Die Eberswalder Wurstwerke stehen vor dem Aus. Die Produktion am brandenburgischen Standort Britz soll nach aktueller Planung bis zum 28. Februar 2026 eingestellt werden. Das Netz reagiert mit Wut und Enttäuschung auf die Schließung der Wurstfabrik.

Britz.

Der in den 1970er-Jahren gegründete Eberswalder Standort war zu DDR-Zeiten eines der größten Fleischwerke Europas. Über 3000 Beschäftigte standen dort einmal in Lohn und Brot. Heute ist das Werk vor allem für die Marke „Eberswalder“ bekannt, die in Ostdeutschland seit Jahrzehnten in vielen Supermarktregalen steht.

Etwa 500 Mitarbeiter betroffen

Die Eberswalder Wurstwerke gehören erst seit dem 2023 zur „Mühlen Gruppe“. Das ist eine Tochter des Fleischriesen Tönnies. Nun aber will die Gruppe die traditionsreiche Wurstproduktion an dem Standort im Landkreis Barnim einstellen. Etwa 500 Mitarbeiter sind davon betroffen.

Firmensprecher: Keine Perspektive

„Die Produktion am Standort Britz soll nach aktueller Planung Schritt für Schritt bis zum 28. Februar 2026 eingestellt werden“, bestätigte Markus Eicher, Sprecher der EWN Wurstspezialitäten GmbH & Co. KG, dem rbb. „Leider mussten wir feststellen, dass es unter den gegebenen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen keine realistische Perspektive gibt.“ Als Gründe dafür nannte Eicher dem rbb stagnierende oder zurückgehende Absatzmengen, dauerhaften Preisdruck und immer mehr internationale Anbieter sowie steigende Kosten für Löhne, Energie, Logistik und Betriebsstoffe. Hinzu kämen noch weitere Investitionen in Kälteanlagen und andere Modernisierungen, die jetzt in Britz notwendig gewesen wären, die sich langfristig aber nicht refinanzieren würden.

„Eberswalder“ sollen anderenorts weiter produziert werden

In dem Werk in Britz sind vor allem Würste der Marke „Eberswalder“ produziert worden. Diese Produkte soll es trotz Werksschließung weitergeben. Sie sollen demnach, wie teilweise heute schon, an anderen Standorten, vorrangig in ostdeutschen Betrieben und mit den bewährten Rezepturen und Qualitäten produziert werden, erklärte der Sprecher.

Gewerkschaft spricht von „Marktbereinigung“

Scharfe Kritik kommt von der Gewerkschaft Nahrung/Genuss/Gaststätten. Die Schließung sei Ausdruck einer konsequent auf Rendite und Marktbereinigung ausgerichteten Unternehmensstrategie, sagte NGG-Landeschef Uwe Ledwig dem rbb. Investitionen, die im Zuge der Übernahme angekündigt worden seien, seien ausgeblieben.

„Eine Frechheit an sich“: So schäumt das Netz

Im Netz wird die Schließung des Traditionswerkes meist bitter-böse kommentiert. Ein Nutzer stößt sich vor allem am geplanten Erhalt des Markennamens „Eberswalder“. „Egal ob es einen Betrieb im Osten, im Westen oder sonst wo betrifft: Genau dies sollte unbedingt schnellstmöglich unterbunden werden“, schreibt er. Eine Frechheit an sich – und dann noch mit der Marke werben!“

Ein anderer Nutzer kommentiert: „Die Übergabe an Tönnies war der größte Fehler. Man darf kein gut laufendes Unternehmen an Firmen mit schlechtem Ruf verkaufen.“ Ein Dritter prognostiziert: „Auch wenn man jetzt noch verspricht, dass die alten Rezepturen beibehalten werden, wird das schon bald nicht mehr so sein.“ Und ein weiterer Nutzer kritisiert: „Eberswalder ist viel zu spät auf den Vegetarier-Trend aufgesprungen. Da hat die Geschäftsleitung einfach mal geschlafen.“ (juerg)



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