Zurück zu Öl und Gas: Die kanadische Regierung will den Klima- und Meeresschutz schleifen. Im Pazifik vor British Columbia reicht ein Schiffsunglück in hundert Jahren, und die Küste wäre nie mehr, was sie war – das weiß, wer dort lebt
Still ruht die See? Der Schein trügt. Die Meerenge vor der Inselgruppe Haida Gwaii gilt als gefährlichstes Gewässer Kanadas
Foto: Martin/Le Figaro Magazine/laif
„Die Natur ist hier so freigiebig, dass sich die Menschen nie viele Sorgen darüber machen mussten, wie sie sich ernähren“, sagt Guujaaw, einer der traditionellen Chiefs der indigenen Haida-Nation. Die von ihnen bewohnte Inselgruppe Haida Gwaii liegt an Kanadas Westküste inmitten eines wilden, oft stürmischen Pazifik. Sie ist für indigene Kunst, den Bau von Kanus und Totempfählen berühmt. Auch wenn Trucks, Motorboote und Gefriertruhen längst zum Leben der Haida gehören, wird von den Indigenen, die 45 Prozent der Bevölkerung von Haida Gwaii ausmachen, über die Hälfte dessen, womit sie sich ernähren, weiterhin durch Fischfang gewonnen oder am Strand bei Ebbe gesammelt.
Der in dieser Gegend immer noch sehr saubere Pazifik ist wesentlich für ihr Überleben. Dabei haben First Nations auf Haida Gwaii und dem Festland bittere Erfahrungen gemacht im jahrzehntelangen Kampf gegen Pipeline-Pläne, die häufig aus der Schublade geholt wurden. Eine solche Trasse würde Rohöl aus dem Landesinneren an die Küste bringen, wo es auf Tankern in die Welt verschifft werden könne, lautete dann stets die Begründung.
Vor British Columbia toben Westwinde und heftige Wellen
Die Hecate Strait zwischen den Inseln und dem Festland gilt als gefährlichstes Gewässer Kanadas. Die Küste der Provinz British Columbia mit Felsen und Fjorden, dauerndem Nebel, brutalen Wellen und Westwinden ist ein Albtraum für die Seefahrt. Deshalb gab es für die Meerenge seit den 1970er Jahren ein Tanker-Moratorium und seit 2019 ein Verbot für Öltanker mit über 12.500 Tonnen Fracht.
Eine kürzlich unterzeichnete Absichtserklärung zwischen der kanadischen Regierung und der westlichen Provinz Alberta kam deshalb wie ein Paukenschlag: Das Projekt Rohölpipeline von Alberta durch British Columbia liegt wieder auf dem Tisch, inklusive einer Aufhebung des Tankerverbots. Es gelte, sich vom US-Markt unabhängiger zu machen, hieß es offiziell. Da Alberta die Ölfördermenge verdoppeln will, braucht man eine solche Trasse auch für zusätzliche Absatzmärkte.
Vorgesehen ist zudem, für Alberta Klimaschutzregeln zu streichen – etwa die Obergrenze für Emissionen der Öl- und Gasproduktion, die Vorgabe, schrittweise aus fossiler Energie auszusteigen und den Ausstoß von Methan spürbar zu senken. Auch ein Anti-Greenwashing-Gesetz wurde zurückgenommen. Im Gegenzug stimmte Alberta zu, dass die Kohlendioxid-Bepreisung gestärkt und ein großes CO₂-Speicherprojekt realisiert werden soll. Es wird erwartet, dass auch andere Provinzen mit der Regierung bilaterale Übereinkünfte treffen, um den Klimaschutz aufzuweichen.
Was hinter dem „Bill C-5“-Gesetz steckt
Was mit Alberta, der Provinz mit der größten Öl- und Gasförderung, vereinbart ist, folgt einem neuen Gesetz – genannt „Bill C-5“, um große Industrie- und Infrastrukturprojekte zu beschleunigen. Durch schnellere Genehmigungen können nun Projekte, die „im nationalen Interesse Kanadas liegen“, ohne gesetzliche Auflagen für Natur- und Arbeitsschutz durchgewinkt werden. Die Provinzen British Columbia und Ontario haben vergleichbare Gesetze erlassen. Das Ziel: wirtschaftlich zu reüssieren und eine Energiesupermacht zu werden. „Premier Mark Carney, der für sein Programm zum Aufbau der Nation und der Wirtschaft gewählt wurde, hat kaum eine Wahl, als sich anders als sein Vorgänger für Alberta und die Öl- wie Gaswirtschaft zu engagieren“, meint dazu der Politikwissenschaftler Roger Epp aus Edmonton.
Noch gibt es keine Firma, die den Pipelinebau übernehmen will, der zwischen 30 und 50 Milliarden Dollar kosten dürfte. „Wir hatten schon Schlimmes erwartet“, meint Keith Stewart von Greenpeace Kanada, „aber jetzt ist es noch viel schlimmer als gedacht. Wir erleben einen absoluten Verrat am Klimaschutz.“ Selbst wenn die neue Pipeline nicht gebaut werden sollte, profitiert die Öl- und Gasindustrie in jedem Fall von den abgeschwächten Maßnahmen gegen den Klimawandel.
Da die Regierung der Provinz British Columbia, die von einer künftigen Trasse durchquert würde, an den jüngsten Sondierungen nicht beteiligt war, reagierte sie entrüstet. Premier David Eby plant selbst große Industrieprojekte, die nur deshalb umgesetzt werden können, weil den betroffenen Communitys als Gegenleistung für ihre Zustimmung das weiter geltende Tankerverbot garantiert wurde. Auch First-Nations-Chiefs wurden von der Zentralregierung nicht informiert, ein Verstoß gegen die UN-Deklaration über die Rechte indigener Völker bei derartigen Projekten.
Falsche Voraussetzungen bei Öl-Nachfrage und erneuerbaren Energien
Professor Tom Gunton – er leitet das Programm für Ressourcen- und Umweltplanung an der Simon Fraser University in Vancouver – nennt die aktuellen Pipeline-Pläne eine Fehlentscheidung, sowohl umweltpolitisch als auch ökonomisch. „Neben dem Fauxpas, die First Nations und die Provinz British Columbia bei den Gesprächen auszuschließen, und den Umweltgefahren, die aus einem Verzicht auf das Tankerverbot resultieren, basiert alles auf der Annahme, dass es wachsenden Bedarf an Öl gäbe. Das jedoch stimmt nicht mit Berechnungen überein, nach denen die Nachfrage in den nächsten Jahrzehnten sinkt.“ Bei einem Abnehmer wie China, das sich rasant den erneuerbaren Energien zuwende, ergäbe eine solche Pipeline für die Ölausfuhr keinen Sinn.
Einer Studie zufolge könnte Kanada bis 2035 dank grün erzeugter Elektrizität klimaneutral sein. Das Stromnetz entsprechend auszubauen, wäre nicht teurer als die geplante Pipeline und würde für alle die Strompreise senken, so Stephen Thomas von der David Suzuki Foundation, die mit der University of Victoria für diese Studie verantwortlich zeichnete.
Auch wenn die Pipeline-Route noch nicht klar ist – fest steht, sie würde durch viele von Indigenen bewohnte Regionen laufen und auf deren Protest stoßen. Die Assembly of First Nations (AFN) mit mehr als 630 Chiefs hat bereits eine Resolution an Premier Carney verfasst und verlangt, er solle seine Absichtserklärung zurückziehen. Man könne so viele Projektbüros und Beratungsgruppen schaffen, wie man wolle – die Chiefs seien sich einig, so Cindy Woodhouse Nepinak für die AFN. „Wenn es um die Genehmigung großer nationaler Projekte auf dem Land der First Nations geht, kommt man an deren Landrechten nicht vorbei.“
Der Anwalt Jack Woodward war Seemann und weiß, welche Folgen ein Schiffsunfall hätte
Freilich stehen die Zeichen für die First Nations in British Columbia nicht gut. „Für einen großen Teil gibt es – anders als in den übrigen Gebieten Kanadas – keine Landverträge“, so der Jurist Jack Woodward, „Diese Landrechte könnten vor Gericht etabliert werden, wie wir es in drei Fällen durch juristische Verfahren schon geschafft haben.“ Hierzu hätten First Nations das Recht auf Konsultation und Kompensation, aber kein Vetorecht. Sie könnten besonders dann vor Gericht verlieren, wenn die kanadische Regierung mit der Bedrohung der staatlichen Souveränität Kanadas durch die US-Regierung argumentiert.
„Es gibt Reservate an strategisch wichtigen Stellen, die im Besitz der First Nations sind – kleine Gebiete, die nicht einmal in Quadratkilometern gemessen werden können. Da gäbe es ein Vetorecht, aber selbst das könnte gesetzlich ausgehebelt werden“, so Jack Woodward, der selbst Seemann war. „Die Politiker sind sich dessen nicht bewusst, welche Risiken von der Pipeline und der Aufhebung des Tankerverbots ausgehen würden. Es gibt Tage, an denen willst du nicht da draußen sein. Aber die Tanker sind für jeden Tag des Jahres geplant. Nur ein Unfall in hundert Jahren würde reichen, dass die Küste nie mehr das ist, was sie einmal war.“
Steven Guilbeault war Justin Trudeaus Umweltminister – aus Mark Carneys Kabinett trat er nach dessen Pipeline-Erklärung aus
„Wir sehen, dass Menschen, die weit vom Meer entfernt leben, bereit wären, die mit dem Verkehr von Supertankern verbundenen Risiken in Kauf zu nehmen“, sagt Guujaaw aus Haida Gwaii. „Doch wir, die wir am Meer leben, und alle, die das Meer schätzen, werden uns gegen die dunklen Mächte stellen, um die Gefahr von Schäden für diese kostbaren Gewässer abzuwenden. Politische Entscheidungen dürfen nicht weiterhin von der Industrie diktiert werden.“
2001 seilten sich zwei Greenpeace-Aktivisten am 553 Meter hohen CN Tower in der Großstadt Toronto ab. Sie entrollten ein riesiges Plakat, darauf stand: „Canada and Bush: Climate Killers“. Der eine war Steven Guilbeault, der später unter Premier Justin Trudeau Umweltminister war und viele Klimarichtlinien auf den Weg brachte. Er engagierte sich für den Great-Bear-Regenwald in British Columbia und die Schaffung eines 100.000 Quadratkilometer großen Meeresschutzgebiets – beide Biotope wären von den Pipeline-Plänen betroffen. Guilbeault wurde nach dem Regierungswechsel im neuen Kabinett Minister für kulturelles Erbe. Einige Stunden nach Mark Carneys Absichtserklärung in Sachen Pipeline trat er zurück.
Petra Krumme arbeitet als freie Lektorin und Autorin in Kanada
28;hren, weiterhin durch Fischfang gewonnen oder am Strand bei Ebbe gesammelt.Der in dieser Gegend immer noch sehr saubere Pazifik ist wesentlich für ihr Überleben. Dabei haben First Nations auf Haida Gwaii und dem Festland bittere Erfahrungen gemacht im jahrzehntelangen Kampf gegen Pipeline-Pläne, die häufig aus der Schublade geholt wurden. Eine solche Trasse würde Rohöl aus dem Landesinneren an die Küste bringen, wo es auf Tankern in die Welt verschifft werden könne, lautete dann stets die Begründung.Vor British Columbia toben Westwinde und heftige WellenDie Hecate Strait zwischen den Inseln und dem Festland gilt als gefährlichstes Gewässer Kanadas. Die Küste der Provinz British Columbia mit Felsen und Fjorden, dauerndem Nebel, brutalen Wellen und Westwinden ist ein Albtraum für die Seefahrt. Deshalb gab es für die Meerenge seit den 1970er Jahren ein Tanker-Moratorium und seit 2019 ein Verbot für Öltanker mit über 12.500 Tonnen Fracht.Eine kürzlich unterzeichnete Absichtserklärung zwischen der kanadischen Regierung und der westlichen Provinz Alberta kam deshalb wie ein Paukenschlag: Das Projekt Rohölpipeline von Alberta durch British Columbia liegt wieder auf dem Tisch, inklusive einer Aufhebung des Tankerverbots. Es gelte, sich vom US-Markt unabhängiger zu machen, hieß es offiziell. Da Alberta die Ölfördermenge verdoppeln will, braucht man eine solche Trasse auch für zusätzliche Absatzmärkte.Vorgesehen ist zudem, für Alberta Klimaschutzregeln zu streichen – etwa die Obergrenze für Emissionen der Öl- und Gasproduktion, die Vorgabe, schrittweise aus fossiler Energie auszusteigen und den Ausstoß von Methan spürbar zu senken. Auch ein Anti-Greenwashing-Gesetz wurde zurückgenommen. Im Gegenzug stimmte Alberta zu, dass die Kohlendioxid-Bepreisung gestärkt und ein großes CO₂-Speicherprojekt realisiert werden soll. Es wird erwartet, dass auch andere Provinzen mit der Regierung bilaterale Übereinkünfte treffen, um den Klimaschutz aufzuweichen.Was hinter dem „Bill C-5“-Gesetz stecktWas mit Alberta, der Provinz mit der größten Öl- und Gasförderung, vereinbart ist, folgt einem neuen Gesetz – genannt „Bill C-5“, um große Industrie- und Infrastrukturprojekte zu beschleunigen. Durch schnellere Genehmigungen können nun Projekte, die „im nationalen Interesse Kanadas liegen“, ohne gesetzliche Auflagen für Natur- und Arbeitsschutz durchgewinkt werden. Die Provinzen British Columbia und Ontario haben vergleichbare Gesetze erlassen. Das Ziel: wirtschaftlich zu reüssieren und eine Energiesupermacht zu werden. „Premier Mark Carney, der für sein Programm zum Aufbau der Nation und der Wirtschaft gewählt wurde, hat kaum eine Wahl, als sich anders als sein Vorgänger für Alberta und die Öl- wie Gaswirtschaft zu engagieren“, meint dazu der Politikwissenschaftler Roger Epp aus Edmonton.Noch gibt es keine Firma, die den Pipelinebau übernehmen will, der zwischen 30 und 50 Milliarden Dollar kosten dürfte. „Wir hatten schon Schlimmes erwartet“, meint Keith Stewart von Greenpeace Kanada, „aber jetzt ist es noch viel schlimmer als gedacht. Wir erleben einen absoluten Verrat am Klimaschutz.“ Selbst wenn die neue Pipeline nicht gebaut werden sollte, profitiert die Öl- und Gasindustrie in jedem Fall von den abgeschwächten Maßnahmen gegen den Klimawandel.Da die Regierung der Provinz British Columbia, die von einer künftigen Trasse durchquert würde, an den jüngsten Sondierungen nicht beteiligt war, reagierte sie entrüstet. Premier David Eby plant selbst große Industrieprojekte, die nur deshalb umgesetzt werden können, weil den betroffenen Communitys als Gegenleistung für ihre Zustimmung das weiter geltende Tankerverbot garantiert wurde. Auch First-Nations-Chiefs wurden von der Zentralregierung nicht informiert, ein Verstoß gegen die UN-Deklaration über die Rechte indigener Völker bei derartigen Projekten.Falsche Voraussetzungen bei Öl-Nachfrage und erneuerbaren EnergienProfessor Tom Gunton – er leitet das Programm für Ressourcen- und Umweltplanung an der Simon Fraser University in Vancouver – nennt die aktuellen Pipeline-Pläne eine Fehlentscheidung, sowohl umweltpolitisch als auch ökonomisch. „Neben dem Fauxpas, die First Nations und die Provinz British Columbia bei den Gesprächen auszuschließen, und den Umweltgefahren, die aus einem Verzicht auf das Tankerverbot resultieren, basiert alles auf der Annahme, dass es wachsenden Bedarf an Öl gäbe. Das jedoch stimmt nicht mit Berechnungen überein, nach denen die Nachfrage in den nächsten Jahrzehnten sinkt.“ Bei einem Abnehmer wie China, das sich rasant den erneuerbaren Energien zuwende, ergäbe eine solche Pipeline für die Ölausfuhr keinen Sinn.Einer Studie zufolge könnte Kanada bis 2035 dank grün erzeugter Elektrizität klimaneutral sein. Das Stromnetz entsprechend auszubauen, wäre nicht teurer als die geplante Pipeline und würde für alle die Strompreise senken, so Stephen Thomas von der David Suzuki Foundation, die mit der University of Victoria für diese Studie verantwortlich zeichnete.Auch wenn die Pipeline-Route noch nicht klar ist – fest steht, sie würde durch viele von Indigenen bewohnte Regionen laufen und auf deren Protest stoßen. Die Assembly of First Nations (AFN) mit mehr als 630 Chiefs hat bereits eine Resolution an Premier Carney verfasst und verlangt, er solle seine Absichtserklärung zurückziehen. Man könne so viele Projektbüros und Beratungsgruppen schaffen, wie man wolle – die Chiefs seien sich einig, so Cindy Woodhouse Nepinak für die AFN. „Wenn es um die Genehmigung großer nationaler Projekte auf dem Land der First Nations geht, kommt man an deren Landrechten nicht vorbei.“Der Anwalt Jack Woodward war Seemann und weiß, welche Folgen ein Schiffsunfall hätteFreilich stehen die Zeichen für die First Nations in British Columbia nicht gut. „Für einen großen Teil gibt es – anders als in den übrigen Gebieten Kanadas – keine Landverträge“, so der Jurist Jack Woodward, „Diese Landrechte könnten vor Gericht etabliert werden, wie wir es in drei Fällen durch juristische Verfahren schon geschafft haben.“ Hierzu hätten First Nations das Recht auf Konsultation und Kompensation, aber kein Vetorecht. Sie könnten besonders dann vor Gericht verlieren, wenn die kanadische Regierung mit der Bedrohung der staatlichen Souveränität Kanadas durch die US-Regierung argumentiert.„Es gibt Reservate an strategisch wichtigen Stellen, die im Besitz der First Nations sind – kleine Gebiete, die nicht einmal in Quadratkilometern gemessen werden können. Da gäbe es ein Vetorecht, aber selbst das könnte gesetzlich ausgehebelt werden“, so Jack Woodward, der selbst Seemann war. „Die Politiker sind sich dessen nicht bewusst, welche Risiken von der Pipeline und der Aufhebung des Tankerverbots ausgehen würden. Es gibt Tage, an denen willst du nicht da draußen sein. Aber die Tanker sind für jeden Tag des Jahres geplant. Nur ein Unfall in hundert Jahren würde reichen, dass die Küste nie mehr das ist, was sie einmal war.“Steven Guilbeault war Justin Trudeaus Umweltminister – aus Mark Carneys Kabinett trat er nach dessen Pipeline-Erklärung aus„Wir sehen, dass Menschen, die weit vom Meer entfernt leben, bereit wären, die mit dem Verkehr von Supertankern verbundenen Risiken in Kauf zu nehmen“, sagt Guujaaw aus Haida Gwaii. „Doch wir, die wir am Meer leben, und alle, die das Meer schätzen, werden uns gegen die dunklen Mächte stellen, um die Gefahr von Schäden für diese kostbaren Gewässer abzuwenden. Politische Entscheidungen dürfen nicht weiterhin von der Industrie diktiert werden.“2001 seilten sich zwei Greenpeace-Aktivisten am 553 Meter hohen CN Tower in der Großstadt Toronto ab. Sie entrollten ein riesiges Plakat, darauf stand: „Canada and Bush: Climate Killers“. Der eine war Steven Guilbeault, der später unter Premier Justin Trudeau Umweltminister war und viele Klimarichtlinien auf den Weg brachte. Er engagierte sich für den Great-Bear-Regenwald in British Columbia und die Schaffung eines 100.000 Quadratkilometer großen Meeresschutzgebiets – beide Biotope wären von den Pipeline-Plänen betroffen. Guilbeault wurde nach dem Regierungswechsel im neuen Kabinett Minister für kulturelles Erbe. Einige Stunden nach Mark Carneys Absichtserklärung in Sachen Pipeline trat er zurück.