124 Turbinen, ein Ziel: In Rheinland-Pfalz erzeugen innovative „Energyfishe“ künftig 1,5 Gigawattstunden Ökostrom pro Jahr. Das Schwarmkonzept schützt die Umwelt und macht die Wasserkraft bereit für die Zukunft


Strömungsturbinen sollen im Rhein Strom produzieren

Foto: Energyminer


Im Rhein entsteht ein neuartiges Wasserkraftwerk: Nahe der rheinland-pfälzischen Stadt Sankt Goar werden viele sogenannte „Energyfishe“ am Flussgrund verankert. Dabei handelt es sich um schwimmende Strömungsturbinen, rund 2,8 mal 2,4 Meter groß und 80 Kilogramm schwer. Diese haben eine Leistung von 6 Kilowatt und schwimmen in der Strömung.

Der Rhein weist hier eine Fließgeschwindigkeit von bis zu 2 Metern pro Sekunde auf, im Jahresmittel kann eine solche Strömungsturbine 15 Megawattstunden Strom produzieren. Interessant wird das Konzept, wenn einhundert solcher „Energyfishe“ zusammen installiert werden: Dieses Schwarmkraftwerk produziert jährlich 1,5 Gigawattstunden Strom, ausreichend für 450 deutsche Durchschnittshaushalte.

Neue Chance für die Wasserkraft

Die neue Technologie besitzt einige Vorteile: „Energyfishe“ können ohne schweres Gerät installiert werden und sind im Fluss oder Kanal kaum sichtbar. Außerdem funktionieren sie geräuschlos und im Dauerbetrieb, also auch dann, wenn Sonne und Wind einmal nicht Strom liefern. Führt der Rhein einmal wenig Wasser, sinken sie bis auf den Boden ab, produzieren dort aber weiterhin Strom. Die Strömungsturbinen sind auch für Eisgang und Hochwasser gerüstet.

Im Gegensatz zu bestehenden Wasserkraftwerken verursachen sie keinen Aufstau, der für die Wanderfischarten des Mittelrheins, wie Barbe und Nase, ein unüberwindbares Hindernis darstellt. Die TU München hatte in einer Studie die Fischverträglichkeit untersucht und herausgefunden, dass die Energyfishe die Fische weder verletzen noch ihr Verhalten negativ beeinflussen. Drei Systeme sind bereits in Betrieb, im nächsten Schritt folgen 21 weitere, zum Schluss soll der Schwarm aus 124 „Energyfishen“ bestehen.

Elektrizität aus Wasserkraft steht oft in der Kritik von Umweltschutzorganisationen, etwa weil Staudämme die Lebensräume von Fischen verändern und große Gebiete überfluten. Das Schwarmkonzept der „Energyfishe“ hält solcher Kritik stand. In der Bundesrepublik trug die klimafreundliche Wasserkraft im Jahr 2025 etwa 3 Prozent zur Bruttostromerzeugung bei, was rund 16 bis 17 Terawattstunden entspricht. Aufgrund niedriger Niederschläge sank der Anteil gegenüber 2024, im Vorjahr waren es noch 4 Prozent.

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