Pepe Escobar im Gespräch mit Judge Andrew Napolitano
Am 4. Dezember 2025 sprach der renommierte brasilianische Geopolitik-Analyst Pepe Escobar aus einem kleinen Restaurant in Norditalien via Zoom mit Judge Andrew Napolitano im Programm „Judging Freedom“. Das Gespräch, das eigentlich Venezuela und die NATO zum Thema haben sollte, entwickelte sich schnell zu einer schonungslosen Bestandsaufnahme der europäischen Souveränitätskrise, der Ukraine-Krise, der NATO-Eskalation und überraschenderweise auch zu spekulativen Finanz- und Kapitalflucht-Thesen.
Hier die wichtigsten Punkte in ausführlicher deutscher Zusammenfassung.
1. Italien – ein besetztes NATO-Land
Escobar, der gerade auf Lesereise für sein neues Buch „Das multipolare Jahrhundert“ (Weltpremiere in Italien) unterwegs ist, beschreibt Italien ungeschminkt als „NATO-besetztes Territorium“.
In Norditalien (Friaul) gibt es weiterhin und sogar erweiterte NATO-Stützpunkte – teilweise unterirdisch –, obwohl der Kalte Krieg seit 35 Jahren vorbei ist.
Von Aviano im Norden bis Sigonella auf Sizilien reiht sich eine Kette amerikanischer und NATO-Basen.
US-Militärs bezeichnen Sizilien intern seit Jahrzehnten als „American Government Occupied Territory“ – kein Witz, sondern offizielle Pentagon-Sprache.
Der Vorsitzende des NATO-Militärausschusses, der italienische Admiral Giuseppe Cavo Dragone, erklärte Anfang Dezember 2025 öffentlich, die NATO erwäge einen Präventivschlag gegen Russland.
Escobar: „Es wird nicht verrückter als das.“
2. Europas „Eliten“ schweigen, die Bevölkerung ist entsetzt
Während Brüssel, Rom und die meisten europäischen Regierungen keinerlei Kritik an US-Militäraktionen (z. B. Tötungen venezolanischer Fischer durch US-Speedboats im Karibikraum) äußern und selbst die Legalität nicht hinterfragen, ist die Stimmung in der italienischen Bevölkerung völlig anders.
Escobar berichtet von Gesprächen mit ehemaligen hochrangigen Spezialkräften, Geheimdienstlern und einem Ex-Staatssekretär im Finanzministerium:
Italien habe seine Souveränität seit Jahrzehnten verloren.
Schulbücher der jungen Generation erwähnen die italienische Zivilisation (Römisches Reich, Renaissance etc.) kaum noch – Italien wird nur noch als Teil von EU und NATO dargestellt.
Es werde mindestens ein bis zwei Generationen dauern, bis Italien wieder ein souveräner Nationalstaat sei.
3. Putin, Kushner, Witkoff und das „Kabuki-Theater“ in Moskau
Das fünfstündige Treffen Putins mit Trumps Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner wird von russischer Seite als „Nichts-Burger“ bewertet. Kreml-Sprecher Juri Uschakow betonte: keine Lecks von russischer Seite, keine substantiellen Fortschritte.
Escobar zitiert russische Bedingungen (aus Putins Rede vom Juni 2024), an denen sich nichts geändert hat:
- Keine NATO-Mitgliedschaft für die Ukraine
- Demilitarisierung
- Sofortige Neuwahlen
- Entnazifizierung und ein Ende der Russophobie in Kiew
Eine besonders spannende These aus Escobars italienischen Gesprächen:
Warum war ausgerechnet Jared Kushner dabei?
Möglicherweise, weil Teile des „zionistischen Finanzkapitals“ (Escobars Worte) nach sicheren Anlageplätzen suchen. China ist tabu, Europa gilt als tot – also Russland? Man versuche, Milliarden aus dem kollabierenden US-Schulden- und Imperiumssystem in Russland, im russischen Fernen Osten, in Sibirien und sogar in der Arktis zu „parken“.
Gleichzeitig werde bereits offen über die „nächste Pandemie 2026“ gesprochen (Larry Fink, Bill Gates etc.). Alles hängt zusammen: Kapitalflucht, totale Kontrolle, neue Pandemie-Narrative.
4. Kein Plan B – nur noch Verzweiflung
Die NATO und die EU stehen vor der Erkenntnis ihrer strategischen Niederlage gegen Russland.
Es gab nie einen Plan B.
Jetzt bleiben nur zwei Optionen:
- Die eingefrorenen russischen Vermögen bei Euroclear konfiszieren (Rechtsbruch).
- Die 450 Millionen europäischen Steuerzahler weiter ausplündern, um Kiew zu finanzieren.
Beides wird als politisch kaum durchsetzbar eingeschätzt. Escobar erwartet bei Option 2 „Mini-Revolutionen“ in vielen europäischen Ländern.
5. Und Venezuela?
Das eigentliche Thema des Gesprächs – ob Russland und China Venezuela im Falle einer eskalierten US-Intervention militärisch helfen würden – wurde letztlich kaum behandelt.
Escobar deutete nur an, dass die europäischen Eliten sich dafür nicht interessieren und die öffentliche Meinung in Europa ohnmächtig zuschaut, während Lateinamerika wieder zum Hinterhof Washingtons gemacht werden soll.
Fazit – Grüße aus dem „besetzten Italien“
Escobar verabschiedet sich mit den Worten: „Grüße aus dem besetzten Italien – besetzt vom Westen selbst.“
Das Gespräch endet mit kulinarischen Grüßen aus dem Piemont (Alburesen und Agnolotti del Plin), aber die Botschaft ist bitter:
Europa hat seine Souveränität an NATO und EU verloren, erkennt seine strategische Niederlage nicht an und steuert auf eine gefährliche Eskalationsspirale zu, während globale Finanzkreise bereits die nächste Phase (Kapitalflucht, neue Pandemie) vorbereiten.
Ein Gespräch, das weit über Venezuela hinausgeht und die tiefe Krise des westlichen Modells schonungslos offenlegt.