf derselben Umlaufbahn unterwegs sind, wie z.B. Starlink.

Der Antrag aus China hebt das bereits vorhandene Risiko auf eine ganz neue Ebene, eine, auf der die Wahrscheinlichkeit langsam zur Gewissheit wird, so dass man sich einmal mehr fragen muss, ob die Menschheit aus den umfassenden Problemen, die Garreth Hardin schon 1968 als Tragedy of the Commons“ beschrieben hat, nichts gelernt hat. Hardin hat seinem Beitrag den Untertitel: „The population problem has no technical solution; it requires a fundamental extension in morality“, gegeben und genau an diese Extension in Morality scheint es in all den Jahren nicht gegeben zu haben.

Anton Petrov hat einen sehr guten und unterhaltsamen Beitrag zum Kessler Syndrom auf seinem YouTube Channel veröffentlicht:

 

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