In Kürze:

  • SPD und CDU stimmen Koalitionsvertrag „Verantwortung für Brandenburg“ zu
  • Die SPD gibt Innen-, Wirtschafts- und Bildungsressort an die CDU ab
  • Die neue Regierung hat im Landtag eine Mehrheit von 46 der 88 Abgeordneten
  • Die Vereidigung des neuen Ministers ist für Mittwoch geplant

 

Wie im Vorfeld erwartet, haben die zuständigen Gremien in SPD und CDU am Samstag, 14. März, grünes Licht für den gemeinsamen Koalitionsvertrag in Brandenburg gegeben. Anfang März haben sich beide Parteien auf ein 37-seitiges Papier mit dem Titel „Verantwortung für Brandenburg“ geeinigt. Offen war bis zuletzt noch die Neuverteilung der Ministerien. Ministerpräsident Dietmar Woidke und CDU-Landeschef Jan Redmann haben den Vertrag am 2. und 3. März vorgestellt.

Vonseiten der SPD hat eine deutliche Mehrheit von 96 Prozent der 130 Delegierten aus 18 SPD-Unterbezirken auf einem Landesparteitag dem Koalitionsvertrag zugestimmt. In der CDU war ein Vorstandsbeschluss erforderlich. Dieser war zwar nicht an das Onlinevotum der Parteimitglieder im Vorfeld der Sitzung gebunden. Dennoch stimmte, wie der Vorstand bekannt gab, auch hier eine große Mehrheit von 83 Prozent der mehr als 5.000 stimmberechtigten Mitglieder für die Vereinbarung. Das Entscheidungsgremium folgte diesem Votum.

Die SPD stimmt der Abgabe prestigeträchtiger Ressorts an die CDU zu

Als letzter Unsicherheitsfaktor galt der Umstand, dass die SPD bei der Verteilung der Ministerien bereit war, gleich drei wichtige Ressorts an die CDU abzugeben. Dadurch verlieren die SPD-Minister René Wilke (Inneres), Daniel Keller (Wirtschaft und Energie) und Steffen Freiberg (Bildung) ihre Posten. Die SPD führt damit auch erstmals seit 1994 in Brandenburg nicht das Bildungsministerium.

Insgesamt behielten die Sozialdemokraten jedoch die gleiche Zahl an Ministerien wie in der zu Beginn des Jahres zerbrochenen Koalition mit dem BSW. Dieses hatte die Ressorts Finanzen, Infrastruktur sowie Gesundheit und Soziales inne. Keller soll künftig für Finanzen zuständig sein. Für Wilke wird ein neues Superministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, gesellschaftlichen Zusammenhalt und Integration eingerichtet.

Der für das BSW gewählte Robert Crumbach, der das Finanzministerium geleitet hatte, wird künftig für die Infrastruktur zuständig sein. Er hatte im Januar die Wagenknecht-Partei verlassen und sich – gemeinsam mit der Abgeordneten Jouleen Gruhn – der SPD-Fraktion angeschlossen. Aufgrund der Übertritte von der BSW- zur SPD-Fraktion hat das nunmehrige rot-schwarze Bündnis eine Mehrheit von 46 der 88 Abgeordneten.

Die Parteibasis hatte in beiden Fällen kein Interesse an Neuwahlen in Brandenburg

Mittlerweile hat auch die CDU bekannt gegeben, wer ihre Ministerien führen soll. Generalsekretär Gordon Hoffmann soll Bildungsminister werden, er ist seit 2009 im Landtag. Die in Bayern geborene derzeitige Berliner Digitalisierungsstaatssekretärin Martina Klement ist in Brandenburg künftig für Wirtschaft und Energie zuständig. Landeschef Jan Redmann soll Innenminister werden.

Unverändert bleiben die Spitzen des Kulturministeriums (Manja Schüle), des Landwirtschaftsministeriums (Hanka Mittelstädt) und des Justizministeriums (Benjamin Grimm). Ebenso behält die Ministerin in der Staatskanzlei, Kathrin Schneider, ihren Posten. SPD-Generalsekretär Kurt Fischer verteidigte die Entscheidung, der CDU drei Ministerien zu überlassen, die „zu ihren Themen passen“. Der Sender n-tv zitiert ihn mit den Worten:

„Wir haben gesagt, dass es entscheidend ist, dass diese Koalition im Gesamten erfolgreich ist und sich gegenseitig dann auch die Erfolge möglich macht.“

Im Vorfeld der Abstimmung hatten die Spitzenfunktionäre beider Parteien ihren Mitgliedern in Regionalkonferenzen die zentralen Inhalte des Koalitionsvertrags vorgestellt. Für eine deutliche Zustimmung zum fliegenden Koalitionswechsel sprach aber auch die politische Stimmung im Land, die für den Fall von Neuwahlen eine noch schwierigere Regierungsbildung erwarten ließe. Am Montag soll nun der Koalitionsvertrag unterschrieben werden. Am Mittwoch soll die Vereidigung der neuen Ministerinnen und Minister im Landtag anstehen.

SPD und CDU würden auch Investitionen von Rüstungsunternehmen begrüßen

Inhaltlich stehen die Koalitionäre vor der Herausforderung, einer angespannten Haushaltslage gegenzusteuern. Man will bis 2029 5 Prozent der Personalkosten für Landesbedienstete einsparen – und trotzdem mehr Lehrer und Polizisten einstellen. An den Schulen sollen 250 neue Planstellen für Lehrer entstehen und es soll eine Offensive für Lesen, Schreiben und Rechnen geben.

In der Wirtschaft strebt die Koalition eine breite Entbürokratisierung an. Anders als in der Koalition mit BSW-Beteiligung soll auch um Investitionen von Rüstungsunternehmen geworben werden. Das Landesverfassungsschutzgesetz will man überarbeiten, um Befugnisse und Ausstattung des Inlandsgeheimdienstes den veränderten Bedingungen anzupassen. Auch enthält der Vertrag einen Anhang mit etwa 60 Vorhaben, die jährlich überprüft werden sollen.

 



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